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Tinten- / Farbfraß

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Tinten- und Farbfraß gehören zu den spektakulären Schadensbildern, welche die Öffentlichkeit so sehr liebt: Das "Vorher" ein Bild des Grauens, das "Nachher" ein wunderschönes, steriles Buch oder Einzelblatt, gerettet durch Technik "made in Germany". Die ganze Diskussion noch einmal kulminierend im "Bachjahr 2000", als es darum ging, die tintenfraßgeschädigten Handschriften Johann Sebastian Bachs zu spalten oder "nur" zu konservieren. Die günstige Gelegenheit, bei all der Bachjahr-Euphorie auch etwas für die Bestandserhaltung der wertvollen und schützenswerten Objekte zu bewirken, war also gegeben. Wir hatten nun einmal ein Bachjahr, es handelt sich bei diesen Handschriften unbestritten um ein Kulturgut ersten Ranges, eine Zukunftstechnologie steht zur Verfügung, hohe Preise auf dem Antiquariatsmarkt für Bachhandschriften (die Ersteigerung einer Kantate vor einigen Jahren kostete 1,3 Millionen DM) garantieren ein zumindest oberflächliches Medienecho.

Doch zunächst zur profanen Wirklichkeit: Tintenfraß ist ein Alltagsproblem (eins unter vielen anderen) in Bibliotheken und Archiven. Tintenfraß bewirkt einen Abbau des Schriftträgers (in der Regel also des Papiers, aber auch des Pergaments), auf den Eisengallustinte, also die "Standardtinte" von der Antike bis hinein ins 20. Jahrhundert, verschrieben worden ist. Tintenfraß entsteht durch zwei Faktoren: Zum einen durch die saure Hydrolyse der Cellulose, welche eine Depolymerisation des Papiers und damit einen Festigkeitsschwund bewirkt. Zum zweiten findet eine durch Eisen-Ionen katalysierte Oxidation der Cellulose statt, die ebenfalls zum Abbau des Papiers führt. Man beobachtet zunächst eine Fluoreszenz und Verbräunung, dann eine dunkelbraune Verfärbung auf der Schriftrückseite und im finalen Stadium dieses Prozesses den Verlust durch ausbrechende Papierteile.
 
 
Giovanna Poggi, Piero Baglioni, Rodorico Giorgi:
Einsatz von Erdalkali-Hydroxiden als Nanopartikel zur Inhibierung des Papierabbaus durch Metall-Gallus-Tinten
[Erschienen in: Restaurator Vol. 32 (2011) - No. 3, S. 247–273]

 
 

Eliza Jacobi, Birgit Reissland, Claire Phan Tan Luu, Bas van Velzen, Frank Ligterink:
Das unsichtbare sichtbar machen. Reduzierung der lösemittel-induzierten Migration bei Rißschließungen tintenfraßgeschädigter Papiere
URL: http://www.iada-online.org/pr0211_t.html#invisible
[Erschienen in: Journal of PaperConservation Vol. 12 (2011) - No. 2, S. 25-34]

 

 

Robert Fuchs, Oliver Hahn, Doris Oltrogge:
Geist und Seele sind verwirret …
Die Tintenfraß-Problematik der Autographen Johann Sebastian Bachs

 
 

Neue Behandlungsmethode bei Tintenfraß:
Calcium-Phytat-Behandlung

Verschiedene internationale Projekte bestätigen, dass die vom Instituut Collectie Nederland (ICN, Amsterdam) entwickelte Calcium-Phytat / Calcium-Bicarbonat-Methode den Tintenfraß effektiv verlangsamt. Auftretende Nebenwirkungen sind minimal. Und doch sind viele Papierrestauratoren noch immer unsicher, ob sie diese Methode tatsächlich in ihrem Restaurierungsalltag anwenden sollen. Fragen wie: Kann man die Behandlungslösungen selbst herstellen? Welche Behandlungsschritte sind nötig? Wie funktioniert der Eisentest? stehen im Raum.

