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Wie kann ich einen Praktikumsplatz oder eine Stelle in den Niederlanden finden?

Der niederländische Arbeitsmarkt bietet viele Chancen für Deutsche - und sei es auch nur, einmal Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Doch wie findet man heraus, wo es offene Stellen oder Praktikumsplätze gibt? Dieser Frage soll im Folgenden nachgegangen werden.

M1: Wege zum Praktikum

Die Landesarbeitsagentur Nordrhein-Westfalen gibt ein Verzeichnis von niederländischen Firmen heraus, die sich grundsätzlich bereit erklärt haben, deutsche Schülerinnen und Schüler als Praktikanten aufzunehmen. Diese Broschüre ist kostenlos erhältlich bei:

Arbeitsagentur Rheine
Europäisches Berufsberatungszentrum Rheine
Dutumer Str. 5 , 48431 Rheine
Tel.Nr. 05971 / 930-102, Fax-Nr. 05971 / 930-909
E-Mail: rheine.euroguidance@arbeitsagentur.de

Wer als Einstieg in das Berufsleben einen Praktikumsplatz in den Niederlanden sucht, wird leicht auf einer eigens hierfür eingerichteten Website der Euregio fündig. Die Datenbank weist zur Zeit rund 400 Adressen und Telefonnummern niederländischer und deutscher Arbeitgeber im Grenzgebiet auf, die Praktika vergeben. Wer zum Beispiel in die Suchmaske „Tischler“ eingibt, erhält die Adressen mehrerer holländischer Firmen, die Praktika für Tischler vergeben - auch an Deutsche. Oft muss sich der Bewerber auf die Provinz einlassen. In unserem Beispiel sind die Firmen in Orten mit Namen wie Huissen, Doetinchem, Mill, St. Odilienberg oder Zeddam beheimatet. Vor allem bei Suchanfragen im handwerklichen, kaufmännischen und industriellen Sektor bietet die Datenbank viel Auswahl. So finden sich im Bereich „Transport/Logistik“ 13 Praktika, im Bereich Medien jedoch auf Anhieb keines. Die Suche in den Unterrubriken von „Medien“ ergab dann überraschend doch noch Treffer: 3 Fotolaboranten und 2 digitale Mediengestalter.


M3: Arbeitsvermittlung über ein „uitzendbureau“ – Wie funktioniert das genau?

‚Adecco‘, ‚Dactylo‘, ‚Manpower‘, ‚Randstad‘ oder ‚Start‘ heißen die Firmen, die Zeitarbeitsagenturen (sog. Uitzendbureau’s) betreiben. Sie sind die private Konkurrenz der staatlichen Arbeitsämter (arbeidsbureau’s) und arbeiten genauso wie diese auf gesetzlicher Basis. In mancher niederländischen Fußgängerzone findet man an jeder zweiten Ecke eine Filiale solcher Zeitarbeitsagenturen. Einige haben auch Filialen in Deutschland, z.B. ‚Randstad‘ und ‚Manpower‘. Seit kurzem tritt der niederländische Staat der privaten Konkurrenz mit eigenen Zeitarbeitsagenturen entgegen. ‚Start‘ ist ein Beispiel dafür. Ein anderes ist die Zeitarbeitsagentur der juristischen Fakultät der Universität Maastricht. Es bietet Studenten nach dem Examen einen direkten Einstieg in den Arbeitsmarkt. Man sollte daher als Arbeitssuchender - gleich ob als Handwerker oder Akademiker - keine Hemmungen haben, ein uitzendbureau zu betreten.

Und so funktioniert die Arbeitsvermittlung über ein uitzendbureau: Sowohl Unternehmen als auch Arbeitssuchende können sich direkt an das uitzendbureau wenden. Arbeitssuchende beschreiben, welche Art von Beschäftigung sie suchen und was ihre Qualifikationen sind. Die Unternehmen beschreiben, welche Art von Mitarbeiter gesucht wird und welche Qualifikationen sie mitbringen sollten. Alle diese Angaben werden in eine Datenbank aufgenommen. Wenn ein Unternehmen eine offene Stelle meldet, sehen die Sachbearbeiter des uitzendbureaus in ihrer Datenbank nach, wer von den bei ihrer Agentur gemeldeten Arbeitssuchenden an dem Job interessiert sein könnte. Oder die Agentur macht einen Aushang im Schaufenster, gibt eine Stellenanzeige in der Zeitung auf oder stellt das Arbeitsangebot ins Internet. Wird auf diese Weise ein geeigneter Arbeitnehmer gefunden, vermittelt die Zeitarbeitsfirma entsprechend und verlangt dafür - im Unterschied zum arbeidsbureau - vom Arbeitgeber eine Vermittlungsgebühr.

