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Die niederländische Kolonialzeit

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Aufgaben

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Monopolpolitik 2

Die Materialien M1 und M2 befassen sich jeweils mit dem Leben und dem Handeln Jan Pieterszoon Coens. Bearbeitet diese Texte arbeitsteilig (!), um herauszubekommen, welche Aspekte betont oder auch „unterschlagen" werden.


M1: Gedenken an den Völkermord auf Banda

Nachdem Laurens Reael, 1616-1620 Generalgoverneur der VOC, Ostindien verlassen hatte, hat der Eiserne Jan dem Land seinen Stempel aufgedrückt. Coen mit seinem langen und strengen Gesicht, das sich in harten Linien auf Münzen und Briefmarken abgebildet findet, ist die Ikone unter den Kolonialpionieren schlechthin. Seine Worte: „Verzweifelt nicht, schont eure Feinde nicht, denn Gott ist mit uns“, zogen unzählige Male rituelle Klöße in niederländischen Hälsen nach sich. Bereits 1614 hatten er und Pieter Both eine Denkschrift an die Heren Zeventien gesendet, die ihrem Wesen nach eine Empfehlung war, die Grundprinzipien der Politik zu ändern und ein Konzept für den Bau eines Imperiums darstellte. Coen sah schnell die Notwendigkeit, offensiv aufzutreten, um den Ablauf des Handels innerhalb Asiens bestimmen zu können. Coen legte die Grundlage für das Kolonialreich Niederländisch Ostindien.

Coen hatte auf Java ein kleines Gebiet erobert und dafür gesorgt, dass den Niederländern mit der Stadt Batavia ein Stützpunkt im indonesischen Archipel zur Verfügung stand. Nun wollte er auch außerhalb Javas die Position der Kompanie stärken. Mit zwölf Schiffen legte er Richtung Banda ab. Coen tat sein Bestes für sein Vaterland. Unter seiner Verantwortung schien der Wert einheimischen Lebens aus niederländischer Sicht weiter zu sinken.

Bereits seit seiner Ankunft auf den Molukken – gut zwanzig Jahre früher – probierten die Holländer die Bevölkerung zu zwingen, alle Muskatblüten und -nüsse ausschließlich an die VOC zu verkaufen, am liebsten zu einem niedrigeren Preis als ihn die englischen und einheimischen Konkurrenten boten. Natürlich probierten viele, die erpressten Regeln zu umgehen. Dann sandte die Kompanie ihre Männer im Harnisch auf die stillen Inseln, die die örtlichen Führer zum Exekutionsplatz brachten und die Dörfer niederbrannten. Das Mitglied des ersten Indonesischen Rates, Jacques l’Hermite, hatte bereits den Vorschlag vorgebracht: „Meiner Einsicht nach sollte man keinen Frieden anstreben, bevor sie vollständig besiegt und mit guten Abmachungen zur Vernunft gebracht oder aber vollkommen ausgerottet sind ... Wenn sie bezwungen oder vollkommen ausgerottet sind – das Letztere wäre wohl das Sicherste, da dieses schelmische Gewürm wohl niemals so im Zaum gehalten werden kann, wie man es gern möchte ...“ Coen hat die Initiative ergriffen, die Entvölkerung umzusetzen.

Mit dem sprichwörtlichen Messer am Hals hatten die Menschen von Groß-Banda versprochen, die gesamte Ernte der begehrten Muskatnüsse fortan an die VOC zu verkaufen. An dieses Versprechen hatte sich nicht jeder gehalten. Einige einheimische Bauern hatten ihre Muskatnüsse sogar bei englischen Seefahrern gegen Kanonen getauscht. Mit ihnen verschanzten sie sich, als Coen 1621 erschien, auf den Bergrücken und wehrten sie den ersten Landungsversuch ab. Beim zweiten Angriff der Niederländer, am 10. März, flüchteten viele Menschen in die Berge. Andere wurden gefangen genommen. Coen verschiffte sofort 800 Gefangene als frische Sklaven nach Batavia. Coen schätzt in seinem Vertoogh (Bericht, 1623) die Verluste der Bandanesen auf „rund 2.500 Seelen, die durch Hunger und Elend wie auch durch das Schwert umgekommen sind“ – eine vollkommen aus der Luft gegriffene Zahl. In der zweiten Aprilhälfte wurden zudem 1.200 bis 1.300 Bandanesen ins Jenseits befördert.

