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Massenbehandlung: die Entwicklung weltweit
Ein Beitrag von Dr. Helmut Bansa, München

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Definitionen

Massenbehandlung - wir wollen uns zunächst darauf einigen, was wir darunter verstehen. Im Kontext der Restaurierung von Archiv- und Bibliotheksgut bedeutet dieser Begriff daß eine große Zahl von Objekten, die einer konservatorischen Behandlung bedürfen, dem gleichen Vorgang unterworfen werden und daß dieser Vorgang von einer Maschine ausgeführt wird: die Objekte werden auf der einen Seite in die Maschine gegeben und auf der anderen aus ihr entnommen. Nur drei Funktionen werden vom Menschen wahrgenommen: das Einlegen, das Herausnehmen und die Wartung der Maschine. Im Kontext der Bibliothek ist für einen Vorgang, der als "Massenbehandlung" im engeren Sinne gelten soll, noch wesentlich, daß er an ganzen Büchern vollzogen werden kann, ohne daß diese vorher zerlegt werden müssen. Für das Archiv ist dieser Gesichtspunkt weniger bedeutsam.

Es gibt gute Gründe, eine Massenbehandlung in diesem Sinne auf "normale" Objekte zu beschränken: auf "Massenware"; im Angloamerikanischen gibt es hierfür nicht übersetzbare Worte: "circulating" oder "mainstream objects". Es gibt gute Gründe, Objekte - auch hier wieder einen englischen bzw. einen Begriff aus der schönen Mischsprache "Denglisch" - es gibt gute Gründe, Objekte von intrinsischem Wert nicht einem Vorgang der Massenbehandlung zu unterwerfen: Objekte, die über ihren Wert als Informationsträger hinaus in ihrer und durch ihre überlieferte materielle Form für die Zeit und für die Umstände zeugen, in der sie entstanden sind. Objekte in Archiv und Bibliothek als solche materiellen Zeitzeugen zu sehen, wie ein historischen Bauwerk oder ein altes Möbelstück: dem haftet etwas Mystisches an. Sachlich und auch ästhetisch gibt es keinen vernünftigen Grund dafür, ein gutes, sehr gutes Faksimile einer Zeichnung von Leonardo da Vinci weniger hoch zu schätzen als das Original. Das erste aber ist uns vielleicht einige hundert, das letztere -zig tausend € wert. Das hat etwas mit Reliquienkult zu tun, und dazu sollten wir uns durchaus bekennen. Was für das Mittelalter der Handknochen des heiligen Candidus war, das ist für uns die Originalpartitur von der Hand des Johann Sebastian Bach. Solche Objekte sind immer einzigartig und individuell. Für sie gilt: die beste Behandlung ist keine Behandlung, und wenn eine Behandlung unabdingbar ist, dann muß sie, um den Verlust an Originalität, der mit jeder Behandlung verbunden ist, möglichst klein zu halten, in größtmöglicher Anpassung an die individuellen Gegebenheiten des Objektes geschehen: nichts für eine Maschine, in der alles gleich behandelt wird. Das Stück muß außerdem während der ganzen Behandlung unter den wachsamen Augen eines kundigen Restaurators stehen, so daß er jederzeit eingreifen und die Behandlung unterbrechen kann: nichts für eine Maschine, welche die Objekte den beobachtenden Augen und dem individuellen Zugriff entzieht. Und noch ein weiterer Grund, solche Stücke, die vielfach den Alltag in der Restaurierwerkstatt prägen, von einer Massenbehandlung auszuschließen: in einer Maschine kann es immer wieder einmal zu einer Fehlfunktion kommen. Das betroffene Stück ist, wenn auch nicht gerade verloren, so doch zumindest entstellt. Bei einem oder zwei Stücken von tausend der gleichen Art hinzunehmen, nicht akzeptabel bei Stücken von intrinsischem Wert.