Antworten auf all diese Fragen findet man jetzt in einer reich illustrierten Beschreibung der Calcium-Phytat / Calcium-Bicarbonat- Methode, die auch alle empfohlenen Tests umfasst. Die von Birgit Reissland (ICN, Amsterdam) in Zusammenarbeit mit Karin Scheper (Universitätsbibliothek Leiden / NL) und Sabine Fleischer (Broekens & Fleischer Book and Paper Conservation, Nijmegen / NL) optimierte Methode ist ausführlich auf der Ink Corrosion Website publiziert.
URL: http://www.knaw.nl/ecpa/ink/CaPhytate.html

 
 

Universtitätsbibliothek Marburg:
Der Abschlussbericht des DFG-Projekts "Restaurierung Tintenfraß geschädigter Handschriften des Savigny-Nachlasses. Anwendung der Calciumphytat- Calciumhydrogencarbonat-Behandlung und partieller Stabilisierung in der Praxis" steht auf den Seiten der Universtität Marburg als PDF-Dokument zum Download bereit. Zudem bietet die Seite eine Vielzahl von weiteren Informationen zum Projekt.

 
 

Zum Detail vgl. den Sammelband "Tintenfraßschäden und ihre Behandlung".
Gerhard Banik, Hartmut Weber(Hrsg.):
Tintenfraßschäden und ihre Behandlung. Stuttgart: Kohlhammer 1999 (Werkhefte der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg: Serie A, Landesarchivdirektion; Heft 10) ISBN: 3-17-15377-3; 308 S., Ill.; Preis: DM 52,80
[Rezension durch Reinhard Feldmann]

 
 

Teresa Espejo Arias, Ana López Montes, Ana García Bueno, Adrián Durán Benito & Rosario Blanc García:
Untersuchung der Farbmittel in der Sammlung Arabischer Manuskripte des Klosters Sacromonte in Granada, Spanien – eine neue Methodologie der chemischen Analyse (2008)

 
 

Gerhard Banik:
Konservierungswissenschaft: Die Umsetzung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse aus der Tintenfraß-Forschung in die restauratorische Praxis – findet sie statt? (2009)

 
 

Gudrun Bromm:
Authentizitätsmerkmale bei Handschriften: Analyse relevanter Merkmale vor und nach Nassbehandlungen (2008)

 
 

Ina Faerber:
Kupferfraß auf Papier. Benzotriazol zur Behandlung korrodierter Vergoldungsimitationen in einer osmanischen Handschrift (2007)

 
 

Douglas Goltz et al:
Hyperspectral Imaging im sichtbaren Bereich (420 – 720 nm) zur Untersuchung von Tinten in historischen Dokumenten (2009)

 

Ulrike Hähner, Bernhard Seeger:
IT-gestützte Dokumentation zur Risikoanalyse mit dem Ziel einer nachhaltigen Qualitätssicherung (2009)

 
 

Ulrike Hähner:
Behandlung beschädigter Autographen des 18. und 19. Jahrhunderts: Thematische Einführung zu einem interdisziplinären Forschungsprojekt der DFG (2008)

 
 

Ulrike Hähner:
Zustandsbericht über die Tintenfraßschäden im handschriftlichen Nachlaß des Juristen Friedrich Carl von Savigny, angelegt im Zusammenhang mit dessen Digitalisierung (2006)

 
 

Jozef Hanus et al:
Untersuchung von historischen Handschriften aus Sammlungen der Slowakischen Republik, die mit Eisengallustinten geschrieben sind (2009)

 

Bohuslava Havlínová et al.:
Die Wirkung von Eisengallustinten auf die Alterung von Papier (2007)

 
 

Bohuslava Havlínová und Jozef Hanus et al.:
Die Konservierung historischer Dokumente mit Beschriftungen aus Eisengallustinte mit Antioxidanzien (2007)

 
 

Enke Huhsmann und Ulrike Hähner:
Kurzmitteilung: Der Einsatz des Viskosevlieses Paraprint OL 60 bei der Float Screen Wässerungsmethode zur Behandlung tintenfraßgeschädigter Handschriften (2007)

 
 

Andreas Kiefer:
Ziel nach 1000 Jahren Forschung erreicht. Tintenfraßbehandlung ist reine Routine [Erschienen in: Archivnachrichten 38 / 2009, S. 38]
URL: http://www.landesarchiv-bw.de/sixcms/media.php/120/48714/Archivnachrichten_38_36dpi.28610.pdf#page=38

 
 

Salvador Muñoz-Viñas:
Konservierungswissenschaft: Die Umsetzung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse aus der Tintenfraß-Forschung in die restauratorische Praxis – findet sie statt? (2009)

 

Núria Ferrer & M. Carme Sistach:
Charakterisierung der Komponenten von Tinte in alten Handschriften mit Hilfe von Fourier Transform Infrarot-Spektroskopie (2005)

 
 

Oliver Hahn, Max Wilke, Timo Wolff:
Veränderungen der Tintenzusammensetzung durch wässrige Behandlungen bzw. durch die Calciumphytat-Calciumhydrogencarbonat-Behandlung (2008)

