ASUEL – ein Offspace in Münster
„Statische Systeme dynamisch umgehen...“
Zur
Lebendigkeit der Kunstszene Münsters tragen zahlreiche junge
Kunstinitiativen in sogenannten Offspaces, wie z. B. der ehemalige Club
69, der Förderverein Aktuelle Kunst in der Fresnostraße und die
Ateliergemeinschaft Schulstraße, bei.
ASUEL stellt ebenfalls freie
Projekträume zur Verfügung, die einen offenen Kunstdiskurs anregen. Bei
den bisherigen Ausstellungen in der Kettelerstraße 42 wurde das ganze
Haus bespielt. Vom Keller übers Treppenhaus bis hin zu Wohnung und
Garten wurden künstlerische und musikalische Beiträge inszeniert.
Zentraler Baustein sind hierbei die Entdeckung und Entwicklung
experimenteller Tendenzen bildender Kunst.
Im Interview
erläutert René Haustein, Student der Kunstakademie Münster und einer
der Mitorganisatoren des Offspaces ASUEL, das Konzept dieser
Kunstinitiative.
Welche Idee steckt hinter dem Ausstellungsprojekt ASUEL? Was bedeutet der Name “ASUEL”?
René
Haustein: ASUEL ist die Idee eines Ortes, an dem ein Kollektiv von
Menschen zusammen an einer Sache arbeitet. Das Kollektiv ist variabel,
es gibt keine Mitgliedschaft oder ein festes Team. Die Sache steht im
Vordergrund. Wer bei ASUEL mitmacht, gibt seine Autorenschaft,
Mitarbeit, Ideen und Werke an das Projekt ab, um diese zu potenzieren
und optimieren, aber an erster Stelle natürlich zum freien
Experimentieren. Der Name ASUEL erinnert natürlich zuerst an das
„Asyl“. Man kann Parallelen abstrakt übertragen. Jemand, der genug hat
von alten Ausstellungs- oder Marktsystemen ist willkommen, an diesem
“politisch” neutralen Ort mit seiner Arbeit, seinen Ideen und seiner
Kreativität eine Art Obdach zu erhalten.Allerdings existierte der Name
vor unserer freien Definition und wird daher von allen Teilnehmenden
anders gedeutet, letztendlich ist es nur ein Name, um mit einem Begriff
für dieses Projekt operieren zu können. Die Definition bleibt frei.

Ausstellungsansicht Treppenhaus (2009) | Foto: René Haustein
Von wem wird das Projekt organisiert? Wer kann mitmachen?
René Haustein: Als Gründer kann man zunächst Robert Baron und Anna Medvedenko nennen. Robert, der AStA-Vorsitzender an der Kunstakademie ist, wollte einen Offspace kreieren, in dem in einem ständig wechselnden Zeitraum Leute ausstellen. Er und Anna wählten dafür das Treppenhaus, den Garten und Teile der eigenen Wohnung in der Kettelerstraße 42. Doch anstatt jetzt allein zu kuratieren, luden die beiden zum offenen Gespräch ein, bei dem die eigentliche Gründung der Idee dieses Ortes – die freie Arbeit ohne Autorenschaft – stattgefunden hat.
Organisatoren sind nun alle, die sich verantwortlich und fähig fühlen, zu organisieren – denn das Organisieren ist ein immens großer Teil des Ganzen. Auf der anderen Seite gibt es die, die sich mehr im ausführenden, handelnden, machenden Bereich sehen und darin voll aufgehen. Jeder und jede, der oder die die Idee ASUEL respektiert oder weitertreiben möchte oder an neuen (Ausstellungs-)Systemen interessiert ist, ist willkommen zu partizipieren.
In welchem zeitlichen Rahmen finden die Ausstellungen statt? Wie viele Besucherinnen und Besucher waren bei den bisherigen Projekten anwesend? Welche Reaktionen gab es?
René Haustein: Bisher gab es zwei Ausstellungen im Abstand von zwei Monaten, die jeweils an einem Wochenende geöffnet waren. Bei der Premiere der ersten Eröffnung, bei der es auch Bands und DJs gab, war es ziemlich voll, die Stimmung war ausgelassen, auch im Gästebuch findet man durchweg positive Äußerungen. Bei unserer zweiten, meiner Ansicht nach präziseren und besseren Ausstellung im Januar waren eindeutig weniger Besucher da, aber nicht so wenig, dass es beschwerenswert wäre. An diesem Wochenende lag auch der Schnee hoch und es war äußerst kalt und die Münsteraner sind wahrscheinlich lieber im gemütlichen Kokon der eigenen Wohnung geblieben.