 

Entsäuerung

Alle oder eine sehr große Anzahl von Stücken aus dem Archiv- und Bibliotheksgut einem bestimmten, stets gleichen Vorgang unterwerfen, den eine Maschine ausführt: es gibt nicht viele Maßnahmen der aktiven Konservierung - angemessene Lagerung, regelmäßiges Reinigen u.s.w. ist als passive Konservierung zu verstehen - es gibt nicht viele Maßnahmen der aktiven Konservierung, die so oft und in stets gleicher Weise an so vielen Objekten durchgeführt werden, daß sich dafür die Konstruktion einer Maschine lohnt. Für Archiv- und Bibliotheksgut gibt es nur eine einzige, nämlich das Entsäuern des Papiers.

Warum entsäuern? Ein kurzer, und wie alles Kurze und Klare stark vereinfachender Blick auf die entsprechende Chemie: Papier bzw. sein Hauptbestandteil, Cellulose, ist eine organische Substanz, alle organische Substanz, gebildet unter Energieaufwand aus Kohlendioxid und Wasser, baut sich auch wieder ab, und der Hauptweg dieses Abbaus ist die säurekatalysierte Hydrolyse. Wenn Säure vorhanden ist, dann wird Wasser in die großen und durch ihre Größe mechanische Festigkeit gebenden Makromoleküle der Substanz, in unserem Falle der CeIlulose, chemisch eingebaut. An den Einbaustellen zerbrechen die Makromoleküle in kleinere Teile ohne mechanische Festigkeit. Das ist ein allgemeingültiges Naturgesetz. Papier bzw. Cellulose unterliegt ihm so gut wie jede andere organische Substanz. Je größer die Makromoleküle am Anfang, desto länger die Abbauzeit. Säure, die für den Vorgang nötig ist, kommt auf verschiedenen Wegen in das Papier; einer ist, daß sie durch Oxidation aus Substanzen gebildet wird, die in den Pflanzen, den Lieferanten für Cellulose, zusammen mit dieser vorkommen. Der wichtigste dieser leicht zu Säure oxidierbaren sogenannten "Cellulosebegleitstoffe" ist Lignin. Deshalb: je reiner die Cellulose im Papier, desto weniger oxidativ gebildete Säure, desto langsamer die säurekatalysierte Hydrolyse. Und da beiden Vorgänge, Oxidation und Hydrolyse von Energie befördert werden, gilt eine dritte allgemeingültige Regel: je energieärmer, das heißt je kühler und je dunkler die Lagerung, desto weniger Abbau.

Mittel gegen Säure sind Alkalien und alkalische Puffersubstanzen. In alten Papieren aus der Manufakturzeit sind beide vorhanden: die alkalische Substanz ist Calciumcarbonat aus der Härte des Wasser, das in großen Mengen zum Papiermachen eingesetzt wurde und wird, und auch aus einem bestimmten Vorgang der Faseraufbereitung, dem fälschlich so genannten "Faulen" in Kalkbrühe. Die Puffersubstanz ist Gelatine bzw. tierischer Leim, mit dem das Papier in der Manufakturzeit ausgerüstet wurde, um es beschreib- und bedruckbar zu machen. Altes Papier muß nicht entsäuert werden; wenn es aber im Verlauf anderer Restauriermaßnahmen doch eine Entsäuerung erfährt, ist das kein Schaden.

