Digitale Edition des Obsequientraktats "Comment les obseques se doivent faire"


gemeinsam mit Studierenden des Praxisseminars "Digitales Edieren in der Praxis"

Obsequientraktat
Der Obsequientraktat ist in mehr als 30 Handschriften überliefert

Das Editionsprojekt ist aus der Lehrveranstaltung "Digitales Edieren in der Praxis“ hervorgegangen.
Der mittelfranzösische Traktat Comment les obseques se doivent faire beschreibt, wie bei der Bestattung eines Adeligen die Opfergaben vorzunehmen sind und worauf die Herolde hierbei zu achten haben. Obgleich der Text zunächst einen praktisch-handlungsanleitenden Eindruck macht, scheint er jedoch vor allem darauf angelegt zu sein, ein ganz eigenes, äußerst rigides Adelskonzept zu propagieren: Vermittels der am Sarg aufgestellten Wappen fordert er nicht nur eine adelsmäßige Abstammung über die väterliche Linie ein, sondern auch für die in den vier vorangehenden Generationen eingeheirateten weiblichen Linien. Entsprechend warnt der Text auch vor dem Verlust des Adels für die Nachfahrenschaft bei nicht standesgemäßer Heirat.
Der Traktat ist relativ kurz, weist in seinen 36 bisher bekannten Überlieferungen aus dem 15.- bis 17. Jahrhundert jedoch zahlreiche Varianten auf. Diese geben sowohl über das Verständnis des hier eingeforderten Adelskonzeptes Auskunft, über die Sorgfalt in der Vermittlung entsprechender Texte, aber auch über die Entwicklung der französischen Sprache und deren Verschriftlichung zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert.
Die vorhandene Überlieferung offenbart dabei die ganze Vielfalt der möglichen Überlieferungswege für diese Art der Traktatliteratur: von schnell niedergeschriebenen Gebrauchshandschriften, über Prunkhandschriften bis hin zu den Sammlungen der Gelehrten des 16. und 17. Jahrhunderts. Auch so interessante Besonderheiten wie vom gleichen Schreiber auf gleichem Papier und in gleichem Format angefertigte Parallelhandschriften lassen sich hier nachweisen, die dennoch über zahlreichen Differenzen im Text wie in den verwendeten Kürzungen verfügen. Oder auch ein früher Druck, der später anhand einer anderen Handschriftentradition korrigiert wurde.
Ziel des Projektes ist es einerseits, den Text in der Vielfalt seiner Überlieferung zugänglich und unter Nutzung der Möglichkeiten der digitalen Editionen die verschiedenen Veränderungen im Textbestand für weitere Forschungen nachvollziehbar und auswertbar zu machen.
Im Projektablauf soll dabei andererseits zugleich evaluiert werden, welcher Workflow sich für die digitale Edition speziell dieser Art von Texten aktuell anbietet (kurzer, spätmittelalterlicher Text mit breiter und variantenreicher Überlieferung), welche Tools es hierfür bereits gibt und wie praktikabel diese sind, und wo noch weiterer Entwicklungsbedarf besteht.

Format: TEI/XML

Tools: <oXygen/>, CollateX, JuXta, StemmaWeb, v-machine.

Das Projekt wird gemeinsam mit Studierenden und Promovierenden aus dem Praxisseminars "Digitales Edieren" umgesetzt.

Publikationen im Rahmen des Projektes:

  • Torsten Hiltmann: Automatische Kollationierung – Zur projektbezogenen Adaption von CollateX für digitale Texteditionen, in: Digitale Geschichtswissenschaft (Blog auf Hypotheses.org), 9. November 2016, Internet: https://digigw.hypotheses.org/1532.