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Altniederländisch
Aus der altniederländischen Sprachperiode ist nur wenig überliefert. Falls etwas geschrieben werden musste, geschah das meist auf Latein. Denn Niederländisch war – genauso wie Französisch, Deutsch, Englisch und Friesisch – in erster Linie eine Sprechsprache des Volkes
(vgl. www.literatuurgeschiedenis.nl).
Einige Personen-, Orts-, Flur- und Wasserbezeichnungen in altniederländischer Sprache sind allerdings in lateinischen Urkunden erhalten, weil man sie nur schwer ins Lateinische übersetzen konnte. Außerdem gibt es einige altniederländische Psalmfragmente.
1931 wurde dann eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht. Man fand einen kurzen Text auf einem Stück Pergament, das als Verstärkung eines Buchbandes gedient hatte. Ein flämischer Mönch hat ihn zu Beginn des 12. Jahrhunderts in einem englischen Kloster geschrieben.
M1: Altniederländische Sätze aus dem 12. Jahrhundert
| Altniederl.: |
Hebban olla vogala nestas hagunnan hinase hi[c]
[e]nda thu uuat unbidan uue nu |
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| Zum Vergleich: |
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| Lateinisch: |
Abent omnes volucres nidos inceptos nisi ego et
tu quid expectamus nunc. |
| Niederl.: |
Hebben alle vogels nesten begonnen behalve ik en
jij. Wat wachten we nu? |
| Hochdeutsch: |
Haben alle Vögel Nester begonnen [zu bauen] außer
ich und du. Was warten wir jetzt? [Worauf warten wir jetzt?] |
Quelle: Marijke van der Wal (1994): Geschiedenis van het Nederlands. 2., überarb. Ausgabe. Utrecht, S. 93 (z.T. eigene Übersetzungen).
Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, warum dieser Satz geschrieben wurde. Die wohl einleuchtendste Erklärung ist, dass der Schreiber sein Schreibwerkzeug ausprobieren wollte. Das tägliche Leben des Mönchs bestand darin, lateinische und altenglische Texte abzuschreiben. Ab und zu musste er die Gänsefeder, mit der er schrieb, anspitzen. Auf der letzten Seite des Buches probierte er aus, ob seine Feder wieder gut schrieb. In so einem Fall schreibt man oft das erste auf, das einem einfällt. Bei dem Mönch könnte dies ein Liebesvers gewesen sein, den er noch aus seiner Jugend in Flandern kannte.
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