Team Brauner  Christina Brauner

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Anschrift:

Universität Bielefeld
Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie
Postfach 10 01 31
33501 Bielefeld


Raum: X A3-203
Tel.: 0521-106-3007
Fax: 0521-106-2966

E-Mail:  christina.brauner@uni-bielefeld.de

Weitere Informationen zur Person finden sich auch auf den Internetseiten der Universität Bielefeld.

Curriculum Vitae

  • 1989: geboren in Gladbeck
  • 2004-2009: Studium der Neueren Geschichte, Osteuropäischen Geschichte und Philosophie an der Universität Münster
  • April 2007-Dezember 2008:Studentische Hilfskraft im Sonderforschungsbereich 496, Teilprojekt T (Ausstellung „Spektakel der Macht. Rituale im Alten Europa 800-1800“)
  • Februar 2009: Abschluss des Studiums
    Thema der Magisterarbeit: Zwischen „Neuem Zion“ und „Regiment des Teufels“. Inszenierung und Deutung des Königreichs der Münsteraner Täufer
  • März 2009-Dezember 2012: Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Sonderforschungsbereich 496, Teilprojekt C1 „Zur symbolischen Konstituierung von Stand und Rang in der Frühen Neuzeit“
  • ab Januar 2013-September 2014: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit, Prof. Dr. Stollberg-Rilinger, Universität Münster
  • Februar 2014: Einreichen der Dissertation: "Kompanien, Könige und caboceers. Europäisch-afrikanische Beziehungen und interkulturelle Diplomatie an Gold- und Sklavenküste, 17.-18. Jahrhundert"
  • Juli 2014: Disputatio
  • ab Oktober 2014: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für die Geschichte der Frühen Neuzeit (Prof. Dr. Antje Flüchter), Universität Bielefeld

 

Arbeits- und Interessenschwerpunkte

  • Reformation (v.a. Radikale Reformation, Täufer)
  • Europäische Expansion in der Frühen Neuzeit
  • Geschichte Westafrikas vor dem 19. Jahrhundert
  • Theorien und Methoden in der Geschichtswissenschaft
  • Symbolische Kommunikation
  • Identität / Alterität und deren kulturelle Konstruktion
  • Transkulturelle Geschichte

 

Dissertation

"Kompanien, Könige und caboceers. Europäisch-afrikanische Beziehungen und interkulturelle Diplomatie an Gold- und Sklavenküste, 17.-18. Jahrhundert"


Die Geschichte Westafrikas in der Frühen Neuzeit ist im Rahmen der Historiographie zur Europäischen Expansion und Kolonialgeschichte – jenseits der Geschichte des transatlantsichen Sklavenhandels – bislang kaum behandelt worden. Sie scheint sich aus verschiedenen Gründen den üblichen Kategorisierungen zu entziehen: In Westafrika betrieben die Europäer allenfalls Handelskolonisation, ihre Niederlassungen beschränkten sich bis ins 19. Jahrhundert hinein auf einzelne Stützpunkte an der Küste. Ihre Position war vergleichsweise schwach und ihre Abhängigkeit von den afrikanischen Herrschern ausgeprägt, nur nicht aufgrund des Handels, sondern auch wegen der scharfen, teilweise militärisch ausgetragenen Konkurrenz der verschiedenen europäischen Akteure untereinander. Der Status der Europäer in Westafrika bewegte sich in einem komplexen Spannungsfeld zwischen offizieller Repräsentanz in privilegierten Handelskompanien, die auch die Ausübung von bestimmten Souveränitätsrechten umfasste, und wirtschaftlichen Engagement privater, teilweise gar illegaler Natur. Diese Unklarheit des Status hat dazu beigetragen, dass die Begegnungen von Repräsentanten europäischer Mächte mit indigenen Herrschern von der traditionellen Politik- oder Diplomatiegeschichte kaum erfasst wurden.
Mit einem kulturgeschichtlichen Ansatz, der insbesondere die symbolischen Praktiken und die Aushandlung von Normen in den Blick nimmt, lässt sich die Komplexität der Beziehungen und Interaktionen zwischen Afrikanern und Europäern erfassen. Es geht um die Rolle symbolischer Praktiken im Umgang der Vertreter rivalisierender europäischer Kolonialmächte untereinander und in den Beziehungen zu den Repräsentanten indigener Völker, und zwar vor dem Hintergrund des sich formierenden Völkerrechtssystems im 17. und im 18. Jahrhundert. Am Beispiel Westafrikas soll gefragt werden, in welcher Form Interaktionen stattfanden, welche Rituale der Kontaktaufnahme, Vertrauensbildung und der Absicherung von Übereinkünften dienten. Wie wurden dabei im Medium symbolischer Kommunikation europäische völkerrechtliche Kategorien und privatrechtliche Besitztitel auf außereuropäische Herrschaftsverbände projiziert und transferiert? Welche Veränderungen ergaben sich darin im Laufe der Zeit, welche Unterschiede bestanden zwischen dem Vorgehen der unterschiedlichen Kompanien? Zudem werden die Beziehungen der Europäer in Westafrika untereinander analysiert, wie die europäischen Akteure völkerrechtliche, politische und soziale Statusansprüche untereinander und vor dem Publikum in Europa geltend zu machen suchten, welcher Einfluss der politischen Lage in Europa auf die westafrikanischen Verhältnisse zukam und umgekehrt.

