Sven Hartenfels

Dr. Sven Hartenfels

Institut für Geologie und Paläontologie - Paläontologie
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Corrensstr. 24
D-48149 Münster
Deutschland

shartenf@uni-muenster.de
Tel.: +49 251 83-33973
Fax: +49 251 83-33968

              

                  

  • Curriculum Vitae

    2010 Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Promotion am Institut für Geologie und Paläontologie
    Die globalen Annulata-Events und die Dasberg-Krise (Famennium, Oberdevon) in Europa und Nord-Afrika – hochauflösende Conodonten-Stratigraphie, Karbonat-Mikrofazies, Paläoökologie und Paläodiversität.
    seit 08/2004 Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, wissenschaftlicher Assistent am Institut für Geologie und Paläontologie in der Arbeitsgruppe Paläontologie bei Prof. Dr. Ralph Thomas Becker
    2004 Universität zu Köln, Diplom in Geologie und Paläontologie am Geologischen Institut (jt Institut für Geologie und Mineralogie)
    Diplomarbeit: Karbonatmikrofazies und Conodontenbiofazies ausgewählter Profile im Oberdevon und Unterkarbon des Frankenwaldes und des Bayerischen Vogtlandes – Geuser, Kirchgattendorf, Köstenhof (NE-Bayern, Deutschland).
    Diplomkartierung: Erläuterungen zur geologischen Neukartierung des Gosau-Beckens von Gams – Abschnitt Gamsforst-Hinterwildalpen (Steiermark, Österreich).
    10/1997 - 07/2001 Universität zu Köln, Studentische Hilfskraft am Geologischen Institut (jt Institut für Geologie und Mineralogie) in der Arbeitsgruppe Paläontologie bei Prof. Dr. Hans-Georg Herbig
    1994 Stadtgymnasium Köln-Porz
    Abitur

  • Lehre

    (seit 2004 mit wechselnden Kursen)

    • Einführung in die Paläontologie (Vorlesung, B.Sc. Geowissenschaften)
    • Einführung in die systematische Paläontologie (Vorlesung und praktische Übung, B.Sc. Geowissenschaften)
    • Systematische Mikropaläontologie (Vorlesung, M.Sc. Geowissenschaften)
    • Recherche, Aufbereitung und Präsentation wissenschaftlicher Befunde (Seminar, B.Sc. Geowissenschaften)
    • Mikropaläontologisches Seminar (Seminar, M.Sc. Geowissenschaften)
    • Gesteinskunde (praktische Übung, B.Sc. Geowissenschaften)
    • Paläontologische Arbeitsmethoden (Praktikum, B.Sc. Geowissenschaften)
    • Stratigraphisches Geländepraktikum (Praktikum mit Exkursion, B.Sc. Geowissenschaften)
    • Unterschiedliche geologisch-paläontologische Exkursionen (B.Sc. Geowissenschaften, M.Sc. Geowissenschaften)
    • Geländeübung III (Geologischer Kartierkurs, B.Sc. Geowissenschaften)
    • Gutachter und Betreuer von diversen Bachelor- und Masterarbeiten sowie einer Diplomkartierung
  • Populärwissenschaftliche Tätigkeiten

    seit 08/2004 Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Betreuung von Schüler- und Berufspraktikanten am Institut für Geologie und Paläontologie in der Arbeitsgruppe Paläontologie
    2002 Universität zu Köln, Mitglied des Organisationsteams der Veranstaltung „Planet Erde – Jahr der Geowissenschaften 2002“ unter der Schirmherrschaft des Deutschen Bundesministeriums für Bildung und Forschung
    1997 - 2001 Universität zu Köln, Mitglied des Organisationsteams der „Langen Nacht der Kölner Museen“ am Museum für Geologie und Mineralogie

  • Preise

    10/2013 Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Lehrpreis für das Studienjahr 2012/2013 im Fachbereich Geowissenschaften
    06/2001 Sediment 2001, Jena, 3. Platz Poster-Award
    Hohes Oberdevon und Devon/Karbon-Grenze in der „Thüringischen Fazies“ des Frankenwaldes – Biostratigraphie, Mikrofazies und Paläogeographie.

