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Lebensumstände
M1: Beschreibung eines VOC-Schiffes
Der Laderaum
Die Waren waren im Laderaum gelagert, der sich von der großen Ladeluke nahezu bis zum Fockmast erstreckte. Im Laderaum konnte ein zusätzliches Deck, die Kuhbrücke, angebracht werden. In diesem Deck konnten sich die Seeleute aufhalten oder Gewürze gelagert werden. Auf der Kuhbrücke konnte man kaum aufrecht stehen. Der Abstand vom Boden bis zur Decke betrug ungefähr anderthalb Meter.
Das untere Zwischendeck
Über dem Laderaum lag das untere Zwischendeck, das als Unterkunft für durchschnittlich 50 bis 75 Soldaten, die zur Bemannung der niederländischen Festungen nach Asien reisten.
Das Hauptdeck
Das Hauptdeck war der Aufenthaltsort für die gewöhnlichen Seeleute. Ein VOC-Schiff hatte zu Beginn einer durchschnittlichen Reise nach Asien eine etwa 200 Mann starke Besatzung.
Das Schiffshospital
Ein Schiffshospital befand sich im hinteren Teil des Schiffes. Medikamente und medizinische Instrumente wurden in einer Wundarztkiste aufbewahrt, deren Inhalt von der VOC festgelegt war. Die medizinischen Kenntnisse und Möglichkeiten jener Zeit kann man aus heutiger Sicht allerdings nur als äußerst dürftig bezeichnen.
Die Bottlerei
In der Mitte des Schiffs auf dem Hauptdeck befand sich die Bottlerei, der Lagerraum für gebrauchsfertige Getränke und Nahrung. Der Bottelier verwaltete die Vorräte, lieferte dem Schiffskoch die benötigten Zutaten für die täglichen Mahlzeiten und verabreichte der Schiffsmannschaft die festgelegten Tagesrationen an Getränken (15cl Wein und Schnaps, einen Liter Bier).
Die Kombüse
Unter der Back auf der Backbordseite befand sich die Kombüse, eine kleine Feuerstelle mit einigen Kesseln und Pfannen. In der Kombüse bereitete der Schiffskoch und sein Maat das Essen nach einem straffen Zeitplan für 300 Mann zu. Der Speiseplan auf den VOC-Schiffen war kalorienreich, aber fett- und vitaminarm.
Die Große Kajüte (3)
Einen Teil des Achterschiffes hatte man für die Passagiere und Offiziere abgeschottet. Die Passagiere verbrachten den Tag in der Großen Kajüte und nachts schliefen dort auch einige von ihnen. Der Raum war voller Kisten mit persönlichen Gegenständen und glich eher einer Lagerhalle als einem Wohnraum. An den Wänden befanden sich Regale für Bücher und Tafelgeschirr sowie für die Offiziere einige griffbereite Handwaffen für den Fall, dass es zu Problemen mit den Seeleuten kam. Der Schiffer oder Kapitän, die Steuerleute, der Buchhalter, die Kaufleute, der Wundarzt und die Passagiere saßen gemeinsam bei Tische in der Großen Kajüte. Die Reise eines Ostindienfahrers nach Asien dauerte acht Monate. VOC-Beamte, die eine eigene Kajüte bekamen, richteten ihre Kammer möglichst häuslich ein. Sie konnten sehr viel mehr Gegenstände mitnehmen als die Matrosen.
Die Kapitänskajüte (2)
Hinter der Großen Kajüte befand sich der Arbeitsraum des Schiffers, die Kapitänskajüte. Die Seitenkastelle führten in eine Galerie, die die Bewohner der Kajüte als Toilette benutzten. Unter den Heckfenstern stand eine Sitzbank, ein angenehmer Aufenthaltsort mit einer schönen Sicht über die Wellen. Unter der Sitzbank waren auf der Hinfahrt Kisten mit Edelmetallen verstaut, die man zum Kauf von Produkten nach Asien verschiffte. Auf der Heimfahrt war der Schiffsraum vollgestaut mit kostspieligen und zerbrechlichen Handelswaren aus Asien. Auf dem Tisch lagen die Karten und die Navigationsinstrumente.
