Dalmatik

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PARAMENTE: LITURGISCHE BEKLEIDUNG


Dalmatik



Sigbert von Minden mit seinen Klerikern
Mindener Codex (um 1030), Berlin, Staatsbibliothek



Dalmatik (spätestens 8.-9. Jh.)
Moyen-Moutier, Lothringen






Deutsche
Dalmatikform

Dalmatikflügel
Danzig, Marienkirche








Dalmatik
eines blauen Samtornats
Italien, Mitte 15. Jh., Besätze: Köln, um 1450
Köln, Schnütgen Musem



Dalmatik eines rotbraunen Samtornats
Italien, Anf. 15. Jh., Besätze: Köln, um 1450



Dalmatik
Xanten, Dom

Dalmatik
(spanisch)
Berlin, Kunstge-
werbem

Dalmatik
(italienisch)
Rom, Santa Maria
Maggiore



Dalmatik

Die Dalmatik ist das Obergewand der Diakone. Sie wurde von der profanen Dalmatik abgeleitet, die im 2. Jh. üblicherweise von höher stehenden Personen in Rom getragen wurde. Bereits in der 2. Hälfte des 4. Jh. ist sie in Rom auch für den kirchlichen Dienst in Gebrauch. Außerhalb Roms wurde sie spätestens im 5./6. Jh. üblich. Zunächst war sie den Päpsten und römischen Diakonen vorbehalten – in Rom bliebt dies bis ins 11. Jh. der Brauch, außerhalb der Ewigen Stadt wurde sie bereits im 9. Jh. auch von Priestern getragen.

Form

In der vorkarolingischen Zeit reichte die Dalmatik bis zum Boden. Sie war stets weiß und wie die Tunika mit weiten Ärmeln ausgestattet. Entsprechend der profanen, römischen Dalmatik, hatte auch das liturgische Gewand dunkle (violette) und später rote Zierstreifen (clavi), die vorne und hinten senkrecht nach unten liefen und an den Ärmeln angebracht waren. Als Stoff diente Leinen (Dalmatic linea), später auch Seide oder feiner weißer Wollstoff. Erst ab der Jahrtausendwende wurden auch andersfarbige Stoffe verwandt.
In Italien behielt die Dalmatik ihre Länge bis ins 13. Jh., in anderen Ländern aber wurde sie bereits ab dem 9./11. Jh. kürzer. Aber auch dort erfolgte erst ab dem 13. Jh. eine stärkere Verkürzung.
Seit der vorkarolingischen Zeit ist die Dalmatik seitlich mit Schlitzen versehen. Diese begegnen seit dem 13. Jh. regelmäßig und werden immer größer. Im 15. Jh. reichen sie bis zu den Ärmeln. Schließlich werden selbst die Ärmel an der Unterseite aufgeschlitzt.
An den Ärmeln und Schlitzen, in der Karolingerzeit an den Clavi und Zierstreifen, wurden gerne Fransen oder Quasten angebracht. Seit dem 13. Jh., in dem die Clavi außer Mode kamen, sind sehr variantenreiche Verzierungen zu finden. Seit dem 15. Jh. sind auf den Schlutern angebrachte Quasten zu finden. (Flügel – Bild)

Gebrauch

In Rom wurde bereits in der Karolingerzeit an Bußtagen statt der weißen Dalmatik eine dunkle Kasel (Planeta) getragen, da vestes albae als Festkleider und vestes pullae als Trauerkleider galten. Doch erst seit dem 11. Jh. setzt sich dieser Brauch langsam auch in anderen Ländern durch.
Seit spätestens dem 8. Jh. wird die Kasel durch den Bischof von Rom überreicht. Als nach und nach auch außerhalb Roms die Verleihung des Gewandes üblich wurde, setzten sich verschiedene Sprüche zur Überreichung durch:
"Es ziehe dir an der Herr den neuen Menschen, der nach Gott geschaffen ist in Gerechtigkeit und wahrer Heiligkeit."
"Es bekleide dich der Herr mit dem Gewand des Heiles und dem Kleide der Freude."

Symbolik in liturgischen Traktaten

Nach Hrabanus Maurus erinnere die Dalmatik aufgrund der Kreuzform, die sie ausgebreitet zeigt, und wegen der roten Clavi an das Leiden Christi. Sie erinnere den Träger an die Würde des Amtes und dass er bei der Opferung selbst ein wohlgefälliges Opfer sein solle.
Amalar von Metz deutet die weiße Farbe auf die Reinheit, die Clavi auf die Nächstenliebe. Sie seine links und rechts angebracht, da sich die Nächstenliebe in Glück (rechts) und in Unglück (links) bewähre; vorne und hinten seien sie zu sehen, da die Nächstenliebe für den alten und neuen Bund gelte. Die Zierstreifen an den Ärmeln dagegen ermahnten zur Freigebigkeit beim Spenden.

Gebete zum Anlegen der Dalmatik in liturgischen Gebeten

In den liturgischen Büchern des Mittelalters begegnen Ankleidegebete seltener. Am häufigsten findet man:
"Mit diesem nach dem Vorbild der früheren Väter in Kreuzesform gemachten, mit Purpurstreifen besetzten Gewand bekleidet, bitte ich dich demütig, o Herr, dass ich dir durch die Begehung deines Leidens immerdar wohlgefällig sein möge."


Literatur: Braun 1924, 89-100.




 
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