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Ein Beitrag von Karl Böhler

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Räumlichkeiten

Für die idealen Räumlichkeiten gehen die Empfehlungen auseinander; das Spektrum reicht vom Tieffrieren der Scheiben (angeblich in England Mode) bis zum vollkommenen laissez-faire. Vermutlich ist nicht schlecht beraten, wer die Disks wie die Fonoteca Nazionale Svizzera in Lugano sinngemäss genauso behandelt, als ob es sich um 33er-LPs handelte. Darum leicht modifiziert dieselben Angaben wie für Schallplatten:

1. Temperatur und Luftfeuchtigkeit möglichst konstant halten. Ideal wären 19° C und 40 % LF. Die thermische Energie ist verantwortlich für physikalische und chemische Veränderungen bei den Molekülen (Oxidationen, Viskositätsänderungen). Wasser resp. Wasserdampf kann als Lösungsmittel wirken und die Trägermaterialien hydrolytisch oder katalytisch zersetzen.
2. Reine Luft. Gasförmige Bestandteile der Luft können auch Plastikmaterialien durchdringen.
3. Unter Lichtabschluss aufbewahren. Plastiks und Harze verspröden speziell bei UV-Lichteinfall (Sonne, Neonröhren).
4. Möglichst staubfreie Umgebung. Staub setzt sich schleichend in dünnen Schichten an, statisch und hydrophil.
5. Schonende und inerte Aufbewahrungsmaterialien verwenden. Am besten alle CDs in der originalen Box aufbewahren. Andere Verpackungen abklären, insbesondere bunte oder superplatzsparende Boxen (können Weichmacher enthalten!)
6. Periodische Kontrollen. In jährlichen Abständen sollten Stichproben auf den physischen Zustand der Platten erhoben werden. Beim leisesten Zweifel (z.B. Okularkontrolle der Oberfläche auf Wellungen) sofort eine Sicherheitsüberspielung auf DAT/DDS vornehmen oder CD kopieren (lassen). Grundsatz: Wenn eine Platte zerfällt, sofort die benachbarten Platten auch kontrollieren. Möglicherweise liegt der Grund der Degradierung nicht generell an den Archivbedingungen, sondern an lokalen Besonderheiten (z.B. Hitzequelle) oder mangelhafter Produktion.

 

Handling

1. Abrupte Temperatursprünge zwischen Archiv und Abspielort sollten möglichst vermieden werden, weil dies die chemische und physikalische Degradation fördert. Ausserdem verfälscht Kondensationsbeschlag die Lesbarkeit und “benetzt” das Innere des Players.
2. Platte herausnehmen: Disk diametral am Rand fassen, mit Zeigefinger leicht das Zentrum berühren, an den Rändern sanft abheben. Disk mit den Fingern am Rand waagrecht in die Schublade des CD-Players oder den CD-Caddy legen.
3. Platte versorgen: Dasselbe wie oben, sinngemäss in umgekehrter Reihenfolge. Die Labelseite sollte stets nach oben zeigen.
4. Reinigungstücher sollen angeblich keinen Schaden anrichten. Keinesfalls Alkohol, Sprit oder sonstige Chemikalien verwenden. Es sind auch CD-Reinigungsmaschinen im Handel.
5. Es gibt spezielle CD-Reparatur-Sets. Diese sind nützlich bei kleinen Beschädigungen der Schutzschicht. Gebrauchsanweisung beachten, das Prozedere ist ziemlich brutal.

 

Spezielle Tips

Leider sind noch zu wenig Jahre verflossen, als dass empirisch verbindliche Ratschläge für die Langzeitarchivierung gegeben werden könnten. Am besten wird man vermutlich die Erfahrungen für magnetische Medien sinnvoll anwenden dürfen (konventionelle CD sind magnetunempfindlich). Nachfolgend jedoch einige Tips, die man allgemein in Büchern zu CDs und LaserDisks findet.

1. Kleben Sie keine Etiketten auf die Disks. Auch wenn die Disk durch den Laser von unten gelesen wird, kann dies zu Leseproblemen führen. Die Etikette bewirkt eine Unwucht der Scheibe, sie beginnt zu eiern. Dadurch kann der Laserstrahl abgelenkt werden und Abstürze bewirken - abgesehen von der erhöhten mechanischen Beanspruchung des CD-Players.
2. Beschreiben Sie nie eine Disk mit wasserfestem Stift - ausser ganz im Zentrum, wo sich keine Informationen befinden (d.h. wo es weder silbern noch golden glänzt). Die Schutz- und Lackschicht ist oft kaum mehr als 3/100 mm dick. Die aggressive Filzerflüssigkeit kann sich durch die Schutzschicht durchfressen und die Datenträgerschicht zersetzen. Eine Ausnahme bilden die CD-R, deren ganze Oberfläche mit einer speziell dicken Deckschicht versehen wird. Allerdings: Nur Filzstift, keinesfalls Bleistift oder Kugelschreiber.
3. Oberfläche nicht zerkratzen. Der Strahl des Lasers toleriert leichte Kratzer. Tiefere Kratzer lenken den Strahl ab; das dadurch diffus reflektierte Lichtbündel kann nicht mehr oder nurmehr verfälscht interpretiert werden, was im schlimmsten Fall zur Unlesbarkeit der Disk führt. Diese deshalb nach Gebrauch immer in die Box versorgen, sofern nicht bereits im Caddy eingeschlossen.
4. Disk sauber halten. Schmutz kann, wie Kratzer, das Licht streuen oder übermässig dämpfen.
5. Disks nie direktem Sonnenlicht aussetzen. Die Plastikschichten sind zwar nicht besonders empfindlich (ausser gegenüber direkter UV-Strahlung), hingegen fördert Wärme die Oxidationsfreudigkeit der Silber- resp. Goldschicht. Dies gilt ganz speziell für CD-Rs.
6. Disks sind hitzeempfindlich. Bei starker Erwärmung können sie sich verziehen. Deshalb nie an exponierten Orten lagern, z.B. auch nicht im Auto auf der Frontablage.
7. Nie offensichtlich mechanisch beschädigte oder verzogene Disks einlegen. Nicht nur sind sie garantiert unlesbar, sondern sie beschädigen mit Sicherheit die eng kalibrierte Mechanik des CD-Players.
8. Silberseite (Goldseite) nie berühren. Auch Fingerabdrücke können den Laserstrahl ablenken.

 

Quelle:
Böhler, Karl: Non-books-Medein in Bibliotheken und Archiven. Schriftenreihe der ETH-Bibliothek. B Bibliothekswesen, Band 1, ETH Zürich 1999, ISSN: 1423-6966, S. 83ff.
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