Die Schanze
Auf der Schanze, die nur einen Teil des Achterschiffes einnahm, hielten sich die Passagiere auf, wenn sie draußen auf Deck waren. Sie hielten sich von der Schiffsmannschaft, die sich auf dem Mitteldeck und auf oder unter der Back befanden, fern. In den Tropen spannte man ein Sonnensegel über die Schanze als Schutz gegen die pralle Sonne. Auf dem Achterschiff, entlang einem schmalen Gang, befanden sich einige Kajüten für die Offiziere und die Passagiere. Der letzte Raum bildete die Schlafkammer des Schiffers.
Die „Poop“ (1)
Die
Poop
war das höchste Deck auf dem Achterschiff. Hier wurden Hühner gehalten, die frische Eier und frisches Fleisch für die Kajütengäste lieferten. Auf dem „Poopdeck“ waren auch einige kleinere Kanonen zur Verteidigung des Schiffes für kurze Distanzen aufgestellt. Im 17. Jahrhundert legte man auf der
Poop
kleine Gemüsegärten zum Anbau von frischem Gemüse an, das man unterwegs verzehren konnte. Da aber die Wurzeln der Pflanzen das Deck beschädigten, wurden diese Gemüsegärten 1677 verboten.
Die „Back“ (5)
Die
Back
war das höchste Deck auf dem Vorschiff und bildete den Bereich der einfachen Seeleute. Auf diesem Deck konnten die Seeleute ihre Freizeit verbringen. Von der
Back
aus kletterte die Schiffsmannschaft in das
Galion
, eine Art Balkon, das sie als Toilette benutzen mussten.
M2: Anteil der Seeleute, die auf der Reise nach Asien starben (in %)
(Zusammengestellt nach: Dutch-Asiatic Shipping in the 17the and 18th century, Vol. 1, Den Haag 1987.)
M3: Lebensumstände in Batavia
Gut zwei Jahre war der englische Entdecker James Cook im Pazifik hin- und hergesegelt, als er im Oktober 1770 mit einer Mannschaft, die sich durch ihre tadellose Gesundheit auszeichnete, Batavia erreichte. Zwei Monate später jedoch waren alle Seeleute krank und sieben Mann bereits verstorben. Vierzig weitere sollten ihnen noch folgen.
Sie waren Opfer der schlechten hygienischen Situation in Batavia, die täglich hunderten Menschen das Leben kostete. Malaria, Dysenterie und Typhus waren als Folge der schweren Verschmutzung der Gewässer rund um die Stadt weit verbreitet. Dies war der Preis, den die VOC für anderthalb Jahrhunderte Raubbau am Hinterland zahlte.
Im Umland Batavias waren seit 1680 große Waldgebiete abgeholzt oder abgebrannt worden, um Zuckerplantagen und Reisfelder anzulegen. Erosion in großem Ausmaß war die Folge. Weit verzweigte Bewässerungssysteme zur Flutung der Reisfelder entzogen den Flüssen viel Wasser, die zudem ausgepresstes Zuckerrohr, Abfall der Zuckermühlen, in großen Mengen mit sich führten. So war es unvermeidlich, dass die Unterläufe der Flüsse, die Wasserstraßen von Batavia also, verschlammten.
Vergeblich baggerten jedes Jahr hunderte „Schlammjavaner“ die Grachten aus. Zwar erteilte General-Gouverneur Diederik Durven 1732 den Auftrag, einen neuen Entwässerungskanal, die Mookervaart, anzulegen. Doch dies führte lediglich dazu, dass die Stadt mit noch mehr dreckigem Wasser zu kämpfen hatte, das aufgrund der Versalzung der Flussmündungen nicht ins Meer abfließen konnte. Das verschmutzte still stehende Wasser war ein Herd ansteckender Krankheiten und ideale Brutstätte der Malaria-Mücke. Die Todeszahlen in Batavia stiegen dramatisch. Die reichere Bevölkerung wich in das höher und trockener gelegene Weltevreden aus. 1741 verließ auch der General-Gouverneur seine Amtswohnung im Schloss.
Die ausgestorbenen Stadtteile bevölkerten sich erst wieder, als zu Beginn des 19. Jahrhunderts viele Grachten zugeschüttet worden waren.
(übersetzt nach: Weerzien met Indië, Heft 10, Zwolle 1994).
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