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Sportmedizinische Tipps


Seit 2009 ist das Zentrum für Sportmedizin, um die Ärzte Dr. med. Gerrit Borgmann und Dr. med. Ralph Schomaker, "Sportmedizinischer Partner des Hochschulsports".

Im Herzen Münsters vereint das Zentrum für Sportmedizin hochprofessionelle Dienstleister, die sich mit Sport, Gesundheit und Bewegung in all ihren Facetten beschäftigen. Die Patienten erwartet ein Netzwerk der "kurzen Wege", das es erlaubt, den individuellen Bedürfnissen und persönlichen Fragestellungen besonders schnell gerecht zu werden.

Im Rahmen dieser Partnerschaft betreuen Dr. Borgmann und Dr. Schomaker von 2009 bis 2013 den Basketball Nationen-Cup und seit 2012 den Leonardo-Campus-Run. In unseren Programmheften werden regelmäßig die wertvollen "Tipps vom sportmedizinischen Partner" veröffentlicht, die ihr hier noch einmal nachlesen können.

  • Kraft- oder Ausdauertraining?


    Viele Menschen treiben Sport aus gesundheitlichen Gründen und die zu erwartenden Effekte von Training auf die Gesundheit sind oft Bestandteil lebhafter Diskussionen. Was bewirkt Ausdauertraining und wer profitiert am meisten vom Krafttraining?

    Ein Ausdauertraining gilt in der Vorbeugung lebensstilbedingter Erkrankungen als umfassendes „Ganzkörpermedikament“: Krebsprävention, Demenzvorbeugung sowie Senkung von Blutfetten, Blutdruck und Blutzucker zählen neben der antidepressiven und herzinfarkt- sowie schlaganfallvorbeugenden Wirkung zu den gut belegten Effekten eines regelmäßigen Ausdauertrainings. Vier bis fünf Stunden niedrig intensivem Ausdauertrainings pro Woche (ungefähr 300 kcal. pro Tag) gelten in Fachkreisen als gängige Empfehlung. Auf die Knochendichte (Osteoporose-Vorbeugung) und die Muskelmasse hingegen hat ein Ausdauertraining nur geringe Effekte.

    Da Menschen in Mitteleuropa im Mittel weniger als 1.000 Schritte am Tag gehen (≈ 630 bis 730 m) und an Sitzendarbeitsplätze gebunden sind, spielt der inaktivitätsbedingte Muskelmassenverlust im Alter eine herausragende Rolle: Sturzrisiko und Pflegebedürftigkeit gehen vielfach auf einen Mangel an Muskelmasse (Sarkopenie) und resultierende Schnellkraftverluste (Dynapenie) zurück! Im Punkt Muskelmassenzuwachs und Osteoporose-Vorbeugung ist das Krafttraining dem Ausdauertraining weit überlegen! Man geht daher davon aus, dass oberhalb des 60. Lebensjahres die präventiven Effekte eines Krafttrainings die des Ausdauertrainings übertreffen, insbesondere wenn die Betroffenen einen sitzenden Arbeitsplatz innehatten.

    Fazit: je älter man wird und desto mehr Zeit man seiner Lebensspanne sitzend verbracht hat, umso wichtiger wird Krafttraining!

    Wir wünschen euch viel Spaß beim Hochschulsport.

    Veröffentlicht: Wintersemester 2016/2017
    Autoren: Dr. med. Gerrit Borgmann, Dr. med. Ralph Schomaker

  • Gesund ernähren - wie geht das?


    Noch vor dem Bewegungsmangel spielt die Fehl- und Überernährung die herausragende Rolle in der Entstehung chronischer Erkrankungen. 40 Jahre „low fat“ und die Anzahl übergewichtiger Menschen weltweit nimmt rasant zu. Der „Typ-II-Diabetes“ - lange als „Altersdiabetes“ missverstanden - ist weltweit die häufigste Zivilisationserkrankung und führt zu erheblich verfrühter Sterblichkeit.

    Die Hauptursache liegt weder in Bewegungsmangel und noch in zu fettreicher Ernährung: Seit wenigen Jahrzehnten stellen hochenergiedichte Kohlenhydrate (raffiniertes Weizenmehl, Fruktosesirup aus Mais, Industriezucker) die Hauptgewinnbringer von Nahrungsmittelkonzernen dar. Menschen, deren tägliche Nahrung weniger als 125 kcal./100 g enthält, haben ein sehr geringes Übergewichtsrisiko (Salat mit Hähnchen: 89 kcal./100 g) - dies trifft jedoch für die meisten industriell verarbeiteten Nahrungsmittel nicht zu: Der hohe Energiegehalt von Limonade, Fruchtsaftgetränken, Fast Food und Convenience Food entsteht durch die o.g. Kohlenhydrate während insbesondere der Eiweiß- und Fettbedarf der Menschen nicht ausreichend gedeckt wird.

    Ein Sättigungsgefühl entsteht nicht durch eine bestimmte Höhe der Energieaufnahme. „Du bist satt“ meldet unser Magen, wenn er mit etwa 500 g gefüllt ist und unser täglicher Eiweißbedarf gedeckt ist. Dieses Sättigungssignal benötigt etwa 15 Minuten! Daher: Wer langsam isst, isst weniger!

    Im 21. Jahrhundert bedeutet gesunde Ernährung „Clever sättigen“! Verzichtet auf Fertignahrungsmittel und Supermarktware und kauft „lokal & bio“. Bevorzugt unverarbeitete pflanzliche Nahrungsmittel - Gemüse ist dabei gesundheitlich wertvoller als Obst! Achtet auf euren Eiweiß- und Fettbedarf – es ist eine Herausforderung, diesen ethisch und ökologisch vertretbar zu decken (Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Geflügel ohne Massentierhaltung, Treibnetzfischerei, etc.).

    Bereitet eure Mahlzeiten selbst zu: Kochen ist von jeher ein Ausdruck menschlicher Kultur. Ziel einer Mahlzeit ist es, eine langanhaltende Magenfüllung bei ausreichender Versorgung mit Vitaminen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen und unter Deckung des Eiweiß- und Fettbedarfs zu erreichen und dabei unter 125 Kcal/100g zu bleiben.

    Wir wünschen euch viel Spaß beim Hochschulsport.

