Erhart Graefe,
Über die Determinanten des Pyramidenbaus bzw.: Wie haben die Alten Ägypter die Pyramiden erbaut ?
Manuskript aus dem Jahre 1998, das in der Festschrift für Burkart Kienast. Versammelt von G.J. Selz (in: Alter Orient und Altes Testament 274, Münster 2003, ISBN 3-927120-91-X) publiziert wurde.
(Inzwischen erschien das Buch von
Frank Müller-Römer,
Die Technik des Pyramidenbaus im Alten Ägypten
Münchner Studien zur Alten Welt, Hannover 2008,
mit dem Vorschlag, Spills zum Aufwärtstransport vorzusehen).
Wie die Ägypter das Problem des Pyramidenbaus rein technisch gelöst
haben, ist in der Hauptsache eine Frage nach dem Antransport bzw. dem
Aufwärtstransport der Steine von 1‑3to und mehr an Gewicht. Allseits
überzeugend ist keiner der bisher vorgeschlagenen Lösungsvorschläge[i]
und so wage ich jetzt einen neuen Versuch. Mit dem Problem habe ich mich seit
meiner Zeit als Assistent von Burkhart Kienast in Freiburg beschäftigt und dort
zum ersten Mal meine Lösung im Unterricht vorgestellt und ich hoffe, daß der
Jubilar sie bedenkenswert wird finden können.
Niemand wird je seine jeweils neue „Auflösung“ dieses „Jahrtausendrätsels“
des Pyramidenbaus beweisen können, aber ich hoffe, daß man wenigstens glaubhaft
finden wird, wenn ich behaupte, daß diejenigen Pyramiden des Alten Reiches, die
später als die Pyramide von Meidum erbaut wurden[ii],
eine gleichartige interne Stufenstruktur aufweisen werden, wodurch sich eine
ganz Reihe von früheren Lösungsvorschlägen erledigt.
Auf die Serie der älteren Vorschläge gehe ich kurz und nur summarisch
ein. Man stellte sich früher einfach vor[iii],
die Ägypter hätten eine Rampe auf eine Pyramidenseite zugeführt und über sie,
die, sei es einfach aus Sand oder aus Ziegeln mit oder ohne Verstärkung durch
Holz bestanden habe, die Steine auf Schlitten emporgezogen. An das
resultierende Volumen bzw. die Frage der Steigung der Rampe verschwendete man zunächst
nicht viele Gedanken. Diese Idee ist es immer noch, die man in populären
Büchern über Ägypten ausgemalt findet. Sie ist bei genauer Überlegung
auszuschließen. Je nach angenommener Steigung würde das Volumen einer
derartigen Rampe an das der Pyramide selbst herankommen bzw. einen
signifikanten Bruchteil davon darstellen[iv].
Niemand hat früher überlegt, wo denn diese Hunderttausende von Kubikmetern Erde
und Sand nach Fertigstellung des Baus hingekommen sein sollten. Sie könnten ja
nicht spurlos verschwunden sein. Die Rampen, die man auf solchen Abbildungen
sieht, sind außerdem oft erheblich zu steil. Selbst Ägyptologen rechneten mit
10° oder 20° Steigung, was viel zu viel ist. Bei einem mäßigen Anstieg von 3
1/5° nach Goyon wäre diese Rampe 3,3km lang[v].
Lauers Vorschlag von 1948[vi]
zielte darauf hin ab, die Masse zu verringern. Daher sollte eine 375m lange
Rampe auf die Mitte einer Pyramidenseite hin von unten nach oben hin immer
schmäler werden. Jedoch beträgt der Anstieg immer noch mehr als 21°. 1989 hat er
eine Revision publiziert, in der auch noch weitere Lösungsvorschläge besprochen
wurden[vii]
(siehe gleich weiter unten). Hölschers Vorschlag ging von der Existenz einer
stufigen Rohbau‑Kernstruktur einer Pyramide aus. Dann sollten auf den einzelnen
Stufen Ziegelmassive parallel zu den Seiten aufgebaut gewesen sein, über die
man die Steine heraufgezogen hätte[viii].
Goyon will dieses Verfahren nur für Stufenpyramiden gelten lassen, geht also
davon aus, die richtigen Pyramiden seien alle horizontal durchgehend gemauert[ix].
Im übrigen hält er die Rampen für immer noch zu steil. Seine eigene Lösung
sieht dann eine allseits die Pyramide umhüllende Rampe aus Ziegeln vor, die
außen auf den noch ungeglätteten Steinen der Verkleidung aufsitzen soll mit
einer Höhe von außen jeweils 20m und einer Arbeitsbreite von 17m[x].
Dagegen ist eingewendet worden, es sei doch wohl sehr fraglich, ob eine solche
Rampe auf einer schiefen Ebene von rund 52° hinreichend Halt fände. Abgesehen
davon ist im Jahre 1987 eine Modellrechnung zu diesem System publiziert worden,
deren Autor Henri Paul[xi]
unter dieser Prämisse auf eine Gesamtbauzeit von 43 Jahren kommt, während man
ansonsten nur mit ca. 20 rechnet, was der vermutlichen Regierungszeit des
Cheops entspricht, für dessen Pyramide die Goyon'sche Idee entwickelt wurde.
Stadelmann hält zwei Varianten für akzeptabel[xii].
Erstens das System Arnolds[xiii]
mit einer wie eine Schneise ins Pyramideninnere gelegten Rampe (bis in 35m
Höhe, Steigung 8° bis 10°), dann deren Verlängerung nach außen (150m bis 200m Länge,
führt bis in 60‑65m Höhe), Kehrtwendung seitlich um 180° (für weitere 20m bis
30m). Für die letzten 50 Höhenmeter (ca. 150 000 Blöcke) ist in diesem Modell
eine Treppe vorgesehen. Dieses Verfahren käme für die Pyramiden vom Ende der 4.
Dyn. an in Betracht, nicht für die von Gizah, weil die Bresche dort läge, wo
die Große Galerie und die endgültige Grabkammer eingebaut wurden. Zweitens.
Die von Stadelmann offenbar favorisierte Lösung beruht auf einer Revision
Lauers seines eigenen Vorschlages von 1948. Diese hatte er zuerst 1982 in Kairo
in einem Vortrag bekanntgemacht[xiv].
Das Resultat ist von Stadelmann unterschiedlich resümiert worden; zunächst so[xv]:
„Er geht von einer einzigen Rampe aus, die parallel geführt an eine der
Pyramidenseiten gelehnt gewesen sei, wodurch einmal Material gespart und
gleichzeitig die freie Meßbarkeit gewahrt war. Diese Rampe konnte langsam und
im letzten Stück von 7° auf 10‑12° Steigung gebracht werden, dann wieder auf
die gesamte Länge ausgeglichen und über die Pyramidenkante hinaus verlängert
werden. Damit könnte eine Höhe von 100m erreicht werden, dann müßte die Rampe
aber wohl in eine Treppe übergehen“. Wenn ich das für 10° nachrechne, komme ich
auf eine Gesamtlänge der Rampe bis 100m Höhe von an der Basis 567m. Wenn man davon
die Breite der Pyramide an der Basis von 230m abzieht, ragte diese Rampe dann
also an einer Seite 337m in die Wüste hinaus. Das Aussehen einer solchen Treppe
wie sie Stadelmann erwähnte, hat 1985 Isler skizziert[xvi],
von dem der, wie mir bis vor kurzem schien, praktikabelste Vorschlag von allen
stammt, nämlich das Hebeln der Steine über Treppen, und zwar für sämtliche
Steine. Praktische und dokumentierte Feldversuche nach einer solchen Methode
stammen von Hodges[xvii].
Ich komme auf eine bessere Lösung noch im Detail zurück; bleiben wir zunächst
bei den Rampen. In einer späteren Auflage seines Pyramidenbuches hat Stadelmann
seine Meinung geändert und den Lauer’schen Vorschlag anders zusammengefaßt[xviii]:
„Diese [gemeint: Rampe] stelle ich mir nach einem Modell, das der Altmeister
der Pyramidenforschung Jean-Philippe Lauer, 1982 in einem Vortrag im Institut
d’Egypte vorgelegt hat, als eine angelehnte Rampe vor, die parallel zu und
gegen eine der Pyramidenflanken konstruiert ist und diese als feste stützende
Seite nutzt und gleichzeitig die dort stehengebliebenen kleinen Rampen als
festigenden Unterbau beibehält ...“[xix]
Wenn ich versuche, eine Tendenz aus diesen vorliegenden
Lösungsvorschlägen abzuleiten, dann ist es die, daß man offenbar immer mehr auf
Minimierung des Materialaufwandes für Rampen abzielt. Die Möglichkeiten im
Gelände selbst, das in sämtlichen bisherigen Vorschlägen souverän vernachlässigt
wurde, hat M. Lehner untersucht[xx].
Danach ist für eine Rampe außerhalb des Pyramidenmassivs überhaupt nur auf der
Südseite Platz. Lehner denkt an zwei Rampen bis in die Höhe von 30m. Die eine
lehnt sich an die Südseite an, die andere kommt aus dem Steinbruch und zielt
etwas schräg auf die SW‑Ecke. Die Länge letzterer beträgt 320m bei 6° 36'
Anstieg. Das nächste Teilstück lehnt sich an die Westseite an und geht über
250m bei 7° 18' bis auf 62m Höhe. Ich brauche jetzt nicht im einzelnen die
Daten zu zitieren, man sieht, wie es weitergeht bis zum letzten Abschnitt mit
über 18° Steigung. Die als Unterbau nötigen Massen sind nun aber im Gegensatz
zu dem, was ich vorhin sagte, wieder erheblich größer. Lehner ist sich auch
dessen bewußt und sagt selbst, er sei nicht überzeugt, daß seine Idee die
Probleme besser löse als die Goyons.
