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Formatkonversion:
Übertragung von Informationen auf andere Trägermaterialien (Mikroformen)
Ein Beitrag von Reinhard Feldmann, Münster

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Ein Großteil der Bibliotheks- und Archivbestände ist vom baldigen Zerfall bedroht. Diese Tatsache ist den Experten seit Jahrzehnten bekannt. Dies gilt insbesondere für Werke, die nach 1850 auf industriell gefertigten Papieren gedruckt wurden. Aber auch Handschriften, Inkunabeln, alte Drucke, Karten, Graphiken und Sondersammlungen weisen häufig durch falsche Lagerung und / oder starke bzw. unvorsichtige Benutzung Schäden an Papier und Einbänden auf, die den Erhalt des Kulturgutes gefährden und sichernde Maßnahmen erforderlich machen. Resignation ob der gefährdeten Massen ist jedoch fehl am Platz, denn beim derzeitigen Stand der Restaurierungstechnik bieten sich durchaus zahlreiche Möglichkeiten an, dem Zerfall zu begegnen. Grundsätzlich gibt es drei alternative Methoden:

1. Die Originalerhaltung durch Massenentsäuerung bzw. Massenneutralisierung. Die Verfahren, ihre Wirkungen und Nebenwirkungen wurden häufig untersucht und ausführlich beschrieben. [vgl. Helmut Bansa: Massenneutralisierung von Bibliotheks- und Archivgut]
2. Die Vollrestaurierung der Objekte.Dies kann durch manuelles Spalten geschehen. Außerdem kann das von der Deutschen Bücherei entwickelte und vom Zentrum für Bucherhaltung angebotene und auf hohem Niveau (und ebenso hohem Kostenniveau) stehende mechanische Papierspaltverfahren angewandt werden.
3. Die Übertragung der Textinformation auf alternative Datenträger (Mikroformen und Digitalisierung).

Grundsätzlich sollte natürlich der Prävention hinsichtlich der Herstellung der Datenträger (im folgenden Bücher genannt) durch Autoren, und Verleger (Verwendung von alterungsbeständigem Papier), ihrer Aufbewahrung in den Bibliotheken (Klima) und der Handhabung durch Bibliothekare und Endnutzer oberste Priorität eingeräumt werden - die entsprechenden Normen und Gesetze liegen vor.

Ebenso genießt die Originalerhaltung älterer, wertvoller und schützenswerter Literaturbestände absoluten Vorrang vor jeglicher Konversion, geht es doch beim Buch in der Regel um mehr als rein textuelle Informationen, so dass auch den non-textuellen Informationen in vielen Fällen ein eigener Wert zugebilligt werden muss ("intrinsic value" / "Intrinsischen Wert"). Nur wenn eine Originalerhaltung nicht möglich ist oder sich aus Praktikabilitätsgründen verbietet, können Sekundärformen an die Stelle des Originals treten. Bei diesen Sekundärformen ist ebenso wie beim Buch auf eine hinreichende Alterungsbeständigkeit der Materialien zu achten. Die hierfür maßgeblichen Normen liegen in der Norm DIN 15556 ("Lagern und Verarbeiten von Sicherheitsfilm - Empfohlene Klimabedingungen") und der Norm DIN 19051ff, welche die technischen Vorgaben regeln, seit vielen Jahren vor. Dazu kommt die besonders wichtige Norm DIN 19069 ("Bestimmen des Restgehalts an Thiosulfat und anderen Chemikalien in verarbeiteten photographischen Filmen, Platten und Papieren").
 

Auswahl der Objekte

Bei welchen Objekten stellt die Verfilmung überhaupt eine sinnvolle Alternative zur Vollrestaurierung dar? Bei der Auswahl der zu verfilmenden Bücher müssen als Kriterien der physische Zustand des Objektes und sein Gefährdungsgrad, die Benutzungsfrequenz, der Seltenheitsgrad, der ästhetische und finanzielle Wert des Objektes sowie seine kulturelle Bedeutung berücksichtigt werden.