    Veröffentlicht: Wintersemester 2016/2017
    Autoren: Dr. med. Gerrit Borgmann, Dr. med. Ralph Schomaker

  • Vitamin D - das unterschätzte Sonnen-Vitamin


    Nun steht die dunkle Zeit des Jahres vor der Tür. Die Kraft des Sonnenlichtes nimmt ab und es ist vielleicht ein guter Zeitpunkt sich einmal mit dem „Sonnenvitamin“ D zu beschäftigen. 30 bis 70 Prozent der Deutschen gelten in der Winterzeit als unterversorgt. Wenn man es genau nimmt, ist es eigentlich gar kein Vitamin sondern ein lebenswichtiges fettlösliches Prohormon (Hormonvorstufe). Wie wichtig es ist, wurde lange Zeit unterschätzt. Mittlerweile zeigen aber zahlreiche Studien, dass es in der Vorbeugung zahlreicher Krankheitsbilder eine entscheidende Rolle spielt. Hierzu gehören u.a. Osteoporose, Diabetes, Krebserkrankungen, Herzinfarkte, Schlaganfälle und Demenzen.

    Etwa 90 Prozent unseres Vitamin D entstehen über Sonneneinstrahlung und 10 Prozent werden über die Nahrung (v.a. fettreicher Fisch) aufgenommen. An einem sonnigen Tag reicht etwa eine Viertelstunde Sonnenbestrahlung auf Gesicht, Hände und Unterarme, um mehrere Tausend Internationale Einheiten (IE) Vitamin D zu produzieren. Zwischen Mitte Oktober und Mitte April kommt die Vitamin-D-Produktion der meisten Menschen in Deutschland nahezu vollständig zum Erliegen.

    Daher halten viele Experten eine ärztliche Bestimmung des Blutspiegels nicht nur für Risikogruppen für sinnvoll. Als optimal werden derzeit Werte zwischen 30 bis 60 ng/ml diskutiert. Unterhalb eines Wertes von 20 ng/ml drohen erste Gesundheitsrisiken. In diesem Fall sollte eine bedarfsgerechte Supplementierung von Vitamin D zumindest über das Winterhalbjahr erfolgen. Die Kosten sind überschaubar und betragen für den Gesamtjahresbedarf meist ca. 40 bis 50 Euro. Um den empfohlenen Vitaminspiegel von 30-60 ng/ml zu erreichen, bedarf es bei den meisten Menschen der täglichen Gabe von 600 bis 4000 IE Vitamin D. Eine Bedarfsdeckung ausschließlich über die Nahrung ist nicht leicht erreichbar: So enthalten 100g Hering oder 400g Thunfisch „nur“ etwa 800 IE.

    Für Sportler/innen interessant sind auch aktuelle Studien zur Bedeutung von Vitamin D für die sportliche Leistungsfähigkeit. Diese ist bisher nur in Ansätzen erforscht. Es scheint aber so zu sein, dass Vitamin D-Mangel mit sinkender Sprungkraft, Sprunghöhe, Sprunggeschwindigkeit sowie mit Gangunsicherheit und steigendem Sturzrisiko einhergehen. Unter Vitamin-D-Gabe nahm zudem die Muskelkraft der hüft- und kniegelenkführenden Muskulatur deutlich zu und das Sturzrisiko älterer Patienten konnte um bis zu 60% gesenkt werden.

    Zusammenfassend ist der Vitamin-D-Spiegel für Sportler/innen also nicht uninteressant. Im Sommer ist es leicht für eine ausreichende Sonnenexposition zu sorgen. In der dunklen Zeit des Jahres fällt das erheblich schwerer und es gibt es für Sportler gute Argumente, den Spiegel in den Wintermonaten einmal kontrollieren zu lassen.

    Wir wünschen euch viel Spaß beim Hochschulsport.

    Veröffentlicht: Wintersemester 2015/2016
    Autoren: Dr. med. Gerrit Borgmann, Dr. med. Ralph Schomaker

  • Sport und Alkohol


    Patienten erwarten an dieser Stelle den erhobenen Zeigefinger. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es viel effektiver ist, über Fakten aufzuklären.

    1. Alkohol lässt den Spiegel des Stresshormones Cortisol steigen. Cortisol sorgt als Gegenspieler des Testosterons für Muskelabbau und hemmt den Abbau von Fettgewebe.
    2. Alkohol hemmt die Ausschüttung von Wachstumshormonen. Aufgrund ihrer Bedeutung für Regeneration und Muskelaufbau werden so Trainingseffekte gehemmt.
    3. Regelmäßiger Alkoholkonsum verschlechtert die Schlafqualität und behindert die Regeneration.
    4. Alkohol macht dick. Alkohol liefert 7,1 kcal. Energie pro Gramm. Diese Energie verwertet der Körper sofort. Enthält das Getränk zusätzlich viel Zucker oder wird durch Essen zusätzlich reichlich Energie zugeführt, wird diese zusätzliche Energie meist direkt in den Fettzellen gespeichert.
    5. Alkohol schwächt die Immunabwehr. Sportler, die regelmäßig Alkohol konsumieren, leiden daher z.B. häufiger an Infekten.
    6. Alkohol reduziert die koordinative und reaktive Leistungs- und Lernfähigkeit und das nicht nur nicht nur während des Konsums sondern auch noch am Folgetag.
    7. Alkohol erhöht die Verletzungsgefahr. Manchmal wird der glimpflich ausgegangene Sturz einer angetrunkenen Person mit dem Satz „Kindern und Betrunkenen geschieht nichts“ kommentiert. Studien z.B. aus dem Skisport zeigen das Gegenteil. Schon geringer Alkoholkonsum erhöht die Sturz- und auch die Verletzungsgefahr erheblich.

    Für Alkoholkonsum vor, während oder unmittelbar nach dem Sport spricht so gut wie nichts. Im Rahmen von Feiern oder anderen sozialen Veranstaltungen kann er natürlich helfen, kommunikative Barrieren zu reduzieren. Wer aber die sportliche Performance in den Fokus setzt, für den gilt: So wenig und so selten wie möglich.

    Wir wünschen euch viel Spaß beim Hochschulsport.

    Veröffentlicht: Wintersemester 2015/2016
    Autoren: Dr. med. Gerrit Borgmann, Dr. med. Ralph Schomaker

  • Sport ist Mord?


    Mit Beginn der warmen Jahreszeit  kommt bei vielen Menschen der Wunsch auf, sich wieder mehr zu bewegen. Joggen steht dabei ganz oben auf der Liste der häufigen Sportaktivitäten. Rasch stellen sich Erfolge ein, das Trainingspensum steigt an und viele Läufer setzen sich dann höhere Ziele, z.B. die Teilnahme an einem Marathon. Um diesen gesund, mit Freude und ohne Blessuren zu bewältigen bedarf es eines nicht ganz unerheblichen Trainingsaufwandes. Fünf Stunden je Woche sollten es schon sein. Nicht selten führt dies zu Reaktionen im sozialen Umfeld, denn viele Menschen setzen eine solche Vorbereitung mit exzessivem und übertriebenem Sporttreiben gleich – nach dem Motto „Sport ist Mord!“ Stimmt das?