  • Mitgliedschaften, Ämter

    seit 11/2015 Mitglied der Deutschen Stratigraphischen Kommission
    seit 11/2015 Ordentliches Mitglied der Deutschen Subkommission für Devon-Stratigraphie
    seit 08/2012 Korrespondierendes Mitglied der Internationalen Subkommission für Devon-Stratigraphie
    04/2007 - 11/2015 Korrespondierendes Mitglied der Deutschen Subkommission für Devon-Stratigraphie
    seit 01/2005 Schatzmeister des Vereins Studierende der Geowissenschaften in Münster e.V. und Mitherausgeber der Münstersche Forschungen zur Geologie und Paläontologie
    seit 2005 Mitglied der Paläontologischen Gesellschaft

  • Wissenschaftliche Interessen

    Besonderes Interesse gilt der Faziesentwicklung, den Faunen und der Stratigraphie des Oberdevons und Unterkarbons. Regionale Forschungsschwerpunkte befinden sich in Europa (Rheinischen Schiefergebirge, Frankenwald, Thüringen, Heilig-Kreuz-Gebirge, Montagne Noire) und Nord-Afrika (Marokkanische Meseta, Maider, Tafilalt).

    • Faziesentwicklung karbonatischer, insbesondere hemipelagischer Ablagerungsräume in Raum und Zeit
    • Hochauflösende Conodonten-Stratigraphie
    • Paläodiversität von Conodonten
    • Agglutinierende Foraminiferen
    • Conodontenbiofazies-Analysen und deren Abgleich mit anderen Faziesmodellen (insbesondere Karbonat-Mikrofazies und Foraminiferenbiofazies)
    • Kurzfristige, einschneidende ökologische Veränderungen innerhalb der Paläoablagerungsräume (Events, Krisen) sowie deren Ursachen und Abläufe

    Weitere Geländeerfahrungen: Pyrenäen (NE-Spanien, Andorra, SW-Frankreich), Belgien (Ardennen), Österreich (Karnische Alpen, Grazer Paläozoikum), Nord-Amerika (Nevada, Michigan), China (Guanxi).

  • Promotion

    HARTENFELS, S. (2011): Die globalen Annulata-Events und die Dasberg-Krise (Famennium, Oberdevon) in Europa und Nord-Afrika – hochauflösende Conodonten-Stratigraphie, Karbonat-Mikrofazies, Paläoökologie und Paläodiversität. – Münstersche Forschungen zur Geologie und Paläontologie, 105: 17-527.