Mit der Industrialisierung der Papierproduktion verschwanden die alkalische und die Puffersubstanz. Das "Faulen" des Rohstoffes, damals Hadern, in Kalkbrühe wurde teilweise schon im 18.Jh. aufgegeben, und seit Beginn des 19. wurde der tierische Leim durch die Harzleimung ersetzt. Die negative Entwicklung - negativ vom Standpunkt der Konservierung, nicht der Herstellung von Papier - wurde erheblich verstärkt dadurch daß für das Funktionieren der Harzleimung eine saure Substanz, Alaun, notwendig ist. Sie zerstört nicht nur das Calciumcarbonat aus der Härte des Wassers, sondern bleibt in Resten im Papier: eine weitere Quelle für diesen abbaufördernden Faktor. Im ausgehenden 19.Jh. wurde manchmal sogar Schwefelsäure zur Fällung der Harzleimung eingesetzt. Ein weiterer Schritt war die Einführung von Holz als Papierrohstoff; Holz enthält 20-30% leicht oxidierbares Lignin. Für solche Papiere ist die Entsäuerung unabdingbar, und da in den Archiven und Bibliotheken der Welt riesige Massen davon aufbewahrt werden, genutzt als materieller Träger des sprachlichen und z.T. auch des Kulturerbes in Bildform, gibt es keine andere Möglichkeit als Massenentsäuerung, um sie zu erhalten.

Entsäuerung bedeutet, eine alkalische Substanz in das Papier bzw. in die Bücher zu bringen. Die bestgeeignete und nach manchen mißlungenen Versuchen als einzige wirklich wirksam erwiesene entsprechende Substanz ist Erdalkali-, Calcium oder Magnesiumcarbonat, oder auch -oxid, das sich - dies gilt für Magnesium - langsam zum Carbonat umsetzt. Zinkoxid oder -carbonat könnte ebenfalls wirksam sein; von der Diskussion in der Fachliteratur, welche Vorbehalte gegen Magnesiumoxid anmeldet, will ich hier nicht reden [1]. - Um diese Substanzen in ein so dichtes Material wie Papier hineinzubringen, müssen sie in der denkbar kleinsten Form vorliegen, am besten als Ionen, das heißt in einer Lösung. Aber sie sind sehr schwer lösbar. Ein wenig in Wasser und überhaupt nicht in irgendwelchen Lösemitteln. Wasser und Papier: das ist ein heikles Verhältnis. Wasser wird zwar in riesigen Mengen zu seiner Herstellung benötigt; wenn das Papier aber fertig und ganz und gar wenn es beschrieben, bedruckt und zu einem Buch verarbeitet ist, genügen sehr kleine Mengen Wasser um großen Schaden hervorzurufen. Gasförmiges Wasser freilich ist notwendig für Papier und in ihm immer vorhanden, zu ca. 6-7%, abhängig von der Feuchtigkeit der umgebenden Luft.

Wäßriges Entsäuern, was in der Werkstatt für Papierrestaurierung tägliche Routine ist, kommt für ganze Bücher nicht infrage. Die auf ihr beruhenden Massenverfahren sind für die Behandlung von einzelnen Blättern oder von Blattstapeln - Buchblocks ohne Einband - gedacht. Von ihnen wird später die Rede sein.

 

