dr. Markus Goldbeck


M. Goldbeck

Lebenslauf
Forschungsschwerpunkte
Forschungsprojekte
Publikationen
Lehrveranstaltungen

 
 
 

 
 

Lebenslauf:

2004-2009 Studium der Geschichte und Wirtschaftswissenschaft an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
2007-2009 Studentische Hilfskraft am Institut für Geschichte an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
2009 M.A.
seit 2010 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Seminar der Universität Münster

Forschungsschwerpunkte:

  • Deutsche und europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts
  • Geschichte der DDR und ihre Rezeption nach 1990
  • Geschichte der SED und des MfS
  • Geschichte der „Geschichtsaufarbeitung“
  • Geschichte der Verwaltungen und Behörden

Forschungsprojekte:

Aktuelles Projekt: Die BStU: Geschichte und Funktion einer Behörde in der Bundesrepublik Deutschland

Das Projekt untersucht Entstehung und Arbeit der Stasiunterlagenbehörde im wiedervereinigten Deutschland. Die Behörde erscheint in ihrer Entstehung und Entwicklung bemerkenswert: Zunächst gegen vielfältige Widerstände gegründet, trotzte sie auch in den Folgejahren den vielfältigen Schließungswünschen und erhielt, trotz oft schwieriger Haushaltslage, nicht unerhebliche finanzielle Mittel. Zudem entwickelte sich die Behörde zu einer der zentralen Akteure der bundesdeutschen Auseinandersetzung mit der DDR. Daraus ergibt sich eine Reihe grundlegender und interessanter Fragen: Was waren die zentralen Motive bei der Gründung der BStU und warum geschah dies ausgerechnet als Behörde? Welche Faktoren sorgten für Stabilität in einem durchaus nicht stabilen Umfeld von Unterstützern und was bewegte die politischen Entscheider dazu, die Behörde regelmäßig wieder finanziell zu unterstützen? Wie gelang es der BStU so wirkmächtig zu werden, wie legitimiert sie sich und wie arbeitete sie?
Die Untersuchung möchte diesen Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven nachgehen. Dazu betrachtet sie die Geschichte der BStU kombiniert als Behörden-, Ideen- sowie Wahrnehmungs- und Debattengeschichte. Die Annäherung an die „Aufarbeitungsbehörde“ erfolgt dabei – erstens – bewusst nicht als „Aufarbeitungsgeschichte“ sondern im Kontext einer Geschichte der Bundesrepublik, mithin als Behördengeschichte in einer Zeit des Umbruchs und der Neuorientierung. Hier gilt es vor allem die Behörde in die Geschichte der Bundesrepublik und zwar in die Kontinuitätslinien der „alten“ wie auch der entstehenden „neuen“ Bundesrepublik einzuordnen und ihrer gesellschaftlichen „Funktion“ auf die Spur zu kommen. Zweitens verfolgt die Arbeit die Nutzung von „Aufarbeitung“ als Legitimationsressource. In ideengeschichtlicher Perspektive wird die Frage verfolgt, was die Akteure eigentlich jeweils mit „Aufarbeitung“ meinten und wie sie ihre jeweiligen Vorstellungen in die geschichtspolitische Debatte einbrachten. Ziel ist es hier auch, die Historisierung der „Aufarbeitungsidee“ zu befördern, indem den historischen Wurzeln des Konzepts nachgegangen wird. Daran schließt sich drittens, auch und gerade in Verbindung mit der Arbeit der Behörde, die Untersuchung der Verbindung von „Geschichtsaufarbeitung“ und öffentlicher Geschichtsthematisierung zwischen politischen und medialen Mechanismen an. Einerseits war die Beschäftigung mit Themen der DDR-Vergangenheit oft die intendierte kritische Auseinandersetzung mit schweren Menschenrechtsverletzungen. Andererseits wurde diese aber auch durch Legitimierungs- und Profilierungsstrategien unterschiedlicher Akteure begleitet und oft auch überlagert. Mitunter wurde die Auseinandersetzung mit dem Erbe der DDR gar zu einer Art ausgelagertem Konfliktfeld in dem sowohl (alt)bundesrepublikanische Konflikte, etwa diverse Staatsaffären, ausgetragen, wie auch das sich herausbildende politische Gleichgewicht im Osten Deutschlands ausgehandelt wurde. Die Rolle der Behörde soll hier im Kontext einer Wahrnehmungs- und Debattengeschichte ausgelotet werden. Interessant ist dabei besonders inwiefern die BStU zu einem eigenständigen Akteur wurde und welche Folgen dies sowohl in der „Arena der Aufarbeitung“, als auch im politischen Raum zeitigte.
Dieser kombinierende Zugriff auf die Geschichte der BStU macht deutlich, wie Ideen durch institutionelle Arrangements ge- und überformt werden. Zugleich lotet er den „praktischen“ Nutzen von „Aufarbeitung“ jenseits des originären Anspruchs aus: Es kann gezeigt werden, wie Vergangenheitsthematisierung als integrierendes aber auch delegitimierendes Moment funktioniert. Die Geschichte der BStU spiegelt zugleich auch ein Panorama bundesrepublikanischer Geschichte nach aber auch vor 1990.

