Die niederländische Kolonialzeit, Zeitleiste

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Die niederländische Kolonialzeit

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  16. Jh. Portugiesische, niederländische, französische und britische Händler handeln regelmäßig mit Atjeh (Indonesien). Sie bringen Stoffe aus Indien und tauschen sie gegen Gewürze, Edelmetalle und chinesisches Porzellan.
  Ab 1594 Gründung verschiedener Handelskompanien in niederländischen Städten, u.a. in Amsterdam, Delft, Enkhuizen, Hoorn, Middelburg und Rotterdam, die Handelsreisen nach Asien organisieren.
  1595 Erste Reise von Cornelis de Houtman nach Ostasien.
  1596 Die ersten Niederländer, die nach Banten kommen, halten die Stadt für so groß wie Amsterdam (ca. 100.000 Einwohner). Die Stadt ist eine reine Handelsstadt. Es gibt hier abessinische, arabische, türkische, persische, gujarati, bengali, malaiische, chinesische und portugiesische Händler. Die Niederländer sind fest entschlossen, den Gewürzhandel nach Europa, der von Portugiesen kontrolliert wird, unter ihre Kontrolle zu bringen.
  1601 Seeschlacht in der Bucht von Banten zwischen Niederländern und Portugiesen. Die Portugiesen werden besiegt. Sie wagen es in den nächsten vierzig Jahren nicht mehr nach Banten zu kommen.
  1602 Die Generalstaaten nehmen das „octroy opte vereenige der compagnieën“ an. Alle auf den Handel mit Asien spezialisierten Gesellschaften schließen sich in der Verenigde Oostindische Compagnie (VOC) zusammen. Sie erhalten zunächst für 21 Jahre das Monopol auf Handelsreisen östlich des Kaps der Guten Hoffnung und durch die Magellanstraße.
  1603 Die erste Flotte der VOC unter Befehl von Steven van der Hagen besteht aus 12 Schiffen.
  1605 Eroberung eines portugiesischen Forts auf Ambon.
  1609 Die VOC gründet einen Handelsposten in Jakarta auf der Insel Java. Erstes Handelskontor auf der japanischen Insel Hirado.
  1612 Die VOC baut ein Fort auf Ceylon.
  1615 Reise von Lemaire um Kap Hoorn nach Indien.
  1619 Nachdem sich die VOC in einem Konflikt mit Einheimischen und Engländern durchgesetzt hat, lassen die Sieger Jakarta neu aufbauen und benennen es in Batavia um. Generalgouverneur ist zu dieser Zeit Jan Pieterszoon Coen. Hier wird der gesamte asiatische Schiffverkehr der VOC organisiert.
  1621 Die Generalstaaten verleihen der Westindische Compagnie (WIC) das Recht, in Afrika und Westindien (Karibik) Handel zu treiben. Die Kompagnie besteht aus fünf Kammern und wird von den die so genannten „Heren XIX“ geleitet. Obwohl Handel und Kolonisierung als eigentliche Hauptziele der Kompanie gelten, verdient sie am meisten durch Kaperfahrten.
  1621 Konflikt um das Muskatnussmonopol der VOC auf den Bandainseln. Die VOC bekämpft die dort ansässigen Stämme, weil sie trotz eines Vertrags mit der VOC auch mit anderen Händlern Geschäfte machen. Die Inselbevölkerung wird getötet oder vertrieben.
  1622 Gescheiterter Angriff der VOC auf die Portugiesen in Macau (China).
  1624 Eine chinesische Armee vertreibt die VOC von den Pescadoresinseln. Taiwan wird zum Stützpunkt der VOC für den Handel mit China.
  1624 Die WIC erobert den brasilianischen Küstenstreifen Bahia de todos os Santos mit der Stadt Sao Salvador.
  1625 Wilhelm Verhulst kauft die Insel Manhattan für die WIC von den Delaware-Indianern. Dort wird die Siedlung Nieuw Amsterdam gegründet, das gesamte Gebiet erhält den Namen Nieuw Nederland. Pieter Stuyvesant wird 1646 zum Gouverneur des Gebiets ernannt, in dem etwa 6700 Niederländer leben.
  1628 Piet Hein überfällt erfolgreich die spanische Silberflotte, die einzig wirklich gewinnbringende Unternehmung der WIC. Die WIC gründet einen Handelsposten auf Tobago.
  1630 Eroberung der brasilianischen Provinz Pernambuco durch die WIC.
  1631 Nachdem sie seit 1604 illegale Salzexpeditionen im spanischen Kolonialgebiet durchgeführt haben, gründen die Niederländer auf Sint Maarten einen permanenten Handelsplatz. Kommandeur Jan Claesz. Van Campen lässt ein Fort mit einer Garnison von 100 Soldaten bauen.