    Das „American College of Sports Medicine“ empfiehlt in seiner aktuellen Leitlinie jedem Menschen zum Zwecke der Gesunderhaltung einen minimalen zusätzlichen Energieverbrauch von 300 Kalorien täglich durch Ausdauersport – das ist ein Minimum von 2.100 Kalorien pro Woche! Leistungsdiagnostische Untersuchungen zeigen, dass dies für die meisten Zeitgenossen etwa fünf Stunden aerobe Ausdaueraktivität je Woche bedeutet (je nach Trainingszustand Walking oder Jogging; ein Radtraining benötigt höhere Zeitumfänge, weil weniger Energie verbraucht wird).

    Die „PACE-Studie“ der Sporthochschule Köln zeigt, dass Marathonläufer in Deutschland im Mittel im Jahresquerschnitt 40 Trainingskilometer in der Woche zurücklegen – das sind etwa fünf Stunden Trainingsaktivität pro Woche!

    Auch wenn es Ausnahmen gibt: Das Marathontraining der Mehrheit der Marathonläufer in Deutschland kann nicht als „übertriebenes Sporttreiben“ bezeichnet werden, absolvieren sie doch gerade eben den Mindestumfang des von internationalen Fachorganisationen zur Gesundheitspflege empfohlenen Trainingsumfangs. Ein gesunder Jogger sollte dennoch mindestens drei Jahre für die Vorbereitung auf den ersten Marathon einplanen, um Knochen und Sehnen nicht zu überfordern und keine orthopädischen Überlastungserscheinungen zu riskieren!

    Wir wünschen euch viel Spaß beim Hochschulsport.

    Veröffentlicht: Sommersemester 2015
    Autoren: Dr. med. Gerrit Borgmann, Dr. med. Ralph Schomaker

  • Mit Jogging zur Bikinifigur?


    Die nahende Urlaubszeit ruft vielen Menschen den Gedanken an die Traumfigur wieder zurück ins Gedächtnis. „Jeder Gang macht schlank“ lautet eine alte Volksweisheit und so werden landauf landab die Joggingschuhe geschnürt mit dem Ziel durch eine Erhöhung des Kalorienverbrauches übermäßige Pfunde zu verlieren. Funktioniert das?

    Vier große Metaanalysen haben sich zwischen 2007 und 2011 dieser Fragestellung gewidmet und kommen zu einem klaren Ergebnis: Trotz regelmäßigen Trainings gelingt es weniger als 5% der Trainierenden erfolgreich Gewicht zu reduzieren – die Gewichtsreduktionsraten liegen zwischen 0,8 Kilogramm und 1,9 Kilogramm im Jahr!

    Vergleicht man dies mit kohlenhydratreduzierten Ernährungsformen (LOGI, neue Atkins-Ernährung nach Phinney & Volek, Paleoernährung), so schneiden diese deutlich besser ab: Hier liegt hier der gewichtsreduzierende Effekt bei 3 bis 4 Kilogramm pro Monat! Nach sechs Monaten kann es, trotz Beibehaltens der „low carb“-Ernährung, zu einem geringfügigen Wiederansteigen des Körpergewichts kommen.

    Ausdauersport hat sehr viele positive Effekte: Blutdrucksenkung, Krebsschutz, Herzinfarkt- und Schlaganfallvorbeugung, Demenz- und Depressionsprävention. Eine nennenswerte Gewichtsreduktion tritt ohne eine Ernährungsumstellung jedoch nicht ein! Damit eine kohlenhydratreduzierte Ernährungsform nicht zu einer Mangelernährung führt, ist es wichtig, primär die industriell verarbeiteten Kohlenhydratquellen zu meiden (Weizenmehlprodukte, Fruktosesirup, raffinierte Zucker) und auf ausreichend unverarbeitete pflanzliche Nahrungsmittel zu achten (Salat, Gemüse, Obst).

    Wir wünschen euch viel Spaß beim Hochschulsport.

    Veröffentlicht: Sommersemester 2015
    Autoren: Dr. med. Gerrit Borgmann, Dr. med. Ralph Schomaker

  • Sport und Geist


    Dass regelmäßiges Sporttreiben zu positiven körperlichen Effekten führt, ist in unzähligen Studien belegt. Neuere Studien zeigen jedoch auch viele positive Effekte für die geistige Gesundheit. Wenn es auch nicht so ist, wie einige Mental-Gurus propagieren, dass sportliche Bewegung die geistige Kapazität direkt signifikant steigert, so zeigen sich doch sehr interessante Langzeiteffekte.

    Belegt ist z.B. eine protektive Wirkung gegen die Hirnschrumpfung im Altersgang. Forscher beobachten, dass die Schrumpfungsprozesse, die sonst ab dem 30. Lebensjahr auftreten, ausbleiben, wenn die Probanden regelmäßig drei Stunden Ausdauertraining durchführten. Insbesondere das Frontalhirn - der Sitz von Gedächtnis und logischem Denken - scheint von regelmäßigem Ausdauertraining zu profitieren.

    Ausdauertraining verlangsamt aber nicht nur die Alterungsprozesse, sondern reduziert auch das Risiko an Alzheimer-Demenz zu erkranken. 60 Minuten langsames Laufen pro Woche senkt das Risiko an einer Demenz zu erkranken um 30%. Drei Stunden niedrig intensives Ausdauertraining halbiert das Risiko!

    Auch in physischen Belastungssituationen ist sportliche Betätigung und im Besonderen das Ausdauertraining für viele Menschen eine große Stütze. So belegen mittlerweile viele große Studien, dass dem Lauftraining bei Depression und psychischem Stress eine vorbeugende und heilende Wirkung zukommt. So konnten beispielsweise "Burn-Out"-betroffene Würzburger Lehrer durch ein 10-wöchiges aerobes Lauftraining eine erhebliche Beschwerdeverbesserung erreichen.

    Ausdauertraining mach weniger stressanfällig und verbessert die Fähigkeit Ein- und Durchzuschlafen. Wiederkehrender Sport wirkt angstlösend, reduziert Depressionen und führt zu einer anhaltenden Stimmungsverbesserung wie auch zu einer Steigerung des Selbstbewusstseins! So verwundert es nicht, dass insbesondere Ausdauertraining erfolgreich in der Behandlung von Stresszuständen, Angststörungen, Depression, Schlafstörungen und Alzheimer-Demenz eingesetzt wird.

    Für Studierende gilt: Die sportliche Betätigung in Prüfungsphasen komplett einzustellen, ist nicht sinnvoll. Ein signifikanter direkter positiver Effekt auf die geistige Leistungsfähigkeit muss dabei nicht auftreten, aber insbesondere niedrig intensives Ausdauertraining kann Studierenden mit Stresssymptomen helfen, die Vorbereitungsphase ungestörter und damit erfolgreicher zu bestehen.