Es müßte sich eine Lösung finden lassen, bei der die Ägypter ohne
Hunderttausende von weiteren Kubikmetern an Rampenvolumen an der Pyramide
selbst hätten auskommen können. 1992 hat F. Abitz eine solche neue Theorie für
den Steintransport publiziert[xxi].
Danach wären die Steine in einem von ihm so benannten „Schrägaufzug“ (über eine
durch Gewichte und die zu transportierende Last in Bewegung gesetzte Walze)
gehoben worden. Diese Idee ist inkompatibel mit meinen Vorstellungen. Es genügt
nämlich nicht, einen Vorschlag für ein praktikables Hebesystem zu machen; es
muß auch eine Kongruenz mit den noch heute erkennbaren Anhaltspunkten für das
Aussehen des Pyramiden-Rohbaus bestehen (siehe unten).
Rampen konventioneller Art gab es trotzdem noch: solche zum Antransport
der Steine von den Steinbrüchen bzw. dem Nilkanal her zur Baustelle und
eventuell zum Versatz der untersten Lagen der Pyramide. Im folgenden geht es
nur noch um das Hochbringen der Steine auf den Pyramidenstumpf. Den oben
erwähnten mir bisher alsleuchtendste Lösung für das Transportproblem
erschienen Vorschlag hat M. Isler 1985 vorgeschlagen (und nach ihm 1989 P.
Hodges), und zwar das Hochhebeln der Steine über außen an den Pyramidenstumpf
angelehnte breite Treppen aus Stein[xxii].
Diese würden in gewissen Abständen durch aus der Verkleidung herausragende größere
Steinblöcke mit der Pyramidenaußenfläche verbunden. Auf diese Weise erklärte
sich auch das sogenannte Petrie-Diagramm, von dem noch die Rede sein wird. Das
heißt aber auch, daß die Verkleidung simultan mit dem Massiv versetzt worden
sein müßte. Dieser Vorschlag hat einen Nachteil, nämlich der Anstieg der
Treppen entspricht in der ersten Fassung (siehe Anm.16) dem Verkleidungswinkel
von ca. 53°, in der zweiten sogar einem Anstiegswinkel von ca. 84° (s.u.). Das
wird jeder Baupraktiker als ungeheuer gefährlich bei dem Transport schwerer
Steine bezeichnen.
Nun die versprochene bessere Lösung. Sie stammt von Franz Löhner. Sie ist bereits 1993 in erster Auflage publiziert worden, aber in den Kreisen der Ägyptologen, so auch von mir, unbeachtet geblieben, weil sie mit der abwegigen Idee von Herbert Illig kombiniert war, die Pyramiden als eisenzeitlich[xxiii]. zu erklären. Der Titel des Buches der beiden Ko-Autoren lautet: H. Illig/F. Löhner, Der Bau der Cheops-Pyramide. Nach der Rampenzeit, inzwischen 5. Aufl. 2001 im Mantis-Verlag von Herrn Illig. Ein Grund für die Nichtbeachtung des Buches dürfte auch der Untertitel sein, bei „Rampenzeit“ denkt man an die philosophische These der „Achsenzeit“ und ich bin nie auf die Idee gekommen, daß der Untertitel besagen soll: „Wir befinden uns in einer Zeit, in der niemand mehr an Rampen als wesentliche Mittel des Pyramidenbaus denkt“. Insofern bin ich mit beiden Autoren einer Meinung. Ich bin über den Umweg, daß mir der Autor Illig eine Rezension meiner Ideen zum Pyramidenbau, wie sie bisher hier auf der Instituts-Homepage zu lesen war, in der ebenfalls von ihm herausgegebenen und von uns als abseitig betrachteten Zeitschrift „Zeitensprünge“ 3,2002 zugeschickt hat. Darin werde ich gelobt wegen meiner Ablehnung der Rampen, aber getadelt wegen der Idee des Hebelns der Steine. Also habe ich das Buch gekauft und – in der Tat – man findet auch in solchen Büchern u.U. Vernünftiges. (Abb.19, Abb. 20). Franz Löhner wendet gegen die Thesen von kurzgesagt „Schlitten über Rampe“ zu Recht ein, daß die Vertreter solcher Thesen immer die physikalischen Gesetze vernachlässigt haben, die besagen, daß der vom Menschen entwickelbare Kraftaufwand beim Transport über eine ansteigende Ebene viel zu gering ist, um damit die Cheopspyramide in vertretbarer Zeit mit vertretbarer Anzahl von Schleppern zu bewältigen. Die Reibung über Sand ist viel zu groß und Schlammbahnen scheitern am Problem der Wasserversorgung. Löhner rechnet vor, daß ein gutes Mittel, die Reibung zu minimieren, die Bewegung der Steinschlitten über Holzschienen wäre, die durch Fett oder Öl glitschig gehalten werden können. Außerdem kann der Kraftaufwand auf ansteigender Ebene dadurch herabgesetzt werden, daß die Schlitten über zwei Zugseile, die ein Stück bergauf über Umlenkrollen in die Gegenrichtung zurückgelenkt werden von zwei Mannschaften, die selbst bergab laufen, emporgezogen werden. Auf diese Weise geht das Eigengewicht der Schlepper in die Bilanz des notwenigen Kraftaufwands im positiven Sinn mit ein. Löhner stellt sich vor, daß 75m Abstand zwischen zwei Umlenkstationen gerade noch günstig sind in bezug auf Seilbelastung und –gewicht. Also müssen die Steine alle 75m gestoppt und in die nächsthöheren Seilzüge eingeklinkt werden. Die sozusagen technologischen Voraussetzungen für diese Hypothese sind gegeben: Seilrollen besassen die ägyptischen Segelschiffe, und Fett oder Öl als Gleitmittel zu verwenden, ist nichts Revolutionäres, genauso wenig wie die Idee von Holzschienen als eine Art ortsfester Schlitten. Die Modellrechnung Löhners besagt, daß mit solchen Holzschienen ca 51 Mann 2,8to sogar über 52° Anstieg bewegen können. (Abb.21) Damit sind wir bei dem Punkt angelangt, bei dem mein Einverständnis aufhört. Löhner und Illig gehen nämlich von der von mir bekämpften Idee aus, die großen Pyramiden von Giza seien anders als die kleinen nicht als innere Kernstufenbauten unter späterer Hinzufügung eines Verkleidungsmantels errichtet worden, sondern seien von vornherein mit Verkleidung horizontal über die Fläche gemauert. Infolgedessen ruhen die Holzschienen direkt auf der Verkleidung und sind rund 52° steil. Die beiden Autoren sehen als Weg für die Männer eine Art Beplankung der Verkleidungssteine vor mit horizontalen Trittbalken, um das unkontrollierte Herabstolpern zu verhindern. Mir scheint es ganz unwahrscheinlich zu sein, daß das realistisch ist bei solch einer starken Neigung. Außerdem hätten die Schlepper nach jedem Aufwärtszug eines Steins sich selbst wieder, und dann mit 100% eigenem Kraftaufwand, hinaufbewegen müssen. Wieviel Male pro Tag hält das wohl jemand aus ? Ich möchte nun den Vorteil des „Emporgleitens“ der Steine über eingefettete Schienen mit meinem Vorschlag der schwachen Steigung über Treppen parallel zu den Langseiten der Kernstufen verbinden. Statt Stufen werden Holzschienen verlegt und verankert. Jeweils bei Erreichen der Oberkante eines bereits verlegten Abschnittes jeder Steinlage muß der neue Stein seitlich verschoben werden, bei Löhner-Illig geradeaus. Das Abladen wird dadurch vielleicht etwas schwieriger, aber auch bei Illig-Löhner müssen, auf der aktuellen Oberfläche angekommen, die Steine durch Hebeln seitwärts bewegt werden. Bei Würdigung der Löhner-Illig These ist außerdem (Abb.22) der Befund bei der Mykerinospyramide zu berücksichtigen, nämlich, daß die Verkleidung gar nicht geglättet versetzt wurde wie die Zeichnung hier und bei vielen anderer Autoren suggeriert, sondern in Bosse, also mit sehr unregelmäßiger Oberfläche. Die Glättung, d.h. das Abschlagen von 20cm oder 30cm Stein in die Tiefe hin erfolgte erst nach der Fertigstellung des Baus. Eine solche Oberfläche war kaum geeignet für eine Bahn à la Löhner.
Daß die großen Gizahpyramiden eine stufige
Innenstruktur besitzen müssen, wird jetzt zunehmend anerkannt[xxiv].
Auf der anderen Seite hat Isler ein sehr wesentliches Argument gegen die
Existenz von Rampen außer dem des übergroßen Rauminhaltes beigebracht: Bei
einigen Pyramiden, z.B. der von Meidum und neuerdings auch bei der
Knickpyramide sind spätere Vergrößerungen durch Hinzufügung äußerer Mäntel
bewiesen oder mit Wahrscheinlichkeit anzunehmen. Wenn sich an den Baukern der
ersten Phase nun bereits große Rampen anlehnten, wäre die Vergrößerung mit
einem sehr großen zusätzlichen Aufwand an Ab‑ und Wiederaufbau der Rampen
belastet gewesen, der deren Existenz noch mehr in Frage stellt.