    Durch lithologische, karbonatmikrofazielle und hochauflösend biostratigraphische Untersuchungen werden in Europa und Nordwest-Afrika faunistische und paläoökologische Entwicklungen im Zeitbereich Palmatolepis rugosa trachytera-Zone (= Untere trachytera-Zone) bis Bispathodus aculeatus aculeatus-Zone (= Mittlere expansa-Zone) bestimmt, um die bisher wenig erforschten, globalen Annulata- und Dasberg-Events vergleichend zu analysieren und zu interpretieren.
    Insgesamt wurden 18 Profile in Deutschland (Rheinisches Schiefergebirge: Beringhauser Tunnel, Effenberg, Oese, Riescheid; Saxothuringikum: Gositzfelsen, Kahlleite-Ost, Grünau), Polen (Heilig-Kreuz-Gebirge: Kowala) und Südost-Marokko (Maider: Mrakib; Tafilalt: Bine Jebilet, El Atrous-Ost, Hassi Nebech, Jebel Erfoud, Jebel Ouaoufilal, Jebel Ouaoufilal-Pass, Ouidane Chebbi-Nordwest, Oum el Jerane, Takhbtit-West) Bank-für-Bank, im Liegenden und Hangenden der Event-Schichten, aufgenommen. Diese decken regional verschiedene Fazies-Bereiche ab. Profile des Rheinischen Schiefergebirges, Saxothuringikums und Heilig-Kreuz-Gebirges gehören einer hemipelagischen, kalkigen Schwellenhang- und tonigen Becken-Fazies an. In Südost-Marokko repräsentieren die Abfolgen die flach geneigte, hemipelagische Tafilalt-Plattform und die tonigeren Tafilalt-, Rheris- und Maider-Becken.
    350 Conodonten- sowie zusätzliche Fazies-Proben wurden entnommen. Zum Vergleich diente eine isolierte Conodonten-Probe vom Malpasso (Karnische Alpen). Insgesamt 80151 bestimmbare Plattform-Elemente lassen sich 20 Gattungen bzw. 126 Arten, Unterarten und fest definierten Morphotypen zuordnen. Basierend auf anhaltenden, erheblichen Unsicherheiten der Apparat-Rekonstruktionen im Famennium, findet nur die in feinstratigraphischen Studien benutzte Taxonomie für Plattform-Elemente Verwendung. Neben drei neuen Arten (Clydagnathus tragelehni n. sp., Polygnathus pseudotenellus n. sp., Po. spiculiferus n. sp.) werden vier neue Unterarten (Alternognathus regularis continuus n. ssp., B. stabilis zizensis n. ssp., Pa. gracilis carnica n. ssp., Pa. gracilis semisigmoidalis n. ssp.) aufgestellt. Innerhalb von B. spinulicostatus, Pa. gracilis expansa, Pa. perlobata postera, Po. spiculiferus n. sp. und Pseudopolygnathus micropunctatus werden sechs neue Morphotypen definiert. Aufgrund unklarer Abgrenzungen bleiben vierzehn weitere Formen (B. aff. costatus, Caenodontus sp., „Pandorinellina“ n. sp., Po. cf. experplexus, Po. cf. granulosus, Po. cf. perplexus, Po. cf. rhabdotus, Po. aff. semicostatus, Po. aff. subirregularis, Polylo. cf. concentrica, Ps. cf. granulosus, Ps. aff. granulosus, Ps. marburgensis cf. marburgensis, ?N. Gen. et sp.) in offener Nomenklatur. Po. dissimilis wird in die Gattung Bizignathus überführt, Branmehla gediki als Unterart Br. bohlenana zugeordnet. Zahlreiche neue lokale Erstnachweise stammen insbesondere aus dem Wildenfelser Zwischengebirge und dem südöstlichen Anti-Atlas, in denen erstmals Conodonten-Faunen des mittleren/oberen Famennium im Detail untersucht wurden.
