Dr. Astrid Windus

Astrid Windus

Sprechstunde im Wintersemester 2017/18:

Freitag,  14:30 - 15:30 Uhr (ab dem 27.10.2017)

Westfälische Wilhelms-Universität
Historisches Seminar
Fürstenberghaus, Raum 125 (1. OG)
48143 Münster


Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2017/18

Proseminar: Einführung in das Studium der neueren Geschichte: „Die Christianisierung (Latein-)Amerikas
Zeit: Fr. 10-14 Uhr; Einzeltermin am 26.01.: 14-18 Uhr
Raum: F 072
Beginn: 27.10.2017

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2017

Vorlesung: Geschichte und Anthropologie – außereuropäische Perspektiven
Zeit: Do. 14-16 Uhr
Raum: F2 (Fürstenberghaus)
Beginn: 20.04.2017

Kommentar: Unter dem Paradigma der Historischen Anthropologie haben sich in der deutschen Historiographie Forscherinnen und Forscher zusammengefunden, die sich verstärkt seit den 1980er Jahren mit der Subjektivität menschlicher Lebenswirklichkeiten in ihrer historischen Dimension befassen. Hierbei stehen das Denken, Handeln und Fühlen der Akteure im Mittelpunkt, wobei die Differenz und Vielfalt menschlicher Erfahrungen betont wird. Kurioserweise liegt der Schwerpunkt dieser Strömung auf der europäischen Frühen Neuzeit, dem Mittelalter und der Alten Geschichte, während die außereuropäische Geschichte kaum Gegenstand der Debatten ist. Vielmehr kommt bei der historischen Auseinandersetzung mit nicht europäischen kulturellen Systemen der Disziplin der Anthropologie (im deutschen Verständnis der Ethnologie bzw. Kulturanthropologie) selbst eine wichtige Rolle zu. Sie stellt die wissenschaftlichen Kategorien zur Verfügung, die für eine De-Zentrierung europäischer Denkweisen über menschliche Kulturen und Gesellschaft erforderlich sind.
Die Vorlesung gibt einen Überblick über diese verschiedenen Zugänge zu einem „Dialog“ der Disziplinen, wobei ein Schwerpunkt auf lateinamerikanischen Fallbeispielen liegt.
Literatur: Richard van Dülmen: Historische Anthropologie. Entwicklungen, Probleme, Aufgaben. Köln u.a. 2001.
Clifford Geertz: Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme. Frankfurt am Main 2012.
Christoph Wulf: Anthropologie. Geschichte, Kultur, Philosophie. Reinbek 2004.


Übung: Materielle Kultur in der kolonialen Gesellschaft Perus. Zwischen indigenen und spanischen Einflüssen

Zeit: Mi. 10-12 Uhr
Raum: F040 (Fürstenberghaus)
Beginn: 19.04.2017

Kommentar: Felipe Guaman Poma de Ayalas „El primer nueva corónica y buen gobierno“ von 1615 stellt eines der wichtigsten kolonialzeitlichen Dokumente über die Geschichte des Andenraums dar. Gegenüber anderen zeitgenössischen Berichten zeichnet sie sich nicht nur dadurch aus, dass ihr Autor indigener Herkunft war, sondern auch durch ihre Form, die neben ca. 800 Textseiten aus beinahe 400 Zeichnungen besteht. Gerade letztere enthalten zahlreiche Informationen über die Lebensweise und materielle Kultur der von ihm beschriebenen historischen Epochen (vorspanische Zeit, Eroberung, spanische Kolonialzeit): die Art und Verwendung von Kleidung, Werkzeugen, Instrumenten, Objekten des täglichen Gebrauchs, Kultgegenständen, Architekturen, Rohstoffen etc. In der Übung werden wir uns zunächst grundsätzlich mit der Bedeutung materieller Kultur für die Geschichtswissenschaft auseinandersetzen, um dann gemeinsam die textlichen und visuellen Beschreibungen Guaman Pomas zu analysieren. Dabei werden wir uns auch in die für die Nutzung der Texte und Bilder als historische Quellen erforderliche Methodologie einarbeiten. Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnehme am Seminar ist neben regelmäßiger Anwesenheit die Übernahme kleinerer Beiträge bzw. Arbeitsaufgaben, die aktive Mitarbeit in Plenum und Arbeitsgruppen sowie die Lektüre der erforderlichen Texte.
Literatur: Rolena Adorno: Guaman Poma and His Illustrated Chronicle from Colonial Peru: From a Century of Scholarship to a New Era of Reading. URL: http://wayback-01.kb.dk/wayback/20101108104655/http://www2.kb.dk/elib/mss/poma/presentation/index-en.htm
Stefanie Samida, Manfred K. H. Eggert, Hans Peter Hahn: Handbuch Materielle Kultur. Bedeutungen – Konzepte – Disziplinen. Stuttgart 2014.