Metallorganische Verbindungen

Die Konservierungschemiker suchten nach einem Ausweg aus dem Dilemma der Unlöslichkeit von Erdalkalicarbonat in anderen Lösemitteln als Wasser, in solchen, mit denen man Bücher gefahrlos in Kontakt bringen und tränken kann, und sie fanden ihn in einer bestimmten Gruppe von Chemikalien, die in solchen Lösemitteln löslich sind und die sich, sobald das Lösemittel verdunstet ist und sie mit Luft oder Wasser in Berührung kommen, zu Erdalkalicarbonat oder -oxid (Magnesiumoxid) umwandeln. Das sind die sogenannten metallorganischen Verbindungen: ein Metallatom bzw. -ion, z.B. Magnesium, gebunden an eine organische Gruppe, meist ein Alkohol. Die erste derartige Substanz, die für die Papierentsäuerung vorgeschlagen wurde, war Magnesiummethylat. Das war im Jahre 1972 [2]. Aus Gründen, die hier nicht diskutiert werden sollen, wurde die Substanz später - 1976 - durch Carbonisierung leicht variiert; das Ergebnis, Methylmagnesiumcarbonat, ist löslich in Methylalkohol. Die erste Anlage für Massenneutralisierung weltweit wurde 1981 in Betrieb genommen. Das ist die Wei t'o Anlage in Ottawa. Sie steht im Gebäude der dortigen Nationalbibliothek und des Nationalarchivs, wird betrieben von der Firma Wei T'o Inc., GmbH würden wir sagen, und arbeitet ausschließlich für die Nationalbibliothek und, wie es aussieht, immer noch in der ursprünglichen, mehr als 20 Jahre alten Ausrüstung. Im Internet habe ich freilich eine Nachricht gefunden, aus der zu entnehmen ist, daß sie wohl bald stillgelegt werde soll und daß der Nutzer, das heißt die kanadische Nationalbibliothek, auf ein anderes, noch zu nennendes System umsteigen will. Die zentrale Einheit der Anlage ist eine Kammer, in der den Büchern weitgehend das Wasser entzogen, die dann luftleer gepumpt und mit dem wirksubstanzhaltigen Lösemittel geflutet wird. Nach einer gewissen Zeit zum Eindringen in das Papier und für die Reaktion mit vorhandener Säure, was eine Erhöhung des Druckes befördert, wird das überschüssige Lösemittel abgepumpt, dasjenige, welches in die Bücher bzw. das Papier eingedrungen ist, verdunstet, die darin gelöst gewesene und zurückbleibende Wirksubstanz zersetzt sich zu Magnsiumcarbonat und dem organischen Bestandteil, dem Alkohol. Die Bücher, denen vorher das Wasser entzogen worden war, werden auf Raumklima rekonditioniert und für einige Zeit zum Ausgasen von Lösemittelresten und des entstandenen Alkohols in einen permanent entlüfteten Raum gebracht.

Die geschilderte mehrstufige Prozedur ist mehr oder weniger die gleiche bei allen auf metallorganischen Verbindungen beruhenden Neutralisierungsverfahren. Ihre Beschreibung wird deshalb, wenn diese anderen Verfahren besprochen werden, nicht wiederholt. Die einzelnen Verfahren unterscheiden sich in der Trocknungsmethode, in Zeitraum und Druck für das Fluten, Vor- und Nachbehandlung, aber hierüber zu berichten würde den Rahmen dieser Tagung und dieses Vortrags sprengen.

Da das Lösemittel für Methylmagnesiumcarbonat Stempel und andere Farben, z.B. am Schnitt eines Buches, Kleb- und andere Kunststoffe am Einband und sogar das Harz in stark geleimtem Papier anlösen und damit schädigen kann, wird es stark verdünnt mit einer inerten Flüssigkeit, nämlich einem bestimmten Fluorkohlenwasserstoff. Der ursprünglich verwendete Typ wurde wegen der diesen Substanzen nachgesagten schädlichen Wirkung auf die Ozonschicht in der Stratosphäre mehrfach ausgewechselt; jetzt, so heißt es, sei ein unschädlicher Typ im Einsatz - wenn es denn so etwas überhaupt gibt. Die allgemeine Entwicklung läuft wohl darauf hinaus, auf diese Substanzgruppe wohl früher oder später ganz oder jedenfalls sehr weitgehend zu verzichten. Ausnahmegenehmigungen werden, bei garantiert vollständiger Rückgewinnung wohl zu erhalten sein., dürften die Verfahren, die damit arbeiten, aber erheblich verteuern, allein schon deshalb, weil die Substanzen, nicht mehr allgemein, sondern nur noch für besondere Zwecke produziert, erheblich teurer werden dürften. Insgesamt und im Lichte des heutigen Entwicklungsstandes wirkt das Wei T'o etwas veraltet. Die Nachricht im Internet, aus der zu schließen ist, daß es wohl bald aufgegeben werden soll, habe ich schon erwähnt.