    Die Conodonten-Stratigraphie wird revidiert und eine neue Zonierung vorgestellt, die eine Synthese der „Standard-Zonierungen“ sensu ZIEGLER (1962a) und ZIEGLER & SANDBERG (1984) mit den neu gewonnenen Ergebnissen darstellt. Dies ist nötig, da die bisherige Zonierung zum Teil auf Taxa (Pa. perlobata postera, Pa. gracilis expansa) beruht, deren stratigraphischer Nutzen regional begrenzt ist. Dabei ergibt sich die Neugliederung aus dem Vergleich zum Teil feinerer Regional-Zonierungen. Sie weist sieben Conodonten-Zonen aus, deren Namen konsequent der leitenden Art/Unterart folgen: Scaphignathus velifer velifer-Zone (= Oberste marginifera-Zone), Pa. rugosa trachytera-Zone (= Untere trachytera-Zone), Ps. granulosus-Zone (= Obere trachytera-Zone: im Rheinischen Schiefergebirge, Saxothuringikum und Heilig-Kreuz-Gebirge mit der höheren Pa. gracilis sigmoidalis-Subzone und dem subsequenten trachytera-styriacus-Interregnum; im Tafilalt mit der höheren Pa. gracilis sigmoidalis-Subzone), Po. styriacus-Zone (= Untere postera-Zone), Pa. gracilis manca-Zone (= Obere postera-Zone: im Rheinischen Schiefergebirge mit der höheren Pa. rugosa rugosa-Subzone), B. stabilis stabilis-Zone (= stabilis Morphotyp 2, = ca. Untere expansa-Zone: im Rheinischen Schiefergebirge und Saxothuringikum mit dem höheren styriacus-aculeatus-Interregnum), B. aculeatus aculeatus (= Mittlere expansa-Zone: im Rheinischen Schiefergebirge, Saxothuringikum und Heilig-Kreuz-Gebirge mit der höheren B. costatus-Subzone).
    Überregionale und regionale Reichweiten einzelner, teilweise bedeutender Taxa, wie B. stabilis bituberculatus (= stabilis Morphotyp 3), Br. ampla, Br. werneri, Pa. glabra lepta später Morphotyp, Pa. minuta minuta, Pa. rugosa trachytera, Ps. granulosus und Sc. velifer velifer werden präzisiert.
    Die Basis des regionalen trachytera-styriacus-Interregnums wird durch das Aussterben von Pa. rugosa trachytera im Unteren Annulata-Zwischenkalk markiert. Beide Annulata-Events fallen somit in die hohe Ps. granulosus-Zone. Der europäische Dasberg-Event gehört der hohen B. stabilis stabilis-Zone an, der südostmarokkanische Event-Horizont dem basalen Abschnitt der jüngeren B. aculeatus aculeatus-Zone. Daher wird der Begriff Dasberg-Krise für den gesamten Zeitraum eingeführt, der beide heterochronen Event-Schichten umfasst.
    Unter Berücksichtigung der Nomenklatur nach DUNHAM (1962) lassen sich 19 modifizierte Mikrofaziestypen (inkl. Subtypen) definieren, die zwei signifikant abgrenzbaren Faziesserien (MF-A: Faziesbereich unterhalb der Sturmwellenbasis; MF-B: Faziesbereich im Einflussbereich der Sturmwellenbasis) zugeordnet werden. Sie dienen einer paläoökologischen Rekonstruktion der jeweiligen Sedimentationsräume. Eine bisher nicht bekannte, Corg-reiche, hochenergetische, kalkige Event-Fazies (Annulata- und Dasberg-Events) wird in der Amessoui-Synklinale (Tafilalt) nachgewiesen.
    Im Rheinischen Schiefergebirge (Effenberg, Oese) liegen die Annulata- und Dasberg-Events in einer untereinander ähnlichen Entwicklung vor. Übereinstimmungen bestehen auch mit dem Hangenberg-Event. Ein Wechsel von zyklischen Knollenkalk-Tonschiefer/Mergel-Folgen zu Corg-reichen Schwarzschiefern deutet auf verstärkten Absatz von Tontrübe im Zuge einer Transgression und auf Episoden hoher Primärproduktivität hin, wobei die spezifischen Produzenten regional noch unbekannt sind. Der Übergang zu den Eventlagen verlief kurz, aber graduell. Charakteristische Blüten spezifischer, opportunistischer Clymenien (z. B. Platyclymenia) oder der Muschel Guerichia zwischen Makrofossil-armen liegenden und hangenden Schichten bestätigen die Annahme kurzfristiger Eutrophisierungsepisoden, die lokal und vertikal unterschiedlich intensiv waren. Daraus resultieren lokale Variationen von Corg-Reichtum, Durchlüftung (Lebensbedingungen für Benthos) und pelagischer Fauna der Eventschichten. Die Nahrungsressourcen für Guerichien und Ammonoideen bleiben unklar. Anoxische Maxima werden durch Pyrit-Horizonte und Fossil-leere Schwarzschiefer angezeigt. Die geringe Führung an Makrofauna belegt, dass der Obere Annulata-Schiefer vermutlich unter O2-ärmeren Bedingungen als sein unteres Äquivalent gebildet wurde. Anhaltendes Nährstoff-Recycling könnte Faunenblüten im Hangenden des oberen Annulata-Schiefers erklären (siltig bis feinsandiges, mergeliges, grünes Wagnerbank-Äquivalent bei Oese; mittel- bis dunkelgrauer Mergel am Effenberg). Perioden lokaler Guerichia-Blüten zwischen dem Oberen Annulata- und Dasberg-Schwarzschiefer bei Oese zeigen, dass Grundvoraussetzungen für ähnliche Eutrophisierungen permanent gegeben waren.
