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Haus der Niederlande - Buch des Monats

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Januar 2009 

Friedrich von Fuchs: Abbildungen von Illustrationen der Reineke Fuchs Buchausgaben ab 1476 im Wandel der Zeit.
Mit Holzschnitten, Stahl- & Kupferstichen, Lithographien und Aquarellen. Linden-Leihgestern: Reineke Fuchs Museum 2008.


"Nomen est omen,“ sagt der Lateiner, und dann wundert man sich auch nicht, dass jemand, der den Namen Friedrich von Fuchs trägt, ein leidenschaftlicher Fan ist von Reineke, Reynaert, Renart, Reinhart und wie die Füchse alle heißen mögen. In dem kleinen hessischen Ort Leihgestern unweit von Gießen hat der eifrige Sammler vieles zusammengetragen, was mit dem Fabeltier in Zusammenhang steht. Seine umfangreiche Sammlung, die er bereits in mehreren üppig bebilderten Katalogen zugänglich gemacht hat, füllt ein wahrhaftiges Reineke-Fuchs-Museum, das einzige private seiner Art in der Welt. Seit Neuestem hat der Besitzer all dieser Kostbarkeiten auch die silberne Scheibe für seine Ziele entdeckt und er nutzt dieses neue Medium jetzt, um eine imposante Sammlung von Buchillustrationen zu einer Vielzahl von Reineke-Editionen zu präsentieren.  Die CD-Rom enthält fast 2300 Bilder von mehr als 75 Illustratoren aus gut 80 Büchern, von denen nur zwölf nicht aus dem eigenen Besitz des Reineke Fuchs-Museums stammen. Bei den letzteren handelt es sich dann auch um Miniaturen aus Handschriften des Roman de Renart und um so berühmte Ausgaben wie den Lübecker Reynke de Vos-Druck von 1498, die englische Inkunabel von Wynkyn de Worde (1495), die Rostocker Ausgabe von Erhard Altendorfer (1539) und den Antwerpener Verdussen-Druck aus dem Jahre 1700, von denen nur Einzelstücke oder sehr wenige Exemplare erhalten geblieben sind.

Die CD-Rom enthält eine einzige Datei in pdf-Format mit 285 reich bebilderten Seiten. In einer kurzen Einleitung gibt der Herausgeber eine kleine Übersicht über die Textgeschichte seit dem Jahr 1050. Jede darauf folgende pdf-Seite enthält eine Serie von Bildern und Hinweise auf die benutzte Edition. Jedes Bild ist mit einer kleinen orientierenden Unterschrift versehen. Die Bilder sind gestochen scharf und können in der üblichen Weise am Bildschirm vergrößert werden. Wer möchte, kann sie auch ausschneiden und einzeln drucken. Die Bilderfolge ist chronologisch geordnet. Nach den Miniaturen aus einer französischen Roman de Renart-Handschrift folgen die Holzschnitte aus der Ulmer Äsop-Ausgabe von Heinrich Steinhöwel (1476) und die schon genannten Frühdrucke. In der Liste der Illustratoren begegnet man so berühmten Namen wie Wilhelm Kaulbach, Ludwig Richter, Alaert van Everdingen und J.H. Wilhelm Tischbein mit ihren Bildern zu Ausgaben von Goethe, Marbach, Gottsched und Soltau. Als jüngste Ausgabe wurde die Goethe-Edition der Büchergilde Gutenberg aus dem Jahre 1999 mit den großartigen Illustrationen von M.M. Prechtel (1999) aufgenommen. Die niederländisch/flämische Seite ist u.a. vertreten mit dem zauberhaften Reynaertzyklus von Gerard Goudaen aus dem Jahr 1995 und mit Bildern von u.a. Bert Bouman (1979) und Gustaaf van de Woestijne (1909) zu den Van den vos Reynaerde-Bearbeitungen von Ernst van Altena und Stijn Streuvels. Auch die Bilder von Janosch (1998) und ein zweisprachiges belgisches Sammelalbum, in das Kinder im Jahre 1925 Bildchen aus den Schokolanderiegeln der Firma Victoria einkleben konnten, fehlen nicht.  

Nachdem die frühe Reynaert-Ikonographie in den letzten Jahrzehnten mehrfach Gegenstand kunsthistorischer Untersuchungen war, bietet diese CD einen idealen Einstieg für denjenigen, der die jüngere Überlieferung, insbesondere des 19. und 20. Jahrhunderts studieren möchte. Die Scheibe ist nicht billig, aber mit etwa 5 Eurocent pro Bild auch wiederum nicht zu teuer. Wer übrigens nach dem Genuss der Buchillustrationen noch nicht genug bekommen hat, kann auch noch eine CD-rom mit den Exponaten aus Elfenbein, Meerschaum, Silber, Bronze, Porzelan und Holz bekommen. Oder er sollte selber dem Reineke Fuchs Museum in Leigestern einen Besuch abstatten. Weitere Informationen dazu findet man unter der Adresse: www.reinekefuchs-museum.de.

 
Amand Berteloot, im Dezember 2008