Sandrine Brinkkötter

Dissertationsprojekt:

Zwischen Quellenkritik und Pedantismus. Der Paderborner Polyhistor Friedrich Christoph Osemund (1655-1730)

Das Leben des privatgelehrten Philologen, Historikers und Alchemisten Friedrich Christoph Osemund (geb. 1655 in Espelkamp, gest. 1730 in Paderborn) war geprägt von einer über Jahrzehnte andauernden, zeitweise auch juristisch ausgetragenen Auseinandersetzung mit nahezu allen bedeutenden Mitgliedern der rheinischen und westfälischen Gelehrtenrepublik. Die Frage der sozialen Ehre war dabei auf komplexe Weise mit Fragen der gelehrten Praxis verknüpft, insbesondere nach der Zulässigkeit historischer Divination und der Reichweite philologischer Quellenkritik. Osemunds Verteidigung gegen den Vorwurf der inventio fontium (vgl. vor allem die Schrift: De vera et falsa eruditione, in: F. Chr. Osemund, Lucubrationes selectae, Bd. XXI, Frankfurt/Leipzig 1701, u.ö.) kann als exemplarisches Zeugnis für den zeitgenössischen Diskurs um Pedantismus, Authentizität und gelehrte dissimulatio gelten. Als Quellen sind außer Osemunds gedruckten Schriften, den Akten des Reichskammergerichtsverfahrens und seiner gelehrten Korrespondenz auch die Briefe an seine dritte Frau, die lateinkundige Kölner Bürgertochter Katharina Hubertine Osemund, geborene Schlösser, heranzuziehen, die in der älteren, aber noch immer nützlichen Biographie von Johanna Schäfer (Friedrich Christoph Osemund – ein westfälisches Gelehrtenschicksal um 1700, Diss. [masch.] Köln 1956) keine Berücksichtigung gefunden haben.