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Die „Statenbijbel“
Wenn heutzutage ein Seeländer einem Groninger einen Brief schreibt, dürfte der Groninger keine Mühe haben, ihn zu verstehen. Denn beide haben in der Schule die Standardsprache gelernt, das
Allgemeine Niederländisch,
das im gesamten Sprachgebiet gilt. Das
Allgemeine Niederländisch
Viele Jahrhunderte lang gab es im niederländischen – wie im deutschen – Sprachgebiet keine einheitliche Sprache, sondern verschiedene regionale Varianten, die sich zwar ähnelten, aber eben auch durch viele Unterschiede gekennzeichnet waren. Damals hätte ein Seeländer Mühe gehabt, alles zu verstehen, was ein Groninger schreibt oder sagt. Ab dem Ende des 16. Jahrhunderts begann sich langsam eine allgemeine Sprache zu entwickeln, in der geschrieben wurde. Eine wichtige Rolle auf dem Weg zur Einheitssprache spielte zweifelsohne die Veröffentlichung der so genannten
Statenbijbel,
der Staatenbibel, von 1637.
M1: Entstehung der „Statenbijbel“
Als bei der Synode von Dordrecht (1618-19) die Lehre
der Protestanten erneut festgelegt wurde, beschloss man auch, eine neue
Bibelübersetzung anfertigen zu lassen. 1619 wurde hierfür von den Generalstaaten,
Teilen des Staatenbundes, der Auftrag erteilt. Die Calvinisten wollten
eine Bibel, die direkt aus den Grundsprachen Hebräisch (Altes Testament),
Griechisch und Aramäisch (Neues Testament) ins Niederländische übersetzt
ist. Außerdem sollte sie in einer Sprache geschrieben sein, die von jedem
Niederländer verstanden und akzeptiert werden konnte. Um dies zu erreichen,
sollten Übersetzer und Revisoren aus allen Teilen des Landes zusammenarbeiten.
Die Übersetzer waren zwei Friesen, zwei Ostflamen, ein Seeländer und ein
Holländer. Sie zogen nach Leiden, wo die nötige Bibliothek zur Verfügung
stand. Die Übersetzer versuchten zuerst, Übereinstimmungen zwischen den
verschiedenen Dialekten im niederländischen Sprachgebiet zu finden und
Kompromisse in Rechtschreibung, Grammatik und Wortgebrauch zu erarbeiten.
Die Beschlüsse wurden mit Stimmenmehrheit gefaßt und festgelegt. Als Revisoren,
die die Übersetzung, wenn nötig, im Nachhinein berichtigen sollten, arbeitete
aus jedem Landesteil je ein Sachkundiger, ausgenommen aus Drenthe und
Overijssel. Diese Regionen ließen sich entschuldigen, weil sie niemanden
mit der nötigen theologischen und sprachwissenschaftlichen Ausbildung
finden konnten. Auf diese Weise fanden die östlichen Dialekte in der Übersetzung
kaum ihren Niederschlag. Den größten Einfluss hatten die südlichen Dialekte
auf die Sprache der Bibel, da sie durch Schriften schon bekannt waren
und von den meist reichen Immigranten gesprochen wurden. Zudem klangen
die Wörter für nordniederländische Ohren feierlich. Die Staatenbibel war
1637 fertig und nahm bei den calvinistischen Familien einen wichtigen
Platz ein. Täglich nach der Mahlzeit wurde daraus vorgelesen und sie wurde
auch in der Schule verwendet. Die Sprache der „Staatenübersetzung“ wurde
von den Niederländern als Vorbild für guten Sprachgebrauch angesehen.
Sie hat großen Einfluß auf die Entwicklung einer allgemeinen niederländischen
Schriftsprache gehabt. |
| Quelle: Matthias Hüning (Leitung):
Geschichte des Niederländischen |
Bibelübersetzung und ihre Einflüsse auf die Sprachentwicklung
Die Sprachwissenschaftler sind sich nicht ganz einig darüber, wie groß der Einfluss der Staatenübersetzung auf die Entstehung einer niederländischen Standardsprache genau war. Maßlos übertrieben ist die Aussage, die Übersetzer der Statenbijbel hätten das Niederländische erschaffen (Potgieter). Man kann aber durchaus sagen, dass die Übersetzer die Vereinheitlichung des Niederländischen vorangebracht haben. Sie verzichteten darauf, allzu viele regionalsprachliche Merkmale in die Übersetzung einfließen zu lassen und sorgten für eine gewisse Ordnung in der Rechtschreibung, Flexion und im Wortschatz.
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Statenbijbel auch für Reformierte in Deutschland maßgeblich
Nicht nur in den Niederlanden lasen Menschen die „Statenbijbel“. Für
Reformierte Kirchengemeinden
in Deutschland – wie etwa in Emden – war die niederländische Übersetzung die maßgebliche. So kam es, dass viele Emder in der Kirche in niederländischer Sprache sangen und beteten. Zu Hause sprachen sie dagegen plattdeutsch und später auch hochdeutsch.
M2: Niederländische Kirchensprache in Deutschland
„Das Niederländische war die offizielle Kirchensprache der Reformierten“, sagt Klaas-Dieter Voß von der Johannes-a-Lasco-Bibliothek in Emden. „Und weil die Schulen unter Aufsicht der Kirchen standen, wurde auch dort das Niederländische eingeführt.“
Von 1650 bis 1850 nahm die niederländische Sprache eine wichtige Rolle im Südwesten Ostfrieslands ein. In Emden wurden zahlreiche Bücher in der Nachbarsprache gedruckt, Schulbücher waren auf Niederländisch verfasst, in den reformierten Kirchen wurde in niederländischer Sprache gepredigt und gesungen.
