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Die Wahl der Sekundarschule

Ratgeber für die Schulwahl (Text: „Ihr Kind in die Orientierungsstufe – aber an welcher Schule?")

(Quelle: Niederländisches Institut für Schulmarketing - INOP)


Die niederländische Grundschule endet mit einer landesweit einheitlichen Prüfung, dem CITO-Test. Die Abkürzung CITO steht für Centraal Instituut voor Toetsontwicklung, das niederländische Institut für Testentwicklung. Aufgrund der Testergebnisse und der persönlichen Stärken und Schwächen der Schüler sprechen die Grundschullehrer eine Empfehlung für den weiteren Schulbesuch aus. Doch an welcher Schule genau soll man sein Kind anmelden? Eltern und Schüler haben vor allem in den großen Städten, wo es viele verschiedene Schulen gibt, die Qual der Wahl. Doch nicht nur die Wahl der weiterführenden Schule gestaltet sich schwierig, denn auch die Wahl der Basisschool kann Probleme mit sich bringen.

In den vergangenen Jahren war es so, dass die Eltern frei auswählen konnten, welche Schule ihr Kind besucht. Sowohl bei der Anmeldung für die Basisschool, aber auch für weiterführende Schulen entbrannte ein harter Konkurrenzkampf. Schulen mit nur einem geringen Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund sind dabei beliebter als die sogenannten "Schwarzen Schulen", an denen der Anteil ausländischer Kinder sehr hoch ist. Besonders bei der Wahl der Basischool, wo noch kein Empfehlungsschreiben vorhanden ist, ist der Kampf um die Plätze an den besten Schulen hoch. Um dieses Konkurrenzdenken zu umgehen und eine gleichmäßige Verteilung der Schüler zu erreichen, hat die Stadt Nimwegen ein System eingeführt, welches die freie Schulwahl der Eltern einschränkt. Unter anderem soll der Unteschied zwischen schwarzen und weißen Schulen auf diese Weise vermindert werden. 

Die folgenden Zeitungsartikel zeigen, wie das neue System funktioniert und welche Bedeutung dies für die Eltern bei der Schulwahl hat.

M1: Zeitungsartikel vom 17. Februar 2009

Nimwegen gibt bindenden Ratschlag für die Schulwahl

Nimwegen schränkt die freie Schulwahl der Eltern ein. Das Einschreiben für eine Schule geschieht zentral, eine Basisschool (ähnlich der deutschen Grundschule) bekommt den Vorzug.

Ein Kind kurz nach der Geburt an einer Basisschool anzumelden ist in Nimwegen nicht mehr möglich. Auch können Eltern ihre Kinder nicht mehr uneingeschränkt einschreiben. Bestehende Schulen dürfen auch keine baulichen Erweiterungen vornehmen, solange an einem anderen Standort in der Stadt noch Schulgebäude leer stehen.

Seit dem ersten April 2009 müssen Eltern ihre Kinder anmelden auf der Webseite www.schoolwijzernijmegen.nl. Dies kann bereits geschehen, wenn das Kind zwei Jahre und neun Monate alt ist.

Der Schulanzeiger gibt automatisch die drei am nahesten am Wohnort gelegenen Schulen an. Die Eltern dürfen daneben maximal drei andere Schulen auswählen und deutlich machen, welche Schule sie bevorzugen. Dabei können als Gründe angegeben werden, dass ein Bruder oder eine Schwester bereits die gewünschte Schule besucht, die persönlichen Glaubens- oder Lebensüberzeugungen sowie die Unterrichtsart oder etwas anderes.  

Brüder und Schwestern werden bevorzugt, gefolgt von Kindern, für die die bevorzugte Schule auch die räumlich am nächsten gelegene ist. Das digitale System berücksichtigt auch die ideale Verteilung zwischen chancenarmen und chancenreichen Kindern. Nach der Meinung des Bildungssoziologen Bowen Paulle ist ein Verhältnis von 30 zu 70 günstig für die Schulleistung von chancenarmen Kindern, wobei gleichzeitig Schüler aus besseren Milieus nicht darunter leiden. Die Nimwegener Schulvorstände vereinbarten zudem miteinander, wie viele Erstklässler jede Schule maximal zulassen darf. „Die Zeit, in der beliebte (weiße) Schulen zusätzliche Notgebäude errichteten oder eine Warteliste führten, während in einem anderen Viertel die Klassen halb leer blieben, ist vorbei“, sagt die Beigeordnete für das Schulwesen Hannie Kunst (PvdA).

Der Schulanzeiger gibt letztendlich nur einen Ratschlag. Dieser sei jedoch niemals verpflichtend, erklärt Beigeordnete Kunst. „Eltern haben immer das Recht auf ihre eigene Schulwahl, es besteht nur kein Recht auf Aufnahme des Kindes in der gewünschten Schule.“

Momentan gehen 40 % der Schüler einer Basisschool aus Nijmegen außerhalb ihres eigenen Wohnviertels zur Schule. „Das passt nicht in das multikulturelle Zusammenleben“, meint die Leiterin der Schulstiftung Conexus Toine Jansen. „Wir bilden immer auch zu einer guten Bürgerschaft aus.“

Quelle: Trouw, eigene Übersetzung.

 

 

 

M2: Zeitungsartikel vom 14. Oktober 2009

Eltern legen Wert auf freie Schulwahl


Um der Segregation auf Basisscholen in IJlburg entgegenzuwirken, erwägen die Schulleitungen, ein zentrales Anmeldesystem für neue Schüler einzuführen. Dieses System entspricht in etwa dem neuen Anmeldesystem in Niimwegen. Aber ob diese Idee durchgesetzt wird, steht noch in Frage.

Den Schulen geht es um die Verteilung von chancenreichen und chancenarmen Kindern. Bei chancenarmen Kindern handelt es sich dabei um Kinder, deren Eltern selbst nur eine geringe Schulbildung genossen haben. Aber einige chancenreiche Eltern pochen auf ihre Wahlfreiheit.

Die Tochter von der IJburgerin Paddy van Erve ist zwei Jahre alt und ist bereits ihr Leben lang bei der Montessorischule in Steigerland angemeldet. „Die Schule liegt in der Nähe zum Wohnort und die Montessori - Unterrichtsform spricht uns an“, so Van Erve. Van Erve findet auch nichts am zentralen Anmelden. Sie ist der Meinung, dass Eltern selbst beschließen können sollten, für welche Schule sie ihr Kind anmelden und dabei die Art von Unterricht auswählen sollten, die zu ihrem Kind passt.

Gesternabend waren verschiedene aufgebrachte IJburger zur Ratsversammlung des Stadtteils Zeeburg gekommen um ihre Unzufriedenheit zu äußern. 

Quelle: Het Parool, eigene Übersetzung.