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Widerstand durch Weigerung – Das Beispiel der Ärzte
Keine andere Berufsgruppe hat sich während der Besatzungszeit so eng zusammengeschlossen und so öffentlich gegen deutsche Maßnahmen zur Wehr gesetzt wie die Ärzte. Unter dem Druck der Besatzer nahm die bestehende Berufsorganisation der Mediziner im Mai 1941 ein NSB-Mitglied in den Vorstand auf. Daraufhin kündigte die Mehrheit der Ärzte aus Protest die Mitgliedschaft. Der Widerstandsorganisation der Ärzte schlossen sich 5.000 der rund 6.500 Ärzte an. Die Aktivitäten dieser Organisation wandten sich in erster Linie gegen die Gleichschaltung der Ärzte. Ende 1941 gründeten die Deutschen eine neue Standesorganisation, die
Nederlandsche Artsenkamer,
unter Leitung von Nationalsozialisten. Ihr sollte jeder Arzt beitreten müssen, um seinen Beruf weiterhin legal ausüben zu dürfen. Nach einem erfolglosen Protest bei Reichskommissar Seyß-Inquart schrieben ca. 3.500 Mediziner dem Vorsitzenden der Ärztekammer, dass sie seine Befehle und Anweisungen nicht befolgen würden. Das bedeutete allerdings noch nicht das Ende der Versuche, die Ärzte zum Eintritt in die Ärztekammer zu zwingen.
M1: Disziplinarverfahren gegen einen Arzt, März 1943
(Einschreiben des Funktionärs der Ärztekammer, der für die Disziplinarverfahren verantwortlich war)
[…] Der Präsident der Nederlandsche Artsenkamer teilt mir mit, dass Sie es versäumt haben, sich … bei der Nederlandsche Artsenkamer anzumelden.
Um zu beurteilen, ob Ihnen eine Disziplinarstrafe aufzuerlegen ist, lade ich Sie zur Sitzung vor, die am 12. März 1943 in Amsterdam … gehalten wird. Sie müssen persönlich erscheinen.
Sollten Sie dieser Vorladung nicht Folge leisten, werde ich auf Grund der mir zur Verfügung stehenden Kenntnisse, Disziplinarmaßnahmen aussprechen …
Tausende Ärzte bekamen eine Buße von 1000 Gulden auferlegt.
(Quelle: DNLTWO, S. 500)
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M2: Die Reaktion der Mediziner
Die Ärzte reagierten wie hier zu sehen – und betrieben ihre Praxis normal weiter. Als daraufhin ein großer Teil von ihnen verhaftet werden sollte, tauchte die Hälfte der Mediziner unter. Schließlich kam es zu einem Ausgleich: Die Ärzte schrieben einen Entschuldigungsbrief, und die Besatzer akzeptierten, dass die Ärztekammer ein Misserfolg war.
M3: Kardinal de Jong (Oberhirte der Katholiken in den Niederlanden) nimmt namens der katholischen Bischöfe Stellung, 29.09.1942
Am 15. September wurde den niederländischen Ärzten durch den Präsidenten der Nederlandsche Artsenkamer ein Anmeldeformular mit der Aufforderung zugesandt, es auszufüllen und zu unterzeichnen. Aus diesem Anlass haben verschiedene katholische Ärzte der ehrwürdigen Versammlung der Bischöfe die Frage gestellt, ob es mit dem Gewissen vereinbar ist, dieser Aufforderung nachzukommen.
Um jeglichen Zweifel in dieser Hinsicht zu beseitigen, erklären wir hiermit mit allem Nachdruck, dass dies mit dem Gewissen nicht vereinbar ist. Denn unter den gegebenen Umständen hätte es den Charakter einer wesentlichen Unterstützung der NSB und der Umsetzung der nationalsozialistischen – anti-christlichen – Prinzipien auf dem Gebiet der Medizin und Volksgesundheit.
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