 


 

Veröffentlichungen



Herausgeberschaften

  • Gemeinsam mit Barbara Stollberg-Rilinger und Tim Neu (Hrsg.), Alles nur symbolisch? Bilanz und Perspektiven der Erforschung symbolischer Kommunikation, Böhlau: Köln u.a. 2013.

Aufsätze

Aufsätze in wissenschaftlichen Zeitschriften

  • Unkeuschheit oder wirtschaftliche Notwendigkeit? Diskursive Spielräume im Umgang mit Polygamie zwischen Naturrecht, Täufern und Westafrika, in: Saeculum 61,1 (2011), S. 99-139.
  • Ironische Stiche, sarkastische Schnitte. Überlegungen zu einem Konzept der Bildironie am Beispiel der reformationszeitlichen Bildsatire, in: Frühmittelalterliche Studien 44 (2010) S. 437-459.
  • “little point in not defining it all over again”. Ironie in Theorie und Forschung. Eine Einordnung, in: ebd., S. 333-356.
  • Ein Schlüssel für zwei Truhen. Diplomatie als interkulturelle Praxis am Beispiel einer westafrikanischen Gesandtschaft nach Frankreich (1670/71), in: Historische Anthropologie 21,2 (2013), S. 199-226. (überarbeitete engl. Fassung online verfügbar: To Be the Key for Two Coffers: A West African Embassy to France (1670/1), in: IFRA e-papers, 2013, URL: http://www.ifra-nigeria.org/IMG/pdf/Key-for-Two-_Coffers.pdf)