(Abb.1) Borchardt hatte sich vor 70 Jahren vorgestellt[xxv],
daß die Cheopspyramide aus großen steil geböschten Kernstufen aufgebaut sei,
deren Dicke von 10 Ellen er an den sogenannten „Gürtelsteinen“ des
aufsteigenden Korridors ablesen wollte. Man hätte demnach in gewissen Abständen
immer wieder Kernstufen-Außenwände mit dem Böschungsrücksprung 1/10 gebildet,
die von der Basis her bis zur jeweilig erreichten Höhe des Pyramidenstumpfes
aufgestiegen wären. Die Berechtigung des Rückschlusses von der Existenz der
„Gürtelsteine“ auf die solcher Kernstufen ist aber von Maragioglio und Rinaldi
überzeugend zurückgewiesen worden[xxvi].
Ich greife nur zwei der wichtigsten aus einem Katalog von sieben Argumenten
heraus: Wenn die Pyramide aus solchen Schichten bestünde, dann müßte man
etliche Gürtelsteine (gleich Außenwänden von Kernschichten) in dem
Grabräuberstollen des Kalifen al-Mai'mun sehen können, weil dieser nämlich
ungefähr waagerecht verläuft und mehrere Außenwände durchbrochen haben müßte. Das
ist aber nicht der Fall. Das Mauerwerk ist dort homogen. Zweitens hätten die
Gürtelsteine als präsumptive Außenflächen einer Kernstufe eine sehr merkwürdige
geometrische Form. Es wären, nach Borchardts eigener Berechnung, hochkant
gestellte Orthostaten von mindestens 2,20m Höhe bei einer Dicke von nur 1,2m[xxvii].
Derartiges ist bisher bei keiner Stufenpyramide oder sonstigen Bauwerken in
Ägypten beobachtet worden. Blöcke dieser Dimensionen werden immer als Binder in
die Tiefe des Mauerwerks verlegt, niemals hochkant gestellt. Der Sinn dieser
Steine muß ein anderer sein. Nach Maragioglio-Rinaldi ist es der, daß die
ägyptischen Bauleute einen Querriegel gegen den abwärtsgeneigten Schub der Wandblöcke
des aufsteigenden Korridors für nötig hielten.(Abb.1) Lediglich Brinks hat 1981
versucht, diese Idee wieder aufzuwärmen[xxviii]
und sogar die Höhen der Kernstufen-Außenkanten aus dem sogenannten
Petrie-Diagramm abzuleiten[xxix]
(Abb.2). Von diesem sind die von unten nach oben variierenden Höhen der
Steinschichten festgehalten. Ich habe dieselben Daten nach der neueren Aufnahme
von Goyon[xxx] etwas
anders umgezeichnet. Man sieht, daß die Steinhöhen nach oben hin zwar
tendenziell abnehmen, aber nicht konti-nuierlich, sondern in Sprüngen, und daß
es immer wieder Lagen mit gegenüber der nächstunteren vergrößerten Höhe gibt.
Die Höhensprünge sollen nach Brinks die Existenz einer in der Lage darunter
liegenden Kernstufen-Außenkante verraten. Und zwar habe die Regel bestanden,
die Distanz zwischen Kernstufen-Außenseite und Verkleidung stets mit ungefähr
gleichgroßer Zahl von Steinen aufzufüllen. Das hätte dann dazu führen müssen,
bei Erreichen einer Kernstufen-Oberkante (also dort, wo eine Art von
„Plattform“ entsteht), längere bzw. damit auch höhere Steine zu verwenden.
Warum eine solche Regel bestanden haben sollte, wird nicht erläutert. Man kann
allerdings bei den ihrer Verkleidung beraubten Pyramiden sehen, daß das
Mauerwerk hinter der Verkleidung keineswegs aus allseits geometrisch glatt
behauenen Steinen besteht, sondern aus ziemlich unregelmäßigen Blöcken, oftmals
„Bruch“. Wenn man auch eine Schicht immer gleich hoch gemacht hat, so sind doch
die Steine einer Schicht nicht auch gleich lang oder breit. Die Erklärung
überzeugt daher nicht, zumal es im Petrie-Diagramm auch Nebenmaxima gibt, z.B.
bei Schicht 48. Es gibt keinen Grund gegen die Annahme, die Cheopspyramide sei
im Prinzip in einer jeden Schicht horizontal über die aktuelle Fläche gemauert
worden. Trotzdem wird es dabei einen abgestuften Kernbau gegeben haben, aber
einen solchen anderer Struktur. Kernstufen müssen sich dadurch ergeben haben,
daß ja wegen der beabsichtigten Pyramidenform die Seitenlängen nach oben hin
abnehmen mußten. Ich will zeigen, daß, wenn man in regelmäßigen Höhenabständen
nach Erreichen der Lage n die Lage n+1 um einige Meter weiter innen beginnen
ließ, über die Lage n, also über bereits verlegtes Kernmauerwerk, innere
schwach ansteigende Steintreppen parallel zu einer Pyramidenseite verlegt
werden konnten, und zwar entweder nur auf einer Pyramidenseite im Zickzack oder
auf allen vier Seiten umlaufend (Abb.3, Abb.4, Abb.5, Abb.6). Ich nehme für die Cheopspyramide
hypothetisch Kernstufen von 25 Ellen[xxxi]
Höhe und eine Arbeitsbreite der Treppen von 14 Ellen an, wieso, wird noch
erläutert werden. Ein akzeptabler Neigungswinkel ergibt sich dabei bis zur
Höhe von 225 der 280 Ellen der Pyramidenhöhe, und zwar beträgt dort die
Seitenlänge unter Abzug von zweimal einer Arbeitsbreite der umlaufenden
Plattform von je 14 Ellen noch 56,8 Ellen. Auf diese Strecke hin müssen die
Steine um 25 Ellen gehoben werden können, macht rund eine halbe (0,44) Elle
pro Elle. Durch den Anstieg einer solchen Treppe parallel zu einer
Pyramidenseite gegen eines ihrer beiden Enden hin ragt diese von einem gewissen
Punkt ab jeweils über die Fluchtlinie der späteren Verkleidung hinaus. Diese
überflüssigen Steine müssen später abgebaut werden, wenn die Kernstufen
zugesetzt werden und die Verkleidung hinzukommt. Für die letzten 55 Ellen oder
ca. 29m muß dann eine Außentreppe à la Isler vorgesehen werden. Dieser Rest
wird erst zusammen mit der Verkleidung hinzugefügt, und zwar über eine solche
Isler‑Treppe von unten nach oben. Die von mir gerade genannten Werte gelten für
eine Treppenführung nur auf einer Seite. Erweitert man sie über alle vier
Seiten umlaufend, braucht man die Steine pro Seite nur um eine Viertel‑Kernstufenhöhe
anheben; dafür ist aber der Weg wesentlich länger. Da der Anstieg im unteren
Bereich der Pyramide sehr mäßig ist, wird man umlaufende Treppen allenfalls
weiter oben vorgesehen haben. Der Anstieg von 25 Ellen in 225 Ellen Höhe wäre
damit nicht mehr über 56,8 sondern 227,2 Ellen zu verteilen (0,11 E pro E). In
275 Ellen Höhe angekommen, ist nun die resultierende Fläche zu klein für eine
Fortsetzung des Verfahrens. Hier muß spätestens auf die Methode der äußeren
Treppen über die fertigen Pyramidenseiten nach Füllung der Stufen und Versetzen
der Verkleidung zurückgegriffen werden. Stadelmann hat anders argumentiert:
Verkleidung und Kernmauerwerk seien wegen gegenseitiger Verzahnung gleichzeitig
verlegt worden[xxxii]. Das
stellt aber in Wirklichkeit meiner Lösung keine Hindernisse in den Weg. Denn
meine Kernstufen liegen jeweils einige Meter tief hinter der Linie der
Verkleidung (außer in Höhe der Kernstufen‑Außenkanten). Die spätere Auffüllung
von den Außenkanten der Kernstufen bis zur Außenlinie der Verkleidung erfolgte
selbstverständlich in gegenseitigem Verbund[xxxiii].
Wir können heute nirgends so weit in den Kern einer Pyramide hineinblicken, um
die von mir postulierten Kernstufen erkennen zu können. Was Stadelmann bereits
als Kernmauerwerk anspricht, kann ohne weiteres Auffüllung zwischen Kernstufe
und Verkleidung sein. Es ist nicht zu erwarten, daß sich Stufenrohbau und
Auffüllung von der Maurertechnik her unterscheiden.
