Niels Fabian May

Curriculum Vitae

  • geboren am 22.05.1981 in Karlsruhe Durlach
  • 2000: Abitur
  • 2001-2004: Studium an der Universität Bonn
  • 2001-2003: studentische Hilfskraft in Philosophie (Lehrstuhl Prof. Bartels)
  • 2003-2004: studentische Hilfskraft in Geschichte (Lehrstuhl Prof. Lannzinner)
  • seit 2003: Stipendiat der Studienstiftung
  • 2004: Erasmus-Aufenthalt in Italien (Perugia)
  • 2004/05: Hölderlin-Stipendiat
  • 2005: Maîtrise an der Sorbonne (Paris IV) unter der Leitung von Lucien Bély
  • seit 2006: Promotionsstipendium der Studienstiftung
  • 2006: Master 2 an der Sorbonne (Paris IV) unter der Leitung von Lucien Bély

Dissertation

Norm und Praxis des diplomatischen Zeremoniells

auf europäischen Friedenskongressen der Frühen Neuzeit


Der Gegenstand des Dissertationsprojekts ist die Rekonstruktion und Untersuchung der Herausbildung eines "internationalen" Verhaltenscodes zwischen Gesandten in der Frühen Neuzeit. Es soll anschließend an Überlegungen, die in letzter Zeit verstärkt in der Geschichtswissenschaft geäußert worden sind, ein Brückenschlag zwischen der "kulturalistischen" Forschung, in diesem Falle vor allem der Zeremonialforschung und der klassischen Diplomatiegeschichte versucht werden; es geht also um eine "Kulturgeschichte des Politischen", wie sie in den aktuellen Debatten immer wieder forciert wird. Untersuchungsgegenstand werden Zusammenkünfte von Unterhändlern im 17. Jahrhundert sein, vor allem die großen Kongresse zum Westfälischen Frieden (1648), zum Frieden von Nimwegen (1678/79) und zum Frieden von Rijswijk (1697). Bereits bei den Verhandlungen in Münster und Osnabrück wird jedoch auf Präzedenzfälle wie den Frieden von Vervins (1598) Bezug genommen, die ebenfalls in der Untersuchung berücksichtigt werden sollen.
Während es bei der Untersuchung der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts um die Rekonstruktion der Etablierung eines "internationalen" Rangrechts geht, sollen anhand einer eingehenderen Betrachtung der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die Reaktionsmechanismen des Systems der société des princes auf die sich neu im System behauptenden Mächte offengelegt werden. Die Verhandlungen zum Westfälischen Frieden werden eine Schlüsselposition einnehmen, die mit den Acta Pacis Westphalicae über eine gute, aber noch gänzlich unausgewertete Quellengrundlage verfügen. Zu den Kongressen im 17. Jahrhundert liegt keine systematische Untersuchung vor, die sich mit den Zeremonialstreitigkeiten beschäftigt, trotz der umfangreichen Belege in den Quellen, welche die Bedeutung für die Zeitgenossen unterstreichen. Dabei sollen für den ersten Teil, die Analyse der normativen Texte, überwiegend gedruckte Zeugnisse herangezogen werden, wie man sie seit dem 17. Jahrhundert verstärkt findet, beispielsweise Hotman de Viliers, Vera y Figueroa, Wicquefort, aber auch Texte von Leibniz und Publizisten. Die Reichspublizistik widmete sich mit großem Nachdruck den Fragen des Gesandtschaftsrechts und den damit verbundenen Ehrerweisungen. Hier darf aber nicht, wie häufig geschehen, die Position des jeweiligen Schreibers vergessen werden. Insbesondere im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation ergreifen "Parteigänger" das Wort für ihren Fürsten und versuchen ihm entsprechende Stützen im Zeichensystem zu verschaffen, wie beispielsweise Wicquefort. In der Zeremonialforschung verwendet man bis heute noch die großen Publizisten des 18. Jahrhunderts als verlässliche Quellen für die Rekonstruktion der historischen Abläufe, die jeweilige politische Position wird aber meist unterschätzt. Darüber hinaus sollen auch Zusammenfassungen über die jeweiligen Abläufe der Verhandlungen zu Zeremonialfragen herangezogen werden, wie man sie beispielsweise im Archiv des französischen Außenministeriums findet. Auch wenn diese teilweise erst nach dem Untersuchungszeitraum angefertigt worden sind, so wird doch damit ihre normative Funktion für die kommenden Ereignisse nicht gemindert. In einem zweiten Teil soll es dann darum gehen, die gewonnenen Erkenntnisse mit der Praxis der Zusammenkünfte zu vergleichen und mögliche Übereinstimmungen oder Gegensätze herauszuarbeiten. Für die Rekonstruktion der Ereignisse werden die Korrespondenzen der Beteiligten das Hauptgewicht besitzen, die sich teilweise veröffentlicht in verschiedenen Editionen finden lassen oder in den jeweiligen Archiven gefunden werden können. Die oft dogmatischen Beschreibungen der Zeremonienhandbücher legen wenig Wert auf die Herausbildung der entsprechenden Übereinkünfte, und vor allem nicht auf die Tatsache, dass Ehrbezeugungen fast immer von starkem Opportunismus geprägt sind. Je nach politischer Situation verhält man sich entsprechend der Machtkonstellation gegenüber den kleineren Staaten wohlwollend oder ablehnend. Es geht also auch um die Untersuchung der Kommunikationsformen zwischen den jeweiligen Mächten, um Strategien der Problemlösung und entsprechende Argumentationsformen.
Die Doktorarbeit wird als thèse cotutelle gemeinsam von Frau Prof. Dr. Stollberg-Rilinger und Prof. Lucien Bély (Paris IV - Sorbonne) betreut.