In die Gemäldegalerie Alte Meister ist der frühere Glanz zurückgekehrt.
Besucher aus aller Welt können ein Jahr nach der Flut wieder die berühmten
Gemälde von Raffael bis Rembrandt in der Gemäldegalerie Alte Meister
bestaunen. Bereits seit Pfingsten dieses Jahres sind alle Ausstellungsräume
wieder zugänglich, nachdem schon am 9. November 2002 die Galerie, wenn auch
provisorisch, ihre Pforten öffnete. Wo vor fast einem Jahr das Wasser der
Weißeritz bis 1,70 Meter hoch stand, ist jetzt das Foyer der Galerie mit
Information, Kasse und Buchstand wieder eingerichtet. Die aufwändigen
Sanierungsarbeiten an den Gebäuden wurden durch den Freistaat Sachsen und
den Bund finanziert und in kürzester Zeit umgesetzt, sodass die Galerie ein
Jahr nach der Flut in gewohnter Schönheit die Besucher wieder willkommen
heißen kann.
Am 13. August 2002 retteten Mitarbeiter der Staatlichen Kunstsammlungen
Dresden, unterstützt von Kollegen aus den zuständigen Ministerien und
freiwilligen Helfern, in nur sieben Stunden aus den tief unter der Erde
gelegenen Depots insgesamt 2690 Gemälde und 255 wertvolle Rahmen. Weitere
700 Gemälde wurden im Albertinum aus dem Depot der Galerie Neue Meister
evakuiert. Zu spät kam jede Hilfe für 321 Rahmen, die in den Fluten
zurückgelassen wurden und durch das Wasser zum Teil schwerst beschädigt
wurden. Nicht geborgen werden konnten fünf großformatige italienische
Gemälde. Der Ausfall der Elektrizität machte die Nutzung des Lastenaufzuges
unmöglich. Wegen ihrer Größe konnten diese großformatigen Bilder nicht
herausgetragen werden und wurden durch die Mitarbeiter der Gemäldegalerie
flach unter der Decke befestigt. Glücklicherweise gelang es, das Wasser
immer so weit abzupumpen, sodass auch diese Bilder gerettet werden konnten
und nur unter der hohen Luftfeuchtigkeit gelitten haben. Beschädigt wurden
einige Bilder, die auf großen Trommeln aufgerollt waren, und ebenfalls nicht
mehr geborgen werden konnten. Weil diese Trommeln teilweise das Wasser
berührten, müssen die dort aufgerollten Gemälde jetzt aufwändig restauriert
werden. Die Restaurierungsarbeiten dauern noch an, die Realisierung ist
durch Spenden gesichert. Zahlreiche private Spender unterstützten die
Galerie nach der Flut, meist mit kleinen Summen.
Da eine Rückkehr in das ehemalige Tiefdepot der Galerie Alte Meister nicht
zu verantworten war, sind die meisten der geretteten Gemälde in ein
Interimsdepot in einem ehemaligen Gebäude der Landesbibliothek gebracht
worden, wo sie bis zur Fertigstellung eines neuen hochwassersicheren Depots
bleiben werden. Die Finanzierung eines Depotneubaus ist durch den Freistaat
Sachsen nach finanziellen Zusagen des Bundes gesichert. Hinzukommen
3,4 Millionen Euro, die bei einer von Helge Achenbach organisierten
Versteigerung in Berlin erlöst wurden, in der 45 gestiftete Kunstwerke,
darunter ein wichtiges Werk Gerhard Richters, zugunsten des Depotneubaus am
30. November 2002 unter den Hammer kamen.
Zurzeit laufen intensive Planungen, an welchem Ort das Depot errichtet
werden soll. Von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wird der Innenhof
des Albertinum bevorzugt, da hier ohne größere Wege Kunstwerke hin- und
hertransportiert werden können und keine weiteren Personalkosten entstehen.
Da Ende des Jahres das Grüne Gewölbe aus dem Albertinum auszieht und am 25.
September 2004 im Dresdner Schloss wiedereröffnet, braucht es einen neuen
Impuls für das traditionsreiche Museumsgebäude. Ein moderner Neubau im Hof
des Albertinum könnte architektonisch einen attraktiven Akzent setzen, wie
es in Paris mit der gläsernen Pyramide gelungen ist. Die Umsetzung des neuen
zentralen Depots ist für die Kunstsammlungen besonders wichtig, da für die
Galerie Neue Meister und die Skulpturensammlung noch keine befriedigende
Lösung gefunden worden ist. In der Antikenhalle des Albertinum sind noch
immer die während der Flut evakuierten Abgüsse in dichter Aufstellung zu
bewundern. Einige Ausstellungsräume der Galerie Neue Meister dienen
weiterhin als Notdepot und sind noch nicht wieder der Öffentlichkeit
zugänglich.