(Abb.7, Abb.8, Abb.9, Abb.10, Abb.11). Nachdem ich meine Lösung summarisch vorgestellt habe, komme
ich nun zu den Details, die sie begründen und fange sozusagen von vorne wieder
an in einem zweiten Durchgang. Brinks hat in einem zweiten Artikel[xxxiv]
dargelegt, welche bautechnischen Größen seiner Meinung nach den Arbeitsablauf
bzw. das spätere Aussehen einer Pyramide bestimmt haben. Dieser Aufsatz hat
bisher keine Beachtung gefunden. Ich denke aber, daß Brinks im Kern etwas
Richtiges gefunden hat, auch wenn ich seine Theorie nur zum Teil akzeptieren
kann. Er postuliert 5 Determinanten für den Bau einer Pyramide; ich werde sie
jetzt der Reihe nach vorstellen:
1. 1. Die
Basislänge des Kernschichten‑Rohbaus (in seiner Originalzeichnung mit 2b*,
hier mit 2(b-a) bezeichnet). Wenn man die Fertigbaumaße der AR‑Pyramiden
tabelliert (Anhang 1), kommt man zu folgendem Ergebnis. (Wegen des
unterschiedlichen Forschungs‑ bzw. Erhaltungsstandes sind die Werte nicht alle
gleich gut abgesichert, aber wahrscheinlich richtig). Die Frage drängt sich
auf, warum die Ägypter auf solch „krumme“ Werte wie 120, 210, 140, 155, 362
Ellen als Fertigbaumaß für eine Pyramide gekommen sein sollten. Man kann
vermuten, daß vielleicht die Länge mit Verkleidung gar nicht die eigentliche
Plangröße war, sondern sich eben am Ende gerade so ergab, in gewissen, durch
den Rohbau vorgegebenen Minimalabmessungen natürlich. Was kann es sonst gewesen
sein? Die gesuchte Größe könnte nach Brinks die Rohbaulänge hinter der
Verkleidung gewesen sein. Sie nachzuweisen, ist die Schwierigkeit, weil viele
Pyramiden nicht tief genug zerstört, also „einsehbar“ sind. In seiner Tabelle
(nicht in Anhang 1 reproduziert) bleiben rein hypothetisch die Werte für Snofru‑Nord,
Cheops, Pepi I, Merenre, Pepi II; die anderen sind auf Grund von Indizien in
den publizierten Plänen erschlossen. Es ergeben sich nun aber ohne Rücksicht
auf den späteren Endzustand glattere Rohbaulängen von 50er‑ und 100er‑
Vielfachen von Ellen.
(Abb.7, Abb.8, Abb.9, Abb.10, Abb.11) [xxxv].
Genauso, wie Brinks dies darstellt, kann es aber nicht richtig sein. Der Fluchtwinkel
über die Außenkanten des Kernstufen‑Rohbaus muß die spätere Pyramidenspitze
treffen, d.h., die sich aus ihm ergebende Pyramidenhöhe muß dieselbe sein wie
die tatsächlich erzielte, die wir nach der Rekonstruktion oder der Messung des
Verkleidungswinkels kennen. Bei dem von Brinks vorgeschlagenen Winkel von 54°
30' für die Rohbau-Fluchtachse trifft das für die Cheopspyramide zu, wenn
dieser Winkel 20 Ellen hinter der Verkleidung ansetzt. An dieser Stelle ist
eine Pyramidenseite 400 Ellen lang. Das ist auch so dargestellt im ersten der
Aufsätze von Brinks. Der Rohbau beginnt demnach ein Stück weit eingerückt und
mißt weniger als 400 Ellen im Quadrat. Im zweiten Artikel ist von der
Rohbaulänge von 400 Ellen die Rede. Dann stimmt die Definition nicht mehr. Nur
auf der Basis von 400 E ergibt der Winkel 54° 30' die gewünschte Höhe, d.h., da
der Winkel um den Versatz der Kernstufen vor der Basis der ersten Stufe
ansetzt, ist der Rohbau tatsächlich kleiner als 400 E. Als Planungsgröße kann
eine frei wählbare fiktive Seitenlänge (von z.B. 400 E) gelten. Die
tatsächliche Rohbaulänge ist wegen des quadratischen Grundrisses um zweimal den
Versatz kürzer, der sich aus der Höhe der ersten Kernstufe und dem Fluchtwinkel
über die Kernbaustufen ergibt. Aus dieser Wahl folgt die Pyramidenhöhe. Die
tatsächliche Fertigbaulänge kann noch variiert werden und hängt von der Stärke
der Verkleidung an der Basis ab.
2. Die zweite Determinante Brinks' ist die Stärke seiner für die
Cheopspyramide erschlossenen Kernschichten. Diese Annahme in bezug auf die
Struktur dieser Pyramide lehnte ich bereits ab.
3. Der Böschungsrücksprung der Kernschichten h*/f. (Abb.10, Abb.13). Daß
hinter der Verkleidung der Pyramide im Kernmauerwerk eine Rohbaustruktur in
großen Stufen steckt, kann man außer bei den Stufenpyramiden bei den
geometrisch vollen großen Pyramiden nur bei der Mykerinospyramide sehen[xxxvi],
weil bei ihr auf der Nordseite eine tiefe Bresche gesprengt worden ist. Das
heißt, hier gibt es tatsächlich einen abgestuften Rohbaukern; erst in einer
zweiten Phase wurden die Stufen aufgefüllt und die Verkleidung mit dieser
verzahnt. Die Rohbaustufen sind geböscht, und zwar nach dem groben Plan von
Maragioglio-Rinaldi im Verhältnis 16:2 ½ d. h., auf 16 Ellen Höhengewinn kommt
ein Einrücken um 2 ½ Ellen. Das entspricht einem Winkel von 81° 12'. Von
anderen Pyramiden gibt es auch andere Werte. Aus den einsehbaren Partien der
Mykerinos-Pyramide läßt sich auf 4 plus x Stufen schließen. Am einleuchtendsten
wäre es, wenn sie alle gleich hoch gewesen wären; Maragioglio-Rinaldi nehmen
das an, lassen allerdings offen, ob ihre so rekonstruierten Stufen 1 und 2
nicht nur eine einzige gebildet hätten. Die Stufenhöhen betragen im ersten Fall
16 Ellen, der Versatz dabei ca. 9 ½ E. Der Fluchtwinkel über die Außenkanten
des Rohbaus beträgt bei der Annahme gleich hoher Stufen am Plan gemessen 54°
30'. Damit ergibt sich auch die Höhe der Pyramide im Rohbau, wobei die Spitze
zunächst nur Theorie bleibt und aus rein praktischen Gründen erst am Schluß
gemauert wird. Der Fluchtwinkel tan a (siehe auch
Abb.11a, Abb.14, Abb.15) ist das Verhältnis von h/b*. Aus der Skizze ist zu entnehmen,
daß die erzielte Höhe der Pyramide nur von der Determinante 1 (fiktives Quadrat
aus dem Versatz des Fluchtwinkels vor den Kernstufen) und diesem selbst abhängt.
4. 4. Böschungsrücksprung
der Fluchtachse durch die Kernstufenecken h/d*. (Abb.11, Abb.8). Wir konnten an der
Mykerinospyramide den Fluchtwinkel des Rohbaus über die Seiten gemessen mit 54°
30' als wahrscheinlich richtig bestimmen. Daraus läßt sich der entsprechende
Winkel über die Diagonale berechnen.
(Abb.7, Abb.8, Abb.9, Abb.10, Abb.11).
Seiten tan a = h / b*; h
= tan a • b*
Diagonale tan ß = h / d*; h
= tan ß • d*
Substitution: tan
a • b* = tan ß • d*
tan
a • b* = tan ß • d* d*
= b* • (Wurzel)2 (Diagonale
im Quadrat)
tan
ß = tan a • b* / b* • (Wurzel)2
tan a 54º 30’ = 1,4 tan
ß = 1 (d.h. 45º)
5. Das Ergebnis ist frappant. Der Fluchtwinkel über die Diagonale hat
das einfachst-mögliche Verhältnis von 1:1, d.h., 10 Ellen Höhengewinn bedeuten
10 Ellen Einrücken nach innen. Dieser Wert ist nach Brinks bei allen
überprüfbaren Pyramiden vorhanden: Snofru (Meidum), Mykerinos, Sahure,
Neferirkare. Allerdings hat er nur die großen Pyramiden berücksichtigt, nicht
die kleinen Satellitenpyramiden, die sämtlich wegen der Entfernung ihres
äußeren Mantels ihre Kernstruktur zeigen. Ein gleich zu besprechendes Beispiel
beweist, daß man nicht voreilig annehmen darf, die Ägypter hätten immer einen
Diagonalwinkel des Rohbaus von 45° angestrebt, d.h., die Plazierung der
Rohbaustufenkanten mithilfe des einfachen Rücksprungs 1:1 über die Ecken durch
Fluchten kontrolliert.
5. Die letzte Determinante Brinks’ ist die Basisstärke der Verkleidung.
Man hat bisher vor Brinks nirgends deutlich darauf hingewiesen, daß der
Verkleidungsmantel in seiner Stärke von unten nach oben beträchtlich abnimmt.
Die AR-Pyramiden weisen an der Basis Werte zwischen 5 und 30 Ellen auf. Diese
sind es, die am Ende die Fertigbaulänge der Pyramide bestimmen.