Sammelbandbeiträge

  • Zwischen Aufklärung und Aporie. Eine Untersuchung des Phänomens Religion bei Höffe, in: Sebastian Laukötter / Andreas Vieth (Hrsg.), Otfried Höffe. Praktische Philosophie im Diskurs (Münstersche Vorlesungen zur Philosophie, Bd. 12), Frankfurt a.M. u.a. 2008, S. 101-118. [zusammen mit Gerrit Althüser et al.]
  • Der Theaterkönig im Trauerspiel. Joan Dullaarts Drama über das Münsteraner Täuferreich zwischen wirkungsgeschichtlicher Tradition und politischer Aktualisierung, in: Christel Meier / Angelika Kemper (Hrsg.), Europäische Schauplätze des frühneuzeitlichen Theaters. Normierungskräfte und regionale Diversität (Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme. Schriftenreihe des Sonderforschungsbereichs 496, Bd. 34), Münster 2011, S. 169-202.
  • „wu is all dinck so sehr verkehrt“. Rituale und Semantiken der Verkehrung im Münsteraner Täuferreich, in: Dominik Fugger (Hrsg.), Verkehrte Welten? Forschungen zum Motiv der rituellen Inversion (Historische Zeitschrift, Beiheft 60), München 2013, S. 192-217.
  • Das Verschwinden des Augenzeugen. Transformationen von Text und Autorschaftskonzeption in der deutschen Übersetzung des Guinea-Reiseberichts von Pieter de Marees (1602) und seiner Rezeption, in: Bettina Noak (Hrsg.), Auctoritas und Wissenstransfer in der frühneuzeitlichen niederländischsprachigen Literatur 1500-1800 (Berliner Mittelalter- und Frühneuzeitforschung), V&R unipress: Göttingen [im Druck]
  • Beim König von Anomabo. Audienzen an der westafrikanischen Goldküste als Schauplatz afrikanischer Politik und europäischer Konkurrenz (1751/2), in: Peter Burschel / Christine Vogel (Hrsg.), Die Audienz: Ritualisierter Kulturkontakt in der Frühen Neuzeit, Böhlau: Köln u.a., S. 269-310 [im Druck]
  • wie die Papisten bei ihrer Meß. Zeremoniell- und Ritualkritik im europäischen Diskurs über Westafrika, in: Dorothee Linnemann / Christel Meier (Hrsg.), Grenzgänge: Mediale Transfigurationen zwischen Bildtheater und Zeremoniell, Rhema: Münster [in Vorbereitung] 
  • Weder Gottes- noch Selbsterkenntnis? Europäische Diskurse über afrikanischen „Fetischkult“ zwischen Früher Neuzeit und Moderne, in: Wolfgang Reinhard / Antje Linkenbach / Martin Fuchs (Hrsg.), Individualisierung durch christliche Mission? (Studien zur außereuropäischen Christentumsgeschichte), Harrassowitz: Wiesbaden [in Vorbereitung]

Weiteres

  • redaktionelle Mitarbeit bei den Begleitmaterialien zur Ausstellung „Spektakel der Macht. Rituale im Alten Europa 800-1800“ (hrsg. von Jutta Götzmann und Gisela Weiß)
  • 48, 56, 2006. Remembrance and symbolical practices in the Hungarian Uprising, in: Zeitgeschichte-online, Themenportal Ungarn 1956 – Geschichte und Erinnerung, URL: www.zeitgeschichte-online.de/portals/_ungarn1956/documents/brauner.pdf.
  • Brüche. Arbeiter-Leben im Strukturwandel, Gladbeck 2008.

Tagungsbericht

Rezensionen

  • Rez. zu Edgar Bierende / Sven Bretfeld / Klaus Oschema (Hrsg.), Riten, Gesten, Zeremonien. Gesellschaftliche Symbolik in Mittelalter und Früher Neuzeit (Trends in Medieval Philology, hrsg. von Ingrid Kasten, Niklaus Largier und Mireille Schnyder, Bd. 14), Berlin 2008, in: H-Soz-u-Kult, 21.07.2009, URL: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2009-3-059.
  • Rez. zu Oswald Bauer (Hrsg.), Pasquille in den Fuggerzeitungen. Spott- und Schmähgedichte zwischen Polemik und Kritik (1568-1605) (Quelleneditionen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Bd. 1), München/Wien 2008, in: Zeitschrift für Historische Forschung 37,2 (2010), S. 330.
  • Rez. zu Christoph Rella, Im Anfang war das Fort. Europäische Fortifizierungspolitik als Instrument zur Welteroberung. Guinea und Westindien 1415-1678, in: Zeitschrift für Historische Forschung 38,3 (2011), S. 36 f.
  • Rez. zu Siegfried Huigen / Jan L. de Jong / Elmer Kolfin (Hrsg.), The Dutch Trading Companies as Knowledge Networks, in: Zeitschrift für Historische Forschung 39,4 (2012), S. 724-726.