Prinzipiell muss festgehalten werden, dass bei jedem Objekt, welches verfilmt werden soll, geklärt werden muss, ob eine Restaurierung oder Entsäuerung vorgenommen werden sollte, ob konservatorische Maßnahmen ausreichen und ob die Aufbewahrungsbedingungen dem Buch und seinem eventuellen Schadensbild entsprechend angepasst sind. Dies bedeutet eine enge Zusammenarbeit zwischen Bibliothekar und Restaurator. Eine Verfilmung kann somit nicht generell als Alternative zur Restaurierung angesehen werden, unter Umständen kann sie diese nicht einmal sinnvoll ergänzen, da auch die Verfilmung eine nicht unbeträchtliche Belastung für das Original darstellt.

Wie die Verfilmung schonend durchgeführt werden kann, wird in einem Beitrag von Barbara Keimer: Bestandsschonende Verfilmung (in Bearbeitung) dargestellt. Er sollte Grundlage jeder Verfilmung sein und auch dem Dienstleister als Teil des Auftrages ausgehändigt werden.

Alle Maßnahmen von Konservierung (mit Ausnahme der Präventivmaßnahmen, die immer beachtet werden müssen) sind somit als Komplementärmaßnahmen zu betrachten. Keine der Maßnahmen allein kann für einen ausreichenden Schutz aller Bücher und Sammlungen stehen. Wir müssen unsere Entscheidung unter Abwägung von Kosten und Nutzen, Risiken und Nebenwirkungen für eine der möglichen Alternativen treffen.

Bei der Entscheidung für Mikroformen gingen die meisten Bibliothekare von den Empfehlungen der Kultusministerkonferenz vom 8.10.1993 aus, welche sich wiederum auf zahlreiche Erhebungen und Vorarbeiten von bibliothekarischer und archivarischer Seite stützen konnte. Diese viel zitierten (und selten ernst genommenen) Empfehlungen sahen vor, 1) die Schutzverfilmung zu empfehlen und 2) die Bundesländer aufzufordern, zweckgebundene Mittel hierfür in Höhe von 1 % des Erwerbungsetats bereitzustellen [1]. Diese 1% des Erwerbungsetats sollten zusätzlich bereitgestellt werden und beziehen sich auf den Gesamterwerbungsetat des Landes (incl. neuer Hochschulbibliotheken und unter Einschluss der Instituts- und Seminarbibliotheken).

Da es (entgegen von Beteuerungen in Sonntagsreden) keine zwischen Bund und Ländern abgestimmte Gesamtkonzeption gibt, gingen die meisten Bundesländer bei der Vorgehensweise für bestandserhaltende Verfilmungsmaßnahmen von der stillschweigenden oder ausgesprochenen Vorgabe aus, daß sich die Aktivitäten "in erster Linie auf landesspezifische Literatur konzentrieren" sollten, gleichzeitig aber auch der "Nachweis der Verfilmungen in überregionalen Katalogen" geführt werden sollte (so der Erlaß des Wissenschaftsministeriums NRW). Ähnlich wird dies in auch in anderen Bundesländern gesehen. Die beiden ausgereiftesten Bestandserhaltungskonzepten liegen für Bayern [2] und Sachsen [3] vor. Idealtypischerweise sei die Vorgehensweise des Landes Nordrhein-Westfalen beschrieben:

Aufgrund der Vorgaben des Ministeriums (welche sich wiederum aus bibliothekarischen Vorarbeiten ableiten lassen) wurde zunächst beschlossen, für die Erhaltung der vom Papierzerfall bedrohten Bibliotheksbestände realistische und empirisch abgesicherte Daten zu erheben. Diese "Erhebung der vom Papierzerfall bedrohten Bibliotheksbestände" genannten Untersuchung wurde in ähnlicher Form in fast allen Bundesländern und in den übrigen Kulturnationen (besondere Beachtung verdient hier das durchdachte und konzentrierte Vorgehen der Niederlande in dem Projekt "Metamorfoze" [4]) durchgeführt. Neben der allgemein bekannten Tatsache, daß viele Literaturbestände in den Hochschulbibliotheken vom Papierzerfall bedroht waren und sind stand das enorme Defizit in der maschinenlesbaren Erfassung gerade dieser Literaturbestände. Parallel zu den Verfilmungsaktivitäten waren daher Bemühungen zur maschinenlesbaren Erschließung zu ergreifen, die gerade das Zeitsegment 1830/1850 bis 1950 umfassten. Dies ist dankenswerterweise durch das groß angelegte Projekt der Retrokonversion erfolgt. Leider hat dieses zeitlich zunächst auf zwei Jahre begrenzte, dann noch einmal um ein Jahr verlängerte Retrokonversionsprojekt zahlreiche Zentralmittel verschlungen, u.a. auch die dringend und zwar kontinuierlich erforderlichen Mittel für die Verfilmung in den Jahren 2000, 2001 und 2002 (landesweiter Bedarf pro Jahr 500.000.- DM)

