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Die niederländische Kolonialzeit

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Aufgaben

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Die Vereinigte Ostindische Kompanie (VOC): Ein ganz normales Handelsunternehmen?

Nachdem niederländische Kaufleute um 1590 vom Gewinn bringenden Handel der Portugiesen mit Asien ausgeschlossen wurden, beschlossen einige Amsterdamer Kaufleute, das portugiesische Monopol zu brechen. Sie organisierten 1595 die Eerste Schipvaart nach Asien. Andere niederländische Kaufleute folgten diesem Beispiel. Innerhalb von fünf Jahren segelten 65 Schiffe in 15 Flotten nach Asien. 1602 erfolgte dann die Errichtung der Vereinigten Ostindischen Kompanie (VOC).


M1: Das Auftreten europäischer Mächte im indonesischen Raum, 1511-1682


M2: Aus der Gründungsakte der VOC

Anmerkung: Wenn im Folgenden von den „Vereinigten Niederlanden“, „Vereinigten Provinzen“, „den Landen“, etc. die Rede ist, sind jeweils die Niederlande gemeint; die Generalstaaten waren die Ständeversammlung dieses Staates. Die erste Seite der Gründungsurkunde der VOC

Die Generalstaaten der Vereinigten Niederlande; Allen, denen dieses gezeigt wird: Zum Gruß!

[...] haben Wir nach reiflicher Beratung, dazu angehalten durch die Förderung des Wohlstandes der Vereinigten Lande und des gemeinsamen Nutzens all seiner Einwohner, die ... Vereinigung [= die Vereinigte Ostindische Kompanie] anerkannt und bestätigt. Und Wir anerkennen und bestätigen sie hiermit, kraft souveräner Macht und Autorität, auch mit voller Kenntnis, gemäß den im Folgenden genannten Bestimmungen, Freiheiten und Vorteilen. Wie zuerst:

I. Dass von der Reiseausrüstung ... die Kammer in Amsterdam die Hälfte beizutragen und zu besorgen hat, die Kammer von Zeeland ein Viertel und die Kammern an der Maas [= Rotterdam und Delft] und im westfriesischen Teil von Noord-Holland [= Hoorn und Enkhuizen] jeweils zusammen ein Achtel.

II. Dass, so häufig es nötig ist, eine Generalversammlung oder eine Sitzung der genannten Kammern abgehalten wird, an der siebzehn Personen teilnehmen. Von ihnen ordnet die Kammer Amsterdam acht ab, Zeeland vier, die Maas-Städte und Noord-Holland je zwei. Dies versteht sich so, dass die siebzehnte Personen abwechselnd durch Zeeland, die Maas-Städte oder Noord-Holland entsandt wird, und zwar derjenige, der die meisten Stimmen auf sich vereinigt. Durch diese Personen sollen alle Dinge, die die Vereinigte Kompanie angehen, behandelt werden.

III. Das genannte Kollegium ... kommt zusammen, um zu entscheiden, wann man Schiffe lossendet, wohin man sie sendet, aus wie vielen Schiffen die Flotte bestehen soll und um die anderen Dinge zu regeln, die den Handel betreffen. Und die Entscheidungen des genannten Kollegiums werden durch die genannten Kammern von Amsterdam, Zeeland, der Maas-Städte und von Noord-Holland ausgeführt und in die Tat umgesetzt. [...]

VI. Falls es geschehen sollte, dass sich das Kollegium mit schwer wiegenden Dingen zu beschäftigen hat und sich darüber nicht einig werden kann, oder falls die Sache sogar nicht per Abstimmung geregelt werden kann, dann soll dieses Problem Unserer Entscheidung und Bestimmung überlassen werden. Und Unsere Entscheidung diesbezüglich soll eingehalten und befolgt werden. [...]

Anteilsschein der VOC

X. Alle Einwohner dieser Lande dürfen an dieser Kompanie teilhaben mit so wenig oder so viel Geld, wie es ihnen beliebt. Wenn mehr Geld angeboten wird als die Schiffsunternehmungen erfordern, sollen diejenigen, die mehr als dreißigtausend Gulden in der Kompanie angelegt haben, ihr Kapital entsprechend ihres Anteils mindern, um für andere Platz zu machen. [...]

XXXIV. Und damit das Ziel dieser Kompanie mit größerem Erfolg ausgeführt werden kann, zum Wohlstand der Vereinigten Provinzen, zum Erhalt und zur Mehrung der Wirtschaft und auch zum Wohl der Kompanie, haben Wir patentiert und vertraglich zugesagt und patentieren Wir hiermit und sagen es zu: Dass niemand anders als die Kompanie ... aus diesen Vereinigten Landen innerhalb der nächsten einundzwanzig Jahre ... östlich des Kaps der Guten Hoffnung oder der Magellanstraße segeln darf unter der Strafe der Beschlagnahme der Schiffe wie der transportierten Güter. [...]

XXXV. Auch erhalten die Vertreter der genannten Kompanie das Recht, mit den Fürsten und Machthabern östlich des Kaps der Guten Hoffnung und an und jenseits der Magellanstraße Bündnisse zu schließen. Und sie dürfen Verträge im Namen der Generalstaaten der Verenigten Niederlande oder ihrer Regierenden abschließen. Außerdem dürfen sie dort Festungen bauen, Gouverneure, Soldaten und Rechtswahrer anstellen sowie andere Ämter einrichten, die zum Erhalt und zur Sicherung der öffentlichen Ordnung und des Rechts notwendig sind. Dies steht unter dem Vorbehalt, dass die genannten Gouverneure, Offiziere, Rechtswahrer und Soldaten einen vollen Treueeid an die Generalstaaten ableisten und an die Kompanie, soweit es die wirtschaftlichen Aktivitäten und den Verkehr betrifft. [...]

XXXVII. Falls es geschehen sollte, dass spanische oder portugiesische Schiffe, oder die Schiffe anderer Feinde, die Schiffe dieser Kompanie feindlich angreifen und beim Gefecht feindliche Schiffe erobert werden sollten, dann sollen diese eroberten Schiffe gemäß dem Befehl der Lande verteilt werden, ...

XXXVIII. Dass die Gewürze, chinesische Seide und Baumwolltücher, die die Kompanie aus Ostindien zurückbringt, weder bei der Einfuhr noch bei der Ausfuhr einem höheren Zoll unterworfen sein sollen, als die Güter, die in der Zollordnung nicht angegeben sind und zu denen am Ende dieser Ordnung entsprechende Regelungen getroffen sind. [...]

Gegeben mit Unserem Siegel und mit der Unterschrift Unseres Schreibers in Den Haag am 20. März, Anno 1602.


(abgedruckt in: Begin ende Voortgang van de Vereenigde Neederlandtsche geoctroyeerde Oost-Indische Compagnie, Bd. 1, o.O. 1646 (Nachdruck 1969).)