    Am Beringhauser Tunnel (abgesunkener, vulkanischer Seamount) liegt der Untere Annulata-Event in einer abweichenden, stark kondensierten, leicht dunkelgrauen Kalk-Fazies vor. Das Ausbleiben von Guerichien-Blüten und eine relativ Individuen-arme Ammonoideen-Fauna sprechen für eine verminderte Nährstoffzufuhr gegenüber den tieferen Schwellenhängen.
    Im Saxothuringikum sind die Events schwächer ausgeprägt und schlechter überliefert. Im Saalfelder Raum ist der Annulata-Event nur einlagig als Schwarzschiefer entwickelt, im Gebiet des Bergaer-Sattels (Kahlleite-Ost) sind zwei geringmächtige Horizonte ausgebildet. Die post-Annulata-Regression ist deutlich durch die kalkige und sehr fossilreiche Wagnerbank bzw. deren Äquivalente erkennbar. Plötzliche Massenvorkommen von Prionoceraten deuten auf anhaltende Nährstoffzufuhr trotz Wechsels zur aeroben Fazies hin.
    Die Event-Schichten und Faziesverschiebungen entsprechen im Heilig-Kreuz-Gebirge (Kowala) denen des Rheinischen Schiefergebirges. Als Besonderheit treten Cyrtoclymenia-Blüten im Dasberg-„Schwarzschiefer“ auf.
    Im südöstlichen Anti-Atlas sind die Annulata- und Dasberg-Events markant entwickelt, allerdings fehlt das Zeitäquivalent des europäischen Dasberg-Events in einer Schichtlücke. Regional lassen sich in allen Event-Schichten nur Ammonoideen-Blüten dokumentieren; eine exaerobe Guerichia-Fazies ist nicht ausgebildet. Obwohl die Gattung untergeordnet vorkommt, fehlte regional, vermutlich breitengradabhängig, die in Europa verbreitete Nahrungsressource.
    Am Mrakib (Maider) sind Ammonoideen-Blüten für den Unteren Annulata- und Endosiphonites-Horizont charakteristisch. Aufgrund des kompletten Fehlens von Benthos war das Substrat anoxisch. Das subsequent zum Oberen Annulata Event folgende, dreigeteilte Wagnerbank-Äquivalent dokumentiert neben einer Prionoceras-Platyclymenia-Fauna ein ungewöhnliches Maximum der ansonsten seltenen Conodonten-Gattung Caenodontus. Dieses ist aus anderen Gebieten unbekannt und stellt eine zusätzliche, neue Conodonten-Biofazies in einem eutrophen Becken dar. Die ökologische Komplexität der Beckenfazies wird durch völlig verschiedene Ammonoideen-Blüten in drei sukzessiven Leithorizonten (Procymaclymenia pudica-, Sporadoceras orbiculare-, Protoxyclymenia wendti-Bank) zwischen Oberem Annulata-Event und Dasberg-Krisen-Intervall angezeigt. Außerdem sind am Mrakib zwei zusätzliche anoxische (Pyrit-reiche) „Schwarzschiefer“-Lagen eingeschaltet.
    Auf der zentralen südlichen Tafilalt-Plattform ist lediglich der Untere Annulata-Event in einer flachen, hochenergetischen, eutrophen Kalkfazies über einer Schichtlücke entwickelt. Die Dasberg-Krise steht ebenfalls über einem Hiatus in vergleichbarer, kalkiger Fazies (Endosiphonites-Kalk bei Oum el Jerane) oder in dunklen, pyritischen, Corg-reichen und stark Fossil-führenden Tonsteinen (Jebel Ouaoufilal) an. Im Gebiet der nördlichen Tafilalt-Plattform fehlen die Annulata-Schichten, vermutlich in einer Schichtlücke. Der marokkanische Dasberg-Event ist dort als mächtiger, relativ Makrofossil-armer, hypoxischer Tonstein ausgebildet.
