Frank Dierkes



E-Mail:     dierkef@uni-muenster.de

Curriculum Vitae

  •     geboren 1974
  •     1993 Abitur am Fürstenberg-Gymnasium in Recke
  •     Studium in Münster und Wien (Geschichte, Deutsche Philologie, Niederländische Philologie)
  •     2000 Staatsexamen (Thema der Staatsarbeit: Der Fall Galen contra Morrien - Adeliges Konfliktverhalten in Westfalen um 1600)
  •     2000–2004 Stipendiat im Graduiertenkolleg "Gesellschaftliche Symbolik im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit" an der WWU
  •     2005 Promotion an der WWU
  •     seit 2007 Lehrer am Goethe-Gymnasium Ibbenbüren (Geschichte, Deutsch)

Publikationen

  •     Zeichen im Konflikt. Zur Konfliktführung westfälischer Adeliger im 16. und 17. Jahrhundert (Vortrag im Rahmen der Tagung "Herrschaft der Zeichen" des Graduiertenkollegs "Gesellschaftliche Symbolik in Mittelalter und Früher Neuzeit", 02.2002)
  •     "zur handthabung der gerechtigkeit und vermeidung aller confusion" - Gewaltanwendung und Rechtsweg in Konflikten westfälischer Adeliger im 17. Jahrhundert (Vortrag im Rahmen des Semesterprogramms des Graduiertenkollegs "Gesellschaftliche Symbolik in Mittelalter und Früher Neuzeit", 07.2002)
  •     Galen contra Morrien. Drama eines Adelskonflikts im Münsterland um 1600. In: Tatort Domplatz. Der Münster-Plan von 1609 und seine Geschichte(n). Dokumentation und Faksimile. Hg. im Auftr. d. Instituts für vergleichende Städtegeschichte von Mechthild Siekmann. Bielefeld: Verlag für Regionalgeschichte 2009. S. 105–125.

Dissertation

Streitbar und ehrenfest. Zur Konfliktführung im münsterländischen Adel des 16. und 17. Jahrhunderts,  Münster: Aschendorff 2007 (Westfalen in der Vormoderne ; Bd. 1).

Symbolische und rituelle Praktiken waren sowohl Ausgangspunkte adeliger Konflikte als auch entscheidende Faktoren im Konfliktverlauf selbst. Entsprechend nimmt die Untersuchung Konfliktursachen, Motivationen der Beteiligten, Verlaufsmuster und Lösungsstrategien in ihrer standesspezifischen Ausprägung in den Blick.
Gerade wenn sich ein Konflikt nicht mehr pragmatisch - etwa auf dem Rechtsweg - eingrenzen oder beilegen ließ, wurde die Sprache der Symbole und Rituale bemüht. In dieser Hinsicht kommen etwa symbolische Formen von Gewalt, Real- und Verbalinjurien, Schmähgesten, aber auch Schmähschriften und Schandbilder, Angriffe auf Wappen und andere (spezifisch adelige) Statussymbole in Betracht. Wie diese Schlagworte nahe legen, bezogen symbolische und rituelle Praktiken der Konfliktführung ihre Wirkkraft durch den ("öffentlichen") Rekurs auf die Ehre, in diesem Fall die adelige Standesehre als zentrale Kategorie adeliger Standesqualität - sei es als Angriff auf die Ehre des Gegners oder als Bestätigung oder Bekräftigung der eigenen Ehre. Durch den Rekurs auf die Ehre bzw. mittels einer spezifischen Ehr-Semantik konnten Konflikte entscheidend beeinflusst, nämlich perpetuiert, katalysiert und generalisiert werden.
 
Die Untersuchung adeliger Konfliktführung zeigt diesbezügliche Veränderungen oder Entwicklungen auf und eröffnet einen Zugang zu Aspekten adeliger Standesqualität und adeligen Selbstverständnisses – und leistet damit einen Beitrag zu der Frage, wie sich der Adel als Stand in der Frühen Neuzeit konstituierte. Da letzteres in der frühneuzeitlichen "face-to-face"-Gesellschaft ganz entscheidend über eine bestimmte symbolische Praxis geschah, erweisen sich Konfliktführung und entsprechende Strategien als vergleichbar mit anderen Kategorien adeliger Lebenswelt und ständischer Identität (wie Herrschaft, Zeremoniell, Architektur, Kleidung, Bildung, Wappen, Privilegien usw.). Sie können mithin selbst als wesentlicher Bestandteil der symbolischen Praxis des Adels, als Teil adeliger Rationalität, angesprochen werden.
Als Untersuchungsraum wurde das Gebiet des ehemaligen Oberstifts Münster gewählt, da hier auf eine Fülle interessanter Beispiele für Konflikte im landsässigen Adel zurückgegriffen werden kann. Als Quellenbasis dienen in erster Linie die entsprechenden Gerichtsakten (von lokalen Instanzen hinauf bis zum Reichskammergericht) mit Eingaben der Parteien, Protokollen, Zeugenverhören und juristischen Gutachten, sowie Korrespondenzen, Tagebücher u.ä. in den jeweiligen Adelsarchiven.