 
 

Ute Henniges, Antje Potthast:
Phytatbehandlung von Eisengallustinten: Untersuchung zur Effektivität bei Modellobjekten und historischen Mustern (2008)

 
 

Enke Huhsmann, Ulrike Hähner:
Ein Arbeitsstandard für eine Behandlung von Tintenfraß an Autographen des 18. und 19. Jahrhunderts mit der Calciumphytat-Calciumhydrogencarbonat-Behandlung (2008)

 
 

Lorena Botti, Orietta Mantovani & Daniele Ruggiero:
Calciumphytat zur Behandlung von Tintenfraß: Wirkungen auf das Papier (2005)

 
 

István Kecskeméti und Mika Seppälä:
Falschfarben-Infrarot-Fotografie (2006)

 
 

István Kecskeméti:
Industrielle Eisengallustinten des 20. Jahrhunderts (2007)

 
 

Jana Kolar, Alenka Možir, Aneta Balažic, Matija Strlič, Gabriele Ceres, Valeria Conte, Valentina Mirruzzo, Ted Steemers, Gerrit de Bruin:
Neue Antioxidantien für die Behandlung von übergangsmetallionenhaltigen Tinten und Pigmentaufstrichen auf Papier 2008

 
 

Valeria Orlandini, Lúcia Elena Thomé, Franciza Lima Toledo, Luiz António Cruz Souza, Florencia Gear, Cecilia Oviedo Bustos, Raúl Elías García Rodriguez, Clara Díaz Guizado:
Erhaltung von Kulturgut auf Papier mit Eisengallustinten in Mittel-, Südamerika und der Karibik 2008

 
 

Véronique Rouchon, Cédric Burgaud, Thi Phuong Nguyen, Myriam Eveno, Laurent Pichon und Joseph Salomon:
Wässrige Behandlungen von Eisengallustinte
Analyse der elementaren Veränderungen durch partikel-induzierte Röntgenemission (2008)

 
 

Jana Kolar & Matija Strulic:
Über das Messen der Wirksamkeit einer Behandlung zum Stabilisieren von tintenfraßbefallenen Dokumenten (2004)
Ein neuer methodischer Ansatz

 
 

Fabienne Meyer, Anke Neumann:
Rekombinante Proteine: Ein neues Material zur chemischen Stabilisierung kupferfraßgeschädigter Papiere? (2009)

 
 

Johan G. Neevel:
Eisen(II)/Eisen(III)-Ionen: Nachweismöglichkeiten mit Bathophenanthrolin. Störeffekte und Interpretation der Resultate in Bezug auf Eisengallustinten (2009)

 
 

Sonja Titus, Regina Schneller, Gerhard Banik, Enke Huhsmann und Ulrike Hähner:
Die Kopierverfahren: Geschichte und Technologie. Teil 1 (2006)

 
 

Doris Oltrogge:
Datenbank mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Rezepte in handschriftlicher Überlieferung
URL: http://db.re.fh-koeln.de/ICSFH/forschung/rezepte.aspx

 
 

Mit der Identifikation verschiedener Tinten befasst sich auch dieser Beitrag:
Ad Stijnman:
Historische Eisengallustinten-Rezepte
Kunsttechnologische Quellenforschung für InkCor (2004)

 
 

Jan Burandt:
An Investigation Toward the Identification of Traditional Drawing Inks (1994), The Book and Paper Group Annual: 13
URL: http://aic.stanford.edu/sg/bpg/annual/v13/

 
 

Und hier noch ein historisches Dokument zur Erforschung der Tintengeschichte:
David N. Carvalho:
Forty Centuries of Ink (1904)
URL: http://www.worldwideschool.org/library/books/tech/printing/fortycenturiesofink/toc.html

 
 

Umfassende Website zu allen Fragen des Tinten-und Farbfraßes, herausgegeben und gepflegt von der European Commission of Preservation and Access:
Website - The iron gall ink corrosion
URL: http://www.knaw.nl/ecpa/ink/

 
 

Besonders empfehlenswert erscheinen diese Beiträge:
Elmer Eusman: Iron gall ink
URL: http://www.knaw.nl/ecpa/ink/ink.html

Gerhard Banik: Ink corrosion
URL: http://www.knaw.nl/ecpa/ink/inkcorrosion.html

Gerrit de Bruin & Ted Steemers: Iron gall ink corrosion in archival collections
URL: http://www.knaw.nl/ecpa/ink/collections_archival.html

