Home      Kontakt      Links      

logo

Literatur und Sprache

Materialien und Aufgaben Quiz Zeitleiste Glossar Links
  

PDF-Datei

PDF-file Nederlands

Aufgaben

glasbild

Neuniederländisch

Das 16. Jahrhundert ist nach allgemeiner Auffassung als Schlussphase der mittelniederländischen Sprachperiode zu betrachten. Von da an spricht man vom Neuniederländischen. Der Übergang zum Neuniederländischen wird unter anderem gekennzeichnet durch einen Kultur- und Machtwechsel innerhalb des niederländischen Sprachgebiets von Süden nach Norden, nach Holland.

Flüchtlinge aus Flandern und Brabant, einem kulturell sehr bedeutenden Gebiet, haben sich in Holland niedergelassen und einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Entwicklung der niederländischen Sprache gehabt. Einige Sprachwissenschaftler vermuten, dass sie eine Lautveränderung innerhalb der niederländischen Sprache vorangetrieben haben: die Diphthongierung von i > ij (zum Beispiel rike > rijk) und von û > ui (zum Beispiel huus > huis). Diphthongierung heißt, dass ein Vokal zu einem Zweiklang (Diphthong) wird.
Es entwickelte sich schrittweise eine Standardsprache vor allem aus jener Sprachvariante, die in Holland gebräuchlich war. Südliche Einflüsse waren allerdings auch enthalten.
Es entstand zunehmend Interesse an einer eigenen nationalen Sprache, die mit dem Lateinischen konkurrieren konnte. Dieses Interesse führte zum Studium des Wortschatzes und zur Regelung der Rechtschreibung und Grammatik. So wurde zum einen ein umfangreiches Wörterbuch herausgegeben, Kiliaans „Dictionarium“. Zum anderen erschien 1584 die erste gedruckte niederländische Grammatik unter dem Titel „Twe-spraack van de Neder-Duitse Letterkunst“. Die Regulierung der Grammatik und Rechtschreibung wird auch als Kodifikation einer Sprache bezeichnet.

M1: Die erste gedruckte niederländische Grammatik (1584)


Abbildung: Marijke van der Wal (1994): Geschiedenis van het Nederlands. 2., überarb. Auflage. Utrecht, S. 187.









Die Versuche, Regeln für die niederländische Grammatik und Rechtschreibung festzulegen, haben die Vereinheitlichung der niederlän¬dischen Sprache vorangetrieben – zunächst vor allem in der Schriftsprache. Für die Herausbildung einer niederländischen Standardsprache ist aber noch ein weiterer Aspekt sehr wichtig, den Marijke van der Wal (1994:199) als „Funktionserweiterung“ bezeichnet. Damit meint sie, dass die Muttersprache Niederländisch in dieser Zeit in Bereichen verwendet wird, die bis dahin den Gelehrtensprachen Latein und/oder Griechisch oder dem Französischen vorbehalten waren. So verfasste der Mathematiker Simon Stevin seine Schriftstücke auf Niederländisch, und er gab auch Vorlesungen in der Volkssprache und nicht wie damals üblich auf Latein. Allerdings war er Vorreiter, andere Wissenschaftler folgten erst später. Auf politischem Gebiet allerdings nahm der Gebrauch der niederländischen Sprache in Schriftstücken schnell zu. Die General-Staaten beschlossen 1582, in den meisten Dokumenten und Schriftstücken, die verschickt werden sollten, die niederländische Sprache zu verwenden.