| "Nomen est omen,“ sagt der Lateiner, und dann wundert man
sich auch nicht, dass jemand, der den Namen Friedrich von Fuchs trägt, ein
leidenschaftlicher Fan ist von Reineke, Reynaert, Renart, Reinhart und wie die Füchse
alle heißen mögen. In dem kleinen hessischen Ort Leihgestern unweit von Gießen
hat der eifrige Sammler vieles zusammengetragen, was mit dem Fabeltier in
Zusammenhang steht. Seine umfangreiche Sammlung, die er bereits in mehreren
üppig bebilderten Katalogen zugänglich gemacht hat, füllt ein wahrhaftiges
Reineke-Fuchs-Museum, das einzige private seiner Art in der Welt. Seit Neuestem
hat der Besitzer all dieser Kostbarkeiten auch die silberne Scheibe für seine
Ziele entdeckt und er nutzt dieses neue Medium jetzt, um eine imposante
Sammlung von Buchillustrationen zu einer Vielzahl von Reineke-Editionen zu
präsentieren. Die CD-Rom enthält fast 2300
Bilder von mehr als 75 Illustratoren aus gut 80 Büchern, von denen nur zwölf
nicht aus dem eigenen Besitz des Reineke Fuchs-Museums stammen. Bei den
letzteren handelt es sich dann auch um Miniaturen aus Handschriften des Roman
de Renart und um so berühmte Ausgaben wie den Lübecker Reynke de Vos-Druck von
1498, die englische Inkunabel von Wynkyn de Worde (1495), die Rostocker Ausgabe
von Erhard Altendorfer (1539) und den Antwerpener Verdussen-Druck aus dem Jahre
1700, von denen nur Einzelstücke oder sehr wenige Exemplare erhalten geblieben
sind.
Die CD-Rom enthält eine einzige Datei in pdf-Format mit 285
reich bebilderten Seiten. In einer kurzen Einleitung gibt der Herausgeber eine
kleine Übersicht über die Textgeschichte seit dem Jahr 1050. Jede darauf
folgende pdf-Seite enthält eine Serie von Bildern und Hinweise auf die benutzte
Edition. Jedes Bild ist mit einer kleinen orientierenden Unterschrift versehen.
Die Bilder sind gestochen scharf und können in der üblichen Weise am Bildschirm
vergrößert werden. Wer möchte, kann sie auch ausschneiden und einzeln drucken. Die
Bilderfolge ist chronologisch geordnet. Nach den Miniaturen aus einer französischen
Roman de Renart-Handschrift folgen die Holzschnitte aus der Ulmer
Äsop-Ausgabe von Heinrich Steinhöwel (1476) und die schon genannten Frühdrucke.
In der Liste der Illustratoren begegnet man so berühmten Namen wie Wilhelm
Kaulbach, Ludwig Richter, Alaert van Everdingen und J.H. Wilhelm Tischbein mit
ihren Bildern zu Ausgaben von Goethe, Marbach, Gottsched und Soltau. Als
jüngste Ausgabe wurde die Goethe-Edition der Büchergilde Gutenberg aus dem
Jahre 1999 mit den großartigen Illustrationen von M.M. Prechtel (1999)
aufgenommen. Die niederländisch/flämische Seite ist u.a. vertreten mit dem
zauberhaften Reynaertzyklus von Gerard Goudaen aus dem Jahr 1995 und mit
Bildern von u.a. Bert Bouman (1979) und Gustaaf van de Woestijne (1909) zu den Van
den vos Reynaerde-Bearbeitungen
von Ernst van Altena und Stijn Streuvels. Auch die Bilder von Janosch (1998)
und ein zweisprachiges belgisches Sammelalbum, in das Kinder im Jahre 1925
Bildchen aus den Schokolanderiegeln der Firma Victoria einkleben konnten,
fehlen nicht.
Nachdem die frühe Reynaert-Ikonographie in den letzten
Jahrzehnten mehrfach Gegenstand kunsthistorischer Untersuchungen war, bietet
diese CD einen idealen Einstieg für denjenigen, der die jüngere Überlieferung,
insbesondere des 19. und 20. Jahrhunderts studieren möchte. Die Scheibe ist
nicht billig, aber mit etwa 5 Eurocent pro Bild auch wiederum nicht zu teuer.
Wer übrigens nach dem Genuss der Buchillustrationen noch nicht genug bekommen
hat, kann auch noch eine CD-rom mit den Exponaten aus Elfenbein, Meerschaum,
Silber, Bronze, Porzelan und Holz bekommen. Oder er sollte selber dem Reineke
Fuchs Museum in Leigestern einen Besuch abstatten. Weitere Informationen dazu
findet man unter der Adresse: www.reinekefuchs-museum.de. |