Masterseminar: Kultur, Natur, Geschichte – Amazonische Perspektiven
Zeit: Do. 10-12 Uhr
Raum: BA 022 (Bispinghof 3)
Beginn: 20.04.2017

Kommentar: Die Dichotomie von Natur und Kultur gehört zu einem der wirkmächtigsten Paradigmen europäischer Geisteswissenschaften und prägt auch den historischen Blick auf vergangene Kulturen und Gesellschaften maßgeblich. Nicht nur der „Entwicklungsstand“ sozialer Gemeinschaften wurde lange Zeit anhand ihres „Zivilisationsgrades“ gemessen, worüber der nach wir vor gebräuchliche Begriff der „Hochkultur“ noch immer Zeugnis ablegt. Auch das in dieser Opposition enthaltene Verständnis, dass es sich bei dem Menschen grundsätzlich um ein von Tieren und Pflanzen zu unterscheidendes, von seiner Umwelt getrenntes Wesen handelt, ist ein Kernelement europazentrierter Epistemologien und damit auch ein selbstverständlicher Teil der Geschichtsschreibung. Anhand der Auseinandersetzung mit anthropologischen Texten von Claude Lévi-Strauss, Eduardo Viveiros de Castro und Philippe Descola, die alle zu den ethnischen Gruppen des Amazonasgebietes gearbeitet haben, wollen wir uns in dem Seminar mit Ansätzen beschäftigen, die die Gültigkeit des Kultur-Natur-Paradigmas infrage stellen. Diskutiert werden sollen diese vor dem Hintergrund der Frage, inwieweit diese auch zu einer differenzierteren Sicht auf die Geschichte Lateinamerikas beitragen können.
Literatur: Brigitta Hauser-Schäublin: Von der Natur in der Kultur und der Kultur in der Natur. Eine kritische Reflexion dieses Begriffspaares. In: Rolf Wilhelm Brednich; Annette Schneider; Ute Werner (Hrsg.): Natur – Kultur. Volkskundliche Perspektiven auf Mensch und Umwelt. MÜnster u.a. 2001, S. 11-20.
Eduardo Viveiros de Castro: Cosmological deixis and Amerindian perspectivism. Journal of the Royal Anthropological Institute 4.3 (1998): 469–488. DOI: 10.2307/3034157.


Hauptseminar (BA): Martin Gusindes „Anthropologie der Feuerland-Indianer“ (1931-1974)
Zeit: Mi. 14-16 Uhr
Raum: SRZ 19 (Orléans-Ring 12)
Beginn: 19.04.2017

Kommentar: Der aus Breslau stammende Priester Martin Gusinde ging 1911 nach Chile und arbeitete in Santiago als Lehrer sowie am neu gegründeten Museum für Ethnologie und Anthropologie. Nach einem längeren Forschungsaufenthalt bei den Mapuche führte er zwischen 1918 und 1924 vier Expeditionen nach Feuerland durch, wo er die ethnischen Gruppen der Selk'nam, Yámana und Kawéskar erforschte. Aus diesen Feldforschungen entstanden die vier Bänder der „Anthropologie“ sowie ein umfangreiches Fotoarchiv. In dem Seminar werden wir uns wissenschaftshistorisch mit der Arbeit Gusindes und der Geschichte „anthropologischer“ Beschreibungen der Feuerland-Ethnien auseinandersetzen, wobei Texte und Fotografien in gleichem Maße Berücksichtigung finden. Neben dem Verfassen einer Hausarbeit und der Übernahme eines mündlichen Beitrags ist die Bereitschaft zu eigenverantwortlichem und kooperativem Lernen sowie die regelmäßige Teilnahme und aktive Mitarbeit in Arbeitsgruppen und im Plenum Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnahme am Seminar.
Literatur: Anne Chapman: European Encounters with the Yaman People of Cape Horn, Before and After Darwin. Cambridge 2010.
Anton Quack: Mank'ácen – Der Schattenfänger. Martin Gusinde als Ethnograph und Fotograf der letzten Feuerland-Indianer. In: Anthropos 85, Nr. 1/3 (1990), S. 149-61. URL: http://www.jstor.org/stable/40462121.

zusammen mit Prof. Dr. Silke Hensel
Kolloquium für Masterstudierende und Doktoranden
Zeit: Mi. 18-20 Uhr
Raum: F229 (Fürstenberghaus)
Beginn: 26.04.2017


Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2014/2015

Zusammen mit Prof. Dr. Silke Hensel, Frederik Schulze
082950 Doktorandentagung
05.02.2015, Raum: JO 101 (Johannisstraße 4), 06.02.2015, Schlossplatz 6 (Nördliches Kavaliershäuschen vor dem Schloss)
Programm der Tagung

081753 Vorlesung: Transatlantische Wissensgeschichte (15. - 19. Jh.)

Di, 12.00 – 14.00 Uhr
Raum: F 4 (Fürstenberghaus)
Beginn: 07.10.2014

Die Geschichte transatlantischer Beziehungen, die mit der europäischen Eroberung, Christianisierung und Kolonisierung Amerikas begann, ist gleichzeitig auch die Geschichte eines Kulturkontaktes, der die Produktion, Vermittlung und Aneignung, aber auch die Zerstörung unterschiedlicher Wissensbestände und -ordnungen beinhaltete. Was aber genau ist unter „Wissen“ eigentlich zu verstehen? Wie wird Wissen produziert, vermittelt und bewahrt, und wer bestimmt, was wann gewusst wird? Was wussten Europäer über Amerika, seine geographische Beschaffenheit und seine Menschen vor, während und nach der Eroberung Mexikos und Perus – und was nicht? Wie schafften es die Indigenen und die als Sklaven nach Amerika verschleppten Afrikaner, trotz der kolonialen Repression eigene Wissensbestände zu erhalten und was ist eigentlich unter „indigenem“ oder „afrikanischem“ Wissen zu verstehen? Welcher Medien und Praktiken bedienten sich die unterschiedlichen Gruppen, um ihr Wissen zu artikulieren und zu kommunizieren?
Ausgehend von neueren wissensgeschichtlichen Ansätzen beleuchtet die Vorlesung diese Fragen und die mit der transkulturellen Wissensproduktion zusammen hängenden Dynamiken anhand ausgewählter Beispiele der lateinamerikanischen Geschichte. Dabei wird besonderer Wert auf einen weiten Wissensbegriff gelegt, der sich nicht auf Elite- oder Expertenwissen beschränkt, sondern der Pluralität dessen gerecht wird, wie Wissen in unterschiedlichen kulturellen Kontexten produziert, kommuniziert und bewahrt wird.

Einführende Literatur: Arndt Brendecke: Imperium und Empirie. Funktion des Wissens in der spanischen Kolonialherrschaft. Köln u.a. 2009. Peter Burke: A Social History of Knowledge. From Gutenberg to Diderot. Cambridge 2002. Walter D. Mignolo: Local Histories, Global Designs: Coloniality, Subaltern Knowledges, and Border Thinking. Princeton 2000.

082157 Hauptseminar: Portrait der Tropen: Alexander von Humboldt und Amerika
Mi, 14.00 – 16.00 Uhr
Raum: Orléans-Ring 12 - SRZ 117
Beginn: 08.10.2014

Zwischen 1799 und 1804 bereiste der Naturforscher Alexander von Humboldt zusammen mit dem Botaniker und Arzt Aimé Bonpland das südliche Amerika. Aus dieser Reise ging Humboldts zehnbändiges Werk „Reise in die Äquinoktialgegenden des Neuen Kontinents von 1799 bis 1804“ hervor, das erstmals ein wissenschaftlich fundiertes Wissen über Amerika bereitstellte und botanische, zoologische und geographische Erkenntnisse über die Region ebenso beinhaltet wie historische, ethnographische und sozio-politische. Humboldt entwirft darin ein umfassendes, für seine Zeit neuartiges Bild des Kontinents und seiner Menschen, das in vielerlei Hinsicht von den romantischen Amerikabildern des 18. Jahrhunderts abweicht. Gleichzeitig steht sein Werk für die naturwissenschaftlichen Entwicklungen seiner Zeit und markiert den Übergang in die Wissenschaftskulturen des 19. Jahrhunderts. In dem Seminar werden wir uns mit den verschiedenen Aspekten von Humboldts Amerika-Werk und seiner Einbettung in zeitgenössische Wissenssysteme befassen. Neben dem Verfassen einer Hausarbeit und der Übernahme eines mündlichen Beitrags ist die Bereitschaft zu eigenverantwortlichem und kooperativem Lernen sowie die regelmäßige Teilnahme und aktive Mitarbeit in Arbeitsgruppen und im Plenum Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnahme am Seminar.

Einführende Literatur: Adolf Meyer-Abich: Alexander von Humboldt. Reinbek 1995, Alexander von Humboldt: Die Reise nach Südamerika. Göttingen 1991.

