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© Polska Akademia Umiejętności

Besondere Auszeichnung für Eduard Mühle

Die Polnische Akademie der Wissenschaft und Künste zu Krakau (Polska Akademia Umiejętności) hat in ihrer Vollversammlung am 18. Juni 2016 Prof. Dr. Eduard Mühle zum Ausländischen Mitglied gewählt. Die 1872 gegründete Akademie ist neben der 1952 errichteten Polnischen Akademie der Wissenschaften (Polska Akademia Nauk) die wichtigste polnische Gelehrtengesellschaft. Die Zahl ihrer auf Lebenszeit gewählten ausländischen Mitglieder ist in jeder ihrer sechs Klassen auf 40 begrenzt. Die daher erstmals seit längerer Zeit wieder erfolgte Zuwahl eines deutschen Wissenschaftlers wurde am 28. September 2016 vom Präsidenten der Republik Polen bestätigt.

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Themenmodul mit Quellen zum "Protektorat Böhmen und Mähren" freigeschaltet

Das von Stefan Lehr bearbeitete Themenmodul des Herder-Instituts zum "Protektorat Böhmen und Mähren" umfasst insgesamt 165 Quellen zu Themenbereichen wie Alltag, Wirtschaft, Kultur, Holocaust, Volkstumspolitik, Widerstand, Kollaboration und Zwangsarbeit.  Neben den Text- und Bildquellen erläutert ein einleitender Text die Geschichte des Protektorats und die Auswahl der Quellen. Darüber hinaus biete das Modul eine umfassende Bibliographie sowie eine Chronologie und ein Personenregister an. Mit dem Themenmodul "Protektorat Böhmen und Mähren" wird die Online-Quellenedition des Projektes "Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte" des Herder-Instituts um das 19. Modul erweitert. Das Modul bietet der universitären Lehre, aber auch der breiten Öffentlichkeit vielfältiges Material in deutscher Übersetzung an.

Die Online-Quellenedition der „Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte“  finden Sie unter Bestände / Digitale Angebote auf der Webseite des Herder-Instituts für historische Ostmitteleuropaforschung.  Die Quellenedition stellt als standardisiertes und strukturiertes Web-Angebot Dozenten, Studierenden und anderen Interessierten bisher nur schwer zugängliche Quellen zur Geschichte Ostmitteleuropas per Open Access zur Verfügung.

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Kulturen des Entscheidens im Sozialismus

Im Rahmen eines neuen Münsteraner Sonderforschungsbereichs erforscht die Abteilung für Osteuropäische Geschichte in den nächsten Jahren die spezifischen Formen des Entscheidens in sozialistischen Machtstrukturen des östlichen Europa.

Der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft ab 1. Juli geförderte Sonderforschungsbereich untersucht insgesamt die soziale Praxis des Entscheidens in historisch vergleichender und interdisziplinärer Perspektive vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Dabei wird Entscheiden als eine besondere Form des sozialen Handelns verstanden, das dazu dient, Komplexität zu bewältigen, und je nach kulturellem Kontext unterschiedlich gerahmt, modelliert und inszeniert wird. Mit dem östlichen Europa und seiner sozialistischen Gesellschaftsform widmet sich das von Eduard Mühle geleitete Teilprojekt C 07 in diesem Zusammenhang einem ebenso spezifischen wie für das 20. Jahrhundert besonders wirkmächtigen kulturellen Kontext. Im Vordergrund der Forschungen der ersten Förderphase steht dabei zunächst die kommunistische Tschechoslowakei. An ihrem Beispiel wird Stefan Lehr als Projektbearbeiter die konkreten, alltäglichen Modi der Entscheidungsfindung in Staaten mit faktischer Einparteienherrschaft und parallelen staatlichen und von Funktionären der kommunistischen Parteien dominierten Strukturen untersuchen. Das Projekt ist als eine institutionell-organisatorische Topographie des Entscheidens konzipiert und nimmt hierzu verschiedene Organe der politischen Beschlussfassung wie das Politbüro des Zentralkomitees und das Präsidium der Regierung sowie die von beiden Institutionen eingesetzten Kommissionen und den ZK-Apparat in den Blick. Den Schwerpunkt legt es auf das Politbüro als politisches Macht- und Entscheidungszentrum. Die daraus gewonnenen Befunde sollen an zwei unterschiedlichen Politikfeldern – dem Konsum und der Versorgung sowie der Atompolitik – konkret vertieft und verifiziert werden.

Polnischer Forschungspreis für Eduard Mühle

Die Stiftung für Angelegenheit der polnischen Wissenschaft (Fundacja na rzecz Nauki Polskiej),
das polnische Pendant der Deutschen Forschungsgemeinschaft, hat dem Münsteraner Osteuropahistoriker den diesjährigen Polnischen Forschungspreis zuerkannt.

Mit dem seit 1996 jährlich in Kooperation mit der Alexander von Humboldt-Stiftung vergebenen Preis, einem Äquivalent des Humboldt-Forschungspreises, werden herausragende deutsche Wissenschaftler aller Fachbereiche ausgezeichnet und zu einem bis zu sechsmonatigen Aufenthalt in eine polnische Forschungseinrichtung eingeladen. Der bislang überwiegend an Naturwissenschaftler verliehene Preis wird zum zweiten Mal an einen Historiker vergeben; 2007 erhielt ihn der Neuzeithistoriker Lutz Niethammer. Die Auszeichnung würdigt Eduard Mühles Forschungen zur Geschichte des osteuropäischen, insbesondere polnischen Mittelalters und dient der Förderung seiner Arbeit an einer Monographie über die Lebenswelt eines herzoglichen Amtsträgers im Polen des 12. Jahrhunderts. Das mit dem Preis verbundene Stipendium soll zudem die weitere langfristige Zusammenarbeit mit polnischen Kollegen fördern, um die sich der Preisträger als Direktor des Herder-Instituts für historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg (1995-2005), Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Warschau (2008-2013) und Professor der WWU seit langem große Verdienste erworben hat. Als Gast des Instituts für Archäologie und Ethnologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften wird er für sein Vorhaben in den nächsten drei Jahren in mehreren Aufenthalten an verschiedenen Standorten des Instituts sowie in weiteren polnischen Bibliotheken und Archiven die einschlägigen archäologischen und schriftlichen Quellen auswerten und intensive Fachgespräche führen können.