Prof. Dr. Martin Kintzinger
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Historisches Seminar
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D-48143 Münster
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Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2013
081724 Vorlesung: Das römisch-deutsche Reich in der Zeit der Luxemburger
Di 8-10, Raum: F 2, Beginn: 1. Vorlesungswoche
Zu den Besonderheiten in der spätmittelalterlichen Geschichte des römisch-deutschen Reiches gehört einerseits das Fehlen einer traditionell starken, behauptungsfähigen Dynastie auf dem Königsthron (wie in Frankreich), andererseits das Ausbleiben von gewaltsamen Umbrüchen (wie in England). Die Dynastie der Luxemburger ging aus einer territorialen Grafenfamilie hervor, die sich in der Grenzregion zwischen dem römisch-deutschen Reich und Frankreich etablieren konnte, nach schwierigen Anfängen überraschend 13## erstmals den Thron des deutschen Wahlreiches und 1311 unter Heinrich VII. die Kaiserwürde erlangte und durch Heiratspolitik gleichzeitig mit der böhmischen Krone in den Osten ausgriff. Seit 1346 unter Karl IV. konnte sie eine fast unangefochtene Stärke erreichen, obwohl öffentliche Kritik Karl vorwarf, eher für die Dynastie als für das Reich zu handeln. Mit der Absetzung von dessen Sohn Wenzel 1400 als deutschem König war ein Tiefpunkt erreicht. Die Politik von Karls Sohn Sigmund seit 1410/11 hingegen vermochte es, sich den internationalen Herausforderungen in der Zeit der ökumenischen Konzilien, des Hundertjähriges Krieges, der Hussitenkämpfe und der Türkenangriffe zu stellen, konnte aber nicht verhindern, dass die Dynastie bei dessen Tod 1437 ohne männliche Erben blieb und die Königswürde im römisch-deutschen Reich über seinen Schwiegersohn mit Wirkung bis zum Ende des Reiches an die Habsburger weitergeben konnte. In der Widersprüchlichkeit und Spannungsgeladenheit, der dynastischen Orientierung wie der flexiblen Pragmatik politischer Entscheidungen und der Gleichzeitigkeit von territorialen Interessen und imperialer Repräsentation war die Herrschaft der Luxemburger bezeichnend für die Situation des Reiches im spätmittelalterlichen Europa.
Literatur: Jörg K. Hoensch, Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteluropäischer Bedeutung, 1308-1437, Stuttgart u.a. 2000; Grabmäler der Luxemburger. Image und Memoria eines Kaiserhauses, hrsg. v. Michael Viktor Schwarz, Luxemburg 1997.
081796 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Konsens und Kontrolle. Die „Modernität“ politischer Ordnung im Mittelalter
Do 8-12, Raum: F 040, Beginn: 1. Vorlesungswoche
Politische Ordnung im Mittelalter wird gewöhnlich als Herrschaft beschrieben. Solche Herrschaft wirkte nicht durch demokratische Verfahren, beruhte nicht auf einer geschriebenen Verfassung und kannte keine Gewaltenteilung. Sie war aber auch keineswegs eine Diktatur oder Gewaltherrschaft und der König niemals absoluter Herrscher. Herrschaft im Mittelalter war konsensuale Herrschaft, über Gefolgschaft definiert, über den abwägenden Rat und die organisierte Kritik von Ständevertretern, über den Konsens des Herrschers mit bestimmten Gruppen von Beherrschten. Entscheidungen wurden ausgehandelt und ihre offizielle Bekanntgabe symbolisch inszeniert. Es gab also durchaus eine politische Ordnung und Verfasstheit, wie sie modernen Staaten noch immer zugrunde liegt. Insofern war das Mittelalter modern und doch zugleich anders, unter den Bedingungen seiner Zeit. Diese Spannung durch die Jahrhunderte des europäischen Mittelalters zu analysieren, ist Gegenstand im thematischen Teil des Seminars.