In Anbetracht der Menge der eine konservierende Behandlung benötigenden Werke ist eine Vollrestaurierung aller Objekte aufgrund der knappen finanziellen Ressourcen der Unterhaltsträger nicht zu realisieren. Die erhobenen Zahlen haben unmißverständlich auch Zweiflern gezeigt, daß weder klassische Vollrestaurierungen noch die neueren Verfahren der Massenentsäuerung ausreichen, um dem Informationsverlust vorzubeugen, schreitet doch der Papierzerfall schneller fort, als eine konservierende Sicherung der Bestände durchgeführt werden könnte. Besonders ärgerlich ist in diesem Zusammenhang der Umstand zu werten, daß der Umfang des gefährdeten Bestandes täglich dadurch wächst, daß viele Neuerscheinungen immer noch, - trotz des vorhandenen Wissens um die bedingte Haltbarkeit - auf säurehaltigem und nicht alterungsbeständigem Papier gedruckt werden. Dies gilt nicht so sehr für Verlagsproduktionen, die mittlerweile meist die entsprechende Norm (DIN-ISO 9706) erfüllen, als vielmehr für die zahlreichen Kleinverleger und Produzenten "grauer" Literatur und für die Publikationen von Behörden. Die Alternative "Massentsäuerung oder Mikroverfilmung oder kostengünstige sonstige Massenverfahren" muss natürlich ständig geprüft werden und hängt sicherlich nicht zuletzt mit dem Sammelauftrag der Bibliotheken zusammen.

Eine Übertragung der Textinformation auf andere Datenträger scheint daher im Moment zwar nicht die einzige, aber doch die bestmögliche zeitlich und finanziell effektiv durchzuführende Maßnahme zu sein, nur durch sie wird der Schutz des hochrangigen Kulturgutes bei gleichzeitiger Verfügbarkeit der Informationen zu Forschungszwecken gewährleistet:

"Der Interessenkonflikt zwischen Bestandserhaltung und Nutzung ist dadurch aufzulösen, daß man den Nutzungsdruck durch ein Substitut des gefährdeten Originals entschärft, das dem Nutzer die gewünschte Information in möglichst vorlagengetreuer Wiedergabe bietet [5]." Der Satz "in möglichst vorlagengetreuer Wiedergabe" bedeutet aber auch: Höchstmögliche Qualität z.B. bei der Zeitungsverfilmung. Gerade letztere ist in jüngster Zeit durch die emotional geführte Debatte um das Buch von Nicholson Baker in die Kritik der Wissenschaftsjournalisten geraten: Nicholson Baker: Double fold. Libraries and the assault on Paper. - New York: Random House 2001.
 

Auftragsvergabe

Verfilmungsarbeiten in eigenen Werkstätten (wenn die Bibliotheken über solche noch verfügen sollten) werden in der Regel nicht vorgenommen. Statt dessen ist die Auftragsvergabe an einen externen Dienstleister die Regel. Es empfiehlt sich, die Kostenvoranschläge genau durchzurechnen und die jeweiligen Leistungen miteinander zu vergleichen. Dies ist nicht immer ganz leicht, da die realen Kosten oftmals erst genau ermittelt werden müssen, da die Einzelposten und -preise oft unterschiedlich angesetzt werden. Schriftliche "Richtlinien für die Mikroverfilmung" sollten eine Selbstverständlichkeit sein. Sie sind Bestandteil des Geschäftes, welches zwischen Bibliothek und externem Dienstleister abgeschlossen wird. Diese "Richtlinien" sollen Angaben enthalten über:
 
Filmgenerationen
Filmmaterial
Auflösung
Abbildungsmaßstab der Aufnahmen
Bildlage
Optische Dichte
Ausleuchtung
Aufnahmebesonderheiten
Bildzeichen
Informations- und Testtafeln
Abfolge der Test- und Informationsfelder
Organisation der Vorlagenverfilmung
Handhabung und Verpackung
Langfristige Haltbarkeit / Thiosulfatmessung
Qualitätsprotokoll

Musterrichtlinien bieten u.a. die Bayerische Staatsbibliothek München und die Universitäts- und Landesbibliothek Münster an.
 