    Veröffentlicht: Wintersemester 2014/2015
    Autoren: Dr. med. Gerrit Borgmann, Dr. med. Ralph Schomaker

  • Kampf gegen den "inneren Schweinehund"


    Wiederkehrend nehmen sich 50% der Deutschen zum Jahreswechsel eine Lebensstilveränderung vor, um etwas für ihre Gesundheit zu tun, gerade einmal 8% erreichen das angestrebte Ziel. Insbesondere, wenn es sich um regelmäßige sportliche Betätigung handelt, fällt es vielen Menschen besonders schwer, ihre Ziele umzusetzen.

    In den allerwenigsten Fällen handelt es sich dabei um eine bewusste Entscheidung gegen weiteres Sporttreiben. Im Regelfall wird die Entscheidung, die zum Einstellen der Sporttätigkeit führt, unbewusst getroffen. Man schafft es einfach nicht (mehr), den "inneren Schweinehund" zu überwinden. Vereinfacht kann gesagt werden: Wer eine Lebensstiländerung wie regelmäßiges Sporttreiben umsetzen möchte, kommt an seinem Unterbewusstsein nicht vorbei. Hirnforscher gehen davon aus, dass wir über 90% unserer Entscheidungen im Tagesverlauf unbewusst treffen. Routinetätigkeiten, Denkmuster, Tagesabläufe und Handgriffe, sind als automatisierte Programme wie "Trampelpfade" im Unterbewusstsein verankert. Das ist energieeffizient und sinnvoll, denn Denken und bewusstes Treffen von Entscheidungen strengen an.

    Eine Lebensstiländerung bedeutet also nicht eine einmalige Entscheidung im Sinne des sorgfältigen Abwägens von Vor- und Nachteilen, sondern funktioniert nur dann, wenn der Vorsatz durch systematisches und regelmäßiges Wiederholen dauerhaft im Unterbewusstsein verankert wird.

    Hirnforscher gehen davon aus, dass der Mensch ein Verhalten 30 bis 60 Mal wiederholen muss und dabei zehn bis zwölf Wochen braucht, um eine gesundheitsrelevante Gewohnheit als neuen (Trampel-)Pfad in seinem Unterbewusstsein anzulegen ("point of no return").

    Der „innere Schweinehund“ hat aber noch eine weitere Facette. Neben der Macht unserer Gewohnheiten umfasst der Begriff auch unsere emotionale Steuerung. Daher ist es wichtig, sich realistische erreichbare Ziele zu setzen, deren Erfüllung eine positive emotionale Verstärkung bringt. Visualisierung eigener Trainingserfolge, Training in der Gruppe mit Gleichgesinnten, Bewegung an der frischen Luft und Freude am Erreichen kleiner Ziele helfen, sich den "inneren Schweinehund" zum Freund zu machen.

    Veröffentlicht: Wintersemester 2014/2015
    Autoren: Dr. med. Gerrit Borgmann, Dr. med. Ralph Schomaker

  • Trinken im Sport


    Jahrzehntelang ist insbesondere Ausdauersportlern geraten worden, bereits vor dem Einsetzen des Durstgefühls zu trinken. Dem Sportler wurde suggeriert, sein Durstgefühl sei ein unzureichender Mechanismus, um zuverlässig den Flüssigkeitshaushalt unter sportlichen Belastungen zu steuern. Trinkempfehlungen wurden starr festgelegt und lagen bei Langzeitausdauerbelastungen wie dem Marathon meist bei 800 bis 1200 ml pro Stunde. In der Folge schossen viele Ausdauersportler über das Ziel hinaus, so dass sich in aktuellen Untersuchungen bei 13% der "Marathonfinisher" aufgrund zu hoher Trinkmengen Elektrolytveränderungen zeigen. Folgen einer solchen Hyponatriämie reichen von verminderter Leistungsfähigkeit, über Übelkeit/Erbrechen bis zu Bewusstseinstrübung und Muskelkrämpfen.

    Die Empfehlung "Trinke so viel wie möglich, selbst wenn du keinen Durst hast!" ist also nicht nur unsinnig, sondern kann sogar gefährlich sein. Besser ist es daher, seinem Durstgefühl zu trauen.

    Sportgetränke erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Zugesetzte Mineralstoffe machen dabei durchaus Sinn. Zugesetzte Vitamine haben kaum Nutzen, da man beim Schwitzen zwar Mineralstoffe, aber kaum Vitamine verliert. Eine Vitaminzufuhr über den tatsächlichen Bedarf hinaus führt zudem zu keiner Leistungssteigerung.

    Bei längeren Belastungen können Kohlenhydrate auch über das Sportgetränk zugeführt werden. Hierzu kann man spezielle Sportgetränke kaufen oder auch selber zubereiten. Mischt man Saftschorle im Mischungsverhältnis 3:1 (Mineralwasser/Saft), ergibt sich ein Kohlenhydratanteil von 50 bis 60 Gramm je Liter, womit die meisten Sportler gut zurecht kommen. Das eingesetzte Mineralwasser sollte neben Natrium idealerweise auch Calcium (ca. 200 mg/Liter) und Magnesium (ca. 100 mg/Lite) enthalten.

    Spielsportler bevorzugen dabei tendenziell eine etwas höhere Kohlenhydratkonzentration als Ausdauersportler, da bei Ihnen Magen-/Darmprobleme seltener sind und die höhere Kohlenhydratzufuhr ihre Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit stützt.

    Wird Apfelschorle im Ausdauersport in zu hohen Konzentrationen (z.B. 1:1) gemischt, kann sie in größeren Mengen abführend wirken, da das Getränk dann viel Fruchtzucker enthält. Besser sind dann andere Mischungsverhältnisse wie z.B. Mineralwasser, Apfelsaft, Traubensaft im Verhältnis 6:2:1.

    Veröffentlicht: Sommersemester 2014
    Autoren: Dr. med. Gerrit Borgmann, Dr. med. Ralph Schomaker

  • Tipps für sportliche Wiedereinsteiger


    Im Frühjahr planen besonders viele Menschen ihren Wiedereinstieg in den Sport. Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen und ein schon verloren geglaubter Bewegungsdrang macht sich bemerkbar. Aktuelle Studien belegen eindrucksvoll, wie unsere Körper und unsere Psyche auch im Falle eines Wiedereinstieges von sportlicher Betätigung profitieren. Blutfette verbessern sich, der Blutdruck sinkt, Lungenfunktionswerte verbessern sich, wir werden ausgeglichener und die Gefahr später einen Diabetes-mellitus Typ 2 zu entwickeln, wird erheblich reduziert. Auch für den Rücken gilt, dass Bewegung einer der stärksten präventiven Faktoren für Rückenschmerzen ist.

