„Leute, warum üben wir eigentlich?“


Die Big Band der Universität Münster im Portrait


Es ist Montagabend, kurz vor 20 Uhr. Auch der letzte Studierende verlässt sein Institut, zahlreiche Fahrräder rollen Richtung Heimat. Wenn für viele Studierende der Uni-Alltag vorbei ist, fängt für andere der Abend erst an. Aus dem obersten Stockwerk des Instituts für Musikpädagogik in der Philippistraße schallt Jazzmusik auf die Straße hinunter.

Denn hier finden sich rund 20 Studierende ein, die eines gemeinsam haben: Ihre Leidenschaft für Jazzmusik. Ihnen allen voran steht Richard Bracht, Dozent am Institut für Musikpädagogik, begeisterter Jazzmusiker und Leiter der Big Band der Universität.

Schon wenige Minuten nach 20 Uhr blitzen die ersten Instrumente im Raum: Goldene und silberne, große und kleine. Vom Saxophon über Trompeten bis hin zu Hörnern ist alles vertreten. Den Männern am Schlagzeug und an den Bongos kribbelt es schon in den Fingern. Es scheint, als warteten alle nur auf ein Signal ihres Dirigenten Richard Bracht. Und das lässt nicht lange auf sich warten: „Leute, es geht los, wir fangen an!“

Big Band 2Richard Bracht sitzt vorne auf dem Tisch, die Augen der Jazzmusiker sind auf ihn gerichtet. Und dann wird es laut. Satin Doll erfüllt den Raum. Bei nahezu jedem Spieler bewegt sich ein Fuß im Rhythmus zur Musik. Nach einigen Minuten ist das Stück vorbei. Das Applaudieren kann sich Bracht fast nicht verkneifen: „Leute, das ist unser Style!“


JAZZMUSIK ALS GUTE-LAUNE-REZEPT


Ein Song jagt den nächsten. Und obwohl Bracht als Dirigent gern einmal – wie er selbst sagt – „auf  hohem Niveau meckert“ und so an wenigen Stellen Verbesserungen vorschlägt, ist er im Ganzen zufrieden mit der Leistung seiner Musiker. Nach The Pink Panther ist er so glücklich, dass ihm das gemeinsame Üben überflüssig erscheint: „Leute, warum üben wir eigentlich? Wir könnten jetzt alle in einer Kneipe sitzen!“ Die Atmosphäre während der Proben ist locker. Wenn mal ein Instrument fehlt oder die Pause im Stück zu lang ist, dann singt Bracht den fehlenden Teil einfach.

Big Band
Spielt in der Band auch gerne selbst mit: Dirigent Richard Bracht (rechts). | Foto: FH

Als nächstes Stück schlägt Bracht Spain vor. Obwohl die Band diesen Titel seit Längerem nicht gespielt hat, hat ihr Dirigent wieder Grund zur Freude: „Ich war überrascht, wie gut das klang. Ich war auf eine mittlere Katastrophe eingestellt.“ Und als es schließlich an das letzte Stück für diesen Probenabend geht, hält auch Bracht nichts mehr: Schon hat er sich mit seinem Saxophon in der Hand unter die Band gemischt und spielt kräftig mit. Schließlich freut sich die Band über sein Resümee des Abends: „Ich kam deprimiert und gehe gut gelaunt.“


VERSTÄRKUNG IST WILLKOMMEN


Nach Ansicht der jungen Musiker ist die Big Band perfekt. Nur in den Augen ihres Dirigenten  fehlt noch eines, das der Big Band ein Sahnehäubchen aufsetzen würde: „Karierte Hemden, Leute, das ist Richy-Style!“ Sein Vorhaben, das ganze Ensemble in karierten Hemden zu sehen, scheint jedoch zum Scheitern verurteilt. So ziemlich jeder Spieler scheint sich bislang zu weigern…

Übrigens: Die Big Band ist auf der Suche nach Verstärkung, neue Mitglieder sind herzlich willkommen. Wer Interesse hat, meldet sich einfach bei Richard Bracht. Nähere Informationen dazu hier im Kulturatlas.

| FH 

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