Die zweite Anlage zur Massenentsäuerung in der Welt war die der Bibliothèque de France in Sablé-sur-Sarthe. Sie wurde 1987 in Betrieb genommen und arbeitet nach dem gleichen System wie die in Ottawa. Sie gehört der Bibliothèque de France und ist dazu bestimmt, ausschließlich für sie zu arbeiten. Ich habe über sie bei den Vorbereitungen für diesen Vortrag keine weiteren Informationen gefunden, und ich denke, daß sich an ihr während der 15 Jahre ihrer Existenz nicht viel verändert hat.

 

Die deutschen Anlagen

Die Anlage in Sablé veranlaßte damals, Ende der 80er Jahre, die Regierung der Bundesrepublik Deutschland die ihr gehörige Deutsche Bibliothek in Frankfurt anzuregen, eine Massenneutralisierungsanlage nach dem französischen Vorbild anzustreben und nach Möglichkeit die dortige Technik zu verbessern. Die entsprechende Forschung wurde von der Zentralregierung, damals in Bonn, finanziert; durchgeführt wurde sie von Battelle in Frankfurt, damals Battelle Institut, heute Battelle Ingenieurtechnik GmbH. Ihr Ausgangspunkt waren die Anlagen in Ottawa und Sablé, und als ersten Erfolg eröffnete der damalige Minister für Forschung und Technologie im November 1991 in Frankfurt eine entsprechende Anlage. Sie wies gegenüber ihren Vorbildern gewisse Verbesserungen auf, arbeitete aber grundsätzlich nach dem selben System.

Damals, Anfang der 90er Jahre, war die Umweltschutzbewegung ziemlich erfolgreich, zumindest propagandistisch, mit ihren Bemühungen um Ächtung der Fluorkohlenwasserstoffe, weil sie die Ozonschicht in der Stratosphäre schädigen. Fachleute begannen abzusehen, daß sie früher oder später, wenn nicht vollständig verboten, so doch aus weiten Anwendungsgebieten verdrängt und da, wo dies nicht möglich ist, mit strengen und nur mit beträchtlichem technischem Aufwand zu erfüllenden Vorschriften belegt würden. Diese Aussicht veranlaßte die Chemiker und Ingenieure von Battelle nach einer Alternative zu suchen: nach einer Substanz, die sich, in gleicher Weise wie die Chemikalie von Ottawa und Sablé, zu Erdalkalicarbonat umsetzt, sobald sie in das Papier gebracht ist, die aber in einem harmlosen Lösemittel lösbar ist statt in Methanol, von dem Schäden ausgehen können und das deshalb mit FCKW verdünnt werden muß. Sie fanden diese Alternative in den sogenannten Doppelalkoxiden: ein zweiwertiges und ein vierwertiges Metall-Ion gebunden an eine organische Gruppe. Nach einigen Versuchen entschieden sie sich für Titan-Magnesium-Ethylate. Diese Substanz ist in Hexamethyldisiloxan löslich, ein Lösemittel, das in der kosmetischen Industrie eingesetzt wird und das deshalb ausgiebig und sorgfältig auf Harmlosigkeit in jeder Hinsicht untersucht ist.

