Am Mittwoch, dem 7. Juli 2010 fand im ITM die Eröffnung der „Forschungsstelle für Mobile Breitband-Telekommunikation“ mit einem Workshop zum Thema „Perspektiven des mobilen Breitbands” statt.
Nach einer kurzen Einleitung durch Prof. Dr. Bernd Holznagel, LL.M. hielt die Rektorin der WWU Prof. Dr. Ursula Nelles ein Grußwort. Sie lobte die fachübergreifende und praxisnahe Forschungsstelle als gutes Beispiel für die interdisziplinäre Ausrichtung der WWU Münster.
Hieran anschließend stellte Dr. Bernd Sörries, der Geschäftsführer der Forschungsstelle, die inhaltlichen Forschungsschwerpunkte vor:
- Wissenschaftliche Begleitung des Aufbaus der LTE-Netze
- Untersuchung der Auswirkungen der Frequenzregulierung auf den Wettbewerb
- Konvergenz von mobilem und Festnetzbreitband
Sodann übergab Dr. Sörries das Wort an Matthias Kurth, den Präsidenten der Bundesnetzagentur.
Dieser stellte in seinem Vortrag zunächst heraus, dass Informations- und Telekommunikationstechnologien ein treibender Faktor für die gesamte wirtschaftliche Entwicklung seien. In diesem Feld habe die BNetzA mit ihrer letzten Frequenzauktion einen bedeutenden Innovationsschub initiiert. Insgesamt habe die Behörde das Auktionsdesign nicht nach dem maximal erzielbaren Profit ausgerichtet, sondern nach den Anstößen auf die technische und marktliche Entwicklung. „Wir haben mit der Auktion Treibstoff für den mobilen Breitbandausbau geschaffen“, so Kurth. Mit Blick auf die LTE-Technologie warnte Kurth vor übertriebener Euphorie. Die Technik böte zwar einige Chancen, allerdings sei es unrealistisch davon auszugehen, dass mit dem Festnetz vergleichbare Bandbreiten erzielbar seien. Wichtig sei es, eine technische Vielfalt bei der mobilen Breitbandversorgung des ländlichen Raums anzustreben, die eine effiziente Abdeckung der „weißen Flecken“ auch durch technische Kooperationen der Netzbetreiber ermögliche.

Matthias Kurth (Präs. BNetzA) bewertet den Ausgang der Frequenzauktion
An den Vortrag des Präsidenten der BNetzA schloss sich eine Podiumsdiskussion an. Unter der Moderation von Dr. Klaus Holthoff-Frank (Monopolkommission) nahmen daran teil: Bärbel Vogel-Middeldorf (BMWi), Dr. Gunnar Bender (E-Plus Gruppe), Matthias Kurth (Präs. BNetzA) sowie Harald Stöber (VATM). Zunächst erklärte Stöber, dass er zufrieden mit dem Ergebnis der Auktion sei. Es seien von ihr die richtigen Signale in den Markt ausgegangen. Auch Dr. Bender zeigte sich aus Sicht von E-Plus grundsätzlich zufrieden mit deren Ausgang. Sein Unternehmen sei zumindest kurz- und mittelfristig der heimliche Gewinner der Auktion. Indem man auf die Frequenzen aus der digitalen Dividende verzichtet habe, sei man den rigiden Ausbauverpflichtungen im ländlichen Raum entgangen und habe dennoch genügend Spektrum für eine zügige Verstärkung des schnellen mobilen Internets ersteigert. Auf Nachfrage erläuterte Kurth, dass die Auktion keine Anzeichen für wettbewerbliche Defizite im Mobilfunkmarkt gezeigt habe. Es habe nur deswegen kein neuer Marktteilnehmer an der Auktion teilgenommen, weil die Markteintrittshürden zu hoch seien. Dies stelle aber ein Zeichen für lebendigen Wettbewerb dar. Insgesamt erfordere ein so investitionsintensiver Markt wie der Mobilfunksektor ohnehin eher eine kleinere Anzahl an stabilen Wettbewerben. Allerdings wolle seine Behörde auch in Zukunft darauf achten, dass eine weitere Marktkonsolidierung nicht stattfinde. Aus Sicht des BMWi erläuterte schließlich Frau Vogel-Middeldorf, dass die Politik primär auf eine Schließung der „weißen Flecken“ durch den Wettbewerb setze. Auch die geplante Novelle des TKG werde hier keine grundsätzlichen Neuerungen bringen. Allerdings werde ein Fokus auf die Setzung von Anreizen u.a. für eine effiziente Frequenznutzung sowie weiterhin auf die Beseitigung struktureller Marktasymmetrien gesetzt.

Prof. Dr. Bernd Holznagel, LL.M., Rektorin Prof. Dr. Ursula Nelles, Matthias Kurth, Dr. Bernd Sörries, Bärbel Vogel-Middeldorf (BMWi) und Dr. Gunnar Bender von E-Plus
Den Abschluss des lebhaften Workshops setzte Frank Schomburg, Mitbegründer und Gesellschafter der nextpractice GmbH mit einem interessanten Vortrag zum Thema Netzwerke. Er stellte anschaulich und anhand vieler Beispiele dar, wie soziale Netzwerke überkommene gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen verändern. Beispielsweise bewirkten diese einen sich immer stärker abzeichnenden Machtwechsel vom Anbieter zum Nachfrager. Er warnte zudem Unternehmen und Politik davor, die rasant anschwellenden Resonanzen in sozialen Netzwerken zu unterschätzen. Diese können sich auch zu machtvollen Bewegungen in der realen Welt ausbreiten.