Aufnahmetechnik

Bei der Verfilmung der Bücher ist eine mechanische Beanspruchung nicht gänzlich zu vermeiden. Mit Hilfe der Buchwippe können Niveauunterschiede zwischen den abzulichtenden Seiten, die sich immer dann ergeben, wenn das Buch nicht genau in der Mitte aufgeschlagen wird, ausgeglichen werden, wodurch bei geringerem Druck trotzdem eine im Falz wenig verzerrte Aufnahme ermöglicht wird. Weitere Unterfütterungen (Schaumstoffmodule) können dem Schutz des Einbandes, insbesondere des Buchrückens, zusätzlich dienlich sein. Voraussetzung für die Verwendung der Buchwippe ist die Möglichkeit, das Buch um 180° öffnen zu können. Dies stellt jedoch, insbesondere bei dem in Fragen kommenden Altbestand, nicht die Regel dar. Mit der Buchschwinge können Objekte, die sich nur um 90° öffnen lassen, schonender abgelichtet werden. Hierbei werden die Seiten einzeln aufgenommen, und Buch oder -was aus konservatorischer Sicht besser ist- Kamerakopf müssen für die jeweils nächste Seite in eine neue Position gebracht werden. Doch sollen die Nachteile des Verfahrens nicht verschwiegen werden: Es ist langwierig und kostenintensiv.

Wichtig ist auch, daß die Mitarbeiter, die mit der Verfilmung betraut werden, nicht nur in die Technik des jeweiligen Aufnahmeverfahrens eingewiesen werden müssen. Sie sollten ebenso im Umgang mit den Objekten geschult werden und auf ihre wichtige Funktion im Zuge der Bestandserhaltung hingewiesen und unter konservatorischen Aspekten ständig kontrolliert werden.

Eine ausführliche Schilderung der technischen Voraussetzungen zur bestandserhaltenden Mikroverfilmung bietet der Aufsatz von Barbara Keimer: Bestandsschonende Verfilmung (in Bearbeitung).
 

Filmmaterial

Zu unterscheiden sind zwei Formen des Mikrofilms, der Rollfilm, in Breiten von 16 oder 35 mm, bei Längen von 30,5 bzw. 65,5 m, und der Mikroplanfilm oder auch Mikrofiche, wobei die gebräuchlichste Größe das Din A 6 Format ist. Das Trägermaterial besteht in der Regel aus Polyester (Polyethylenterephtalat), da dies gegenüber dem früher verwendeten Acetat eine größere Reißfestigkeit aufweist. Somit konnte der Film dünner werden, was eine Vergrößerung der Speicherkapazität pro Spule zur Folge hatte [6]. Das Trägermaterial wird mit lichtempfindlichen Substanzen beschichtet, entweder mit einer Silberhalogenid-Emulsion (Silberfilm für Preservation master und Printing master), oder einer Verbindung aus Diazoniumsalzen (Diazofilm) [7].

Beide Filmarten haben Vor- und Nachteile, und je nach Verwendungszweck, d.h. Archivierung oder Benutzung, ist der eine oder der andere besser geeignet. Der Silberhalogenidfilm ist teurer, länger haltbar und weist eine bessere Halbtonabstufung auf. Er eignet sich daher besonders für die langfristige Lagerung und Archivierung. Die Diazofilme sind nur bedingt haltbar und durch weniger Halbtonabstufungen kontrastreicher. Sie sind jedoch auch preisgünstiger und unempfindlicher gegen mechanische Beanspruchung und Feuchtigkeit, so daß sie vorwiegend als Arbeitskopien dienen sollten [8]. Diese Diazokopien sind die üblicherweise in Lesesälen etc. ausliegenden Werke.

In der Regel (und hier haben sich die quasinormativen Vorgaben der Deutschen Forschungsgemeinschaft sehr bewährt) werden im Zuge der Bestandssicherung drei "Filmgenerationen" hergestellt, wobei die erste, der sogenannte Aufnahmefilm ein Silberhalogenidfilm ist, der sog. "preservation master". Dieser wird unter optimalen Bedingungen gelagert, lediglich mit Handschuhen angefasst und dient nur in absoluten Ausnahmefällen als Kopiervorlage. Das Duplikat dieses Aufnahmefilms ist meist ebenfalls ein Silberhalogenidfilm und dient als Printingmaster der Herstellung der dritten Generation, den Benutzungskopien in Form von Diazofilmen [9]. Es sei auf Farbfilme hingewiesen, die z. B. bei illuminierten Handschriften, Publikationen mit Illustrationen, kolorierter Graphik oder bei Karten eine originalgetreue Wiedergabe ermöglichen.