Ein Unbekannter schätzte 1635 die Bevölkerungsgröße auf den Banda-Inseln vor Coens Expedition auf ungefähr 15.000 Einheimische, von denen „keine 1.000 übergeblieben sind.“ Coen selbst schrieb: „Die Eingeborenen sind zum größten Teil durch den Krieg, Armut und Mangel umgekommen. Sehr wenige sind in die umliegenden Länder entkommen.“
Der Augenzeuge: „Der Wahrheit halber muss man sagen, dass durch uns zu rigoros aufgetreten wurde beim Umbringen der wichtigsten Größen des Landes. Man hätte auf zivilere Weise gegen sie Recht tun können; sei es indem man sie auf eine Galeere verbannt oder indem man sie auf irgendeine Insel gebracht hätte, die sie nie wieder hätten verlassen können. Auf diese Art und Weise wäre schließlich kein weiterer Schaden zu erwarten gewesen. Aber es ist anders gelaufen.“

(Quelle: Kritik an Jan Pieterszoon Coen , 24.04.2002)

Anmerkung: Nach der Ausrottung der ursprünglichen Bewohner siedelte die VOC auf Banda Bewohner anderer Inseln an. Sie selbst sorgte für die Anlage von Muskatplantagen, was dem allgemeinen Prinzip widersprach, Produkte nicht selbst anzubauen, sondern von den Einheimischen zu kaufen.

M2: Jan Pieterszoon Coen (Hoorn, 08.01.1587 – Batavia, 21. 09. 1629)

Legte die Grundlage für die niederländische Macht im indonesischen Archipel. Er war in seiner Jugend sechs Jahre in einem Handelskontor in Rom tätig und unternahm nach seiner Rückkehr von 1607 bis 1611 als Unterkaufmann mit dem Schiff „Nieuw-Hoorn“ und im Jahre 1612 als Oberkaufmann mit den Schiffen „De Proviniciën“ und „De Hoop“ eine Reise nach Indien. Dort bekam er im Oktober 1613 eine Stellung als Generalbuchhalter aller Kontore und Präsident der Kontore Bantam und Jacatra. Diese Ämter übte er in so vorbildlicher Weise aus, dass er als Nachfolger von Laurens Reael 1617 zum Generalgouverneur ernannt wurde.

Als Folge von Streitigkeiten mit Bantam war 1610 eine Faktorei in Jacatra gegründet worden, aber als auch der pangeran (Regent) dieses kleinen Staates ihm nicht zu vertrauen schien, bestimmte Coen 1618, dass dort ein Fort errichtet werden sollte. Trotz des Widerstandes von Jacatra und später auch der Engländer wurde dieser Plan ausgeführt. Coen sah sich jedoch gezwungen, nach einer Schlacht ohne Sieger gegen die übermächtige englische Flotte zu den Molukken zu fahren, um dort Verstärkung zu holen (Januar 1619). Während seiner Abwesenheit musste sich die Besatzung des Forts sowohl gegen die Jacatraner und Engländer als auch später gegen die Bantamer verteidigen. Im Mai 1619 lag Coen wieder vor Jacatra, nachdem er zunächst noch Japara verbrannt hatte, wo die dort anwesenden Niederländer 1618 ermordet worden waren. Es glückte ihm ohne große Mühe, das Fort zu entsetzen, und auf den Fundamenten der verwüsteten Stadt Jacatra wurde durch ihn die Hauptstadt von Niederländisch-Ostindien, Batavia, gegründet.

