Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2004/2005


Prof. Dr. Gerd Althoff

081325 Kurs: Widerstand gegen den König im frühen und hohen Mittelalter. Legitimation, Organisationsformen, Konsequenzen (A2, B3, B4)

Mi. 14-16 Uhr; Ort: F 5; Beginn: 20.10.2004

Mittelalterliche Könige waren immer wieder in Konflikte mit Angehörigen ihres Herrschaftsverbandes verwickelt. Von der öffentlichen Kritik an herrscherlichen Maßnahmen bis zum bewaffneten Konflikt reichte das Spektrum der Möglichkeiten, Dissenz mit der Amtsführung des Herrschers zum Ausdruck zu bringen. Im Kurs soll daher an Hand konkreter Fälle diskutiert werden, wann und wie sich solcher Widerstand gegen den Herrscher artikulierte, wie er zum Austrag kam und welche Konsequenzen dies für die Beteiligten hatte. Auf diese Weise kommen Rahmenbedingungen mittelalterlicher Herrschaft sowie die konstitutiven Elemente mittelalterlicher Ordnung in den Blick, die für jedes Mittelalter-Verständnis unverzichtbar sind. Der Kurs wird mit einer Klausur abgeschlossen.

Literatur: F. Kern, Gottesgnadentum und Widerstandsrecht im früheren Mittelalter; Darmstadt 1980; L. Körntgen, Königsherrschaft und Gottes Gnade. Zu Kontext und Funktion sakraler Vorstellungen in Historiographie und Bildzeugnissen der ottonisch-frühsalischen Zeit, Berlin 2001; M. Suchan, Königsherrschaft im Streit. Konfliktaustragung in der Regierungszeit Heinrichs IV. zwischen Gewalt und Schriftlichkeit, Stuttgart 1997.


Prof. Dr. Gerd Althoff

081440 Hauptseminar II: Negative Fürstenspiegel: Vorwürfe gegen Herrscher im Hochmittelalter (A2)

Do. 16-18 Uhr; Ort: Raum 209 (Georgskommende 14-18); Beginn: 21.10.2004

Die Amts- und Lebensführung der Herrscher des Mittelalters wurde von Zeitgenossen aus unterschiedlichen Perspektiven bewertet. Wertevorstellungen der adligen Kriegergesellschaft waren ebenso Maßstab wie die Postulate christlicher Lehren von den Herrschertugenden. Diese keineswegs kongruenten Wertesysteme hatten zur Konsequenz, dass Herrscher mit Vorwürfen höchst unterschiedlicher Art konfrontiert werden konnten. Im Seminar soll diskutiert werden, wann von wem in welchen Verfahren sie erhoben wurden, welche Wirksamkeit sie entfalteten, mit welchen Reaktionen Herrscher dieser Kritik begegneten. Aus dieser Perspektive kommen Rahmenbedingungen von Herrschaft in den Blick, die ein vertieftes Verständnis für die Funktionsweisen mittelalterlicher Ordnung ermöglichen.

Literatur: M. Suchan, Königsherrschaft im Streit. Konfliktaustragung in der Regierungszeit Heinrichs IV. zwischen Gewalt und Schriftlichkeit, Stuttgart 1997; S. Weinfurter, Macht und Ordnungsvorstellungen im hohen Mittelalter. Werkstattberichte, Neuried 1998; B. Schneidmüller, Konsensuale Herrschaft. Ein Essay über Formen und Konzepte politischer Ordnung im Mittelalter, in: Reich, Regionen und Europa in Mittelalter und Neuzeit. Festschrift für Peter Moraw, hg. von P.-J. Heinig u.a., Berlin 2000.


Prof. Dr. Christel Meier-Staubach, Prof. Dr. Gerd Althoff

081660 Oberseminar: Narrative Werte-Ethik – Symbolische Verhaltensmuster

Di. 14-16 Uhr; Ort: F2a; Beginn: 19.10.2004

Das Seminar will die Frage beantworten, auf welche Weise ethische Werte der Gesellschaft in narrativer Form durch historische und literarische Werke verhandelt werden, wie sie in Handlungsmustern erzählerisch vorgeführt, empfohlen oder kritisch diskutiert werden. Als Bereiche zur Beantwortung dieser Frage bieten sich besonders an: die Historiographie einerseits und dichterische Werke wie Epos und Roman, Exempel- und Novellensammlungen wie schließlich das Drama andererseits. In ihnen werden politische wie geistliche und säkular-private Verhaltensnormen narrativ präsentiert und in der Regel in symbolischen Verhaltensmustern ausgedrückt, derer man sich auch in der Lebenswirklichkeit bedient oder die aus der Erzählüberlieferung stammen. Interessant sind insbesondere Konstellationen der Konkurrenz differenter Werteordnungen, deren Kollision oder Harmonisierung die Erzählung herbeiführt und kontrolliert.

Literatur: G. Althoff, Die Macht der Rituale. Symbolik und Herrschaft im Mittelalter, Darmstadt 2003; C. Dörrich, Poetik des Rituals. Konstruktion und Funktion politischen Handelns in mittelalterlicher Literatur, Darmstadt 2002; C. Kiening, Zwischen Körper und Schrift. Texte vor dem Zeitalter der Literatur, Frankfurt a. M. 2003; Das Theater des Mittelalters und der Frühen Neuzeit als Ort und Medium sozialer und symbolischer Kommunikation, hg. von C. Meier, H. Meyer und C. Spanily, Münster 2004; C. Witthöft, Ritual und Text. Konstruktion und Reflexion symbolischer Kommunikationsformen in der spätmittelalterlichen Historiographie und Literatur im Südosten des Reichs, Darmstadt 2004.


Prof. Dr. Gerd Althoff

082025 Kolloquium: Kolloquium für Doktoranden, Staatsexamens- und Magisterkandidaten (A2)

Fr. 14-16 Uhr; Ort: Raum 32 (Georgskommende 14-18); Beginn: 22.10.2004

Die Veranstaltung verfolgt zwei Ziele: Einmal will sie Examenskandidaten aller Studiengänge bei der optimalen Vorbereitung auf das Examen helfen. Deshalb werden sowohl die Techniken der systematischen Vorbereitung auf das Examen wie die wichtigsten Problemfelder der Spezialgebiete behandelt. Zum zweiten dient sie denjenigen, die eine größere Arbeit (Magister/Promotion) anfertigen, dazu, Konzept oder Kapitel ihrer Arbeit vorzustellen.