• Projekt


    Innere Dimension der Gouvernementalität: Ontogenese des politischen Denkens des Individuums
    Forschungsprojekt von Jozef Zelinka

    Das folgende Projekt setzt sich mit der Auswirkung- und Aussagekraft der Gouvernementalität über immanente Machtverhältnisse auseinander und untersucht die Beziehung zwischen den freien Machtspielen, die laut Foucault unter dem Regierenden und dem Regierten stattfinden, und dem daraus resultierenden festen Herrschaftszustand, den man als legitimierte Machtausübung verstehen darf. Anders ausgedrückt wird hier der Wandel des freien Individuums in das passive Subjekt des Regierens in den Blick genommen. Dieser Wandel erfolgt in dreier Weise: durch spezifische Rationalisierungs- und Subjektivierungspraktiken; durch legitimierende Wahrheits- und Wissensformation sowie durch konstituierende Machtlogik. Das letztere bildet den Ausgangspunkt und Kern des geplanten Vorhabens.
       
    Forschungsfragen: Während der Forschung sollten Antworten auf drei grundlegenden Fragen geleistet werden:
    Warum entscheiden sich die Individuen in einen festen Herrschaftszustand hineinzutreten?
    Welche konstitutive Logik ist diesem Prozess innewohnend?
    Wie widerspiegelt sich diese Mikrodynamik des Regierens auf der Makroebene?

    Beispiel: Die konkreten Mikropraktiken des Regierens sollen anhand der gesellschaftlich problematisierten psychischen Störung - dem Burnout Syndrom - untersucht werden.
    „Psychische Erkrankungen gewinnen national wie international an Beachtung. Nicht nur die Gesundheit und Lebensqualität des Einzelnen werden durch sie nachhaltig beeinträchtigt. Auch aus unternehmerischer sowie volkswirtschaftlicher Sicht sind die Konsequenzen erheblich: Psychische Erkrankungen mindern das Leistungsvermögen der betroffenen Beschäftigten, verursachen inzwischen etwa 13 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage und stellen mittlerweile die häufigste Frühverrentungsursache dar. Auch der volkswirtschaftliche Schaden ist immens: Auf knapp 29 Milliarden Euro schätzt das Statistische Bundesamt nach letzten Zahlen die Krankheitskosten von psychischen Erkrankungen.“ (Gemeinsame Erklärung Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt. Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Bonn. 2013. S. 3-4)
    Die Achse Regierende-Regierte sollte demnächst auf dem Beispiel der Betroffenen (Selbsthilfegruppen) und der Führenden (Aufsichtspersonal der GDA - Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie) erforscht werden.

    Methodologische Vorgehensweise: Konzeptualisierung des Gouvernementalitätsansatzes und Unterscheidung zwischen machtbezogener, wissensbezogener uns subjektbezogener Anwendung; Ausrichtung des Erkenntnisinteresses auf die Machtebene des Regierens; Problematisierung des Burnout Syndroms und Abgrenzung von medizinischen, psychologischen und soziologischen Diskursen; Operationalisierung und Durchführung von Interviews (Selbsthilfegruppen); Kritische Auseinandersetzung mit den Leitlinien der GDA (Aufsichtspersonal); Theoretische Bearbeitung des gewonnenen und analysierten Materials in Anlehnung an Foucault, bzw. Rancière, Kraus u.a.; Auswertung und Darstellung der inneren Dimension des Gouvernementalitätskonzepts.


    Literaturauswahl:
    Angermüller, J./ van Dyk, S. (Hg.): Diskursanalyse meets Gouvernementalitätsforschung : Perspektiven auf das Verhältnis von Subjekt, Sprache, Macht und Wissen. Frankfurt am Main. Campus Verlag.
    Burisch, M. (2014): Das Burnout-Syndrom. Theorie der inneren Erschöpfung - Zahlreiche Fallbeispiele - Hilfen zur Selbsthilfe. Berlin. Springer-Verlag.
    Carod-Artal, F. J./ Vázquez-Cabrera, C. (2013): Burnout Syndrome in an International Setting. In: Bährer-Kohler, S. (ed.) (2013): Burnout for Experts: Prevention in the Context of Living and Working. New York. Springer Science+Business Media.
    Han, B.Ch. (2005): Was ist Macht? Stuttgart. Reclam.
    Hörning, K.H., Reuter, J. (Hg.) (2004): Doing Culture. Neue Positionen zum Verhältnis von Kultur und sozialer Praxis. Bielefeld. transcript Verlag.
    Kraus, B./ Krieger, W. (Hg.) (2011): Macht in der Sozialen Arbeit. Interaktionsverhältnisse zwischen Kontrolle, Partizipation und Freisetzung. Lage. Jacobs-Verlag.
    Lemke, T. (2002): Die politische Theorie der Gouvernementalität: Michel Foucault. In: Brodocz, A./ Schaal, G. S. (Hg.): Politische Theorien des 20. Jahrhunderts. Opladen. Leske + Budrich.
    Neckel, S./ Wagner, G. (Hrsg.) (2013): Leistung und Erschöpfung. Burnout in der Wettbewerbsgesellschaft. Berlin. Suhrkamp Verlag.
    Rabinow, P. /Faubion, J.D. (Ed.) (2001): Michel Foucault - Power. The Essential Works of Foucault, 1954-1984. New Press.
    Wilmar B. Schaufeli, B. W./ Leiter, M.P./ Maslach, Ch. (2009): Burnout 35 years of research and practice. In: Career Development International. Vol. 14. No. 3. 2009. pp. 204-220

