Wenn man Handbücher über Radier- und Kupferstichtechniken
des 16. bis 19. Jahrhunderts sichtet, findet man Dutzende
von Beschreibungen, um Zeichnungen oder Entwürfe auf
Tiefdruckplatten zu übertragen. Es gibt Techniken direkt
vom Original zur Druckplatte, wobei das Original zerstört
wird oder zumindest dauerhafte Spuren zurückbleiben. Andere
Techniken, bei denen ein Übertragungsmedium lediglich
das Original berührt, sind schonender. Spuren der Übertragungen
oder Übertragungszeichnungen findet man selten.
Es kann daher hilfreich sein, die Rückseite einer Zeichnung
(oder den Abzug selber) zu betrachten. Zuweilen lassen sich
dort Spuren der Durchzeichnung finden wie z.B. auf die
Rückseite aufgetragenes rotes oder schwarzes Kreidepulver.
In diesem Fall wurden die Konturen auf der Vorderseite mit
einem Stift nachgefahren, so dass sich die rote oder
schwarze Kreide von der Rückseite auf die Druckplatte übertrug.
Bei der Erforschung dieses Themas müssen wir uns auf
die wenigen überlieferten Beispiele und auf Beschreibungen
der Techniken stützen. Das praktische Nachvollziehen dieser
Anleitungen kann dem Forscher helfen, die Techniken
selber und ihre Möglichkeiten besser zu verstehen. Es kann
auch zu der Erkenntnis führen, dass sich hinter manchen sogenannten
Originalzeichnungen eigentlich Übertragungszeichnungen
verbergen, die Teil des Entstehungsprozesses
eines Bildes auf der Druckplatte sind.
Für dieses Projekt konnten in schriftlichen Quellen des 17. bis
19. Jahrhunderts 18 verschiedene Übertragungstechniken
nachgewiesen werden. Abgesehen von manuellen Methoden
gab es im selben Zeitraum auch mechanische Techniken
der Übertragung eines Bildes von einer Oberfläche auf
eine andere. Diese sind von Peter Frieß in seinem Buch 'Kunst
und Maschine' (München 1993) ausführlich beschrieben
worden. Nach der Erfindung der Daguerrotypie 1839 wurden
weitere fotografische Verfahren entwickelt. Aus diesen
Prozessen sind die so genannten fotomechanischen Techniken
hervorgegangen, mit deren Hilfe beinah perfekte Druckplatten
von Originalentwurf reproduziert werden können.
Historical Transfer Techniques: from Design to Intaglio Plate
Going through manuals on etching and engraving techniques
from the 16th to the 19th century one finds dozens of descriptions
of the transfer of drawings or designs to intaglio plates.
There are techniques of copying straight from the original to
the printing plate, thereby sacrificing the original or at least
leaving indelible traces. Other techniques are more subtle,
using a medium which merely touches the original. Remnants
of transferral, or transfer drawings are not often found. Sometimes
it is worthwhile to turn a drawing (or copied print) to find
remnants of tracing in the form of red or black crayon powder
rubbed on the verso. In such a case the outlines at the front
are traced with a stylus, with the red or black chalk on the
back offsetting on the surface of the printing plate. For a study
on this subject we have to rely on the few examples left and
on descriptions of the techniques. Reconstructing the descriptions
helps the researcher to better understand their
meaning and possibilities. It may also help to understand that
what are called original drawings are actually transfers used
in the process of creating an image on the plate.
Eighteen different manual transfer techniques are abstracted
for this project from 17th-, 18th- and 19th-century documentary
sources. Apart from the manual methods there have been all
kinds of mechanical processes for transferring an image from
one surface to another in the same period. These have all been
well described by Peter Frieß in his 'Kunst und Maschine'
(Munich 1993). Also, many photographic processes were invented
after the publication of the technique of the Daguerreotype
process in 1839. From these, the so-called photomechanical
techniques were developed by means of which almost
perfect printing plates could be produced from original images.