    Bei der Auswahl der Sportart sollten die eigenen Neigungen und Interessen im Fokus stehen. Eine Sportart wird meist nur dann dauerhaft ausgeübt, wenn sie Freude bereitet. Interessanterweise scheint es, nach ca. zehn Wochen eine Art „point of no return“ zu geben – das heißt, nach ca. zehn Wochen fällt die Quote der „Abbrecher“ rapide ab und die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass man danach Sportler bleibt.

    Ehemalige Sportler, die nach Jahren der Abstinenz wieder einsteigen, neigen dazu, sich in ihrer Trainingsplanung an ihrer alten Leistungsfähigkeit zu orientieren. Der passive Bewegungsapparat, also Knochen, Gelenke, Bänder und v.a. Sehnen brauchen jedoch eine längere Zeit, um sich an die neuen Belastungen anzupassen. Gibt man ihnen nicht die Zeit, die sie benötigen, können ernsthafte Probleme auftreten.

    Grundregeln für Wiedereinsteiger:

    • Steigere deine Belastung langsam
    • Plane Erholungspausen ein
    • Setze dir realistische Ziele
    • Gesunde, vollwertige Ernährung und ausreichender Schlaf sind eine wichtige Ergänzung (auch für eine gewünschte Gewichtsreduktion)
    • Suche dir Mitstreiter
    • Lasse dich vorher ärztlich untersuchen, wenn bereits gesundheitliche Probleme bestehen

    Veröffentlicht: Sommersemester 2014
    Autoren: Dr. med. Gerrit Borgmann, Dr. med. Ralph Schomaker

  • Tipps gegen Rückenschmerzen


    Rückenschmerzen sind leider auch für viele Studierende ein relevantes Thema und vergleicht man epidemiologische Studien der letzten Jahre so nimmt die Anzahl der Betroffenen eher zu, wobei Frauen etwas häufiger als Männer betroffen sind. Ursachen sind vielfältig und ein rein biomedizinischer Ansatz reicht in der Ursachenforschung des Rückenschmerzes sicher nicht aus. Kognitive und psychosoziale Faktoren verdienen es, in Diagnose- und Therapiekonzepte integriert zu werden. Es ist aber nicht nur so, dass die Psyche die Schmerzen beeinflusst. Auch der umgekehrte Weg ist möglich.

    Hervorzuheben ist die ausgeprägte Wirksamkeit von körperlichem Training. Auch in der Primärprävention von Rückenschmerzen (Maßnahmen, damit ein Rückenschmerz gar nicht erst auftritt) zeigt körperliche Aktivität ausgeprägte Effekte. Ausgangspunkt jeder Therapie sollte immer eine gründliche diagnostische Abklärung sein.

    In der Therapie und Prävention zeigt sich ein deutlicher Trend weg von der klassischen Rückenschule hin zu modernen multimodalen Rückenkursen. Was ist anders?

    Stichwort "Überlastung": Der Verschleiß als Folge von Sport oder Überlastung wurde in der Vergangenheit überschätzt. Nur ein ständig natürlich bewegter Rücken bleibt beschwerdefrei.

    Stichworte "korrekte Haltung/korrekte Bewegung": Es gibt nicht wirklich falsche Bewegungen und unkorrekte Haltungen. Alle Bewegungsrichtungen sollten genutzt werden. Statt starrer achsenbezogener Bewegungsschule erfolgt eine Orientierung an Alltagsbewegungen. Die Wirbelsäule braucht Drehbewegungen, um stabil zu bleiben. An die Stelle von Schonung tritt Wahrnehmungstraining, um Überlastungen zu vermeiden.

    Allgemeine Tipps gegen Rückenschmerzen:

    • Trainiere regelmäßig deine Rumpfmuskulatur, ganz besonders deine tiefen Rückenmuskeln.
    • Wenn du selber einen Zusammenhang zwischen psychischem Stress und dem Auftreten von Rückenschmerzen beobachtest, ist es oft hilfreich entspannende Maßnahmen in das Therapiekonzept zu integrieren. Ob dies Yoga, Ausdauertraining, Massagen oder andere Maßnahmen sind, kann niemand so gut beurteilen, wie du selbst.
    • Lasse insbesondere therapieresistente Rückenschmerzen gründlich abklären.
    • Muskelverspannungen reagieren häufig positiv auf Wärmeanwendungen, z.B. mit Körnerkissen. Heiße Wickeln, z.B. mit Ingwer, haben häufig einen noch stärker muskelrelaxierenden Effekt.
    • Ergänze schulmedizinische Therapie mit alternativen Heilverfahren (wie z.B. Akupunktur, Manuelle Medizin oder Phytotherapie).

    Veröffentlicht: Wintersemester 2013/2014
    Autoren: Dr. med. Gerrit Borgmann, Dr. med. Ralph Schomaker

  • Sport bei Kälte


    Viele Sportler/innen trainieren draußen (Fußball, Radsport, Ski, Surfen). Dies kann im Winter zu unterschiedlichen Problemen führen. Ein häufiges Problem ist z.B., dass das Aufwärmen aufgrund der niedrigen Außentemperaturen länger dauert und man bereits bei sehr kurzen Pausen wieder auskühlt. Im unaufgewärmten Zustand steigt bei schnellkräftigen Belastungen dann die Gefahr verschiedener Verletzungen, z.B. das Auftreten von Muskelfaserrissen.

    Eine geringere Gewebetemperatur führt dabei nicht nur zu Veränderungen der Viskosität, sondern auch zu Veränderungen der Nervenleitgeschwindigkeit. Die körpereigene Wahrnehmung (Propriozeption) ist beeinträchtigt. Resultierende koordinative Einschränkungen begünstigen Unfälle und damit das Auftreten von Verletzungen.

    Tipp: Passe Dein Kleidung der jeweiligen Trainingssituation optimal an, z.B. durch Nutzung des Zwiebelprinzips. Mit mehreren Kleidungsschichten kann ich den erforderlichen Kälteschutz der verschiedenen Belastungen im Training genauer anpassen. Sportkleidung, die die Nässe nach außen abgibt ist dabei besser geeignet als Baumwolle.

    Wind und Kälte sind eine ungünstige Kombination; Windschutz sollte deshalb im Fokus stehen.

    Kalter Wind erhöht den Wärmeverlust proportional zur Windgeschwindigkeit. Ist die Temperatur bei Windstille z.B. -1 Grad, dann entspricht der Wärmeverlust bei gleicher Temperatur und Windgeschwindigkeiten von 16/32/48 Stundenkilometern  den Temperaturen von -9/-14/-19 Grad.

