Zielgruppennavigation: 


Beate Weidner M.A.                                                    

 

Projekte

Promotionsprojekt


Kommunikative Herstellung von Infotainment -

gesprächslinguistische und multimodale Analysen einer TV-Kochsendung

In rund 25 Formaten des deutschen Fernsehens wird vor Publikum der Kochlöffel geschwungen. Kochen als Lifestyle – dieses von den Sendungen propagierte Image des Kochhandwerks scheint den Nerv der Zeit von Wellness- und Bio-Trends zu bedienen. Die auftretenden ‚Star‘köchInnen vermitteln das Gefühl, dass sich auch der Teil der Bevölkerung, der normalerweise Tiefkühlpizza zu Abend speist, an den Gebratenen Seeteufel im Ingwer-Chili-Mantel auf karamellisiertem Süßkartoffelpüree trauen darf.
Eine TV-Show mit derartigem Konzept benötigt Profis, die es glaubhaft und publikumswirksam verkörpern. In einer Studie des Online-Meinungspanels mafo.de wählte eine repräsentative Anzahl von Verbrauchern die beliebtesten TV-Köche und TV-Köchinnen anhand der Kriterien Professionalität und Unterhaltungswert.1 Diese Parameter können Aufschluss darüber geben, warum eine Kochsendung für ein zuschauendes Publikum attraktiv ist. Je kompetenter und je unterhaltsamer die ‚Genuss-ExpertInnen‘ auftreten, desto beliebter sind sie und durch sie die Sendung. Es stellt sich also die Frage, wie dieses Infotainment (Postman 1985), die Verbindung von Information und Entertainment, von den Interagie-renden hergestellt wird. Wie erfüllen die Teilnehmenden jener Sendungen diese Anforderungen?

Das Promotionsprojekt geht am Beispiel der Kochsendung Lanz kocht! der Frage nach, mittels welcher konversationellen Aktivitäten die Sendung als Infotainment-Format hergestellt wird. Bisher gibt es keine gesprächsanalytisch ausgerichteten Arbeiten, die umfassende Aktivitätsanalysen in einem massenmedialen Gesprächskontext mit multimodaler Herangehensweise durchführen. An diesem Forschungsdesiderat setzt das Promotionsprojekt ein: Der Prämisse des noticing (Sacks 1996) folgend, werden drei konversationelle Aktivitäten ausgewählt, die in der Sendung hochfrequent durchgeführt werden. Diese werden unter einer modalitätsspezifisch erweiterten gesprächsanalytischen Perspektive daraufhin untersucht, wie sie von den Interagierenden so ausgeführt werden, dass sie den Sendungsansprüchen von Information und Unterhaltung gerecht werden. Das zentrale Interesse des Dissertationsvorhabens besteht also darin zu rekonstruieren, mit welchen kommunikativen Strategien (verbalen und nonverbalen) die Interagierenden in der Kochsendung Lanz kocht! die zentralen Aktivitäten in der Sendung – das Informieren, Belehren und Bewerten – durchführen, sodass sie den Anforderungen des Formats im Spannungsfeld von Informationsvermittlung und Entertainment entsprechen.
Die durch die Gesprächsanalyse im Vordergrund stehende sequenzielle Ordnung des Geschehens wird in der Analyse durch die Dimension der Simultaneität ergänzt, die durch die methodische Anbindung an das Forschungsparadigma der Multimodalität gegeben ist.

                                            

DAAD-Projekt: Gesprochenes Deutsch für die Auslandsgermanistik

Ziel dieses anwendungsbezogenen Pilotprojekts ist es, Materialien (Audiodateien und Transkripte) von authentischen Kommunikationssituationen deutscher MuttersprachlerInnen zu erheben, zu transkribieren und zu archivieren, sowie darauf aufbauende Didaktisierungsvorschläge zu entwickeln und für den Unterricht Deutsch-als-Fremdsprache in der Auslandsgermanistik bereit zu stellen.

Trotz der sogenannten “kommunikativen Wende” orientieren sich Lehrwerke im Bereich Deutsch-als-Fremdsprache vorwiegend an den Normen der deutschen Schriftsprache: So weichen die in Lehrbuch-Dialogen konstruierten Äußerungen noch immer erheblich vom tatsächlichen mündlichen Sprachgebrauch deutscher MuttersprachlerInnen ab. Nicht nur im Bereich der für den Unterricht bereitgestellten Lehrvorschläge herrscht ein Defizit an authentischen Dialogen, auch von Seiten der DaF-LehrerInnen wird bemängelt, dass praxisorientierte, für die Lehrenden aufbereitete Informationen über grundlegende und relevante Strukturen des gesprochenen Deutsch fehlen.

Methodologisch ist das Projekt der Interaktionalen Linguistik und der Gesprächsanalyse verpflichtet. Dies bedeutet, dass Gesprächsdaten authentischer Interaktionen (aus unterschiedlichen informellen Kontexten) auf Tonträger aufgezeichnet werden. Die als Tondokument fixierten Gespräche werden nach einer vereinfachten Version des Gesprächsanalytischen Transkriptionssystems 2 (GAT 2 (Selting et al. 2009)),  transkribiert, die Nicht-LinguistInnen einen schnellen und unkomplizierten Zugang zu den Daten ermöglicht.

zur Projekt-Homepage


Impressum | © 2016 Universität Münster
Germanistisches Institut
Schlossplatz 34
· D-48143 Münster
Tel.: +49 251 83-24639 o. 83-24621 · Fax: +49 251 83-24600
E-Mail: