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Niederländischunterricht an Schulen in NRW und Niedersachsen

Die niederländische Sprache erfreut sich an deutschen Schulen wachsender Beliebtheit. Knapp 19.000 Schüler der Sekundarschulen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen lernten nach Angaben der Bildungsministerien der beiden Länder im Jahr 2004 Niederländisch als Schulfremdsprache. Vier Jahre zuvor lag die vergleichbare Schülerzahl noch bei rund 12.500.

Der Niederländischunterricht findet in beiden Bundesländern an allen Schulformen statt. Schwerpunkte bilden Realschulen, Gymnasien und Gesamtschulen im Bereich der deutsch-niederländischen Staatsgrenze. In jüngster Zeit zeigen Berufsschulen bzw. -kollegs zunehmendes Interesse an der Vermittlung der Nachbarsprache. Sowohl in Nordrhein-Westfalen als auch neuerdings in Niedersachsen ist Niederländisch grundständiges Studienfach in der Lehrerausbildung.

M1: Niederländischschüler in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen

Quelle: Niedersächsisches Kultusministerium, Ministerium für Schule und Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen; eigene Grafik.

M2: Regionale Schwerpunkte des schulischen Niederländischunterrichts in Niedersachsen und in NRW

Niederländischunterricht an weiterführenden Schulen in Niedersachsen (Sekundarstufen I u. II)

Quelle: Niedersachsen: Erhebung zum Niederländischunterricht der Bezirksregierung Weser-Ems aus dem Jahr 2002, Fachportal Niederländisch, Ostfriesische Landschaft (unveröffentlicht); Nordrhein-Westfalen: Amand Berteloot et al. (2001): Niederländisch an Schulen in Nordrhein-Westfalen. Münster et al.: Waxmann, Abbildung 12.


Viele Schulen wollen Niederländisch als Unterrichtsfach einführen

Bei einer Umfrage der damals noch bestehenden Bezirksregierung Weser-Ems im Jahr 2002 haben 91 Schulen angegeben, dass sie Niederländisch gerne als Unterrichtsfach einrichten würden. Viele von ihnen haben dazu aber offenbar keine Möglichkeit, weil ihnen Lehrkräfte für das Fach fehlen. Für Nordrhein-Westfalen lässt sich zurzeit nicht genau sagen, wie viele Schulen das Fach künftig einführen wollen. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass das Interesse ebenfalls groß ist. Bei einer Umfrage im Jahre 1999 hatten Schulen aus NRW angegeben, dass sie rund 120 neue Niederländischangebote schaffen wollen.

M3: Interview zum Niederländischunterricht in Niedersachsen

„Wir haben zu wenig Lehrer“ - Mehr als 90 Schulen wollen Niederländisch ins Programm nehmen

Hajo Hülsdünker ist Beauftragter des Landes Niedersachsen für deutsch-niederländische Beziehungen im Bildungsbereich. Jahre lang hat er als Niederländischlehrer in Aurich und Großefehn gearbeitet.
Von Stefan Ulrichs