Uitzendbureaus können im Unterschied zu arbeidsbureaus auch selbst mit dem Arbeitnehmer einen befristeten Arbeitsvertrag abschließen und ihn anschließend als Leiharbeiter an eine Firma vermitteln. Diese Form der Leiharbeit heißt in den Niederlanden gedetacheerd werken. Viele Firmen stellen Mitarbeiter für die ersten zwei Monate, d.h. die gesetzlich vorgeschriebene Probezeit bei Antretung einer neuen Stelle, zunächst als Zeitarbeiter ein, bevor sie bei Bewährung eine Festanstellung erhalten. Immer mehr Menschen finden ihre unbefristete Anstellung bei einem niederländischen Unternehmen über diesen Weg. Nach den Erfahrungen der Arbeitsämter am Niederrhein werden die Grenzgänger „gerne übernommen“, oft gelinge der Aufstieg zum Schichtführer oder Teamleiter.

Daneben vermitteln die Zeitarbeitsagenturen auch werk op oproep, d.h. Beschäftigung auf Abruf. Menschen, die auf diese Art und Weise vermittelt werden, heißen uitzendkrachten. Sie haben kein ordentliches Beschäftigungsverhältnis - weder mit der Zeitarbeitsagentur noch mit der Firma, bei der sie arbeiten. Erst bei einem gesetzlich festgelegten Arbeitsumfang und nach einem bestimmten Zeitaufwand erhalten uitzendkrachten gewisse Leistungen der Sozialversicherung.

 

 

 

M2: Wege zur Stelle

Wie erfährt man, wo es freie Stellen gibt? Die Wege sind im Prinzip ähnlich wie in Deutschland:

a) Der „klassische“ Weg über Arbeitsämter und EURES:

Wer Arbeit im Nachbarland sucht, dem ist die Hilfe der EURES-Berater und ihrer niederländischen Kollegen zu empfehlen. Sie sind besonders geschult im Arbeits- und Sozialrecht. EURES gibt eine Reihe kostenloser Broschüren und Handbücher heraus, die sich mit dem Thema „Grenzüberschreitendes Arbeiten und Studieren“ befassen. Einige Broschüren können auch als pdf-Datei heruntergeladen werden. Zudem bietet EURES auch eine Datenbank an, in der man innerhalb der ganzen EU nach freien Stellen suchen kann. Über 8.000 Stellen listet die „Eures“-Datenbank derzeit für die gesamte EU auf.

b) Der Weg über Sozialagenturen (CWIs): 

Den deutschen Arbeitsämtern entsprechen in den Niederlanden zunehmend die „Zentren für Arbeit und Einkommen“ (CWI = ‚Centrum Werk en Inkomen‘). Diese Sozialagenturen ersetzen in Holland Schritt für Schritt die klassischen Arbeitsämter (‚arbeidsbureaus‘). Zu Jahresbeginn 2002 haben in 130 von 460 niederländischen Gemeinden CWI-Stellen ihre Arbeit aufgenommen. Jedes CWI bietet Hilfe aus einer Hand: Ganz gleich, ob Arbeitslosengeld, -hilfe, Berufsunfähigkeitsrente oder Sozialhilfe – alle Erstanträge werden im CWI gestellt. Dem CWI melden Unternehmen auch Stellen. Zugleich entwickelt jedes CWI individuelle Pläne, um Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

c) Der Weg über die Zeitung

Wie in Deutschland finden sich Stellenanzeigen in den Tageszeitungen. In den Niederlanden sind vor allem die Samstagsausgaben bzw. Online-Stellenmärkte folgender Zeitungen ergiebig:

NRC Handelsblad für gehobene Positionen.

De Volkskrant für die Branchen Medizin und Bildung/Erziehung.

De Telegraaf und Het Algemeen Dagblad für nicht-akademische Stellen.

Das zweiwöchentliche Magazin Intermediair richtet sich vor allem an Studenten und Akademiker.

d) Der Weg über das Internet

Das Internet spielt in den Niederlanden eine sehr große Rolle bei der Jobsuche. Etliche Internetjobbörsen erlauben es, den Lebenslauf zu hinterlassen. Viele Firmen schreiben ihre freien Stellen auch per Internet aus, nach Informationen des privaten Internetjobportals Werk waren es zuletzt 44 Prozent. Weitere große Internet-Jobportale sind: Monsterboard, Jobcenter, Carp und JobNews

e) Der Weg über private Arbeitsvermittlungen (sog. ‚uitzendbureau's‘):

Weitaus mehr Bedeutung als in Deutschland haben in den Niederlanden private Arbeitsvermittler und Zeitarbeitsfirmen (‚Uitzendbureaus‘). Beschäftigte von niederländischen Zeitarbeitsfirmen verdienen oft besser als in Deutschland. Längst werden über Zeitarbeitsfirmen nicht nur Sekretärinnen und Messebauer vermittelt, sondern auch Ingenieure und IT-Experten. Zudem ist aus einer Zeitarbeitanstellung heraus eine neue Stelle leichter zu bekommen als aus der Arbeitslosigkeit.