Die Messung der Neigungswinkel an Pyramiden ist keine leichte Sache,
erstens, weil die Verkleidungen fast nirgends über hinreichend lange Strecken
erhalten sind, zweitens, weil die einzelnen Seiten einer Pyramide auch kleinere
Abweichungen voneinander aufweisen. Das Pyramidion der nördlichen Pyramide des
Snofru in Dahschur z.B., das 1982 ganz zertrümmert gefunden wurde[xxxvii],
weist anscheinend (vorbehaltlich genauerer Messungen nach Restaurierung)
leicht unterschiedliche Seiten-Neigungswinkel und einen etwas steileren
Kantenwinkel über die Diagonale als 45° auf. In der Tat läßt sich leicht sehen,
daß alle Seitenwinkel, sei es der fertigen Verkleidung, sei es des Rohbaus,
die im Bereich zwischen 51° und 57° liegen, auf Diagonalwinkel in der Nähe von
45° führen, genauer gesagt, zwischen 41° 24' und 47° 42'. Gerade beim
Pyramidion mußte man am Ende der Bauarbeiten natürlich etwas „tricksen“, um
Ungenauigkeiten der Bauausführung auszugleichen. (Abb.13) Wenn die
Rekonstruktion der Folge der Kernstufen-Außenkanten bei der Mykerinospyramide
im Plan von Maragioglio-Rinaldi richtig ist, woran ich nicht zweifle, läßt
sich ein Fluchtwinkel über diese von 54° 30' ablesen; (Abb.12) bei der an einer
Stelle ca. 7m hoch erhaltenen Verkleidung der Basis der Chefrenpyramide
stecken hinter der Verkleidung zwei abgearbeitete Felsstufen, deren Außenkanten
ebenfalls durch einen Fluchtwinkel von 54° 30' aufeinander bezogen sind[xxxviii].
Man wird dahinter ein Prinzip vermuten, das mit dem Rohbau in Stufenform zu tun
hat. Daß auch die großen Pyramiden von Gizah einen solchen Rohbau aufweisen,
ist wahrscheinlich; jedenfalls besitzen ihn alle anderen kleineren Pyramiden,
die viel stärker zerstört und daher einsehbar sind. Es gibt keinen Grund für
die Annahme mancher Autoren, die großen Pyramiden sollten etwa im Gegensatz
dazu durchgehend horizontal gemauert sein. Daß im Falle der großen Pyramiden
von Gizah die Kernstufen tiefer im Kernmassiv verborgen sein könnten, wird auch
von Arnold angenommen bzw. zugegeben[xxxix].
Daß der Vorschlag von Borchardt und Brinks hinsichtlich der von einander
unabhängigen durchgehenden „Kernschichten“ falsch ist, wurde bereits gesagt,
dasselbe gilt auch aus anderen Gründen für die Borchardt'sche Rekonstruktion
der Pyramide des Sahure von Abusir, die angeblich nach dem gleichen Schema
eines zentralen Kerns mit darum gelegten Mänteln errichtet worden sein soll.
Maragioglio‑Rinaldi haben zu Recht darauf hingewiesen, daß der bei dieser
Pyramide vorhandene zentrale Schacht eine solche Konstruktion ausschließt[xl],
weil der sozusagen hauchdünne Kern den Schub der später eingebauten riesigen
Deckblöcke der Grabkammer nicht ausgehalten hätte.
(Abb.16, Abb.17)
Durch einen glücklichen Fund der beiden Italiener Maragioglio und Rinaldi
können wir Einblick nehmen in die Art und Weise, wie die Ägypter die für den
Pyramidenbau wichtigen Größen, nämlich Höhen und Fluchtwinkel der Rohbaustufen
kontrolliert haben[xli].
Soviel ich sehe, sind ihre Beobachtungen merkwürdigerweise nicht weiter
beachtet worden[xlii]. Es
handelt sich um die nördliche Satellitenpyramide der Cheopspyramide. Ihre
Verkleidung und ein großer Teil der Auffüllung der Rohbaustufen ist durch
Tätigkeit von Steinräubern, die hier seit dem 12.Jhdt. aktiv waren,
verschwunden, die Stufenstruktur sichtbar. Auf der Westseite erkennt man auf
der vorletzten Lage der ersten Stufe um 6 Ellen eingerückt eine Mauer aus viel
kleineren Blöcken als die darüber und darunter verwendeten, sie besteht aus
vier Lagen. Über und hinter ihr liegt der unterste Block der zweiten Stufe.
Diese Wand ist also nicht etwa der Unterbau für einen darüberliegenden Block,
sondern eine Art steinerner Meßlatte. Sie besitzt Aufschriften in roter Tinte.
Eine erste Niveaumarkierung befindet sich an der Unterkante der Mauer in Höhe
der heutigen obersten Lage der ersten Stufe. Sie hat die Gestalt einer
waagerechten Linie, unter der ein auf der Spitze stehendes Dreieck gemalt ist.
In ähnlicher Weise markiert man noch heute Niveaus, nur setzt man die Marke
darüber. Auf dem ersten Block der ersten und zweiten Lage ist ein Winkel
aufgerissen, er bestimmt offensichtlich den Fußpunkt der zweiten Stufe. Der waagerechte
Arm gibt gleichzeitig ein Niveau an, und zwar nach der Beischrift mit „sieben
Ellen“. Seitlich etwas versetzt darüber ist die Oberkante der dritten Lage
durch zwei parallele Striche und eine Dreiecksmarke darunter gekennzeichnet.
Dieses Mal ist „acht Ellen“ beigeschrieben. Die Höhendifferenz beider Niveaus
beträgt auch richtig eine Elle. Durch die zugrunde liegenden Messungen wurde
die Oberkante der erste Stufe des Rohbaus bestimmt; der Winkel ist ein Maß für
das Einrücken der nächst höheren Lage, in diesem Falle der zweiten Stufe.
Soweit die Folgerungen von Maragioglio und Rinaldi. Ich denke, man kann und muß
die Überlegungen fortsetzen. Der Winkelanriß zeigt, daß die Plattform, die
durch das Einrücken der zweiten Stufe entsteht, genau 6 Ellen lang sein sollte.
Da wir auch die Stufenhöhe kennen, nämlich acht Ellen, ergibt sich daraus der
Fluchtwinkel tan a von 8/6=
53° 6'. Dem entspricht über die Diagonale ein Winkel von 43° 30'. Ich schließe
daraus, wie bereits oben erwähnt, daß eine Kontrolle der Kernstufenecken über
die Diagonale nicht durchgeführt wurde. Dies wäre als wahrscheinlich
anzunehmen, wenn der Winkel 45° groß wäre, weil das ein einfaches Verhältnis
von einer Elle Einrücken bei einer Elle Höhengewinn bedeutete. Um auf 45°
übereck zu kommen, hätte die Stufenhöhe des Kernbaus nicht 8 Ellen, sondern
8,4 Ellen betragen müssen oder 8E 2H 3 1/5F. Übrigens läßt sich an dem groben
Gesamtplan dieser Pyramide bei Maragioglio-Rinaldi der Wert von 55° 24' ablesen
also ein Unterschied zu obigen 53° 6' von 2° 18'. Bei der Sahure-Pyramide liegt
dieser Fluchtwinkel nach der gleichen Quelle bei 55° 36'. Die von den Ägyptern
bevorzugten Fluchtwinkel über die Kernstufen scheinen also innerhalb eines bestimmten
Bereiches um 53° bis 55° zu liegen. Daß die Pyramiden nicht über die Diagonale,
sondern die Seiten gefluchtet wurden,
hat übrigens schon Borchardt 1893 ausgeführt[xliii].
Die Ecken wurden sekundär als Überschneidung der Fluchten der Seiten bestimmt.
Wie haben die Ägypter aber die Messungen ausgeführt? Für die Niveaubestimmung
kommt als Einfachstes die Addition der Höhen der einzelnen Steinlagen infrage,
ein vielleicht ungenaues Verfahren. Das war insofern leicht zu
bewerkstelligen, als der Böschungswinkel der Rohbaustufen nicht etwa durch
Abschrägen der Vorderkanten der äußeren Steinblöcke erreicht wurde, sondern
durch Einrücken der nächsthöheren Steinlage nach innen bei Blöcken mit
rechteckigem Zuschnitt. Ungenauigkeiten waren durch größte Sorgfalt der
Messung möglichst herabzusetzen. Eine geradlinige Flucht der
Stufen-Außenkanten läßt sich nur dann erreichen, wenn auch das Einrücken alle
Lagen, die ungleich hoch sind, im richtigen Verhältnis zwischen Böschungswinkel
und Steinhöhe erfolgt. (Abb.15) Das kann man mit einer hölzernen Lehre
erreichen. Sie muß ein Stück länger sein als der höchste vorkommende Steinblock
und hat die Form eines rechtwinkligen Dreiecks, bei dem Kathete und Ankathete
dem Böschungswinkel tan g entsprechen. Der äußere
Schenkel des Dreiecks ist über die Dreiecksspitze hinaus verlängert, damit es
über die Bezugskante an die nächst-untere Steinlage angelegt werden kann. Der
zu positionierende Stein der nächsten Lage muß nun gegen die Hypothenuse des
Dreiecks angeschoben werden. Damit ist automatisch, d.h., ohne Messung, das
richtige Maß des Rücksprungs gegeben, vorausgesetzt natürlich, daß diese
maßgebenden Steine gut behauen sind. Eine andere Methode der Höhenbestimmung
ist die folgende: (Abb.17, Abb.18) Wenn man den Böschungswinkel bzw. das Verhältnis
zwischen Höhengewinn h und Einrücken b kennt, kann man durch die Summe der
Einrückungen die Höhe errechnen. Wie aber bestimmt man b? Man kann z.B. auf
dem Fundament die gewünschte Höhe einer Kernstufe auf dem Boden abtragen und
von einem Ende das Einrücken der ersten Lage bestimmen. Der Endpunkt muß auf
jeder höhere Steinlage genau senkrecht rapportiert werden. Die Differenz
zwischen der Basislänge und der jeweiligen Vorderkante einer Steinlage stellt
nun die Summe aller b's dar und erlaubt es bei konstantem und bekanntem
Böschungswinkel die Höhe auszurechnen, z.B. bei einem Verhältnis zwischen H:b
von 4:3 ist bei b=2 die Höhe H=2,66. Außerdem muß man die Position der
Eckpunkte jeder nächsthöheren Stufe des Kernbaus kennen. Das ist auch mit
einfachen Mitteln zu bewerkstelligen. Wenn man sich vorher überlegt hat, um
wieviel Ellen jeder höhere Kernstufe gegenüber ihrer Vorgängerin eingerückt
sein soll, braucht man diese Distanz nur einmal auf der ersten fertigen
Steinlage der Pyramide als Quadrat aufzureissen (man bekommt also die Grundfläche
der nächsten Kernstufe) und diese Linien auf jede weitere Steinlage zu
rapportieren.