FRAGE: Während in den Niederlanden Schüler immer weniger Interesse am Fach Deutsch haben, erlebt das Niederländische hierzulande einen Boom. Woran liegt das?
HAJO HÜLSDÜNKER: Es gibt verschiedene Gründe. Der niederländische Sprachraum ist der größte Handelspartner Deutschlands. In den 90er Jahren waren die Niederlande wirtschaftlich sehr erfolgreich. Aber Schüler und Studenten mit Niederländischkenntnissen haben auch heute noch gute Chancen auf dem niederländischen Arbeitsmarkt. Das alles und vieles mehr spielt sicher bei den Eltern, die bei der Fremdsprachenwahl jüngerer Schüler ja mitwirken, eine Rolle.
FRAGE: Die Schüler entscheiden aber doch nach anderen Gesichtspunkten, oder?
HÜLSDÜNKER: Ja, Schüler lernen eine Sprache, weil sie den unmittelbaren Nutzwert dieser Sprache sehen. Beim Schüleraustausch oder bei privaten Besuchen in den Niederlanden können sie die Sprache anwenden.
FRAGE: Französischlehrer beäugen den Aufstieg des Niederländischunterrichts kritisch. Wenn Realschüler Niederländisch wählen, heißt das zugleich: Sie lernen kein Französisch.
HÜLSDÜNKER: Wenn Schüler vor der Entscheidung stehen, ob sie Französisch oder Niederländisch wählen, dann ist das eine Entscheidung, die sie mit Blick auf unseren Grenzraum fällen. Realschüler werden in der Regel ja später keine Fächer wie Geschichte studieren, wo sie Französischkenntnisse zum Quellenstudium benötigen. Realschüler wollen in mittlere Verwaltungs- oder Managementberufe. Für diese Berufsvorstellung hilft ihnen Niederländisch in unserer Region viel mehr als Französisch.
FRAGE: Deutsch und Niederländisch sind ja sehr verwandte Sprachen. Ist die Sprache deshalb leichter zu lernen?
HÜLSDÜNKER: Jede Fremdsprache hat Klippen und Hürden. Mit der niederländischen Grammatik haben deutsche Schüler meist weniger Probleme. Im Wortschatz kommt es aber häufiger zu Verwechselungen mit deutschen Wörtern. Schüler, die plattdeutsch sprechen, haben oft besondere Schwierigkeiten, sich auf das Lautsystem des Niederländischen einzustellen. Insgesamt lässt sich aber sagen: Niederländisch führt sehr schnell zu Lernerfolgen vor allem im Bereich des Verstehens.
FRAGE: Viele Schulen im Weser-Ems-Gebiet haben bei einer Umfrage vor drei Jahren angegeben, sie möchten gerne Niederländisch einführen. Bisher ist das nur an wenigen geschehen. Wie kommt das?
HÜLSDÜNKER: Wir haben zu wenig Lehrer für das Fach Niederländisch. Die Universität Oldenburg bietet als einzige in Niedersachsen erst seit dem vorigen Jahr Niederländisch als Hauptfach in der Lehrerausbildung an. Die ersten Absolventen werden erst in vier, fünf Jahren in das Referendariat gehen. Zurzeit sind wir noch auf Studienabgänger aus Nordrhein-Westfalen angewiesen. Im Moment können wir den Bedarf aber dennoch nicht decken.
FRAGE: Was tut die Landesregierung denn kurzfristig gegen den Lehrermangel?
HÜLSDÜNKER: Die Landesregierung hat vor zwei Jahren eine Weiterbildungsmaßnahme für Lehrer gestartet. In diesem Kurs werden 37 Lehrkräfte zusätzlich für das Fach Niederländisch qualifiziert.
FRAGE: Kommt aus dem Nachbarland Unterstützung?
HÜLSDÜNKER: Die Taalunie stellt finanzielle Mittel zur Verfügung, die dem Niederländischunterricht zugute kommen [...]
FRAGE: Die Schülerzahlen steigen, die Lehrerausbildung kommt in Gang. Jetzt können Sie sich als Beauftragter für deutsch-niederländische Beziehungen im Bildungsbereich doch ausruhen.
HÜLSDÜNKER: Jedes Jahrzehnt hat sich die Zahl der Schüler und Lehrer verdoppelt. Doch damit ist es nicht getan. Wir brauchen weiter intensive Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für die Lehrkräfte. Das kostet viel Zeit und ist teuer. Zurzeit werden neue Bildungsstandards erarbeitet. Das heißt: Vorhandenes Lehrmaterial muss angepasst werden. Außerdem müssen Vergleichstests für zentrale Prüfungen entwickelt werden.

Quelle: Ostfriesen-Zeitung vom 7. Oktober 2005.