  1633 Eine spanische Flotte vertreibt die WIC von Sint Maarten.
  1634 Die WIC erobert Curaçao und gründet einen Flottenstützpunkt.
  1635 Die VOC blockiert den portugiesischen Stützpunkt in Malakka.
  1636 Zur Sicherung des Flottenstützpunkts St. Maarten besetzt die WIC Aruba und Bonaire. Da Curaçao zu weit südlich liegt, wird ein Handelsposten auf Sint Eustatius errichtet.
  1636-1644 Johan Mauritz von Nassau ist Gouverneur von Brasilien. Für den Sklavenhandel lässt er Elmina in Ghana (1637) und Luanda in Angola besetzen.
  1637 Van Diemen schließt für die VOC mit dem Rahja Sinha von Candi ein Bündnis gegen die Portugiesen auf Ceylon.
  1638 Die VOC beginnt die Küste von Ceylon zu erobern. Der portugiesische Stützpunkt in Goa wird blockiert.
  1640 Die WIC kolonisiert Saba von Sint Eustatius aus.
  1641 Die VOC erobert Malakka von den Portugiesen und kontrolliert damit die Seestraße von Malakka. Auf Befehl des Shogun muss die VOC ihren Handelskontor auf Hirado in Japan nach Deshima in der Bucht von Nagasaki verlegen. Der VOC-Kontor bleibt bis 1853 die einzige ausländische Handelsniederlassung in Japan, nachdem die Portugiesen 1639 aus Japan verbannt wurden.
  1642-1664 Pieter Stuyvesant wird von der WIC zum Direktor von Curaçao, Aruba und Bonaire ernannt. 1644 wird er bei einem gescheiterten Versuch Sint Maarten zurückzuerobern schwer verletzt. Direkt nach dieser Niederlage kehrt er in die Niederlande zurück. Als er 1646 zum Generaldirektor von Nieuw Amsterdam (heute New York) ernannt wird, vertritt ihn in Curaçao ein Vizedirektor.
  1648 Durch Bestimmungen in Verträgen zum Westfälischen Frieden von Münster verliert die WIC ihre wichtigste Einkommensquelle, die Kaperfahrt.
  1651 Die VOC nimmt den Krieg gegen Portugal auf Ceylon und an der Malabarküste in Indien wieder auf.
  1652 Jan van Riebeeck gründet eine Nachschubstation für VOC-Schiffe am Kap der Guten Hoffnung.
  1654 Die Portugiesen erobern Niederländisch-Brasilien von der WIC.
  1658 Die ersten „Freibürger“ besiedeln das Umland von Kapstadt. Es handelte sich um Farmer, die die Kolonie mit Fleisch und Getreide versorgen sollten. Zusätzlich wurde Fleisch von den ansässigen Hottentottenstämmen (Khoikhoi) erworben.
  1658 Die VOC hat die Portugiesen besiegt und kontrolliert Ceylon. Sie hat damit ein Monopol im Handel mit Kandiszucker.
  1659 Erster Konflikt zwischen den Hottentottenstämmen und den Siedlern. Die Siedler beschwerten sich über zunehmenden Viehdiebstahl und die freilaufenden Herden der Hottentotten. Die Hottentotten beklagten sich darüber, dass die Zäune der Siedler ihre Herden von den fruchtbarsten Weidegebieten abschnitten.
  1661 Die Niederlande schließen einen Friedensvertrag mit Portugal in Den Haag.
  1666 Beginn des Baus der Steinfestung in Kapstadt, die 1674 fertiggestellt wird.
  1662-1713 Der Sklavenhandel ist in Curaçao ein florierendes Geschäft, ebenso in Sint Eustatius (bis 1783).
  1662 Chinesische Seeräuber vertreiben die VOC aus Formosa/Taiwan.
  1663 Die VOC hat die Portugiesen an der indischen Malabarküste besiegt und kontrolliert die dort ansässige Pfefferproduktion.
  1664 England erobert die Besitzungen der WIC in Guinea sowie Nieuw Amsterdam.
  1667 Die VOC erhält das Handelsmonopol in Makassar (Indonesien).
  1667 Abraham Crijnssen erobert Suriname für die WIC. England tritt Suriname an die Niederlande ab, die Niederländer treten im Gegenzug Nieuw Amsterdam an die Engländer ab.