    Ein weiteres winterspezifisches Problem betrifft Sportler mit einem überempfindlichen Bronchialsystem. Manche Sportler/innen leiden bei kalter Luft unter einem hyperreagiblen, empfindlichen Bronchialsystem. Bei ihnen können Belastungen in der Kälte zu einer Bronchokonstriktion (Verengung der Bronchien) führen.

    Tipp: Bei vielen betroffenen Sportlern/innen tritt die Bronchokonstriktion erheblich seltener auf, wenn die Belastung langsam und nicht abrupt gesteigert wird. Plane deine Trainingsbelastung besonders sorgfältig und belaste dich zudem bei ausgeprägter Kälte nicht bis zur kompletten Erschöpfung.

    Ab Temperaturen, die über minus 10 Grad hinausgehen, sollten unerfahrene Sportler/innen nicht oder nur mit geringer Intensität draußen trainieren. Bei kälteren Temperaturen als  minus 20 Grad sollten nach einer Empfehlung des American College of Sports Medicine sogar Skirennen abgesagt werden.

    Bei jedem grippalen Infekt ist von sportlichen Belastungen dringend abzuraten. Es besteht sonst die Gefahr einer Endokarditis/Myokarditis mit einer daraus resultierenden dauerhaften Minderung der Leistungsfähigkeit des Herzens. Ausschlusskriterien für Training und Wettkampf: Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl, schnelle Erschöpfbarkeit, Gliederschmerzen und eine um mehr als 10 Schläge erhöhte Ruheherzfrequenz.

    Weitere Ausschlusskriterien für Training und Wettkampf: Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl, schnelle Erschöpfbarkeit, Gliederschmerzen und eine um mehr als 10 Schläge erhöhte Ruheherzfrequenz. Ein weiterer Faktor, der die Verletzungsgefahr von Sportlern/innen nicht unerheblich beeinflusst, sind die früher einsetzende Dunkelheit und schlechtere Bodenverhältnisse durch nasses Laub oder Eis und Schnee. Hier hilft es manchmal nur noch die Trainingszeiten zu verschieben.

    Veröffentlicht: Wintersemester 2013/2014
    Autoren: Dr. med. Gerrit Borgmann, Dr. med. Ralph Schomaker

  • Übertraining


    Übertraining ist eine häufig unterschätzte Gefahr und kann nicht nur Profisportler/innen sondern auch ambitionierte Hobbysportler/innen treffen.

    Meist geht dem Übertraining ein zu hartes oder zu langes Training voraus, wobei häufig die Regenerationszeiten also die Pausen zwischen dem Training zu kurz gehalten wurden.

    Während die optimale Reaktion des Körpers auf Training ja in einer Leistungssteigerung besteht, passiert beim Übertraining das Gegenteil: Das Leistungsniveau sinkt. Häufig zeigen sich begleitend Schlafstörungen, Müdigkeit oder Kopfschmerzen. Viele Sportler/innen beklagen auch Stimmungsschwankungen und häufige Infekte, v.a. der oberen Atemwege. International wird zwischen einer leichteren Form, dem Overreaching, das in der Regel nach zwei Wochen Pause rückläufig ist, und der schwerwiegenden Form, dem Overtraining Syndrome, unterschieden, welches Monate und gelegentlich sogar Jahre andauern kann.

    Im Rahmen einer sportärztlichen Untersuchung zeigt sich ein im Vergleich zu Voruntersuchungen erhöhter Ruhepuls und Ruheblutdruck, eine um fünf bis zehn Schläge verminderte maximale Herzfrequenz, sowie nicht selten veränderte Laborwerte. Neben einer Sicherung der Diagnose und einer Verlaufsbeobachtung ist der Ausschluss von anderen möglichen Ursachen für die auftretenden Symptome wie z.B. Müdigkeit wichtig.

    Folgende Tipps helfen, ein Übertraining zu vermeiden:

    • Höre auf die Signale deines Körpers und steigere dein Trainingspensum langsam. Problematisch ist es z.B., wenn Einsteiger nach zu kurzer Zeit versuchen, Trainingspläne von erfolgreichen Sportlern zu kopieren.
    • Vorsicht bei Auftreten der oben beschriebenen Symptome, v.a. anhaltender Müdigkeit und bei jedem nicht erklärbarem Leistungsabfall. Wenn Sportler/innen auf Leistungsabfall mit einer Intensivierung des Trainings reagieren, kann sich aus einem Overreaching ein Overtraining Syndrome entwickeln. Viel Schlaf und das Meiden weiterer Trainingsreize sind in frühen Stadien die wichtigsten Erstmaßnahmen.
    • Periodisiere dein Training und sorge für Abwechslung: Wechsel zwischen intensivem und regenerativem Training. Sportler/innen mit ausgeprägter Trainingsmonotonie sind erheblich häufiger betroffen.

    Veröffentlicht: Sommersemester 2013
    Autoren: Dr. med. Gerrit Borgmann, Dr. med. Ralph Schomaker

  • Sport bei Hitze


    Hoffentlich wird es ein toller Sommer mit vielen Sonnentagen.

    Darf ich eigentlich Sport treiben, wenn es richtig heiß ist?

    Der Mensch kann als "Savannen-angepasstes Lauftier" beschrieben werden und verfügt mit seiner bemerkenswerten Fähigkeit zu Schwitzen über ein gutes Mittel seine Körperkerntemperatur konstant zu halten. Auch die Schnelligkeit und Genauigkeit unseres Durstgefühls verdient großen Respekt. Es ist in der Lage unseren Elektrolythaushalt auch unter Belastungssituationen zuverlässig zu steuern. Nach Jahren der pauschalen Trinkempfehlungen, vertreten immer mehr Experten die Auffassung, dass das eigene Durstgefühl der entscheidende Parameter zur Festlegung der Trinkmenge ist. Viele Läufer/innen kommen dabei mit Mengen zwischen 200 und 400 ml je Stunde sehr gut zurecht. Trotz dieser „guten genetischen Grundausstattung“ zeigen sich insbesondere bei Wettkämpfen in großer Hitze bei einzelnen Personen verschiedene Hitzeschäden wie z.B. Sonnenstich, Hitzekrämpfe, Hitzekollaps oder Hitzschlag.