Was das Format des Filmmaterials angeht, so kommen für unsere Belange hauptsächlich der Rollfilm und der Mikroplanfilm bzw. Mikrofiche in Frage. Letztere erfeuen sich nach Meinung der Bibliothekare bei den Benutzern einer größeren Beliebtheit, da sie angeblich einfacher zu handhaben seien. In vielen Archiven und Bibliotheken ist eine zweistufige Verfilmung üblich geworden, was bedeutet, daß der Rollfilm im nachhinein auf das Ficheformat konvertiert wird. Dieses halte ich nicht für sinnvoll. Der Grund für die Verfilmung mit dem Mikrorollfilm liegt vornehmlich in der bevorzugten Förderung von Projekten, die mit Rollfilmen arbeiten. Die Argumente von Verlagsseite, die dem ausschließlichen Herstellen von Mikrofiches das Wort reden, sollten jedoch gleichfalls gehört werden [10]. Ganz sicher ist, daß vom Rollfilm sehr viel einfacher und kostengünstiger digitalisiert werden kann. Daher auch das Beharren der DFG auf diesem Medium.
 

Haltbarkeit

Lange Zeit stand man den alternativen Datenträgern eher skeptisch gegenüber, da bezüglich ihrer Lebensdauer kaum verläßliche Angaben gemacht werden konnten. Für den Mikrofilm steht jedoch mittlerweile fest, daß er sich zur langfristigen Lagerung ohne größnn [11]. In den USA wurden im Zuge eines umfangreichen Forschungsprojektes zur Sicherung von Archiv- und Bibiliotheksbeständen Untersuchungen mit Mikrofilmmaterial durchgeführt. Aufgrund der Versuchsergebnisse, die durch eine beschleunigte Alterung bei hoher Temperatur und Luftfeuchtigkeit und grossen Schwankungen gewonnen wurden, kann man für Filme mit dem Trägermaterial Polyester und einer Beschichtung aus Silberhalogenid eine Lebensdauer von bis zu 1000 Jahren prognostizieren, vorausgesetzt sie werden bei geringer Luftfeuchtigkeit (30% bis 40% sind hier ideal) und möglichst kühl (10°C ist optimal) gelagert. Filmen mit einem Acetatkern, die nur bis ca. 1970 verwendet wurden, kann immerhin noch eine Haltbarkeit von wenigstens 300 Jahren vorhergesagt werden. Diazo- und Vesikularfilme haben selbst bei Dunkellagerung bei 21°C nur eine Lebensdauer von 100 Jahren. Bei intensiver Benutzung, die mit großem Lichteinfall und Temperaturschwankungen verbunden ist, verringert sich die Haltbarkeit, so daß diese Filme lediglich als Arbeitsexemplare, nicht jedoch als langfristiges Speichermedium dienen können [12].
 

Die Vorteile des Mikrofilms

Ein Vorteil der Mikroverfilmung ist sicherlich die, zumindest verglichen mit der auch propagierten Erstellung von Photokopien oder "preservation reprints" auf säurefreiem Papier, welche sich besonders für Lesesaalbestäne eignet, platzsparende Lagerung. Desweiteren sind die Produkte für den Leihverkehr gut geeignet und können somit die Reise zum Buch ersparen. Von einem Film können beliebig viele Kopien gemacht werden, ohne das Original ein weiteres Mal beanspruchen zu müssen. Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt ist, daß es keine Kompatibilitätsprobleme gibt: Obwohl Aufnahmeverfahren und Filmmaterial technisch ständig verbessert, bleiben die Lesegeräte für Mikrofilme jedweder Generation geeignet. Dies ist, neben dem geringeren finanziellen Aufwand und der Langzeitarchivierungsfähigkeit ein entscheidender Vorteil gegenüber der Digitalisierung von Daten, auf die gleichwohl nicht verzichtet werden sollte: An dieser Stelle sollte schon einmal auf die Möglichkeit, Mikrofilme bei Bedarf einzuscannen und die Informationen im nachhinein zu digitalisieren, hingewiesen werden.