    Im Tafilalt-Becken sind die Annulata-Events in einer mergeligen, Platyclymenien-reichen und Benthos-führenden Fazies entwickelt. Während die Bivalve Loxopteria häufig angetroffen werden kann, fehlen Guerichien. Die lokale Event-Fazies war dysaerob, aber nicht ex- oder anaerob. Übereinstimmungen bestehen zu den Annulata-Events des Rheris-Beckens. Der regionale Dasberg-Event liegt als eutropher Endosiphonites-Tonstein vor und ähnelt insgesamt dem des Maider.
    In Verbindung mit den Annulata-Events besteht ein gradueller Verlust von sieben teils bedeutenden Conodonten-Arten/Unterarten im hohen Abschnitt der Ps. granulosus-Zone: Pa. perlobata grossi (zweite feste Kalklage unterhalb des Unteren Annulata-Schwarzschiefers), Sc. velifer velifer (Unterer Annulata-Event), Pa. rugosa trachytera und Pa. glabra lepta später Morphotyp (untere Lage des Annulata-Zwischenkalks), Pa. minuta minuta (obere Lage des Annulata-Zwischenkalks) sowie Po. duolingshanensis und Po. padovanii (Wagnerbank-Äquivalent). Dieses untergeordnete Aussterben beruht vermutlich auf der stärkeren Anoxie des Oberen Annulata-Events. Der Ammonoideen-Wechsel zwischen UD III und IV verlief weitaus dramatischer (lokal auf Artebene bis zu 100 %). Faunen-arme Schichten im Liegenden des Unteren Annulata-Events dokumentieren aber ein graduelles Aussterben noch vor Beginn der Schwarzschiefer-Sedimentation. Die Annulata-Events erlauben die bereits bekannte, plötzliche Ammonoideen-Radiation im basalen UD IV, sowohl bei Goniatiten als auch bei Clymenien.
    Auch die Dasberg-Krise hatte keine signifikante Auswirkung auf die Conodonten-Population. Der drastische Einschnitt bei den Ammonoideen führte zu einem Ersatz der globalen Prionoceras-Platyclymenia-Fauna durch den ersten Faunen-Komplex der Clymenia-Gonioclymenia-Stufe (UD V-A1). Jüngste Prionoceras aus der Endosiphonites-Zone deuten an, dass auch dieser Übergang gradueller war als früher angenommen.
    In Südost-Marokko erscheint der Faunenwechsel durch die Schichtlücke am Top des UD IV drastischer als in europäischen Profilen, wo die Schichten im Liegenden des Dasberg-Krisen-Intervalls (ähnlich zum Unteren Annulata-Event) Makrofauna-arm sind. Neue Daten bekräftigen die deutliche Clymenien- und Goniatiten-Radiation im UD V-A1.
    Diese Unterschiede zwischen Conodonten und Ammonoideen zeigen, dass beide Gruppen in den identischen Außenschelf-Regionen ökologisch unabhängig waren und ihre Evolution nicht gekoppelt verlief.
    Die neuen Daten stehen im Einklang mit dem bisherigen Modell zur Schwarzschiefer-Genese, das BECKER (1992) und BECKER et al. (2004) für die Annulata-Events vorschlugen. Vermutlich klimatisch gesteuerte Eutrophisierungsphasen unterschiedlicher Intensität führten während transgressiver Intervalle in verschiedenen Regionen zu diskreter bzw. wiederholt zu gesteigerter Primärproduktion noch unbekannter Planktongruppen. Als Folge kam es zu regional unterschiedlichen Blüten opportunistischer, an eutrophe Bedingungen angepasster Mollusken (bestimmte Ammonoideen und/oder Bivalven), zu lokal variabler Sauerstoff-Armut und zur Bildung dunkler, Corg-reicher Schiefer und Karbonate (je nach bathymetrischer Position). Anzeichen für eine überwiegend terrigene Steuerung der Annulata-Events bzw. der Dasberg-Krise fehlen.
    Ein tieferes Verständnis der Event/Krisen-Prozesse im Famennium sollte künftig durch Detailuntersuchungen in anderen Regionen sowie durch gezielte geochemische und palynologische Untersuchungen erreicht werden.