    Der Sonnenstich ist dabei ein rein thermisches Problem des Kopfes. Symptome sind Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und Benommenheit. In schweren Fällen können sogar Bewusstseinsverlust und Kreislaufversagen auftreten. Am besten beugt ihr mit einer hellen Kopfbedeckung vor. Hitzekrämpfe können Folge einer Elektrolytstörung sein. Tückisch ist, dass sich auch bei zu hoher Trinkmenge eine sogenannte Hyponatriämie einstellen kann, die zu Übelkeit, Kopfschmerzen und sogar zum Kollaps führen kann. Ein Hitzekollaps kann verschiedene Ursachen haben. Eine mögliche Ursache ist die Erweiterung der Blutgefäße in der Peripherie des Körpers. Warnzeichen sind Schwindel oder Kopfschmerzen. Eine besonders schwere Form eines Hitzeschadens ist der Hitzschlag. Hierbei kommt es zu einem Anstieg der Körpertemparatur auf über 40 Grad, wobei sich in der Folge ein Hirnödem ausbilden kann. Ursachen sind z.B. Anstrengungen in feuchter Hitze oder unter anderen Umständen, die ein Herabkühlen des Körpers durch das Schwitzen behindern.

    Die individuelle Ursachensuche ist dabei sogleich der erste Schritt zur wirkungsvollen Prävention: Unzureichende Akklimatisierung an Hitze, unzureichender Trainingszustand, ungeeignete Sportkleidung, zu wenig und häufiger auch zu viel Trinken, unerkannte Erkrankungen und nicht zuletzt übertriebener Ehrgeiz, der den Sportler hindert, die Frühsymptome eines Hitzeschadens wahrzunehmen.

    Veröffentlicht: Sommersemester 2013
    Autoren: Dr. med. Gerrit Borgmann, Dr. med. Ralph Schomaker

  • Erste-Hilfe bei Sportverletzungen


    Verletzungen des Stütz- und Bewegungsapparates bilden die häufi gste Verletzungsgruppe bei Sporttreibenden und sind deshalb auch für Trainer und Übungsleiter eine große Herausforderung. Bereits in der Erstbehandlung können die Weichen dabei sehr günstig gestellt werden wodurch Komplikation vermieden und Heilzeiten erheblich verkürzt werden können.

    Es werden leichte Sportverletzungen (die unter kühlenden, schonenden Maßnahmen zeitnah folgenlos ausheilen) von komplikationsgefährdenden Sportverletzungen (die eine schnelle ärztliche Behandlung erfordern, um möglichst ohne bleibenden Schaden auszuheilen) unterschieden.

    Erstversorgung von leichten Sportverletzungen

    Die "P-E-C-H"-Regel ist eine einfache Faustregel, um an die Maßnahmen bei leichten
    Verletzungen des Bewegungsapparates zu erinnern:

    "P" = Pause
    "E" = Eis
    "C" = Kompression
    "H" = Hochlagerung

    • Pause: Erste Maßnahme ist das sofortige Einstellen der Belastung.
    • Eis: Verringert die Gewebeschwellung und senkt die Schmerzleitgeschwindigkeit. Einwirkdauer mindestens 20 Minuten.
    • Kompression: Ein elastischer Wickel in ausreichender Breite wird von körperfern nach körpernah gewickelt, um Blutungen zu stoppen und die Schwellneigung des Gewebes zu reduzieren
    • Hochlagerung: Soweit es von den Betroff enen toleriert wird, soll die verletzte Extremität zwecks Minderung der Schwellneigung erhöht gelagert werden.

    Veröffentlicht: Wintersemester 2012/2013
    Autoren: Dr. med. Gerrit Borgmann, Dr. med. Ralph Schomaker

  • Tipps zum Skifahren


    Winterzeit ist Ski- und Snowboardzeit. In Deutschland sind es Jahr für Jahr über vier Millionen, die sich für den Sport im Schnee begeistern. Leider verletzen sich pro Skisaison ca. 50.000 Skisportler so schwer, dass sie einen Arzt aufsuchen müssen. Viele dieser Verletzungen lassen sich vermeiden, wenn man gut vorbereitet ist und sich die häufi gsten Unfallursachen bewusst macht.

    Wir haben daher einige Tipps zusammengefasst:

    • Passe die Auswahl der Gruppe und Pisten Deinem Fahrkönnen und Vorverletzungen an
    • Alkoholkonsum erhöht die Gefahr von Stürzen mit schwersten Verletzungen erheblich. Eine Studie aus Österreich zeigte deutlich: Je betrunkener der Skifahrer, desto schwerer die Verletzung.
    • Verletzungen und Überlastungserscheinungen betreff en am häufi gsten das Kniegelenk. Im Rahmen einer gezielten Skigymnastik sollten Übungen sportartnah in der geschlossenen Kette durchgeführt werden.
    • Die meisten Unfälle geschehen in den Nachmittagsstunden. Bei Anzeichen der Ermüdung sollten daher Pausen eingelegt werden.
    • Eine gute Erstbehandlung von Sportverletzungen ("PECH"-Schema) und eine früh zeitige ärztliche Vorstellung bei Verdacht auf schwerwiegendere Verletzungen hilft, Heilzeiten deutlich abzukürzen.
    • Das Tragen eines Skihelmes senkt die Gefahr schwerer Kopfverletzungen erheblich.
    • Insbesondere für Snowboardfahrer werden Handgelenks- und Rückenprotektoren dringend empfohlen
    • Bei Verdacht auf schwerste Verletzungen lieber einmal zu viel als einmal zu wenig den Rettungsdienst/Bergwacht anrufen
    • Plane Pausen ein! Besonders bei schlechter Vorbereitung und längeren Skiurlauben, sollte dieses bereits bei der Planung (Erwerb des Skipasses) berücksichtigt werden

    Insgesamt ist Ski- oder Snowboardfahren keine "gefährliche" Sportart. Im Gegenteil: Viele Sportarten (unter anderem Fußball und Handball) sind mit einem statistisch deutlich höheren Verletzungsrisiko je Stunde sportlicher Betätigung verbunden.

    Bei guter Vorbereitung und Berücksichtigung der zusammengetragenen Tipps lässt sich das Verletzungsrisiko weiter deutlich reduzieren.

    Veröffentlicht: Wintersemester 2012/2013
    Autoren: Dr. med. Gerrit Borgmann, Dr. med. Ralph Schomaker

  • Laufverletzungen vermeiden


    Der schöne Jahreszeit steht nun vor der Tür. Grund genug für viele Studierende, die Laufschuhe wieder aus dem Schrank zu holen oder ein bisher sporadisches Lauftraining deutlich zu steigern. Nicht selten treten dabei Probleme auf. Meistens sind es Überlastungsreaktionen der Sehnen, Sehnenansätze und Knochen; in 80% der Fälle sind die unteren Extremitäten betroffen.

    Die "Big-Five" des Laufsportes sind das Läuferknie, das Schienbeinkantensyndrom, Schmerzsyndrome im Bereich der Achillessehne, Plantarfasziitis-/Fersenspornprobleme und Stressfrakturen. Die Suche nach den Ursachen hat eine besondere Bedeutung, da ein Erkennen der Ursache die Gefahr des Wiederauftretens der Laufverletzung erheblich reduziert. Oft reicht aber schon die Berücksichtigung einfacher Tipps um das Auftreten solcher oft hartnäckigen Krankheitsbilder von vornherein zu verhindern.

