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Niederländischer Einfluss auf andere Sprachen

Niederländer haben im Laufe der vergangenen Jahrhunderte zahlreiche Wörter aus anderen Sprachen entlehnt, wie das Kapitel Französischer Einfluss anschaulich gezeigt hat. Umgekehrt hatte aber auch das Niederländische Einfluss auf andere Sprachen außerhalb der Niederlande. So gibt es etwa im Wortschatz des Deutschen und Englischen so manchen niederländischen Gast. Häufig erkennt man niederländische Wörter im Deutschen kaum noch, weil sie sich an die Zielsprache angepasst haben. Oder hättest du gewusst, dass aus dem niederländischen Wort sinaasappel die deutsche Apfelsine wurde?

M1: Erbwörter, Fremdwörter oder Lehnwörter?

Wörter, die das Deutsche aus dem Germanischen und Indogermanischen „geerbt“ hat, nennen wir Erbwörter. Neben diesen „Ureinwohnern“ in unserer Sprache gibt es eine große Zahl von Gästen aus dem Sprachausland. Wir nennen sie Lehnwörter, wenn sie sich stark oder ganz der deutschen Sprache angepasst haben. Wenn sie ihre fremde Gestalt beibehalten haben und in Betonung und Aussprache von deutschen Wörtern abweichen, bezeichnen wir sie als Fremdwörter
Quelle: Dudenredaktion (Hrsg.) (2001): Duden Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. 3. Auflage. Mannheim et al.: Dudenverlag, S. 84.

M2: Schiff ahoi!

Unbenanntes Dokument
Ich habe vor 30 Jahren als Matrose auf einem Frachtschiff angeheuert. Wir sind über alle Weltmeere gefahren. Mal haben wir Apfelsinen, Kiwis oder Bananen transportiert, dann wieder Fässer mit Öl. Wenn nichts zu tun war, haben wir uns in unsere Koje gelegt – oder in eine der vielen Hängematten. Den Kapitän haben wir selten gesehen. Wenn er seine Ruhe wollte, ging er in seine Kammer, aß in der Schiffsküche Austern oder stand allein an Deck. Legten wir im Hafen an, ging er oft in die Stadt. Er suchte meist eine Bücherei auf, in der neuere deutsche Zeitungen ausgelegt waren. Manchmal ging er auch zu irgendwelchen Quacksalbern, weil ihn sein Rücken schmerzte. Stürmisches Wetter hatten wir bei unseren Fahrten häufig, aber das störte mich nie. Es gibt nichts Eindrucksvolleres als peitschende Wellen an den Klippen. Seit einem Jahr bin ich auf Rente, und unser Schiff hat die besten Zeiten hinter sich. Es liegt in der Werft in Hamburg und soll verschrottet werden.
In der folgenden Liste sind Beispiele niederländischer Lehnwörter im Deutschen abgedruckt.

M3: Niederländische ‚Gäste‘ im Deutschen

Unbenanntes Dokument
Deutsch Hinweise zur Entlehnung
Fracht Das im 16. Jh. aus dem Niederländischen ins Hochdeutsche übernommene Wort geht zurück auf mittelniederländisch vracht (Frachtgeld, Schiffsladung), das seinerseits aus dem Friesischen stammt.
Matrose Das Wort wurde um 1600 aus niederl. matroos entlehnt, das aus französisch matelot (Seemann) umgebildet ist. Das französische Wort selbst stammt vermutlich aus mittelniederl. mattenoot, das wohl eigentlich Matten-, Schlafgenosse bedeutet.
Bücherei Lehnübersetzung im 17. Jahrhundert aus niederl. boekerij, das selbst für älteres Liberey aus lat. liberia eingetreten war.
Klippe Im 14. Jahrhundert aus mittelniederl. clippe (Felsen im oder am Meer, steiler Abfall einer Felsküste) entlehnt.
Auster Der im 16. Jahrhundert vom Niederdeutschen ins Hochdeutsche gelangte Name der essbaren Meeresmuschel wurde aus dem Niederl. entlehnt (mittelniederl. oester).
Apfelsine Die Frucht wurde um 1500 von den Portugiesen aus Südchina eingeführt. Nach Norddeutschland gelangte sie um 1700 über die Nordseehäfen Amsterdam und Hamburg. Ihr norddeutscher Name beruht auf älter niederl. appelsina (heutiges Niederl. sinaasappel), wörtlich Apfel aus China.
dopen, Doping Entlehnung des 20. Jh. aus engl. to dope bzw. doping. Das zugrunde liegende Substantiv dope (zähe Flüssigkeit, Narkotikum, aufpeitschendes Getränk) geht auf niederl. doop (Soße) zurück. Das Wort tauchte auf im südöstlichen Afrika zur Bezeichnung eines alkoholischen, stark stimulierenden Getränks bei den Eingeborenen. Die Niederländer übernahmen das Wort als doop.
Hängematte Die im Deutschen seit dem 17. Jh. bezeugte Bezeichnung für die hängende Schlafstelle (ursprünglich speziell der Matrosen auf Schiffen) ist aus niederl. hangmat (älter hangmak) entlehnt worden.
Quacksalber Der verächtliche Ausdruck für schlechter Arzt; Person, die stümperhaft eine ärztliche Tätigkeit ausübt wurde im 16. Jahrhundert aus niederl. kwakzalver entlehnt, das eigentlich etwa prahlerischer Salbenverkäufer bedeutet.
Stoff Das Substantiv wurde im 17. Jh. wohl durch niederländisch-niederdeutsche Vermittlung (vgl. niederl. stof) aus altfranzösisch estoffe (Gewebe, Tuch, Zeug) entlehnt.
Werft Schiffsbauplatz. Das im 17. Jahrhundert aus dem Niederdeutschen ins Hochdeutsche übernommene Wort stammt aus niederl. werf (Schiffszimmerplatz).
Boss Der umgangssprachliche Ausdruck für Chef wurde Ende des 19. Jahrhunderts aus engl.-amerik. boss entlehnt, das seinerseits aus niederl. baas (Meister, Chef) stammt.
Koje Schlafstelle [auf Schiffen]. Das Wort wurde um 1600 durch mittelniederdeutsche Vermittlung aus mittelniederl. koye (heutiges Niederl. kooi) entlehnt, was Schlafstelle auf Schiffen, Verschlag, Stall bedeutet.
Havarie Seeschaden (eines Schiffes oder seiner Ladung); Unfall. Das Wort wurde im 17. Jahrhundert durch Vermittlung von niederl. averij und niederdeutsch haverye aus franz. avarie entlehnt.
baggern Erdreich mit einem Bagger abtragen. Das Wort ist seit dem 18. Jahrhundert bezeugt, und zwar zunächst im Niederdeutschen. Es wurde aus niederl. baggeren (ein Wasserbett ausschlammen) entlehnt, das seinerseits zu niederl. bagger (Bodenschlamm) gehört.

Vereinfacht nach: Dudenredaktion (Hrsg.) (2001): Duden Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. 3. Auflage. Mannheim et al.: Dudenverlag.