Forschung
Im Lesesaal des ENK (Cuijk)
© D. Gniffke

Hier finden Sie Informationen zu den Forschungsprojekten des Lehrstuhls für Mittelalterliche Geschichte III

Projekt im Exzellenzcluster „Religion und Politik“

D2-13: „Höhere Gewalt“ und öffentliches Handeln. Politik im Zeichen der Pest

Das Projekt thematisiert den zeitgenössischen Umgang mit der Pest und fokussiert auf die Polarität zwischen kollektiven und individuellen Strategien der Krisenbewältigung. Es stellt insbesondere die obrigkeitlichen Reaktionen, die ein Verhandeln mit der 'höheren Gewalt' Gottes intendierten, der ärztlich-naturphilosophischen Expertise gegenüber, die sich auf individuelle Krankheitsprävention konzentrierte. Beobachtet werden Verschiebungen im Diskursfeld, die Gott als Dialogpartner sukzessive aus dem Pestgeschehen ausklammerten.

Projekt im SFB 1150 "Kulturen des Entscheidens"

B01: Dilatorisches Handeln als Herrschaftstechnik im Hoch- und Spätmittelalter

Das Projekt versteht das Nicht-Entscheiden in der Praxis monarchischer Herrschaft des Hoch- und Spätmittelalters als kulturell voraussetzungsvollen Mechanismus und zielt darauf ab, das Set jener sozialen Skripte zu identifizieren, die eine Untätigkeit des Herrschers in zeitspezifischer Weise sanktionierten. In diachroner Vergleichsperspektive widmen sich zwei Unterprojekte dem Reichsregiment des vermeintlich entschlussfreudigen Staufers Friedrichs I. Barbarossa (Unterprojekt A; Bearbeiter: Konstantin Maier) und seines bisweilen als „Erzschlafmütze“ titulierten Amtsnachfolgers Friedrichs III (Unterprojekt B; Bearbeiterin: Maximiliane Berger). Gefragt wird nach den Techniken und Taktiken dilatorischen Handelns bei der Erzeugung, Etikettierung und Auflösung von Entscheidungssituationen.

Dissertationsprojekt: Schriftpraxis und Alltagswelt im Kloster Frenswegen (1394-1544)

Unter der Betrachtung der Kulturtechnik Schrift als ein „praktisches“, soziales Phänomen wird das überlieferte Schriftgut des spätmittelalterlichen, im Emsland gelegenen Augustinerchorherrenstifts Frenswegen (Windesheimer Kongregation) auf seine Handlungspotentiale untersucht: Wo macht Schriftlichkeit den Unterschied in sozialen Handlungen, d.h., wo erweist sich die Schriftlichkeit als prägend für einen Handlungsverlauf? Die geistliche Gemeinschaft dient dabei als Feld einer mikrohistorischen Studie, welche das situativ und funktional divergierende Schrifthandeln aus Alltag und Lebenswelt der Religiosen an der Schwelle zum Buchdruck exemplarisch zu erfassen versucht. Unter Berücksichtigung der Textualität, Bildlichkeit, Materialität und „Präsenz“ des Schriftguts fragt die Untersuchung nach dessen Agentialität und lässt sich anregen durch die Akteur-Netzwerk-Theorie und „Text-Anthropologie“ (Hilgert). Das Dissertationsprojekt von Herrn David Gniffke M.A. wird von einem Stipendium der Bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk unterstützt.