Andreas Pietsch

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Dissertation


Die Gelehrtenrepublik und die Juden

Der Fall La Peyrère als ein Beitrag zur Wissenschafts- und Theologiegeschichte der ersten Hälfte des 17. Jahrhundert

Der libertin Isaac de La Peyrère (1596?-1676), der bislang als Wegbereiter der Bibelkritik eines Spinoza oder Richard Simon gewürdigt wird, zu dem ihn der Skandal seiner Prae-Adamitae (1655) avancieren ließ, soll hier stärker aus der Perspektive seines Rappel des Juifs (1643) konturiert werden. Dabei soll dieses Werk aus dem Todesjahr Ludwigs XIII. exemplarisch behandelt werden für das vielfältige Interesse, das die Gelehrtenrepublik jener Jahre den Juden entgegenbrachte - ein Interesse, das in der Forschung unter dem Terminus Philosemitismus firmiert.
 
Dieser theologiegeschichtliche Aspekt ist aufs engste verwoben mit politischen Implikationen. Denn La Peyrère entwirft im Rappel des Juifs ein eschatologisches Szenario, in dessen Verlauf sich die Juden zum Christentum bekehren und der französische König von Jerusalem aus als roy universel die Welt regieren werde. Diese unionistischen Bestrebungen, die ihn in die Nähe der sogenannten hénotiques (benannt nach den irenischen Bestrebungen Kaiser Zenons im Jahr 482) stellen, verweisen nicht zuletzt auf Heinrich II. von Bourbon (1588-1646), in dessen Diensten La Peyrère seit 1640 stand.
 
La Peyrères Bindung an das Haus Condé sowie sein Zugang zu den gelehrten Zirkeln von Paris versprechen einen Einblick zu gewähren in die wenig beachtete Frühphase der Akademiebewegung, die trotz des Dreißigjährigen Krieges in Frankreich eine Blüte erlebte, so dass die Forschung diese Periode der Gelehrtenrepublik als l'époque du Père Mersenne tituliert hat.

Erschienen in: Die Gelehrtenrepublik und „die Juden“. Der Fall La Peyrère als Beitrag zur Wissenschafts-und Theologiegeschichte der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts (Diss. Münster 2008).