  • Diplomarbeit

    HARTENFELS, S. (2003): Karbonatmikrofazies und Conodontenbiofazies ausgewählter Profile im Oberdevon und Unterkarbon des Frankenwaldes und des Bayerischen Vogtlandes – Geuser, Kirchgattendorf, Köstenhof (NE-Bayern, Deutschland). – Unpublizierte Diplomarbeit, Universität zu Köln, 175 S.

    Im Saxothuringikum des Thühringisch-Fränkischen Grundgebirges wurde ein druchgehend tiefmarin geprägtes Sedimentationsbild, in Form der überwiegend mitteldevonischen Schwärzschiefer-Abfolge, im Frasnium durch einen intensiven, basischen, submarinen Vulkanismus unterbrochen. Innerhalb kürzester Zeit wurden Diabase, Tuffe und Tuffite, mit einer Gesamtmächtigkeit von bis zu 500 m, abgelagert. Diese führten durch die Ausbildung von meist kleinräumigen Schwellen und Becken zu einer sehr differenzierten und charakteristischen Faziesausbildung.
    Während im Westfrankenwald ruhig und kontinuierlich sedimentierte Kieselschiefer, Tonschiefer, Kalkknollenschiefer sowie makrofossilarme Flaserkalke den Fortbestand tiefmariner Verhältnisse über das gesamt Oberdevon dokumentieren, finden sich im Osten, an der Peripherie des heutigen Bergaer Sattels und im Vogtland, verstärkt Korallen-Brachiopoden-Assoziationen sowie vereinzelt Korallenkalke. Diese sich auf den Schwellen bildenden flachmarinen Faunenvergesellschaftungen erloschen bereits im Umfeld des Kellwasser-Events und gravierende Schwankungen des Meeresspiegels führten an der Frasnium/Famennium-Grenze zur partiellen Emersion dieser Gebiete. Erst die nachfolgenden sehr fossilreichen Cephalopodenkalke sprechen für eine sukzessiv verlaufende Rückkehr zu hemipelagischen Sedimentationsverhältnissen im Laufe des unteren Famennium. Diesen Karbonaten, deren Sedimentationsgeschichte sich bis in das ausgehende Oberdevon verfolgen lässt, lagern im Hangenden autochthon Kalkknollenschiefer und Tonschiefer des Tournaisium auf.
    Einhergehend mit detaillierten Untersuchungen sind drei klassische Profile (Geuser, Kirchgattendorf und Köstenhof = Schübelhammer) des Zeitbereichs hohes Oberdevon bis tieferes Unterkarbon miteinander verglichen und Fragestellungen bezüglich mikrofazieller sowie faunistischer Gesichtspunkte erörtert worden. Der sedimentäre Übergang an der Devon/Karbon-Grenze kann sowohl ohne biostratigraphisch dokumentierte Schichtlücke (Profil Kirchgattendorf) als auch mit zeitlichem Hiatus (Profil Küstenhof) ausgebildet sein. Die Instabilität des vulkanisch induzierten Reliefs sowie das von Süden heranrückende variszischen Orogen führten seit dem frühen Viséum zu einer mehrphasigen Zerlegung und Verfrachtung dieser oberdevonischen Sedimente als Olistholithe innerhalb der "Bayerischen" Flyschserien des Unterkarbons.
    Unter Berücksichtigung der Nomenklatur von DUNHAM (1962) konnten sieben modifizierte Mikrofaziestypen definiert werden. Sie schufen die Grundlage für eine Einordnung in eine verfeinerte Fazieszonierung für Tiefwasserkarbonate. Entgegen einer primär sehr homogen erscheinenden Faziesausbildung zeigt der bearbeitete hemipelagische bis neritische Akkumulationsraum eine auffällige Strukturierung, die sowohl auf der möglichen Führung lithoklastischer Komponenten als auch auf faunistischen Verteilungskriterien beruht. Bei den zuletzt genannten lag ein Schwerpunkt auf dem qualitativen und quantitativen Auftreten von benthischen sowie nektischen Organismen. Basierend auf einer hochauflösenden Conodonten-Stratigraphie wurden paläoökologische Aussagen von Conodonten mit den gewonnenen Erkenntnissen aus der Karbonatmikrofazies abgeglichen, um somit ein einheitliches Bild für diesen Sedimentationsraum rekonstruieren zu können. Die Conodonten-biofaziellen Daten der Profile erwiesen sich weitgehend als bestens kompatibel mit den mikrofaziellen Ergebnissen, so dass die Fixierung von Meeresspiegelschwankungen und überregionalen Events (z. B. Annulata-Events) ermöglicht wurde.