Der methodische Teil stellt die Arbeitsinstrumentarien, die Quellengattungen und methodischen Ansätze heutiger historischer Mittelalterforschung vor, führt in die Kenntnis der Historischen Hilfswissenschaften und die aktuellen theoretischen Forschungsdiskurse ein.
Literatur: Hans-Werner Goetz, Proseminar Geschichte: Mittelalter, Stuttgart 2006; Jürgen Miethke, Politiktheorie im Mittelalter. Von Thomas von Aquin bis Wilhelm von Ockham, Tübingen 2008.
Proseminare (4stündig): Anmeldung über ein Verteilverfahren:
Wahlgang: Montag, 14.01.2013, 10.00 Uhr bis Donnerstag, 31.01.2013, 12.00 Uhr, an der Aufsicht der Bibliothek (Keller, Fürstenberghaus)
Bekanntgabe der Ergebnisse im Bereich der Alten Geschichte: Freitag, 01.02.2013 nachmittags (am "Schwarzen Brett" des Seminars für Alte Geschichte)
081997 Hauptseminar: Europa und China im Mittelalter (zusammen mit Prof. Dr. Reinhard Emmerich)
Mi 8-10, Raum: F 102, Beginn: 1. Vorlesungswoche
Noch nicht als globale Wirtschaftsmacht, wie heute, war China für die Europäer im Mittelalter interessant, wohl aber als Region der Produktion und des Handels mit seltenen Gütern wie Seide oder Gewürzen und als Projektionsfläche für Vorstellungen über ferne Länder und andere Welten. Über alte Handelsstrassen zogen auch Diplomaten, Missionare und Neugierige nach China. Reiseberichte, die von Chinafahrten erzählten, wurden gern gelesen, ohne dass man wissen konnte, ob der Berichtende tatsächlich dort war. China faszinierte, strukturierte Beziehungen oder Kontakten zwischen Europa und China wurden aber nicht aufgebaut. Nicht als Beziehungsgeschichte, sondern als Vergleichsgeschichte soll das Seminar China und Europa daher behandeln: Welche historischen Zustände und Entwicklungsprozesse, politischen, sozioökomonischen, kulturellen und religiösen Umstände lassen sich für die Gesellschaft in China und Europa beschreiben, kann man Epocheneinteilungen vornehmen, gab es überhaupt ein „Mittelalter“ in China und wie sah China zur Zeit des europäischen Mittelalters aus? Das Seminar soll eine vertiefte Annäherung an diese in der europäischen (anders als etwa in der us-amerikanischen) Geschichtswissenschaft selten gestellten Fragen ermöglichen, die selbstverständlich voraussetzt, dass die Teilnehmer eines der beiden Vergleichsobjekte in ihrem Studienverlauf bereits gründlich kennengelernt haben. Die Veranstaltung richtet sich deshalb an fortgeschrittene Studierende der Geschichte wie der Sinologie oder affiner Studienfächer gleichermassen.
Literatur: Sabine Dabringhaus, Geschichte Chinas, 1279-1949 (Oldenbourg Grundriß der Geschichte) München 2006; Europa im Spätmittelalter, 1215-1378 (Oldenbourg Grundriß der Geschichte), München 2003; Jane Burbank, Frederick Cooper, Empires in World History. Power and the politics of difference, Princeton 2010.
Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl ist eine Anmeldung im Sekretariat der Mittelalterlichen Geschichte I (Raum 144) vom 14.01.2013 bis zum 01.02.2013 sowie vom 18.03.2013 bis zum 12.04.2013 jeweils montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr erforderlich.
082663 Forschungskolloquium: 400-1500. Forschungskolloquium Mittelalter
Mi 18-20, Raum: F 234
(zusammen mit Prof. Dr. Wolfram Drews, Prof. Dr. Werner Freitag, Prof. Dr. Michael Grünbart, Prof. Dr. Jan Keupp, Prof. Dr. Wolfgang Wagner)