Hexamethyldisiloxan ist, im Gegensatz zu Fluorkohlenwasserstoff, brennbar und sogar explosiv; die Umstellung zwang Battelle zu einem durchgreifenden Umbau der Behandlungskammer. Dieser war 1994 fertig. Gewisse Entwicklungen - die politische in Form der Vereinigung von Bundesrepublik Deutschland und Deutscher Demokratischer Republik, die wirtschaftliche, daß Battelle in eine Firma, eine GmbH umgewandelt wurde, die allgemeine, daß Dienstleistungen, die früher der Staat erbracht hat, an Privatfirmen übergehen - diese Entwicklungen und auch Meinungsverschiedenheiten zwischen Ministerialbeamten und Battelle führten dazu, daß in Deutschland zwei Anlagen nach dem Battelle-System entstanden: eine in Eschborn, einem Vorort von Frankfurt, auf dem Gelände von Battelle und Battelle gehörig, die andere in Leipzig, aufgestellt in der Deutschen Bücherei, der mit der deutschen Vereinigung in den Besitz der Zentralregierung gelangten und mit der in Frankfurt vereinten Bibliothek. Diese Leipziger Anlage gehört aber einer privaten Firma; sie nennt sich ZfB, Zentrum für Bucherhaltung, und ist entstanden im Zusammenhang mit den Bemühungen um wirtschaftliche Entwicklung der im Vergleich zum Westen unterentwickelten Gebiete der früheren DDR. Die beiden Firmen, ZfB und Battelle, boten das gleiche Verfahren an und machten einander Konkurrenz und das ZfB hat gewonnen. Im vorigen Jahr hat es die Anlage in Eschborn von Battelle gekauft, aber nicht weiter betrieben. Die Anlage in Eschborn liegt still: eine von drei mit Millionenaufwand entwickelten Anlagen zur Massenentsäuerung, die wieder aufgegeben wurden. Die beiden anderen werde ich noch kurz erwähnen. Kürzlich stand in der Zeitung, daß auch die Leipziger Firma, daß auch das ZfB wirtschaftliche Schwierigkeiten habe, weil sie nicht genug Aufträge von den Bibliotheken bekommt. Das gilt aber nicht für die Massenentsäuerung, sondern für eine andere Massenbehandlung, von der noch die Rede sein wird.

Trotz der Pleite in Eschborn kann das Battelle-System als sehr uml;hig waren, hat eine hierfür eingesetzte Forschungsgruppe der Schweizer Regierung geraten, bei Battelle eine Anlage in Auftrag zu geben. Die Konstruktion begann 1998 und war 2000 fertig. Battelle brachte in diese dritte Anlage all die Erfahrung ein, die sie mit den älteren gemacht hatte und realisierte zahlreiche Verbesserungen: hinsichtlich der besseren Verteilung des Neutralisierungsmittels in den Büchern, der Vermeidung negativer Nebenwirkungen, der Anpassung der Behandlungsparameter an spezielle Objekte, regelmäßige Qualitätskontrolle, u.s.w. Jedes Verfahren der Massenneutralisierung hat gewisse Nachteile und negative Nebenwirkungen. Ich werde auf sie noch zurückkommen.

Die Anlage in der Schweiz wurde gebaut von Battelle auf Kosten der Schweizer Regierung auf einem Gelände, das früher der Schweizer Armee gehörte, damals genannt "Pulverfabrik Wimmis", später "Nitrochemie Wimmis GmbH". Wimmis ist ein kleiner Ort in den Alpen südlich von Bern, der Bundeshauptstadt der Schweiz. Die Anlage gehört dem Staat, für die Schweiz korrekt gesagt dem Bund, und wird betrieben von der privaten Firma "Nitrochemie Wimmis". Das ist übrigens die, welche Titan-Magnesium-Alkoxid herstellt, die dem Battelle-System zugrundeliegende Chemikalie. Nach neuesten Informationen, die ich für diesen Vortrag eingeholt habe, arbeitet die Anlage erfolgreich, sowohl was die angestrebte Wirkung auf die Bücher betrifft als auch ökonomisch. Nationalarchiv und Nationalbibliothek - wir sprechen von der Schweiz, müssen also sagen "Bundesarchiv" und "Bundesbibliothek" - geben dorthin ihre Objekte; die Betreiberfirma nimmt auch Aufträge von anderen an, aus der Schweiz sowohl als auch aus dem Ausland, derzeit noch mit Ausnahme aus Deutschland: Battelle, welches die Anlage gebaut hat, besaß damals noch eine eigene Neutralisierungsanlage und hat eventuelle Konkurrenz aus Wimmis vertraglich ausgeschlossen. Das dürfte jetzt, da die Anlage in Eschborn nicht mehr arbeitet, wohl hinfällig werden.