  1672 Die Zahl der weißen Freibürger und Diener in der Kapprovinz beläuft sich auf 221, dazu kommen noch 200 Sklaven.
  1673-1677 Kämpfe gegen die Hottentotten in der Kapprovinz, die mit der Niederlage der Eingeborenen enden. Diese sind gezwungen, vor den Kolonisten zu fliehen oder sich als Bedienstete ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
  1674 Die WIC wird aufgelöst. An ihre Stelle tritt eine neue Westindische Compagnie, die über weniger Kapital und Teilhaber verfügt. Geleitet wird sie von den „Heren X“. Die Kompanie führt keine Kaperfahrten mehr durch. Sie lebt vom Sklavenhandel und von der Zuckergewinnung in Suriname.
  1677 Der Fürst von Mataram auf Java unterwirft sich der VOC, wodurch diese das Fürstentum kontrolliert.
  1680 Die Indianerstämme Surinames verbünden sich mit den Niederländern.
  1683 Suriname wird Besitz der Sociëteit van Suriname. Die Gesellschaft besteht aus der Westindischen Compagnie, der Stadt Amsterdam und der Familie van Aerssen van Sommelsdijck.
  1684 Die VOC kontrolliert die Pfefferproduktion von Bantam (das heutige Bandung auf Java).
  1686 Gründung der Kolonie Stellenbosch 40 km östlich von Kapstadt.
  1688 Etwa 200 französische Hugenotten erreichen die Kapkolonie. Sie arbeiten vorwiegend als Farmer im Landesinneren, z.B. in Stellenbosch, Drakenstein oder Paarl.
  1695 Auf Java werden erstmalig Kaffeekulturen angelegt.
  1702 Nach Unruhen unter den lokalen Herrschern dehnt die VOC ihr Gebiet in Java aus.
  1714-1724 Unter der Verwaltung von Maurice de Chavonnes werden in der afrikanischen Kapprovinz Außenposten in Tulbagh, Klapmuts, Groenekloof und Saldanha Baai angelegt, um Übergriffe der Eingeborenen zu verhindern.
  1724-1785 Das Gebiet der Kapkolonie wird unter verschiedenen Gouverneuren erweitert. Zunächst wird die Kolonie bis zum Little Karoo valley ( 1730) und die Mossel baai (1734), dann bis zu den Gebieten um den Oranje-rivier ausgedehnt.
  1740 Tausende Chinesen werden in Batavia von niederländischen Kolonisten ermordet.
  1756 Die britische East India Company erlangt während des Kolonialkriegs zwischen Großbritannien und Frankreich die Kontrolle über die französischen Kolonien in Indien. Nach einer gescheiterten militärischen Expedition muss die VOC der East India Company die Kontrolle über Bengalen überlassen.
  1770 Die Familie Van Aerssen van Sommelsdijck tritt aus der Sozietät von Suriname aus.
  Ab 1775 Curaçao und Sint Eustatius werden Durchfahrtshafen der Nordamerikaner.
  1776 Das amerikanische Schiff Andrew Doria erhält in Sint Eustatius Salut. Die Briten beschweren sich über diese formelle Anerkennung der amerikanischen Freiheitskämpfer.
  1780-1784 Vierter Seekrieg zwischen den Niederlanden und Großbritannien. Zwei Jahre lang ist der Handel der VOC mit Asien blockiert. Nach den Bestimmungen des Friedensvertrags von Paris muss die VOC den Briten die freie Fahrt in den von ihr kontrollierten Gebieten gewähren.
  1791 Das Handelsrecht der WIC wird nicht verlängert, unter anderem wegen der hohen Verluste aus dem vierten Englischen Krieg (1780-1784). Die Anteilhalter erhalten 30% ihres Kapitals in Staatsobligationen zurück. Damit ist die WIC aufgelöst.
  1792 Die niederländische Regierung bildet einen Kolonialrat zur Verwaltung der amerikanischen und westafrikanischen Gebiete.
  1795 Sint Eustatius, Saba und Sint Maarten werden von den Franzosen besetzt.
  1795 Die Briten besetzen die niederländische Kolonie am Kap der Guten Hoffnung.
  1795 Am 24.12. übernimmt der niederländische Staat die VOC.
  1796 Faktisches Ende der VOC.
  1799 Suriname wird von den Engländern erobert und bleibt bis 1816 unter britischer Herrschaft.
  1799-1800 Die VOC wird aufgelöst. Die ehemaligen Häfen der VOC werden für den Freihandel geöffnet.
  1800-1806 Mit Unterbrechung stehen sowohl die Inseln über dem Wind als auch die Inseln unter dem Wind unter britischer Verwaltung.
  1801 Die batavische Republik übernimmt alle Besitztümer und Schulden der VOC.
  1803-1806 Die Briten geben die Kapkolonie nach dem Frieden von Amiens an die Batavische Republik zurück.
