Manipel

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Manipel




Ausschnitt aus einer Miniatur des Gero-Evangeliars
10. Jh.
Darmstadt, Bibliothek


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Manipel mit Goldstickerei
Slawisch, 16./17. Jh. Aachen, Münster



Manipel des hl. Ulrich
Augsburg ?, 3. V. 10. Jh.?
Augsburg, Katholische Kirchenstiftung St. Ulrich u. Afra



Manipel
14. Jh.
Köln, Schnütgen Museum



Manipel
14. Jh.
Köln, Schnütgen Museum







Manipel

Das streifenförmige Ornatstück wird am linken Vorderarm getragen. Um ihn am Arm zu befestigen, wird er entweder an der Innenseite mit Bändern zum Anbinden versehen oder es werden seine beiden Hälften in einiger Entfernung von der Mitte so miteinander vernäht, dass ein Durchschlupf zum Durchstecken des Armes entsteht. Er hat sich in der Farbe nach dem Messgewand zu richten.
Der Manipel kommt allen höheren Ordines zu. Für den Subdiakon ist er liturgisches Amtsabzeichen (Insignie). Zunächst ein römisches Sondergewand, das von den Ortsgeistlichen als Vorrecht eifersüchtig behütet wurde, war er ab dem 9. Jh. im Westen allgemein heimisch.
Der Manipel ist römischer Herkunft. Er hat sich aus der antiken mappa entwickelt, einer Art Taschen- oder Schweißtuch, das aber nicht praktischen Zwecken diente, sondern von Leuten von Stand als Etikettetuch in der Hand getragen wurde. Als liturgisches Ornat unterlag in seiner Form diversen Wandlungen: Ursprünglich ein förmliches Tuch, das zu einem Streifen zusammengefaltet wurde, begann man in der Karolingerzeit, dasselbe durch ein bloßes Band zu ersetzen, das man entweder in der linken Hand oder auf dem linken Vorderarm trug. Zu Beginn des 11. Jh. war der Manipel allgemein zu einem einfachen Streifen geworden, der häufig mit Stickerreien und einem besonders schön geschmückten Abschlussstück versehen war. Im 12. und 13. Jh. war dieses Endstück oft trapezförmig, im 14. Jh. verlor sich diese Form, im 16. Jh. wurde es wieder verbreitert. Im 18. Jh. gab es Schaufel- oder Taschenmanipel mit großen schaufel- und taschenartigen Enden. Das Material war nach dem Papstbuch ursprünglich Halbleinen (palium linostimum), Amalar von Metz spricht im 9. Jh. von Leinwand, auch solche aus Seide gab es bereits. Dies wird dann ab 1000 die Regel.

Symbolik in liturgischen Traktaten

Nach Durandus wird der Manipel auch Schweißtuch genannt, da damit der Schweiß des bösen Gemüts und des trägen Herzens abgewicht werden solle. Er ist Sinnbild der guten Werke und der Wachsamkeit. Er wird an der linken Hand getragen, da der Mensch gebunden sein soll, irdische Dinge zu tun, aber frei sein für Himmlisches, für das die rechte, ungebundene Hand steht.
Die allegorische Ausdeutung des Manipels mit der Passion Jesu bezieht sich jeweils auf die gebunden Hände, der szenische Zusammenhang kann aber variieren. So verweist Durandus auf den Strick, mit dem Jesu gebunden wurde als man ihn nach der Gefangennahme abführte, während die Gesamtauslegung daran erinnert, dass Jesu Hände gebunden waren als man ihm bei der Verspottung ein Rohr in die Hände gab.

Symbolik in liturgischen Gebeten

Mit dem Ankleidegebet bezieht sich der Priester nicht dirket auf die Symbolik des Manipels, sondern bittet bei den gebunden Händen Jesu und dem Rohr, das er in Händen hielt, um Vergebung der Sünden.

Gebete zum Anlegen des Manipel



Literatur: Braun 1924a, 127-134.



 
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