(Abb.16)
Jetzt kommen wir zurück zu der oben beschriebenen Meßwand. Wozu kann sie
gedient haben, wenn doch die Ecken der Grundfläche der neuen Kernstufe durch
das von unten nach oben rapportierte Liniennetz schon festlagen? Ich nehme an,
daß mit ihrer Hilfe die Exaktheit der Waagerechten der Oberkante einer jeden
Kernschicht kontrolliert werden sollte. Maragioglio‑Rinaldi haben bereits
vermutet, daß die Meßmauer sich auch übereck weiter fortsetzte. Wenn man auf
allen vier Seiten die Höhenmessung vornahm und die Höhe von acht Ellen jeweils
markierte, konnte man eine Schnur spannen und danach die Oberkante der ersten
Kernstufe ausrichten[xliv].
Der angerissene Winkel auf der Meßmauer ermöglichte die Kontrolle des
Fußpunktes der zweiten Stufe auf der ersten. Ich muß nun daran erinnern, daß
alle stark zerstörten Pyramiden die beschriebene Kernstruktur aufweisen. Es
liegt überhaupt kein Grund für die Annahme vor, die besser erhaltenen großen
Pyramiden von Gizah und die beiden Pyramiden des Snofru von Dahschur seien nach
einem gänzlich anderen System errichtet worden, sprich in einem Zug horizontal
durchgehend. Wer diese Meinung aufrechterhalten oder behaupten wollte, müßte
Anhaltspunkte oder gar Beweise dafür vorführen. Bis dahin kann der an und für
sich plausibelste Vorschlag von Isler (und der von Hodges) nicht ohne
Modifizierung bleiben. Wieso sollten die Ägypter zunächst einen stufigen
Kernbau errichtet haben, wenn das bautechnisch ohne Nutzen war bzw. dem
Treppensystem eher hinderlich? Denn infolge der zwischen 70° und 85° steilen
Kernstufen hätten sich nach der ersten Stufe viel zu steile Treppenanstiege
ergeben. (Abb.3, Abb.4, Abb.5, Abb.6) Ich denke daher, daß die Kernstufenplattformen als schwach
ansteigende Treppen ausgelegt werden konnten, d.h., daß man über sie parallel
und nicht senkrecht zur Pyramidenseite die Steine von Stufe zu Stufe
emporhebelte. Die Breite einer solchen Arbeitsfläche war freilich nicht sehr
groß, zwischen 3m bei den kleinen Satellitenpyramiden von Gizah und ca. 5m bei
der Pyramide des Sahure von Abusir, allerdings allesamt kleinen Pyramiden
zwischen 30m und 48m Höhe. Das könnte aber knapp ausgereicht haben, zumal die
Höhe der Stufen nicht sehr groß war, sie schwankt bei diesen Pyramiden zwischen
4m und 6,5m. Bei den um ein Vielfaches größeren Pyramiden von Gizah und
Dahschur kann man eventuell eine gewisse, aber wohl nicht proportionale
Vergrößerung annehmen. Bei der ca. 66m hohen Mykerinospyramide sind die Stufen 8,4m
hoch, die Arbeitsflächen 5m breit. Ich nehme für die Cheopspyramide rein hypothetisch
einmal 25 Ellen (etwa 12,5m) Höhe bei einem Einrücken pro Stufe auf beiden
Seiten von 14 Ellen (etwa 7m) an. Bei den Vorschlägen von Rampensystemen mußte
auch deswegen eine wesentlich größere Arbeitsbreite angenommen werden, weil
Marschwege für das Herunterbringen der leeren Steinschlitten und die
Wasserträger, die die Rampen feucht zuhalten hätten etc. vorgesehen werden
mußten. Übrigens ist von keinem Autor je erklärt worden, wo denn auf dem
Wüstenplateau von Gizah das benötigte Wasser in ausreichender Menge hätte
herkommen sollen. Im besten Fall schlüge hier nochmals eine erhebliche
Transportleistung zu Buche. Abgesehen davon ist auch sehr fraglich, wie lange
eine Nilschlammrampe die immerwährende Spannung zwischen Bewässern und
Austrocknung ausgehalten hätte. Der Abstieg von Arbeitspersonal war bei den
relativ niedrigen tatsächlich nachgewiesenen Kernstufen ‑ ich betone das
ausdrücklich ‑ unproblematisch. Dafür brauchte kein eigener Weg über die
Kernstufenplattformen reserviert werden, die Leute stiegen viel schneller über
Leitern ab. Benötigtes Arbeitsmaterial konnte man ohne weiteres über Seile von
Stufe zu Stufe heraufziehen. Dafür sind nicht einmal Flaschenzüge
erforderlich. Es ist der Einwand bzw. die Frage zu erwarten, wie bei der
Cheopspyramide nachträglich die Große Galerie hätte eingebaut werden können
bzw. wie man die riesigen Decksteine für Eingang und Grabkammerdecke
heraufgebracht haben könnte. Diese wären nicht übereck zu transportieren
gewesen. In diesem Fall muß man eine breite frontal auf die Nordseite der
Pyramide zulaufende Treppe à la Isler annehmen. Sobald die Entlastungskammern
über der Grabkammer fertig waren, konnte man umlaufend um die vier Seiten
Steine emporhebeln.
Es ist dies nun der rechte Augenblick, zu den
Brinks'schen Determinanten zurückzukehren. Ich schlage vor, davon folgendes
festzuhalten: Erstens, die fiktive (weil nicht in Stein ausgeführte)
Seitenlänge, die sich aus dem Fluchtwinkel über die Kanten der zu errichtenden
Kernstufen und die gewünschte „Größenordnung“ der Pyramide ergibt, ist die
wichtigste Planungsgröße. Die Fertigbaulänge ergibt sich erst am Ende nach der
Wahl der Basisstärke der Verkleidung, die im übrigen in ihrer Stärke von unten
nach oben abnimmt. Zweitens, die Höhe einer Pyramide ergibt sich im Rohbau aus
dem gewählten Fluchtwinkel über die Kernstufen-Außenkanten. Dies ist höchst
bedeutsam und will besagen, daß nicht etwa der Neigungswinkel der fertigen Verkleidung
eine Plangröße war (Brinks' Determinante 3). Drittens. Der Neigungswinkel über
die verkleideten Seiten ergab sich automatisch am Ende aus der Wahl der
Basisstärke der Verkleidung (Brinks' Determinante 5). Deswegen sind die
Versuche Lauers und anderer, die krummen Werte, ausgedrückt in Bruchzahlen für
den Rücksprung, etwas hinzutrimmen, sinnlos. Brinks hat, ich erwähnte das, bei
einigen Pyramiden einen Wert dieses Winkels von 54° 30' erschlossen. Dieser
muß mit dem Böschungswinkel des Kernbaus mit Werten von etwas weniger als 1/10
übereinstimmen, d.h., es ist anzunehmen, daß die Kernstufen-Außenkanten bei
glatten absoluten Höhen in Ellen lagen. Wenn man das nachrechnet, ergibt sich
eine optimale Übereinstimmung bei genau einem Böschungswinkel von 1/10 oder 84°
18' bzw. einem Fluchtwinkel über die Kanten von 55°. In diesem Falle wäre auch
der Fluchtwinkel über die Diagonale genau 45° (Brinks' Determinante 4). Die
tatsächlichen Werte für letzteren weichen davon ab liegen aber doch so nahe
dabei, daß man glauben kann, die Ägypter hätten ihn rein pragmatisch als
besonders günstig erkannt und angestrebt. Weitere Folgen aber hatte das im
Falle des Winkels von 45° nicht. Er war im Gegensatz zur Meinung von Brinks
keine die Bauausführung bestimmende Determinante[xlv].
Dagegen nehme ich an, daß die Böschung von ungefähr einem Zehntel und der
Fluchtwinkel über die Kernstufen von ca. 55° solche Determinanten waren. Die
Kontrolle des Fluchtwinkels erfolgte auch nicht einmal unbedingt über die
Kernstufen-Außenkanten, da die Transporttreppen über die Kernstufen diese
teilweise verdeckten[xlvi].
Die Kontrolle über das oben dargestellte Rapportierungs-Verfahren dürfte
ausgereicht haben. Die Möglichkeit des Fluchtens wird wahrscheinlich in der
Literatur überschätzt; allein wegen der Größe der Baustelle ist es
unpraktikabel, man denke an die Verständigungsmöglichkeiten zwischen einem
Vermesser am Boden und einem „Polier“ in 100m Höhe. Aus Abb.11b ergibt sich,
daß nach Abstecken der fiktiven Seitenlänge im Gelände der tatsächliche Versatz
bis zur Basiskante der ersten Stufe des Kernbaus leicht berechnet werden
konnte, wenn Fluchtwinkel, Böschungswinkel und Höhe der ersten Stufe festgelegt
waren.