082400 Übung: Bildwissen – Bildwissenschaft. Die Neue Welt in visuellen Darstellungen
Di, 16.00 – 18.00 Uhr
Raum: Orléans-Ring 12 - SRZ 217
Beginn: 07.10.2014

Die Veranstaltung befasst sich mit visuellen Formen der Konstruktion und Vermittlung von Wissen am Beispiel frühneuzeitlicher Darstellungen Amerikas und seiner Einwohner. Die „Entdeckung“ des Kontinents 1492 eröffnete dem Europa der Frühen Neuzeit einen neuen Raum von Imaginationen über das Wesen und die Beschaffenheit der so genannten „Neuen Welt“ und ihrer Bewohner. Diese Vorstellungen basierten auf einer Vielzahl unterschiedlicher Schrift- und Bildquellen, zu denen Chroniken von Missionaren und Entdeckern, illustrierte Reiseberichte und geographische Studien ebenso gehören wie Kosmographien, Karten oder Darstellungen der zeitgenössischen Malerei. In der Übung beschäftigen wir uns auf der Grundlage dieser Quellen mit verschiedenen Aspekten dieser Imaginationen, wie den frühen visuellen Darstellungen der Neuen Welt als irdischem Paradies; den Konstruktionen des Amerikaners als Kannibalen bzw. Edlem Wilden oder europäischen Vorstellungen von indigenen Zivilisationen. Um das vielfältige Quellenmaterial geschichtswissenschaftlich angemessen nutzen zu können, ist der inhaltlichen Arbeit mit den Bildern eine Auseinandersetzung mit theoretischen und methodischen Grundlagentexten der Bildwissenschaft vorangestellt. Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnehme am Seminar ist neben regelmäßiger Anwesenheit die Übernahme kleinerer Beiträge bzw. Arbeitsaufgaben, die aktive Mitarbeit in Plenum und Arbeitsgruppen sowie die Lektüre der erforderlichen Texte.

Einführende Literatur: Hildegard Frübis: Die Wirklichkeit des Fremden. Die Darstellung der Neuen Welt im 16. Jahrhundert. Berlin 1995. Matthias Bruhn: Das Bild. Theorie – Geschichte – Praxis.

082730 Masterseminar: Macht – Wissen – Kolonialismus. Postkoloniale Theorie und Wissensgeschichte am Beispiel Lateinamerikas
Mi, 10.00 – 12.00 Uhr
Raum: F 040 (Fürstenberghaus)
Beginn: 08.10.2014

Das Seminar befasst sich auf Grundlage theoretischer Texte mit dem Zusammenhang von Wissen und Macht in der lateinamerikanischen Geschichte und Geschichtsschreibung. Dabei soll zunächst die Frage thematisiert werden, inwieweit traditionelle europäische Wissenskonzepte geeignet sind, um die Kämpfe um Deutungshoheit auch in außereuropäischen Kontexten angemessen erfassen zu können, oder ob hier nicht auch andersartige Formen der Produktion und Vermittlung von Wissen stärker berücksichtig werden müssen. So existierte das von den Europäern mitgebrachte Elitewissen, wie es sich beispielsweise in religiösen, politischen oder administrativen Texten repräsentierte, neben anderen, den Europäern nicht immer zugänglichen Wissensformen (Alltagswissen, religiöses Wissen usw.), die mittels anderer Medien (z.B. Textilien, Keramik, Bilderhandschriften) kommuniziert wurden. Entsprechend der jeweiligen lokalen Kontexte (z.B. christlich geprägte Stadt, indigen geprägtes Dorf) konnten unterschiedliche Wissensordnungen ihre jeweils eigene Wirkmacht entwickeln. In einem weiteren Schritt wird das Thema auf eine theoretische Ebene gehoben und die wissenschaftlichen Diskurse beleuchtet, die den Zusammenhang von Wissen, Macht und Kolonialismus thematisieren. Hierfür wird die seit den 1980er Jahren geführte lateinamerikanische Debatte um Kolonialismus und Postkolonialismus aufgearbeitet, die von den meist englischsprachigen postcolonial studies bislang nur selten rezipiert wurde. Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnehme am Seminar ist neben regelmäßiger Anwesenheit die Lektüre der erforderlichen Texte, die Übernahme kleinerer Beiträge bzw. Arbeitsaufgaben, die aktive Mitarbeit im Plenum sowie das Verfassen einer Hausarbeit.

Einführende Literatur: Peter Burke: A Social History of Knowledge. From Gutenberg to Diderot. Cambridge 2002. Ders.: A Social History of Knowledge II. From the Encyclopédie to Wikipedia. Cambridge 2012. Mabel Moraña, Enrique Dussel, Carlos A. Jáuregui (Hg.): Coloniality at Large. Latin America and the Postcolonial Debate. Durham, London 2008.