 
 

Den Nachweis von Eisenionen im Papier ermöglicht ein neues Testverfahren:
Johan G. Neevel und Birgit Reißland:
Bathophenanthroline-Indikatorpapier (2005)
Entwicklung eines neuen Tests für Eisenionen

 
 

Die Auswirkungen wässriger Behandlungen auf tintefraßgeschädigte Papiere untersucht dieser Beitrag:
Elmar Eusman, Kees Mensch:
Washing and Humidifying Iron Gall Ink on Paper: Effects on Iron Migration (2000, Abstract)
URL: http://aic.stanford.edu/sg/bpg/annual/v19/bp19-09.html

 
 

Einen kurzen, nicht mehr ganz aktuellen Überblick über die Tintenfraßproblematik aus naturwissenschaftlicher Sicht samt bibliographischer Zusammenstellung gibt dieser Beitrag:
Ellen McCrady:
Effect of Metals on Paper: a Literature Review (1996)
URL: http://palimpsest.stanford.edu/byorg/abbey/ap/ap09/ap09-1/ap09-109.html

 
 

Überlegungen und Erfahrungen aus der restauratorischen Praxis stellen die folgenden Beiträge vor:
Christa Hofmann, Leopold Puchinger, Dubravka Jembrih-Simbürger, Manfred Schreiner, Rudolf Eichinger:
Österreichisches Tintenfrass-Projekt (Teil 1) (2004)
Vergleichende Untersuchung von Behandlungsmethoden

Christa Hofmann, Leopold Puchinger, Dubravka Jembrih-Simbürger, Manfred Schreiner, Rudolf Eichinger:
Österreichisches Tintenfrass-Projekt (Teil 2) (2004)
Mikro-Röntgenfluereszenzanalyse und photometrische Bestimmung der Zelluloseabbauprodukte

Enke Huhsmann:
Behandlung tintenfrassgeschädigter Bestände
Auftragsvergabe des Archivs der Hansestadt Lübeck unter Berücksichtigung der wässerigen Phytatbehandlung
URL: http://www.iada-home.org/pr0102_t.html#behandlung%20tintenfra%C2%A7gesch%C5%A0digter%20best%C5%A0nde
[Erschienen in: PapierRestaurierung Vol. 3 (2002) - No.1, S. 35-39]

 
 

Céline Remazeilles, Véronique Rouchon-Quillet & Jacky Bernard:
Der Einfluß von Gumma Arabicum auf Tintenfraß Teil I (2004)
Veränderung von Farbe und mechanischer Festigkeit in Probeblättern

 
 

Ein Vergleich der gegenwärtig am häufigsten verwendeten wässrigen Behandlungsmethoden zur Behandlung tintenfraßgeschädigter Papiere.
Birgit Reißland, Suzan de Groot:
Ink corrosion: comparison of currently used aqueous treatments for paper objects (1999)
URL: http://palimpsest.stanford.edu/iada/ta99_121.pdf

 
 

Julie L. Biggs:
Conserving Iron Gall Ink on Paper Artifacts (Abstract)
URL: http://aic.stanford.edu/sg/bpg/annual/v18/bp18-02.html

 
 

Jana Kolar, Martin Šala, Matija Strlič & Vid Simon Šelih:
Die Stabilisierung von Papier mit Eisengallustinte durch die üblichen wäßrigen Behandlungen (2005)

 
 

Gesa Kolbe:
Gelatine in der historischen Papierherstellung und als Mittel gegen Tintenfraß auf Papier (2004)

 
 

Und schließlich noch ein Ausschnitt aus der Diskussion, die um die Erhaltung und Behandlung der Bach-Autographen entbrannte:
Hartmut Böhrenz:
Probleme bei der Erhaltung der Bach-Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin

 
 

Außerdem einige journalistische Beiträge:
Friedemann Kawohl:
Tintenfraß schluckt Noten. Johann Sebastian Bachs Noten warten auf die Restaurierung
URL: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1998/0401/feuilleton/0063/

 
 

Sonja Titus, Regina Schneller, Enke Huhsmann, Ulrike Hähner, Gerhard Banik:
Stabilisierung lokaler Fehlstellen an Eisengalluskopien des Nachlasses Savigny (2009)

 
 

Season Tse, Heather Hendry, Paul Begin, P. Jane Sirois & Maria Trojan-Bedynski:
Die Wirkung einer Heißwasserbehandlung auf die chemischen und mechanischen Eigenschaften von Papier (2005)

 
 

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