  1806 Erneut erobern die Briten die Kapprovinz. Nach dem Wiener Kongress (1815) bleibt diese endgültig im Besitz Großbritanniens.
  1807 Herman Willem Daendels wird von König Louis Bonaparte zum Generalgouverneur ernannt. Er reorganisiert die Verwaltung und Rechtsprechung der Kolonien.
  1808 Die Engländer verbieten die Einfuhr von Sklaven nach Suriname.
  1811 Die Briten erobern Java und andere niederländische Kolonien im indonesischen Gebiet. Diese waren mit dem Anschluss der Niederlande an Frankreich zu französischem Besitz geworden.
  1814 Großbritannien gibt die meisten der eroberten Kolonien an die Niederlande zurück.
  1815 Generalgouverneur Godert übernimmt die Verwaltung der niederländischen Kolonien in Niederländisch-Indien.
  1816-1828 Curaçao mit Aruba und Bonaire, Sint Maarten mit Saba und Sint Eustatius bilden drei voneinander unabhängige Kolonien.
  1824 Im „Sumatra-traktaat“ treten die Briten ihr Gebiet auf Sumatra gegen niederländische Besitzungen in Indien ab und erhalten das Recht zur freien Seefahrt nach Indien. Die Straße von Malakka bildet die Grenze der Gebiete und Einflusssphären.
  1825-1830 Der sog. Java-Krieg. Diponegoro und Sentot als Vertreter des javanischen Adels widersetzen sich dem wachsenden Einfluss der niederländischen Regierung und ihren Bestimmungen. Der Krieg endet mit der Gefangennahme Diponegoros und der Errichtung neuer Gouverneursstandorte.
  1827-1828 Curaçao und Sint Eustatius werden Freihäfen.
  1828-1845 Zusammen mit Suriname bilden die Inseln über und unter dem Wind eine koloniale Verwaltungseinheit. Diese nennt man die „Westindischen Besitzungen“.
  1830 Der Generalgouverneur von Niederländisch-Indien, van den Bosch, führt das Cultuurstelsel ein. Die einheimische Bevölkerung wird verpflichtet gegen einen festgelegten Lohn 20 Prozent der Landwirtschaftsflächen mit Kulturpflanzen zu bebauen. Die Regierung entscheidet, welche Pflanzen anbegaut werden müssen.
  1845 Durch eine Reorganisation der Kolonialverwaltung wird Suriname wieder unabhängig. Die niederländischen Inseln in der Karibik werden von einem Generalgouverneur geleitet. Diese Kolonie heißt nach ihrer Hauptinsel Curaçao. Der Name Niederländische Antillen bürgerte sich im 20. Jahrhundert ein, erst 1948 wurde er offiziell.
  1854 Aufhebung des niederländischen Monopols auf den Japanhandel auf Deshima.
  1858 Die ersten Lohnarbeiter, 500 Chinesen aus Kanton, werden nach Suriname gebracht.
  1859 Die Sklaverei wird in Niederländisch-Indien abgeschafft.
  1860 Veröffentlichung des Romans „Max Havelaar“ van Multatuli, in welchem die Auswüchse des Cultuurstelsels kritisiert werden.
  1863 Die Sklaverei in Niederländisch-Westindien wird abgeschafft.
  1863 Unter Kolonialminister van der Putte beginnt die Abschaffung des Cultuurstelsels. Auf Sumatra werden erste Tabakkulturen angebaut.
  1869 Eröffnung des Suezkanals. Niederländisch-Indien ist nun viel schneller zu erreichen und wird somit auch attraktiver für niederländische Investitionen.
  1870 England räumt den Niederländern das Recht ein, Lohnarbeiter für Suriname aus Britisch-Indien anzuwerben.
  1870 Das Cultuurstelsel wird durch neue Landwirtschafts- und Zuckergesetze abgeschafft. Die Gesetze begünstigen die Gründung erster großer Landwirtschaftsunternehmen.
  1871 Neues Sumatra-Traktaat mit Großbritannien. Die Niederländer dürfen gegen die Seeräuber von Aceh in der Straße von Malakka vorgehen und verzichten im Gegenzug auf ihre noch vorhandenen Rechte an der Goldküste (Ghana).
  1873 Der Aceh-Krieg der niederländischen Kolonialregierung dauert bis 1904.
  1888 Die Einwohner von Tjelegon auf Bantam organisieren einen Aufstand gegen die niederländische Koloninalmacht.
  1890 Lohnarbeiter aus Java werden für die Plantagen in Suriname angeworben.
  1890 Die Königlich Niederländischen Gesellschaft zur Erschließung und Nutzung von Erdölquellen wird gegründet.