[Deprecatio Gelasii]

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[DEPRECATIO GELASII (ALLGEMEINES GEBET)]

GENESE

Das Allgemeine Gebet, das auf den Lesegottesdienst folgte, gehört zu den ältesten Teilen der Messe; es war das Gebet der Kirche schlechthin und das erste Gebet, an dem sich die Neugetauften beteiligten. Seit dem 3. und 4. Jh. fand es von Ägypten aus in die orientalischen Liturgien Eingang.

Es wurde von Zelebrant und Gemeinde gebetet, wobei man sich nach Osten wandte: Der Bischof betete vor, indem er zum Gebet aufforderte und dieses auch selber sprach. Darauf folgte das Responsum der Gemeinde. Während der Diakon zunächst nur technische Anweisungen gegeben hatte, wuchs ihm in der Folgezeit eine größere Rolle zu. Um die Wende zum 5. Jh. übernahm er die Aufforderung zum Gebet sowie die Angabe der besonderen Meinungen, die sich zur Litanei, Ektenie oder Synapte verbanden. Die Gemeinde antwortete mit dem Kyrie eleison u.ä. Erst danach ergriff auch der Zelebrant das Wort zur Oration.

In der römischen Liturgie hat sich diese Form des Allgemeinen Gebets in einer schlichteren Form durchgesezt. Das neungliedrige Gebet (wohl erhalten geblieben in der Sign Link Deprecatio Gelasii) galt der Kirche, dem Papst, dem Klerus, dem Herrscher, den Katechumenen, allen in Bedrängnis und Gefahr, Häretikern und Schismatikern, Juden und Heiden. Orientalische Liturgien kannten darüber hinaus vor allem in den Litaneien des Diakons weitere Anliegen wie den Frieden in der Welt, Gedeihen der Felder, Wohlfahrt des Heimatlandes, der Stadt oder des Klosters, die Fürsorge für Kranke, Arme etc., wogegen die Orationen des Zelebranten allgemeiner gehalten waren.

Verschwinden des Allgemeinen Gebets, Restbestände und neue Formen

Seit dem 6. Jh. verschwand das Allgemeine Gebet in der römische Messe weitgehend. Geblieben ist das Oremus des Priesters vor der Gemeinde, daran schloss sich jedoch sogleich die stille priesterliche Lesung des Offertoriumsgesanges an, der zeitgleich von der Schola angestimmt wurde. Was als Gebet folgte, war die zunächst noch mit lauter Stimme gebetete Oratio super oblata, die spätere Secreta.
Eine vom Diakon (oder Diakonen) gesprochene, als oratio plebis bezeichnete Litanei, die sich in der gallikanischen Messe herausgebildete hatte, verschwand bzw. veränderte sich stark beim Übergang zur römischen Liturgie. Reste dieser Sonderform des Allgemeinen Gebets erhielten sich in Kyrie-eleison-Rufen der Gemeinde nach Predigt und Lesung, aus dem sich im 12. Jh. ein "Leis", ein deutsches Kirchenlied als Antwort auf die Predigt entwickeln konnte. Regino von Prüm ( 915) fordert den Priester dazu auf, nach der Predigt die Gläubigen zu einem gemeinsamen Gebet für die verschiedenen Nöte anzuhalten: für die Herrscher und Kirchenlenker, für den Frieden, gegen die Pest, für die Kranken und Verstorbenen. Während der Priester die Oration spricht, soll das Volk leise das Vaterunser beten. In zahlreichen französischen Diözesen hat sich Reginos Modell in der einen oder anderen Weise für lange Zeit gehalten.
Anders im deutschsprachigen Raum: Hier etablierte sich kein derart geordnetes Gebet, der Priester trug lediglich eine Reihe von mehr oder weniger variablen Gebetsmeinungen vor, die Laien waren kaum oder gar nicht beteiligt (möglicherweise Kyrie-Rufe, empfohlen wurden auch Gebete wie das Ave Maria).


Literatur: Jungmann 1962 I, 433-436.


 
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