Die Verwaltung und das Rechtswesen im für die Kompanie erworbenen Gebiet, Batavia samt Umland, wurde durch ihn in hervorragender Weise organisiert. 1621 fuhr Coen zu den Banda-Inseln und züchtigte dort die Bevölkerung streng, da sie geschlossene Verträge nicht erfüllt hatte. Am 01.02.1623 übertrug er die Verwaltung an Pieter de Carpentier und am 19.09.1623 kam er mit der „Dordrecht“ und fünf weiteren reich beladenen Schiffen in Zeeland an.

Schon bald (am 03.10.1624) wurde er ersucht, den niedergelegten Vorsitz erneut zu übernehmen. Die Bedingungen waren so günstig, dass er dieser Bitte nachgab. Als Folge des Widerstandes der Engländer war es ihm erst im März 1627 möglich, an Bord der „Galjas van Hoorn“ nach Indonesien abzulegen. Ab dem 30.09.1627 übte er wieder das Amt des Generalgouverneurs aus. Seine Ankunft war gleichsam das Zeichen für die Engländer, Batavia zu verlassen und ihren Hauptsitz in Bantam zu errichten. Während seiner kurzen zweiten Amtszeit wurde Batavia zweimal, jedoch vergeblich, durch eine Kriegsmacht aus Mataram belagert; während der zweiten Belagerung starb Coen.

Jan Pieterszoon Coen zeigte als Kriegsführer und in der Verwaltung großes Talent. Seine Kolonisierungspläne, die er während seines Aufenthaltes in den Niederlanden entwickelte, wurden nicht realisiert. Ein aus seiner Feder stammendes Reglement zum Handel mit Indonesien wurde trotz Zustimmung durch die Heren XVII aufgrund des Widerstandes der Direktoren nicht eingeführt.

(übersetzt nach: Winkler Prins Encyclopaedie, 1980)

Zum Trocknen ausgebreitete Muskatnüsse.


M3: Artikel aus einer Zeitschriftenserie zur Kolonialgeschichte der Niederlande in Indonesien


Brennende Muskatnüsse

Über Ambon und Banda liegt der schwere Geruch der Muskatnuss in der Luft. Hunderte Tonnen dieses Gewürzes werden mutwillig angezündet. War etwa erneut eine der hongi-tochten (Ausrottungsexpeditionen) im Gange, bei der die Gewächse vernichtet wurden, um die Verenigde Oostindische Compagnie vor den Folgen von Überproduktion und Preisverfall zu bewahren? Nachfrage und Angebot aufeinander abzustimmen, war nun einmal eine schwierige Sache, da es zehn Jahre dauert, bevor diese Bäume erste Früchte tragen.

Aber wir schreiben doch das Jahr 1993? Tatsächlich fand die Vernichtung jetzt auf Befehl der indonesischen Regierung selbst statt. Der Grund war jedoch der gleiche geblieben. Nur wenige Jahre zuvor hatte der Weltmarktpreis für eine Tonne Muskatnuss noch 5000 Dollar betragen, nun waren es nur noch 500 Dollar!

Die heutige Weltproduktion von Muskatnüssen und -blüten beträgt ungefähr 8000 Tonnen. Hiervon produziert Indonesien immer noch siebzig Prozent. Der Rest stammt von der kleinen Insel Grenada am anderen Ende der Welt. Bis vor kurzem sorgten die beiden Länder durch Absprachen untereinander dafür, dass eine Übersättigung des Marktes vermieden wurde. Doch dann versalzten ihnen indonesische Schmuggler die Suppe. Sie begannen, das Gewürz in großem Stil nach Malakka auszuführen. Indonesien hob damals schlicht und einfach alle Beschränkungen auf, und damit waren die Dämme gebrochen. Doch im Sommer 1993 setzten sich Indonesien und Grenada erneut zusammen. Neue Absprachen wurden getroffen. Und um zu vermeiden, dass alte Vorräte das Erreichen des früheren Preisniveaus verhindern würden, gingen tausend Tonnen Muskatnüsse und -blüten in Flammen auf. Ob Jan Pieterszoon Coen wohl in seinem Grabe gelächelt hat?“

(aus: Weerzien met Indië, Bd. 7, Zwolle 1994, S. 172)