Kasel

Forschungsgruppe Kulturgeschichte und Theologie des Bildes im Christentum

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Kasel




Papst Honorius I.
Mosaik
Rom,
Sant' Agnese




Schnitt der Glockenkasel









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Glockenkasel mit
breitem Besatz
und Kopfdurchlass
12. / 13. Jh.
Castel Sant' Elia bei Nepi


Kaseln
14.-15. Jh.
Castel Sant' Elia
bei Nepi


Kaseln
15.-17. Jh.
Castel Sant' Elia bei Nepi


Überblick über die Entwicklung der Kasel






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Glockenkasel
Augsburg, Dommuseum

Glockenkasel
Regensburg, St. Emmeram

Glockenkasel
Würzburg, Dom

Kasel
1031
gestiftet von König Stephan d. Hl. und seiner Frau Gisela, später ungarischer Krönungsmantel










Kasel des hl. Anno
Byzanz, um 1000
Köln, Schnütgen Museum


Kasel
Italien, 15. Jh.?
Kreuz u. Stab, Köln, um 1350
Köln, Schnütgen Museum




Kasel
Süddeutsch?, 2. H. 15. Jh.
Köln, Schnütgen Museum






Kasel des Ornats des Ordens vom Goldenen Vlies
Wien, ehem. Hofmuseum


Curiosa

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Lederkasel
Eichstädt, Bischöfliches Palais

Kasel aus Stroh
Prag, Domschatz





Kasel

Die Kasel entwickelte sich aus der "Pänula", einem Obergewand der Antike. Diese konnte vorne offen oder geschlossen sein, war z.T. mit einer Kapuze ausgestattet und bot Schutz gegen das Wetter. In Gallien und Afrika wurde dieser Wettermantel auch casula (Hüttchen) genannt, ab ca. dem 5. Jh. begegnet auch das Wort planeta, das im Mittelalter üblicherweise die Kasel bezeichnet.
Die Verwendung einer Kasel im Gottesdienst ist erstmals in den Akten der 4. Synode von Toledo (633) bezeugt. Sie wurde wohl meist vom Priester und den Bischöfen getragen, in Rom jedoch sind bis ins 9. Jh. alle Kleriker damit versehen. Erst dann tragen Subdiakone statt der Kasel die Dalmatik, für die Akolythen ist eine Nutzung der Kasel noch im 10. Jh. bezeugt.
Auch beschränkte sich der Anlass keineswegs auf die Messe; noch zur Karolingerzeit trug man sie auch bei anderen kirchlichen Verrichtungen, wie der Taufe oder bei Weihehandlungen (vgl. Drogosakramentar). Erst ab dem 12. Jh. ist die Kasel ausschließlich ein Messgewand.
Wohl von Beginn an erhielt der Priester die Kasel bei seiner Weihe und konnte sie bei einer eventuellen Restitution wieder entzogen bekommen. Das Pontifikale von Séez (1045) hält die Worte der Übergabe fest: "Nimm hin die Planeta, damit du ordnungsgemäß die Messe feiern kannst."

Form

Bis zum 13. Jh. war die Kasel ein glockenförmiger, ringsum geschlossener Mantel, der aus einem Halbkreis zusammengenäht wurde (vgl. Abb. oben). Vorne, hinten und seitlich war sie von gleicher Länge. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte verringerte sich die seitliche Länge bis sie im 16. Jh. nur noch die Schultern bedeckte und die Seiten offen blieben (Skapulierkasel). Ab dem 14. Jh. macht sich eine Verringerung der Gesamtlänge bemerkbar.

Material und Farbe

Die Kasel konnte aus jedem Material gearbeitet sein, von schlichten Stoffen, wie Baumwolle, Leinen oder Wollbe, bis hin zu kostbaren Zeugen, wie Seide, Brokat, Damast, Samt o.ä. Bis zum 12. Jh. war die Kasel einfarbig, dann sind auch mehrfarbige anzutreffen. Sie sind oftmals mit einer Borde verziert und tragen mehr und mehr auch bildliche Darstellungen.

Kaselkreuz

Bereits hochmittelalterliche Kaseln tragen auf dem Rücken ein Kreuz, das offenbar aber nicht als solches angesehen wurde, sondern als reine Zierform. Zumindest erwähnt kein Liturgiker des 11./12. Jh. das Kaselkreuz. Im 13./14. Jh. findet sich das Gabelkreuz, ein Kreuz mit schräg angesetzten Armen, an dem oftmals Christus abgebildet ist. Ab Ende des 14. Jh. hat das Kaselkreuz häufiger horizontale Arme.

Symbolik

Die Kasel wurde erstmals bei Hrabanus Maurus mit der Liebe, die die höchste aller Tugenden ist, verglichen. Eine Deutung, die in den folgenden Jahrhunderten immer wieder begegnet. Auch das Ankleidegebet spielt auf die überirdische Liebe an. Dem Priester sei sie wie ein Schild, das ihn gegen Streit und die Mächte der Finsternis schütze. Im ekklesiologischen Sinn galt die Kasel als Bild der Kirche: die vordere Hälfte stelle den alten, die hinter den neuen Bund dar. Sie sei ringsum geschlossen, so wie auch die Kirche eine Einheit bilde. Christologisch verglich man sie mit dem Purpurmantel Christi oder gar mit den Strömen seines Blutes, die an seinem ganzen Leib herab geronnen waren.


Gebete zum Anlegen der Kasel




Literatur: Braun 1924a, 100-119.




 
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