Anhang 1
Basislängen des
Fertigbaus von Pyramiden des Alten Reiches nach Brinks und anderen Quellen
Pyramide
|
König
|
Fertigbaumaß
in Ellen
|
Quelle/Kommentar
|
Saqqara
|
Djoser
|
120
|
Lauer, BdE 39,69
|
Meidum E1
|
Snofru
|
207[xlvii]
|
M-R III, Taf.3,5
|
Meidum E2
|
Snofru
|
230
|
Stadelmann, Pyramiden,84
|
Meidum E3
|
Snofru
|
275
|
Stadelmann, Pyramiden,86 mit A.277
|
Dahschur-Süd 2
|
Snofru
|
362
|
J. Dorner, in: MDAIK 42,1986,51
|
Dahschur-Süd 1
|
Snofru
|
300
|
J. Dorner, in: MDAIK 42,1986,55
|
Dahschur-Nord
|
Snofru
|
420/417/423
|
Reisner; vgl. M-R III,Taf.18,3
|
Giza
|
Cheops
|
440
|
Borchardt,
BÄBA 1, (1926), 1937,7f
|
Abu
Roasch
|
Djedefre
|
210
|
erschlossen; vgl. M-R V, Taf.3,1
|
Giza
|
Chefren
|
410
|
M-R V, Taf.5,1
|
Giza
|
Mykerinos
|
200
|
Petrie; vgl.
M-R VI, Taf.4,1-2
|
Saqqara
|
Userkaf
|
140
|
M-R VII,
Taf.2,12
|
Abusir
|
Sahure
|
150
|
M-R VII, Taf.8,4
|
Abusir
|
Neferirkare
|
210
|
M-R
VII, Taf.11,3
|
Abusir
|
Niuserre
|
155
|
Borchardt,
Ne-user-re´,99
|
Saqqara
|
Djedkare-Isesi
|
150
|
M-R VIII,
Taf.12,1
|
Saqqara
|
Unas
|
110
|
Labrousse et
al. , BdE 73,60, Fig.38
|
Saqqara
|
Teti
|
150
|
Lauer-Leclant,
BdE 51,1
|
Saqqara
|
Pepi I
|
150
|
Lauer, Geheimnis,[330]
|
Saqqara
|
Merenre
|
150
|
Lauer, Geheimnis,[330]
|
Saqqara
|
Pepi II
|
150
|
Lauer, Geheimnis,[330]
|
Belege:
Borchardt,
Ne-user-re´:
|
L. Borchardt, Das Grabdenkmal des Königs Ne-user-re´,
(WVDOG 7), Leipzig 1907
|
Borchardt, BÄBA 1:
|
L. Borchardt, Längen und Richtungen der vier Grundkanten
der großen Pyramide bei Gise (BÄBA 1,1926), Kairo 1937
|
Labrousse et
al., BdE 73:
|
A. Labrousse,
J.-Ph. Lauer, J. Leclant, Le temple haut du complexe funéraire du roi Ounas
(BdE 73), Le Caire 1977
|
Lauer, Geheimnis:
|
J.-Ph. Lauer, Das Geheimnis der Pyramiden, München/Berlin
1980
|
Lauer, BdE 39:
|
J.-Ph. Lauer,
Histoire monumentale des Pyramides d’Egypte I (BdE 39), Le Caire 1962
|
Lauer-Leclant,
BdE 51:
|
J.-Ph. Lauer,
J. Leclant, Le temple haut du complexe funéraire du roi Téti (BdE 51); Le
Caire 1972
|
M-R:
|
L’architettura
delle pyramide menfite, Rapallo 1965ff
|
Stadelmann, Pyramiden
|
R. Stadelmann, Die ägyptischen Pyramiden, 3.Aufl. Mainz
1997
|
Die Tabelle der
Basislängen des Rohbaus von Pyramiden des Alten Reiches nach Brinks
reproduziere ich hier nicht, weil unsere Ansichten über die Feststellung der
Rohbaulänge differieren (s.o.). Es ist aber durchaus möglich, daß die Länge der
von mir angenommene im Gelände abgesteckte Basislinie, von der aus der
Fluchtwinkel über die Kanten dern Kernstufen gerechnet wurde, ganzzahlige Vielfache
von 50 Ellen bzw. 100 Ellen betrug.
Anhang 2
Anhangsweise erwähne ich eine Außenseiter‑Lösung, und zwar tue ich das,
weil sich ihr Autor damit brüstet, sie sei wohl richtig, weil kein Ägyptologe
dagegen Einwände publiziert habe. Sie ist aber, wie man sehr leicht zeigen
kann, falsch. Ich meine Oskar Riedl, einen Musikwissenschaftler, der 1985 im
Selbstverlag in Wien das folgende Buch herausgebracht hat: „Die Maschinen des
Herodot. Der Pyramidenbau und seine Transportprobleme. Die Lösung des Jahrtausendrätsels
ohne Wunder und Zauberei“[xlviii].
Es handelt sich um hölzerne Kipp‑Hebebühnen, die von oben an Seilen bzw.
Winden hängend in einem Kipp‑Vorgang die Steine auf ihnen von Schicht zu
Schicht empor transportieren sollten. Nach der Beladung soll der Stein auf dem
Kippschlitten mithilfe einer kleinen Winde etwas aus dem Gleichgewicht
gebracht werden, dann das eine Ende der Bühne von oben soweit angehoben, daß
das eine Bein eine Stufe höher gesetzt werden kann. Dann würde der Stein auf
das andere Ende der Bühne bewegt und das gegenüberliegende Bein angehoben und
so fort. Die Existenz solcher Maschinen würde sich niemals nachweisen lassen.
Das müßte kein Grund für eine sofortige Ablehnung des Vorschlages sein. Jedoch
gibt es folgende Voraussetzungen:
1. Die Pyramide dürfte keinen stufigen Rohbau mit steilem Böschungswinkel
aufweisen.
2. Die Verkleidung müßte von vornherein fertig geglättet versetzt
worden sein.
3. Wenigstens in der Schlußphase müßte es möglich gewesen sein, Verkleidungsblöcke
in den offen gelassenen Bahnen für das Aufsetzen der Beine der Hebebühnen von
oben nach unten einzusetzen. Mit Punkt drei wird man schnell fertig und damit
ist eigentlich schon die ganze Hypothese erledigt. Ihr Autor hat sich nicht
genügend mit den verschiedenen publizierten Schnittzeichnungen der erhaltenen
Partien von Pyramidenverkleidungen beschäftigt. Sonst hätte er sehen müssen,
daß häufig der obere Verkleidungsblock in zwei übereinander liegenden Lagen
gleich lang oder wesentlich länger ist als der untere[xlix].
Dieser kann also unmöglich unter einen sozusagen freischwebenden unteren
eingeschoben worden sein wie Riedl das annehmen muß. Daß die
Kalksteinverkleidung der Pyramiden im Gegensatz zu der Granitverkleidung der
Mykerinospyramide bereits geglättet versetzt worden sei, wird neuerdings von
einigen Autoren erwogen, bewiesen ist es nicht. Die Frage hängt auch mit Punkt
1 zusammen, nämlich der nach der Kernstruktur der Pyramiden der 4. Dyn.
Entweder waren sie durchgehend horizontal gemauert, dann wäre ein Versetzen
der Verkleidung quasi gleichzeitig denkbar. Oder aber es gab einen stufigen
Rohbau wie bei der Mykerinospyramide. Dann ist es wahrscheinlicher, daß die
Füllung der Stufen und die Verkleidung erst in einer zweiten Phase erfolgte.
Bei einem steil geböschten Kernbau können solche Bühnen mangels Auflagerfläche
nicht eingesetzt worden sein.
[i] Es gibt zahlreiche seriöse und unseriöse. Aus der ersten Kategorie nenne ich nur die Namen Arnold, Lauer, Stadelmann, Lehner, Isler, Hodges, Hampikian. D. Arnold hat zuletzt unter dem Titel „Mit Grips und Muskeln“ in NZZ Folio, der Zeitschrift der Neuen Züricher Zeitung Nr.8. (August 1998),54-55 eine allgemeine Übersicht gegeben (Hinweis von Marianne Eaton-Krauss). --- Die Abkürzung der Zeitschriften- bzw. Reihennamen folgt der des Lexikons der Ägyptologie.
[ii] Die Pyramiden der 3. Dyn. weisen „accretion layers“ plus Stufen auf; siehe M. Isler, in: JARCE 24 (1987),98-99.
[iii] Zusammenstellung neuerer Thesen bei R. Stadelmann, Die ägyptischen Pyramiden, 3. Aufl., (Mainz 1997),224. Zwei Aufsätze zu diesem Thema werden von N. Hampikian und Z. Hawass für die Festschrift Stadelmann erwartet (bei Abgabe dieses Manuskriptes noch nicht erschienen).
[iv] Z.B. in:
Ancient Egypt. Discovering its Splendors, published by The National Geographic
Society, (Washington 1978), Abb. S.98-99.
[v] G. Goyon, Le secret
des bâtisseurs des grandes pyramides ‘Khéops’, (Paris 1977),71.