Es gibt derzeit keine sinnvolle Alternative zum Mikrofilm als langlebigem Datenträger. "Ein praktisch arbeitender Bibliothekar kann also zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur sagen, daß tatsächlich der gut gemachte Film bei ebenso guter Lagerung und bei Schaffung sekundärer Nutzungsmöglichkeiten, die sich ja dann der neuesten Technik bedienen können und sollen, heute die beste Garantie dafür ist, historische [...] Informationen in das nächste Jahrtausend zu retten." [13]

Sicherlich kann der Film nicht immer ein vollständiger Ersatz für das Buch sein, zu gering ist noch immer seine Akzeptanz in der Benutzung. Nebenbei bemerkt, teilt er diese geringe Akzeptanz in der Benutzung mit den digitalen Texten, die in der Regel ebenfalls erst über den Umweg eines Papierausdruckes rezipiert werden.
 

Sonderfall Zeitungen

Einen Sonderfall im Bereich der Mikroverfilmung stellen die Zeitungen dar. Zeitungen in Bibliotheken und Archiven gehören zu den kompliziert zu handhabenden Sammlungen, sowohl in Bezug auf Verzeichnung (Vollständigkeit, Splits) wie in Bezug auf Langzeitarchivierung (hoher Platzbedarf, hohe Bindekosten, Holzschliffpapier).

Die Bestandserhaltungsproblematik bei Zeitungen wird in dem Beitrag von Hans Bohrmann (Die Zeitung als Quelle wissenschaftlicher Arbeit) deutlich.
 

Langzeitarchivierung digitalisierter Dokumente

Die Digitalisierung wird die Bestandserhaltungsprobleme nicht lösen, sondern sie verschärfen, sie zumindest komplizieren.

 

 
Anmerkungen
[1] Bibliotheksdienst 28 (1994) S. 479-493; Vgl. auch: Jürgen Heeg 1998, S. 13-17 zum Text
[2] Helga Unger, 1998, S. 87-105; Hermann Leskien 1999, S. 253-263
URL der Bayerischen Staatsbibliothek, Bestandserhaltung:
http://www.bsb-muenchen.de/Informationssicherung-und-Best.296.0.html zum Text
[3] Wolfgang Frühauf 2000.
URL der Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Landesstelle für Bestandserhaltung: http://www.slub-dresden.de/ueber-uns/landesstelle-fuer-bestandserhaltung/ zum Text
[4] Hans Jansen 1999, S. 245-252
Projekt-URL:
http://www.metamorfoze.nl/ zum Text
[5] Vgl.: Weber 1992, S. 91-133, hier S. 94 zum Text
[6] Vgl: DBI-Materialien 135, S. 54 zum Text
[7] Vgl.: Weber 1992, S. 104 zum Text
[8] DBI-Materialien 135, S. 55 zum Text
[9] Vgl.: Weber 1992, S. 53 zum Text
[10] So Fischer: "Solange die Politik der finanziellen Förderung weiterhin auf den Rollfilm fixiert bleibt, wird sich an diesem Verfahren jedoch kaum etwas ändern." (S. 266) zum Text
[11] Vgl.: Weber 1992, S. 117 zum Text
[12] Vgl.: Weber 1992, S. 117-120 zum Text
[13] Vgl.: Weber 1992, S. ........... zum Text

 
 