    Wir haben daher einige Tipps zusammengestellt:

    • Höre auf die Signale Deines Körpers und steigere Dein Trainingspensum langsam. Anpassungsvorgänge des sog. "passiven Bewegungsapparates" dauern länger als die des "aktiven Bewegungsapparates". Für Laufanfänger gilt die "10%-Regel" (Steigern des Trainingsumfanges um nicht mehr als 10% pro Woche).
    • Ergänze Dein Ausdauertraining mit Krafttrainingseinheiten.
    • Binde Übungen für die Koordination und die Beweglichkeit in das Training ein.
    • Achte auf ausreichende Pausen.
    • Dokumentiere Dein Training.
    • Wechsele Deine Laufschuhe nach ca. 1.000 Laufkilometern.
    • Lasse Dich beim Schuhkauf fachkundig beraten. Eine Ganganalyse auf dem Laufband ist ein geeignetes Hilfsmittel besonders bei Fehlformen-/stellungen der Füße und Sprunggelenke.
    • Bestehen bereits Probleme im Bereich der Füsse und Sprunggelenke: Lasse Dir von Deinem Physiotherapeuten ein individuelles Trainingsprogramm zusammenstellen. Ergänzend kann eine Laufschuheinlage nach Abdruck angepasst werden.

    Veröffentlicht: Sommersemester 2012
    Autoren: Dr. med. Gerrit Borgmann, Dr. med. Ralph Schomaker

  • Sportmedizinische Tipps zum Tauchen


    Das Hochschulsportprogramm enthält immer viele attraktive Sporttouren. Eine starke Sparte ist dabei seit Jahren der Bereich Tauchen. Tauchreisen sind zurecht sehr beliebt, bieten sie doch eine faszinierende Kombination aus Reisen, Naturerlebnis, Sport und Körpererfahrung. Gut vorbereitet sind die Risiken überschaubar. Grundlage sicheren Tauchens ist die Tauglichkeitsuntersuchung.

    Bis zum 18. Lebensjahr wird diese alle sechs bis zwölf Monate empfohlen. Vom 18. bis 39. Lebensjahr sollte mindestens alle drei Jahre untersucht werden. ab dem 40. Lebensjahr ist eine jährliche Untersuchung angeraten. Im Rahmen dieses Checks wird man zu seiner Gesundheits- und Krankengeschichte befragt und anschließend Körperlich untersucht. Hierzu gehören z.B. die Auskultation (abhören von lunge und Herz) oder auch die Ohrspiegelung. Weitere wichtige Bestandteile sind das Elektrokardiogramm (EKG) oder die Lungenfunktionsuntersuchung.

    Ist Tauchen gefährlich?
    Nein. Bei guter Vorbereitung gehört Tauchen sicher zu den eher risikoarmen Sportarten.

    Wodurch drohen Gefahren?
    Besonders gefährlich neben schlechter Ausbildung und Ausrüstung ist die Selbstüberschätzung. Essentiell für sicheres Tauchen ist ein gesundes Risikobewusstsein. Vor Alkohol muss daher ausdrücklich gewarnt werden.

    Was kann ich sonst noch tun, um mich optimal vorzubereiten?
    Eine gute physische und psychische Fitness ist auch beim Tauchen eine gute Grundlage. Vorteilhaft sind Taucherfahrungen im Schwimmbad, wo sich z.B. auch der Druckausgleich oder das Ausblasen der Maske stressfrei vorher üben lässt.

    Was ist während der ersten Tauchgänge besonders wichtig?
    Nehmt euch Zeit, die Ausrüstung in Ruhe kennenzulernen und sagt offen, wenn Dinge unklar sind. Haltet euch an die Anweisungen der Tauchlehrer. Setzt euch und andere nicht unter Leistungsdruck. Ehrgeiz ist ein unnötiges Risiko.

    Gibt es Personen, für die Tauchen nicht geeignet ist?
    Für Patienten mit Krampfleiden, Diabetes oder Klaustrophobie (Angst vor Enge) ist Tauchen nicht zu empfehlen.

    Veröffentlicht: Sommersemester 2012
    Autoren: Dr. med. Gerrit Borgmann, Dr. med. Ralph Schomaker

  • Muskelkater vermeiden


    Das neue Hochschulsportprogramm enthält wieder viele attraktive Sportangebote. Grund genug für viele Studierende, pünktlich zum Semesterstart die "angestaubten" Sportklamotten aus dem Schrank zu holen.

    Nach einer längeren Sportpause leidet man nach den ersten Trainingseinheiten häufig unter Muskelkater. Die Beschwerden sind nicht nur lästig und leistungsmindernd, sondern können auch die Entstehung ernsterer Sportverletzungen begünstigen. Wie lässt sich Muskelkater vermeiden und was sollte man tun, wenn es einen doch erwischt hat?

    Wir haben einige Tipps für Euch zusammengestellt.

    • Eine Fortsetzung des Trainings mit unveränderter Intensität verzögert die Abheilung der Beschwerden erheblich. Bei schnellkräftigen Bewegungen steigt die Gefahr von Muskelverletzungen. Besser: Trainingspause von 4 bis 6 Tagen, ggf. leichtes Schwimmtraining oder leichtes zyklisches Training
    • Stoffwechselsteigerung und Durchblutungsförderung gilt als heilungsbeschleunigend. Wärmeanwendungen und Saunabesuche wirken häufig schmerzreduzierend, entspannend und können Trainingsausfallzeiten verkürzen.
    • Mithilfe von Dehnübungen lässt sich ein Muskelkater leider nicht vermeiden. Von intensiven Dehnübungen bei Vorliegen eines Muskelkaters muss abgeraten werden.
    • Der Therapieerfolg von Sportmassagen ist in besonderer Weise an die Erfahrung des Behandelnden geknüpft. Sind sie in der Hand des erfahrenen Therapeuten, sind Massagen ein wirksames Therapiemittel.
    • Viele Verhaltensmaßnahmen und Tipps zur Prophylaxe des Muskelkaters, die in den letzten Jahren populär waren, haben in aktuellen Studien leider keinen sehr großen Effekt gezeigt. Aufwärmtraining zeigt hier noch bessere Ergebnisse als das Dehnen, für das leider hinsichtlich Muskelkater kein wesentlicher Nutzen gezeigt werden konnte. Im Focus steht hier daher weiterhin, das Trainingsprogramm an den Trainingszustand anzupassen.

    Veröffentlicht: Wintersemester 2011/2012
    Autoren: Dr. med. Gerrit Borgmann, Dr. med. Ralph Schomaker