Prof. Dr. em. Karl-Ernst Jeismann

Das Institut für Didaktik der Geschichte trauert um sein Mitglied
Professor em. Dr. Karl-Ernst Jeismann
der am 25. Februar 2012 im Alter von 86 Jahren verstorben ist.

Karl-Ernst Jeismann wurde am 11. August 1925 in Dortmund geboren. Nach dem Lehramtsstudium der Fächer Geschichte, Deutsch und Erdkunde in Kiel und Münster, das er 1951 mit dem Staatsexamen abschloss, und dem Assessorenexamen 1953 in Bochum war er Gymnasiallehrer am Schillergymnasium in Münster. 1963 bis 1966 leitete er als Oberstudiendirektor das Studienseminar in Münster und wurde 1966 als o. Professor auf einen Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte und Didaktik der Geschichte an der PH Westfalen-Lippe berufen, wo er bis 1978 auch das Amt des Rektors innehatte. 1971 habilitierte er sich an der Ruhr-Universität Bochum und nahm von 1978 bis 1984 die Leitung des Georg-Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung in Braunschweig wahr. Von dort kehrte er an das Institut für Didaktik der Geschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster zurück. 1990 wurde er emeritiert.
Nach seiner Promotion über das Problem des Präventivkrieges im europäischen Staatensystem vor allem der Bismarckzeit (1956) veröffentlichte Karl-Ernst Jeismann grundlegende Arbeiten zur Bildungsgeschichte und zur Geschichtsdidaktik. Sein Handbuch zur deutschen Bildungsgeschichte des 19. Jahrhunderts, vor allem aber seine 2-bändige Studie zum preußischen Gymnasium in Staat und Gesellschaft (1996) hat in ihrer Verknüpfung von Sozial-, Kultur-, Wirtschafts- und Politikgeschichte Standards für die moderne Bildungsgeschichte gesetzt. Vielleicht noch bedeutender sind seine Leistungen für die Geschichtsdidaktik, wo er mit kategorialer Präzisierung das Fundament der modernen Disziplin gelegt hat. Seither beansprucht die Geschichtsdidaktik, mehr zu sein als eine bloße Methodenlehre des Schulfaches Geschichte, nämlich Wissenschaft vom Geschichtsbewusstsein in der Gesellschaft. Für seine Verdienste um die international vergleichende Schulbuchforschung, für die Geschichtsdidaktik und für die wissenschaftliche Lehrerbildung wurde er 1985 mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.
Das Institut verliert mit Karl-Ernst Jeismann einen national wie international anerkannten Forscher und einen engagierten wissenschaftlichen Lehrer, der sich bleibende Verdienste erworben hat.

Prof. Dr. Bernd Schönemann
Prof. Dr. Saskia Handro


CURRICULUM VITAE

  • Karl-Ernst Jeismann, geb. 1925 in Dortmund, ist o. Prof. (em.) an der Universität Münster für Neuere Geschichte und Didaktik der Geschichte
  • Nach dem Studium (Geschichte, Germanistik, Philosophie, Geographie) in Kiel und Münster zehn Jahre im höheren Schuldienst, Promotion in Münster (1956), Habilitation Universität Bochum (1971), Prof. an der PH Münster, Rektor der PH Westfalen-Lippe 1974/78, Direktor des Georg-Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung in Braunschweig
  • Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1985); Ehrenmitglied des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands (2000)

Forschungsschwerpunkte:
Bildungs- und Sozialgeschichte, Didaktik der Geschichte und internationale Schulbuchforschung (1978-1984).


PUBLIKATIONEN (in Auswahl):

  • Das Problem des Präventivkrieges im europäischen Staatensystem mit besonderem Blick auf die Bismarckzeit, Freiburg u.a. 1957
  • Friedrich Harkort: Schriften u. Reden zu Volksschule und Volksbildung, Paderborn 1969 (= Schöninghs Sammlung pädagogischer Schriften)
  • [zusammen mit Hans-Georg Grosse Jäger] Süvern, Johann Wilhelm: Die Reform des Bildungswesens. Schriften zum Verhältnis von Pädagogik und Politik, Paderborn 1981 (= Schöninghs Sammlung pädagogischer Schriften: Quellen zur historischen, empirischen und vergleichenden Erziehungswissenschaft)
  • [zusammen mit Günter C.Behrmann] Geschichte und Politik. Didaktische Grundlegung eines kooperativen Unterrichts, Paderborn 1978 (= Geschichte, Politik. Studien zur Didaktik 1);
  • Hg. u. Autor von „Studien zur internationalen Schulbuchforschung" und der Zeitschrift „Internationale Schulbuchforschung" (1978-1984)
  • [zusammen mit Peter Lundgreen] Handbuch der deutschen Bildungsgeschichte, Band III: 1800-1870. Von der Neuordnung Deutschlands bis zur Gründung des Deutschen Reiches, München 1987
  • Das preußische Gymnasium in Staat und Gesellschaft, Bd. 1: Die Entstehung des Gymnasiums als Schule des Staates und der Gebildeten, 1787-1817, Bd. 2: Höhere Bildung zwischen Reform und Reaktion, 1817-1859, Stuttgart 1996 (= Industrielle Welt, Bd. 15 u. 56)
  • Geschichte als Horizont der Gegenwart. Über den Zusammenhang von Vergangenheitsdeutung, Gegenwartsverständnis und Zukunftsperspektiven. Hg. u. eingel. v. Wolfgang Jacobmeyer u. Erich Kosthorst, Paderborn 1985
  • [zusammen mit Bernd Schönemann] Geschichte amtlich. Lehrpläne und Richtlinien der Bundesländer. Analyse, Vergleich, Kritik. Frankfurt a.M. 1989 (= Studien zur Internationalen Schulbuchforschung, Bd. 65)
  • Geschichte und Bildung. Beiträge zur Geschichtsdidaktik und zur Historischen Bildungsforschung. Hg. u. eingel. v. Wolfgang Jacobmeyer u. Bernd Schönemann, Paderborn 2000