  • Diplomkartierung

    HARTENFELS, S. (2001): Erläuterungen zur geologischen Neukartierung des Gosau-Beckens von Gams – Abschnitt Gamsfort-Hinterwildalpen (Steiermark, Österreich). – Unpublizierte Diplomkartierung, Universität zu Köln, 100 S.

    Mit etwa 25 km² Ausstrich stellt das in der nördlichen Steiermark gelegene Gosau-Becken von Gams eines der größeren Vorkommen von Gesteinen des Gosau-Typs innerhalb der Nördlichen Kalkalpen dar. Während der westliche Abschnitt von flach- bis randmarinen Bildungen der "Unteren Gosau" (Actaeonellen-Sandsteine, Rudistenkalke, Konglomerate) des Zeitbereichs Coniacium bis unteres Campanium dominiert wird, überwiegt im östlichen Bereich die zunehmend tiefer marine "Obere Gosau" (siliziklastisch beeinflusste Kalke und Mergel, Brekzien, Olisthostrome) des oberen Campanium bis Untereozän. Der Untergrund besteht aus stark gegliederten Schichtenfolgen von Untertrias (Werfener Schichten, Skythium) bis Oberjura (Plassenkalk, Tithonium).
    Zur Erfassung der vorherrschenden geologischen Gegebenheiten wurde das Areal in vier gleichgroße Abschnitte unterteilt und in einer zweimonatigen Geländeaufnahme von Sven HARTENFELS (SE-Teil), Claudia NOWESKI (SW-Teil), Alexandra RICHTER (NW-Teil) sowie Alexander ROHDE (NE-Teil) bearbeitet. Basierend auf der litho- und biostratigraphischen Aufnahme von KOLLMANN (1964) sollte der Schwerpunkt der Neukartierung auf die Entwicklung des mikrofaziellen Inventars im Bereich der oberkretazisch-paläogenen Schichtenfolge gelegt werden.
    Detaillierte karbonatsedimentologische und mikrofazielle Untersuchungen im Dünnschliff führten dazu, dass im Bereich der gosauischen Schichtenfolge lithostratigraphische Ausgliederungen gegenüber der von KOLLMANN postulierten Abfolge vorgenommen werden konnten.