[vi] J.-Ph. Lauer,
Observations sur les pyramides (BdE 30), 1960,56; Ders., Das Geheimnis der
Pyramiden [Le mystère des pyramides, Paris 1974], München/Berlin 1980,256;
zuerst in Le problème des pyramides d’Égypte, (Paris (1948), 1952),177.
[vii] In: RdE 40 (1989), 91ff.
[viii] Nach Goyon, (Anm.5), 82, Fig.23, aber von diesem mit falschem Zitat belegt.
[ix] Auf dieses Kardinalproblem komme ich unten zurück.
[x] Goyon, (siehe Anm. 5), 83.
[xi] La Rampe de Khéops, (Paris 1987) (60pp, maschinenschriftlich); ISBN 2-9501872-0-X. Das Heft wurde von seinem Autor an ägyptologische Institute verschickt.
[xii] R. Stadelmann, Die ägyptischen Pyramiden, 3. Aufl. (Mainz 1997), 224.
[xiii] D. Arnold, in: MDAIK 37 (1981),15-28.
[xiv] Publiziert in: BIE 63 (1981-82), Le Caire 1986, 123-57; Ders., in: RdE 40 (1989), 91ff.
[xv] R. Stadelmann, Die ägyptischen Pyramiden, (Mainz 1985),222.
[xvi] M. Isler, in: JARCE
22 (1985), 129-142; JARCE 24 (1987),95-112.
[xvii] P. Hodges,
How the pyramids were built, (Longmead 1989).
[xviii] Stadelmann, (Anm.12),225.
[xix] Im folgenden sagt Stadelmann nun, man habe ab 20m Höhe nicht mehr in horizontalen Lagen gebaut, sondern über würfelförmige Stufen, wie man an der Mykerinospyramide und anderen Pyramiden deutlich sehen könne. Siehe unten meine weitergehenden Vorschläge.
[xx] In: MDAIK 41 (1985),109ff. Siehe besonders S.130.
[xxi] F. Abitz, in: ZÄS 119 (1992), 61-82.
[xxii] Siehe oben Anm.16. Im zweiten der dort genannten Aufsätze hat Isler seinen ersten Vorschlag modifiziert und den Kernstufen-Rohbau einer ersten Bauphase akzeptiert. Er bleibt aber bei den rechtwinklig auf sie zu führenden Treppen.
[xxiii] Es soll unmöglich gewesen, sein Hartgestein mit
Kupferwerkzeugen zu bearbeiten. Der Beweis des Gegenteils ist aber durch
experimentelle Archäologie erbracht: Denys A. Stocks, Experiments in Egyptian
Archaeology. Stoneworking technology in Ancient Egypt, London/New York 2003.
[xxiv] Sogar von Stadelmann (mit einer Einschränkung), siehe oben Anm.19. Ein gutes Argument ist auch die Tatsache, dass die Pyramide des Neferirkare in Abusir deutlich als stufiger Kernbau mit 76 Grad Neigung und sekundär hinzugefügter Verkleidung mit Neigung von 54 1/2 Grad errichtet worden ist. (M. Verner, Die Pyramiden, Reinbek 1998,325. 508).
[xxv] In: Einiges zur dritten Bauperiode der Großen Pyramide bei Gise (BÄBA 1 (1932)), Kairo 1937, 2ff.
[xxvi] V. Maragioglio - C.
Rinaldi, La grande piramide di Cheope (L’architettura delle piramidi menfite
IV,1-2), (Rapallo 1965), 114ff.
[xxvii] L. Borchardt
(Anm.24),3.
[xxviii] In: GM 48
(1981), 17-24.
[xxix] W.M.F.
Petrie, The Pyramids and Temples of Gizeh, (London 1883), Taf.VIII.
[xxx] In: BIFAO 78 (1978),405-413. Bei den in Abb.1 fett angezeigten Kernschichten hat sich Brinks bei der Ermittlung der Maxima jeweils um eine Position geirrt.
[xxxi] Ellen zu je 52,3cm. Ich halte die Revision von E. Roik, Das Längenmaßsystem im Alten Ägypten, (Hamburg 1993) für unzutreffend. Das kann hier nicht näher begründet werden.
[xxxii] Siehe oben Anm.12,223.
[xxxiii] Nach Maragioglio-Rinaldi akzeptiert von M. Isler, in: JARCE 24 (1987),98, 100, Fig.3-4.
[xxxiv] In: GM 78 (1984),33-48.
[xxxv] In: Die erste Stufe ist in Abb.10 nur wegen des Brink’schen Vorbildes ebenso hoch gezeichnet. Weiter unten nehme ich gleich hohe Kernstufen à 25 Ellen an.
[xxxvi] V. Maragioglio-C.
Rinaldi, L’architettura delle piramidi menfite VI,1-2, (Rapallo 1967),34 und
Taf. 4, Fig.2.
[xxxvii] R. Stadelmann, in: MDAIK 39 (1983),235, Taf.75.
[xxxviii] (Hinweis Brinks), abgemessen am Plan V. Maragioglio-C. Rinaldi, La grande piramide di Cheope (L’architettura delle piramidi menfite IV,1-2), (Rapallo 1965), Taf.6,3. Der dort angegebene Winkel von 53° 10' bezieht sich dagegen auf die fertige Verkleidung.
[xxxix] D. Arnold, Building in Egypt. Pharaonic Stone Masonry, (New York/Oxford 1991),159-61. Siehe auch Stadelmann in der 3. Aufl. seines Pyramidenbuches (oben Anm.12).
[xl] V. Maragioglio-C.
Rinaldi, L’architettura delle piramidi menfite VI, (Rapallo 1970),86.
[xli] V. Maragioglio-C.
Rinaldi, (Anm.39), IV,1-2, (Rapallo 1965), 78, Taf.12, Fig. 10-11.
[xlii] Siehe aber Parallelbeispiele von D. Arnold, (Anm.38),12 und Borchardt, Das Grabdenkmal des Königs Ne-user-re´, (WVDOG 7), Leipzig 1907,154, Abb.129.
[xliii] In: ZÄS 31 (1893),9-17. Genauer gesagt, ging es
ihm um die falsche Interpretation einer Aufgabe aus dem mathematischen Papyrus
Rhind durch Eisenlohr. Siehe im Sinne Borchardts T.E. Peet, The Rhind
Mathematical Papyrus British Museum 10057 and 10058, (London 1923),97ff.
[xliv] Holzgerüste zum Ausgleich der Seilspannung vermutet D. Arnold, Building in Egypt, (New York/Oxford 1991),12 bei der Besprechung einer solchen Meßmauer an der Mastaba 17 von Meidum. Seine daran anschließende Bemerkung, diese Art Meßmauer habe für den Pyramidenbau nur ganz unten benutzt werden können, weil weiter oben kein Platz für ihre Errichtung bestanden habe, ist nur verständlich, weil er von simultaner Verlegung von Kern- und Verkleidungsmauerwerk ausgeht. Der hier besprochene Beleg widerlegt dies genauso wie der oben in Anm.41 zitierte von Borchardt.
[xlv] G. Robins und C.C.D. Shute (in: GM 57 (1982),49-54) glaubten, ein photographisches Meßverfahren für die Winkel gefunden zu haben, dessen prinzipielle Untauglichkeit jedoch kurz darauf J. Dorner (in: GM 94 (1986),31-37) aufzeigte.
[xlvi] Aus der Bezeichnung „Fluchtwinkel“ folgt nicht, daß seine Einhaltung wirklich durch „Fluchten“ kontrolliert werden mußte. Er ist eine Planungsgröße.
[xlvii] Brinks gibt in: GM 78 (1984),35 220 Ellen an. In einer früheren, mir überlassenen Version des Manuskriptes standen 206 E. Aus dem Plan von Maragioglio-Rinaldi ergeben sich: 2*54,20m = 108,4m, was bei einer Elle von 0,523m auf ca. 207 E führt.
[xlviii] Er hatte vorher schon in zwei kleinen Test-Artikeln seine Ideen in GM 52 (1981),67-73 und 53 (1982),47-49 publiziert, was aber, wie gesagt, ohne Reaktion blieb.
[xlix] Abb. z.B. bei
Maragioglio-Rinaldi, L’architettura delle pyramide menfite V, (Rapallo 1966),
Taf.6, Fig.2.8.
Abbildungen
- Abb.1 Cheopspyramide, Schnitt
- Abb. 2 Steinhöhen nach dem Petrie-Diagramm
- Abb. 3 Transport von Blöcken über Kernstufen 1
- Abb. 4 Transport von Blöcken über Kernstufen 2
- Abb. 5 Transport Methode Isler
- Abb. 6 Kernstufen-Rohbau nach Graefe
- Abb. 7 Grundriß mit Determinanten
- Abb. 8 Diagonalschnitt nach Brinks
- Abb. 9 Längsschnitt nach Brinks und Graefe
Abbildungen
- Abb.10 Längsschnitt des Kernbaus nach Graefe
- Abb. 11 Fluchtwinkel und Pyramidenhöhe
- Abb. 12 Verkleidungsrest Chefren
- Abb. 13 Kernstufen Mykerinos
- Abb. 14 Winkel- und Höhenverhältnisse
- Abb. 15 Lehre für Böschungswinkel
- Abb. 16 Meßmauer
- Abb. 17 Ecken-Aufriß
- Abb. 18 Höhenbestimmung