  • Project - english

    Governmentality's Inner Dimension: Ontogenesis of Political Thinking of an Individual
    Research Project by Jozef Zelinka

    After my bachelor studies in International Relations and master studies in World Politics I continue my research focusing on power relations as “technologies of governing yourself and others” coined by Michel Foucault as Governmentality. My research project disputes the significance of Foucault´s concept of governmentality and outlines a new, inner dimension.
    Diversifying between power-oriented, knowledge-oriented and subject-oriented governmentality, I stress the importance of power-based environment of micro and macro practices of governing, thereby re-orienting the level of analysis from subjectivity and knowledge discourse to power logics that operates within governmentality.

    Power technologies, as distinguished by Foucault, lay in-between strategic power games played by the governor and the governed-one and a state of domination, which is a result of these games. Throughout this process a free individual is transformed into a passive subject. Therefore, the crucial question of my project is: “Why do individuals decide to be governed?”
    In order to investigate and illustrate this specific process I decided in favour of an alarming medical disease commonly known as Burnout Syndrome. This mental illness has an enormous impact on healthcare policy, as well as on personal capability of each individual. Since it connects both individual (micro) and general (macro) level of analysis, it gives an exemplarily precious insight into power logics that leads toward self-government, and vice-versa.

    Literature survey:
    Angermüller, J./ van Dyk, S. (Hg.): Diskursanalyse meets Gouvernementalitätsforschung : Perspektiven auf das Verhältnis von Subjekt, Sprache, Macht und Wissen. Frankfurt am Main. Campus Verlag. 
    Burisch, M. (2014): Das Burnout-Syndrom. Theorie der inneren Erschöpfung - Zahlreiche Fallbeispiele - Hilfen zur Selbsthilfe. Berlin. Springer-Verlag.
    Carod-Artal, F. J./ Vázquez-Cabrera, C. (2013): Burnout Syndrome in an International Setting. In: Bährer-Kohler, S. (ed.) (2013): Burnout for Experts: Prevention in the Context of Living and Working. New York. Springer Science+Business Media.
    Han, B.Ch. (2005): Was ist Macht? Stuttgart. Reclam.
    Hörning, K.H., Reuter, J. (Hg.) (2004): Doing Culture. Neue Positionen zum Verhältnis von Kultur und sozialer Praxis. Bielefeld. transcript Verlag.
    Kraus, B./ Krieger, W. (Hg.) (2011): Macht in der Sozialen Arbeit. Interaktionsverhältnisse zwischen Kontrolle, Partizipation und Freisetzung. Lage. Jacobs-Verlag.
    Lemke, T. (2002): Die politische Theorie der Gouvernementalität: Michel Foucault. In: Brodocz, A./ Schaal, G. S. (Hg.): Politische Theorien des 20. Jahrhunderts. Opladen. Leske + Budrich.
    Neckel, S./ Wagner, G. (Hrsg.) (2013): Leistung und Erschöpfung. Burnout in der Wettbewerbsgesellschaft. Berlin. Suhrkamp Verlag.
    Rabinow, P. /Faubion, J.D. (Ed.) (2001): Michel Foucault - Power. The Essential Works of Foucault, 1954-1984. New Press.
    Wilmar B. Schaufeli, B. W./ Leiter, M.P./ Maslach, Ch. (2009): Burnout 35 years of research and practice. In: Career Development International. Vol. 14. No. 3. 2009. pp. 204-220

  • Forschungsgruppe

    Das Dissertationsprojekt wird von Frau Prof´in Dr. Gabriele Wilde (Institut für Politikwissenschaft, Universität Münster) als Erstgutachterin und Prof. Dr. Matthias Bohlender (Zentrum für Demokratie- und Friedensforschung, Universität Osnabrück) als Zweitgutachter betreut.

    Jozef Zelinka ist ein Mitglied der Forschungsgruppe „Gouvernementalität“. 

  • Werdegang

    2013 Aufnahme in die Graduate School of Politics des Instituts für Politikwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Forschungsgruppe: Gouvernementalität
    2010 - 2012 Master-Studium an der Fakultät für Internationale Beziehungen der Sankt-Petersburger Staatlichen Universität.
    Hauptfach: Weltpolitik
    2007 - 2010 Bachelor-Studium an der Fakultät für Internationale Beziehungen der Wirtschaftsuniversität in Bratislava.
    Hauptfach: Internationale Ökonomische Beziehungen
    2007 Abitur am Gymnasium in Giraltovce

  • Publikationen

    Zelinka, J. (2016): Gouvernementalität der Diktatur. Beitrag zu dem Workshop Heil der Diktatur. Über die Attraktivität illiberaler, antidemokratischer Herrschaftsvorstellungen des Graduiertenkollegs „Diktaturen als alternative Ordnungen“. Humboldt Graduate School. Humboldt-Universität zu Berlin. 10/11 November 2016. Berlin.

  • Weiteres

    Forschungsinteresse:

    • Postmoderne politische Denkansätze
    • Politische und philosophische Theorien der Macht
    • Michel Foucault´s Konzept der Gouvernementalität


    Lehrtätigkeit:

     
    Devise:

    “Ardua sunt tentanda”  - I must assay the heights.