Jan Löhdefink

Dissertation:

Zeiten des Teufels. Teufelsvorstellungen und Geschichtszeit in frühreformatorischen Flugschriften (1520-1526). Tübingen 2016.

 
Das Dissertationsprojekt wird sich mit der Figur des Teufels in der Publizistik der frühen Reformationszeit (1520-25) beschäftigen. Auf der Quellengrundlage von Flugschriften und -blättern soll herausgearbeitet werden, daß der Teufel in den Sturmjahren der Reformation eine zentrale theologische Reflexionsgestalt darstellte. Dies gilt insbesondere für die Vermittlung reformatorischer Grundideen an breite Bevölkerungsschichten. Über die Teufelsfigur wurden theologische Sachverhalte erklärt, innerweltliche Kontexte gedeutet und Identität und Legitimation gestiftet. Teufelsvorstellungen besaßen eine hohe Kohäsionskraft, die den entstehenden reformatorischen Bewegungen Stabilität verlieh und ihnen zur Selbstvergewisserung diente.
Auf der Basis ihres wirklichkeitserschließenden Potentials erhielten Teufelsvorstellungen kommunikationsstrategische Relevanz. Als Mittel der Text- oder Bildgestaltung bildeten sie ein eigenständiges kommunikatives Motiv, mittels dessen gezielt Einfluß auf die Meinungsbildung der Rezipienten genommen wurde. Sie boten sich besonders an, um die persuasiven und agitatorischen Intentionen der sich zur Massenware aufschwingenden Medien Flugschrift und -blatt eindringlich zu untermauern.
In der Arbeit sollen unter Einbeziehung des historischen, medialen und theologischen Kontextes die spezifischen Funktionen, Leistungen und Wirkungen der Teufelsvorstellungen in der Frühphase der Reformation untersucht werden. Methodisch wird sich die Arbeit an hermeneutischen Fragestellungen und Modellen der kommunikativen Analyse von Text- bzw. Bildstrategien orientieren.