Literatur
DBI-Materialien 135: Bestandserhaltung in wissenschaftlichen Bibliotheken. Bearb. von Monika Mann. - Berlin: DBI 1994
Deutsche Forschungsgemeinschaft: Merkblatt Erhaltung gefährdeter Bibliotheksbestände. URL: http://www.dfg.de/foerder/formulare/1_45.htm
Deutsche Forschungsgemeinschaft: Merkblatt Verfilmung historisch wertvoller Zeitungsbestände. URL: http://www.dfg.de/foerder/formulare/1_44.htm
Digitalisierung gefährdeten Bibliotheks- oder Archivguts. Abschlußbericht der Arbeitsgruppe "Digitalisierung" des Unterausschusses Bestandserhaltung der Deutschen Forschungsgenmeinschaft (7.10.1996). URL: http://www.landesarchiv-bw.de/sixcms/media.php/120/46628/digitalisierung_gefaehrdeten_archivguts_dfg.pdf
Dörr, Marianne: Langzeitarchivierung digitaler Daten. In: Grenzenlos in die Zukunft. 89. Deutscher Bibliothekartag in Freiburg 1999. - Frankfurt: Klostermann 2000, S. 235-244
Empfehlungen der Kultusministerkonferenz zur Erhaltung der vom Papierzerfall bedrohten Bibliotheksbestände (Beschluß der Kultusministerkonferenz vom 8.10.1993). Bonn: Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister 1993. Abdruck in: Bibliotheksdienst 28 (1994) S. 479-493
Fischer, Harald: Ist der Mikrofilm am Ende? Überlegungen zur Zukunft eines langlebigen Mediums in einer schnellebigen Zeit. In: ABI-Technik 15 (1995) S. 263-268
Frühauf, Wolfgang: Gefährdete Bibliotheksbestände und ihre Erhaltung in Sachsen. Dresden 2000. Darin u.a.: Landesprogramm für die Erhaltung gefährdeter Bibliotheksbestände im Freistaat Sachsen
Heeg, Jürgen: Empfehlungen der Kultusministerkonferenz zur Bestandserhaltung. In: Wettlauf mit der Zeit. Bestandserhaltung in wissenschaftlichen Bibliotheken. - Wiesbaden 1998, S. 13-17
Jansen, Hans: Das niederländische Projekt Metamorfoze. In: Grenzenlos in die Zukunft. 89. Deutscher Bibliothekartag in Freiburg 1999. - Frankfurt: Klostermann 2000, S. 245-252
Kuhn, Frieder: Schöne neue Datenwelt. Vom Nutzen und Schaden sogenannter Archivierungssysteme. In: Bestandserhaltung. Herausforderung und Chancen. Hrsg. von Hartmut Weber. - Stuttgart: Kohlhammer 1997, S. 355-360
Leskien, Hermann: Bestandserhaltung, Archivierung und Aussonderung als Managementaufgabe. In: Grenzenlos in die Zukunft. 89. Deutscher Bibliothekartag in Freiburg 1999. - Frankfurt: Klostermann 2000, S. 253-263
Neue Möglichkeiten und Qualitäten der Zugänglichkeit zu digitalen Konversionsformen gefährdeter Bücher und Archivalien. Bearb. von Gerald Maier.- Stuttgart: Landesarchivdirektion 1999
Pankratz, Manfred: Umfrage bei den nordrhein-westfälischen Archiven(zum verfilmten Bestand an Zeitungen). Unveröffentlichtes Manuskript: 3/2000
Schmidt, Wilhelm Richard: Mikroverfilmung als Bestandssicherung. Erfahrungen an einer Universitätsbibliothek. In: ABI-Technik 15 (1995) S. 401-413
Uhl, Bodo: Die Verfilmung als Mittel der Bestandserhaltung. In: Bestandserhaltung. Herausforderung und Chancen. Hrsg. von Hartmut Weber. - Stuttgart: Kohlhammer 1997, S. 339-354
Unger, Helga: Bestandserhaltungsaktivitäten der Bayerischen Staatsbibliothek. In: Wettlauf mit der Zeit. Bestandserhaltung in wissenschaftlichen Bibliotheken. - Wiesbaden 1998, S. 87-105
Weber, Hartmut: Digitalisierung und Bestandserhaltung. In: Wettlauf mit der Zeit. Bestandserhaltung in wissenschaftlichen Bibliotheken. - Wiesbaden 1998, S. 37-50
Weber, Hartmut: Verfilmen oder Instandsetzen? Schutz- und Ersatzverfilmung im Dienste der Bestandserhaltung, in: Ders. (Hrsg.): Bestandserhaltung in Archiven und Bibliotheken, Stuttgart 1992, S. 91-133

 
Zum Autor:
Reinhard Feldmann
Universitäts- und Landesbibliothek Münster
Zum Artikel:
Dieser Beitrag wurde erstmals als Vortrag "Format Conversion" am 23. März 2000 beim Kongreß "Information und Öffentlichkeit" / 90. Deutscher Bibliothekartag in Leipzig vorgetragen und wird hier in leicht gekürzter und mit Anmerkungen versehener Form wiedergegeben.
Stand: 2001-11-21

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