Es gab allerdings auch eine gewalttätige Reaktion auf die zweite Ausstellung und zwar durch das Ordnungsamt der Stadt Münster. Es hat eine temporäre Holzkonstruktion vor dem Eingang kompromisslos abreißen lassen. Die Überreste – Material im Wert einer dreistelligen Euro-Summe – wurde mitgenommen und entsorgt. Die Konstruktion war fest installiert und ungefährlich, doch sie stand nicht einmal 12 Stunden.
Was ist bei ASUEL anders als bei anderen Ausstellungsformaten, z. B. in Galerien oder Museen?René Haustein: In Galerien und Museen gibt es “die Werke”, “den Autor”, “den Kurator”, “das feste Ausstellungsprinzip” – all das gibt es bei uns nicht. In unserem Konzept werden die Idee, die Zeit, der Ort und das freie kollektive Arbeiten fokussiert. Das steht bei ASUEL im Vordergrund, das grenzt uns von anderen kulturellen Ausstellungsorten ab. Der Unterschied zu anderen Offspaces besteht, soweit ich informiert bin, darin, dass es bei uns keine Autorenschaft gibt, was uns somit einzigartig macht.
In den bisherigen Ausstellungen wurde viel Wert auf die Zusammenarbeit verschiedener Personen gelegt, so dass nicht unbedingt das Einzelwerk im Vordergrund steht sondern der Prozesscharakter einer Gemeinschaftsarbeit. Was ist an dieser Haltung wichtig für Sie?
René Haustein: Eine Kollaboration in einer Gemeinschaft bringt vieles mit sich: Das Zusammenarbeiten vieler Gleichgesinnter mit trotzdem unterschiedlichen Auffassungen, dann Diskussionen, Energie, Antrieb, Widerstand und Konfrontation; Sachen, die fordern und somit potenziell viel hervorbringen.
Alles, was im ASUEL entsteht, entsteht in erster Line genau dafür, oder bereits Gemachtes wird mit eingebracht, um weiterentwickelt zu werden. Es geht nicht um den Konsens, sondern um die Optimierung der Sache, um eine Neuerfindung der kreativen Arbeit.
Was ist für Sie in Ihrer persönlichen künstlerischen Arbeit von Bedeutung? Wie spiegelt sich das in dem Offspace-Projekt wider?René Haustein: In meiner persönlichen Arbeit geht es darum, statische Systeme dynamisch zu umgehen, an neuen Systemen und Ideen zu experimentieren, die Rolle des Menschen und die Vordergründigkeit der Sache zu hinterfragen. Diese Systemumgehung spiegelt sich für mich bei ASUEL wider. Auch ist es für die Einzelperson – wieder außerhalb von ASUEL – förderlich: Beim Herangehen an Ideen, in der Zusammenarbeit mit anderen Menschen in jedem Bereich.
Wie sieht die Zukunft von ASUEL aus? Wann findet das nächste Ausstellungsprojekt statt?
René Haustein: Momentan ruht ASUEL sozusagen obdachlos, da das Haus mit der Nummer 42 in der Kettelerstraße renoviert wird. Wir klammern uns allerdings nicht zu sehr an diesen Ort und sind gerade auf der Suche nach neuen (vielleicht) unkonventionellen Ausstellungs- und Arbeitsmöglichkeiten. Vorschläge oder Einladungen nehmen wir gerne an.
Herzlichen Dank für das Interview! | DN
Kontakt
ASUEL Offspace
Anna Medvedenko | Robert Baron | u. a.
Kettelerstraße 42
48147 Münster (Kreuzviertel)
E-Mail: kontakt@asuel.de
Auf der Internetseite http://www.asuel.de gibt es Informationen zu den bisherigen Ausstellungen, zu den mitwirkenden Künstlerinnen und Künstlern, zum Gebäude und Informationen für diejenigen, die bei weiteren Ausstellungen mitmachen möchten. ASUEL wird unterstützt vom AStA der Kunstakademie Münster.