„Emden war lange Zeit eine sehr niederländisch geprägte Stadt“, sagt Voß. Viele Niederländer, die sich zum „neuen Glauben“ bekannten, flüchteten in der Reformationszeit nach Emden. Denn ihnen drohten Gefängnis, Folter und Verbrennung in ihrer Heimat, die damals dem streng katholischen spanischen König unterstand, wie Berend Eden und Stefan Höschen in ihrem Buch „Sprachformen der Region Ostfriesland-Groningen“ bemerken. „Ostfriesland war in der damaligen Zeit eine der wichtigsten Zufluchtsstätten für die niederländischen Glaubensflüchtlinge.“ Zeitweise lebten in Emden weit mehr als 6000.
Der Südwesten Ostfrieslands schloss sich eng an die Kirche der Niederlande an. Prediger und Lehrer stammten aus den Niederlanden, Ostfriesen studierten dort. Unter den Flüchtlingen waren viele kapitalkräftige Kaufleute und geschickte Handwerker. Sie gaben dem ostfriesischen Wirtschaftsleben mächtigen Auftrieb.
In den Regalen der A-Lasco-Bibliothek gibt es viele Zeugnisse der niederländischen Blütezeit in Ostfriesland. Voß holt die „Statenbijbel“ hervor, die offizielle Bibel der Niederländer seit dem 17. Jahrhundert. Sie war auch die maßgebliche Übersetzung für die Reformierten in Emden. Alltägliche kirchliche Schriften wurden bis ins 19. Jahrhundert ebenfalls auf Niederländisch verfasst - so etwa das Geburtenregister von 1811-33.
Das Hochdeutsche wurde aber im Laufe der Zeit immer wichtiger. 1754 beschloss der Emder Kirchenrat, es zumindest als Fremdsprache einzuführen. Mitte des 19. Jahrhunderts mussten die Emder Schulen das Niederländische als Unterrichtssprache dann ganz aufgeben - auf Befehl der hannoverschen Regierung. Auch in der Kirche verlor die Nachbarsprache an Bedeutung. Die Emder retteten die alte Tradition noch bis ins 20. Jahrhundert. Voß: „Noch 1925 wurden in der Großen Kirche niederländische Psalmen gesungen.“
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| Quelle: Stefan
Ulrichs (2005): ): „Niederländische Schulbücher für
Ostfriesen“, in: Ostfriesen-Zeitung vom 26.09.2005 (gekürzt). |
Die „Statenbijbel“ und ihre Nachfolger
Von der „Statenbijbel“ wurden zwischen 1637 und 1657 rund eine halbe Millionen Exemplare gedruckt – eine riesige Anzahl für damalige Verhältnisse. Im Laufe der Jahrhunderte gab es immer wieder neue Bibelübersetzungen, doch die „Statenbijbel“ blieb – in neueren und leicht überarbeiteten Ausgaben – bis weit in das 20. Jahrhundert hinein die maßgebliche Übersetzung in den protestantischen Kirchen in den Niederlanden. Im Jahr 2004 erschien dann die so genannte „Neue Bibelübersetzung“. Sie unterscheidet sich von den bisherigen Ausgaben der Statenbijbel durch eine viel modernere Sprache. Konservative Theologen halten sie für zu progressiv.
M3: Geburt Jesu in der „Statenbijbel“ und in neuer Übersetzung
| Statenvertaling |
Nieuwe Bijbelvertaling 2004 |
1 En het geschiedde in diezelfde dagen, dat
er een gebod uitging van den keizer Augustus, dat de gehele wereld beschreven
zou worden.
2 Deze eerste beschrijving geschiedde, als Cyrénius over Syrië stadhouder
was.
3 En zij gingen allen om beschreven te worden, een iegelijk naar zijn
eigen stad.
4 En Jozef ging ook op van Galiléa, uit de stad Názareth, naar Judéa,
tot de stad Davids, die Bethlehem genaamd wordt, (omdat hij uit het huis
en geslacht van David was);
5 Om beschreven te worden met Maria, zijn ondertrouwde vrouw, welke bevrucht
was.
6 En het geschiedde, als zij daar waren, dat de dagen vervuld werden,
dat zij baren zoude.
7 En zij baarde haar eerstgeboren Zoon, en wond Hem in doeken, en legde
Hem neder in de kribbe, omdat voor henlieden geen plaats was in de herberg.
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1 In die tijd kondigde keizer Augustus een decreet af dat alle inwoners
van het rijk zich moesten laten inschrijven.
2 Deze eerste volkstelling vond plaats tijdens het bewind van Quirinius
over Syrië.
3 Iedereen ging op weg om zich te laten inschrijven, ieder naar de plaats
waar hij vandaan kwam.
4 Jozef ging van de stad Nazaret in Galilea naar Judea, naar de stad
van David die Betlehem heet, aangezien hij van David afstamde,
5 om zich te laten inschrijven samen met Maria, zijn aanstaande vrouw,
die zwanger was.
6 Terwijl ze daar waren, brak de dag van haar bevalling aan,
7 en ze bracht een zoon ter wereld, haar eerstgeborene. Ze wikkelde hem
in een doek en legde hem in een voederbak, omdat er voor hen geen plaats
was in het nachtverblijf van de stad. |
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Quelle: Statenvertaling: Statenvertaling, Jongbloed-editie; Nieuwe Bijbelvertaling: (c) 2004 Nederlands Bijbelgenootschap
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