Publikationen:

  • zusammen mit Thomas Großbölting: Religion, in: Rahlf, Thomas (Hg.): Deutschland in Daten. Zeitreihen zur Historischen Statistik, Bonn 2015, S. 172 - 185. Zum Volltext des Sammelbandes geht es hier.
  • Die Ambivalenz staatlicher Förderung: Eine Chance für die DDR-Forschung oder „gefährliche Abhängigkeit“?, in: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2014, Berlin 2014, S. 1–16.

Lehrveranstaltungen:

Sommersemester 2015:

Proseminar: Einführung in das Studium der neueren Geschichte: „Erdrutsch“, „Nach dem Boom“ und vom „Kollektiv zum Individuum“? Deutsche Geschichte seit 1970 – Entwicklung und Deutung
Mo, 14-18h

Eric Hobsbawm charakterisierte das letzte Drittel des 20. Jahrhunderts als „Erdrutsch“, der auf ein „Goldenes Zeitalter“ folgte, für andere war es die Zeit „nach dem Boom“, aber auch eine Epoche, die sich „vom Kollektiv zum Individuum“ orientierte. Diese Deutungsversuche zeigen, dass insbesondere für die 1970er Jahre – oft recht kulturpessimistisch – die krisenhaften Elemente betont wurden. Sie verweisen aber auch auf eine Zeit der fortgesetzten Umbrüche der politischen Kultur, der Lebensstile aber auch der Politik, wie sie sich in Bundesrepublik und DDR seit den 1960er Jahren angekündigt hatte. Das Proseminar möchte das letzte Drittel des 20. Jahrhundert in deutsch-deutscher Perspektive erkunden und in den politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Dimensionen ausloten. Dazu werden die Entwicklungen in beiden deutschen Staaten parallel aber auch in ihren Verflechtungen beleuchtet. Die Betrachtungen zu diesem Thema werden nicht 1989/90 abbrechen, sondern bis 1998/2000 weitergeführt. Im Seminar werden die Studierenden mit den grundlegenden Methoden, Techniken und Hilfsmitteln der Neueren und Neuesten Geschichte vertraut gemacht. Für einen Leistungsnachweis sind neben einer regelmäßigen und aktiven Teilnahme das Halten eines Referats, das Bestehen einer Klausur sowie das Verfassen einer Hausarbeit erforderlich.

Literatur: Werner Faulstich (Hg.): Die Kultur der siebziger Jahre, München 2004; Edgar Wolfrum: Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, Stuttgart 2006; Anselm Doering-Manteuffel, Lutz Raphael: Nach dem Boom : Perspektiven auf die Zeitgeschichte seit 1970, Göttingen 2008; Konrad H. Jarausch (Hg.): Das Ende der Zuversicht? Die siebziger Jahre als Geschichte, Göttingen 2008; Rödder, Andreas: Deutschland einig Vaterland. Die Geschichte der Wiedervereinigung, München 2009; Thränhardt, Dietrich: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt a.M. 2009; Conze, Eckart: Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis in die Gegenwart, München 2009; Ansorg, Leonore (Hg.): "Das Land ist still - noch!" Herrschaftswandel und politische Gegnerschaft in der DDR (1971–1989), Köln [u.a.] 2009; Weber, Hermann: Die DDR 1945-1989, (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte; Bd. 20), München 52012. Schroeder, Klaus: Der SED-Staat. Geschichte und Strukturen der DDR 1949–1990, Köln, Weimar, Wien 32013.

Wintersemester 2014/2015:

Übung: Schlüsseltexte zur Neueren und Neuesten Geschichte

Sommersemester 2014:

Proseminar: Zwischenzeit - Die sowjetische Besatzungszone 1945–1949