 

CSC

Es gibt zur Zeit noch ein drittes, variantes System, das, wie Wei t'o mit einer metallorganischen Verbindung arbeitet, aber mit einer anderen als in Ottawa und Sablé auf der einen und Leipzig und Wimmis auf der anderen Seite. Um seine Entstehung zu verstehen muß ich zuerst von einem vierten sprechen, das aber, nach Millionen von Entwicklungskosten, wieder aufgegeben wurde. In den 80er und frühen 90er Jahren wurde diejenige amerikanische Firma, welche weltweit alle, oder ich sage vielleicht besser die überwiegend meisten metallorganischen Verbindungen herstellt - sie heißt FMC; eine Auflösung dieser Abkürzung habe ich nicht finden können - auf die konservierungskundliche Diskussion um die Massenneutralisierung aufmerksam und auf die Rolle, welche die metallorganischen Verbindungen darin spielten. Die dortigen Verantwortlichen dürften davon ausgegangen sein, daß ihre Spezialisten für metallorganische Verbindungen wohl am ehesten in der Lage sind, bessere Alternativen zu den beiden verwendeten, Methylmagnesiumcarbonat und Titan-Magnesium-Alkoxid zu finden. Die Chemiker von FMC bezogen noch eine andere in der konservierungskundlichen Forschung viel diskutierten Gesichtspunkt in ihre Suche ein, nämlich ob es nicht möglich ist, mit der Massenneutralisierung auch eine Festigung schon geschwächten Papiers zu erreichen und gleichzeitig eine der negativen Nebenwirkungen sowohl von Battelle als auch von Wei T'o zu vermeiden. Bei diesen beiden Verfahren wird Alkohol, Methanol bzw. Äthanol frei, welcher Farben und Kunststoffe anlösen kann. Die Forscher bei FMC suchten nach dem Gegenteil: der organische und bei der Umsetzung zum Carbonat bzw. Oxid freiwerdende Bestandteil nicht potentiell schädlich, sondern ausdrücklich von positiver Wirkung. Ihre Überlegungen setzten an bei der Tatsache, daß der so massenhaft in Archiv und Bibliothek zu beobachtende Schaden an Papier nicht nur auf Hydrolyse und Oxidation zurückgeht, sondern auf einen dritten chemischen Vorgang, die Vernetzung. Das Papier verliert nicht nur seine Festigkeit: es wird auch hart und brüchig. Ihm nach dem Vorbild der Kunststoffherstellung einen Weichmacher zuzuführen, kann diese Brüchigkeit vielleicht reduzieren und das Papier wieder flexibel machen. Sie suchten unter den metallorganischen Verbindungen nach einer, deren organischer Bestandteil ein höherer Alkohol ist, eine hochviskose, zähe Flüssigkeit, die, in kleinsten Mengen fein im Papier verteilt, wie es beim Zersetzen der metallorganischen Verbindung geschieht, wie ein Weichmacher wirkt. Der Stoff, den sie auswählten heißt Magnesium Butoxy Trigloycolat, abgekürzt : MG-3. Die Firma baute eine große Anlage in Bessemer City (NCa, USA) und konnte in den 80er und frühen 90er Jahren auch einige Kunden unter den amerikanischen Bibliotheken gewinnen, aber dann stellte sich heraus, daß das System nicht in der gewünschten Weise funktioniert. Die Anlage wurde aufgegeben.

Es waren u.a. die spanischen Forscher, die herausgefunden hatten, daß das Glycolat die Brüchigkeit des Papiers nicht nur nicht wesentlich vermindert, sondern daß es u.U. und bei bestimmten Papieren sogar einen negativen Einfluß auf die mechanische Festigkeit hat [4]. Sie konzentrierten ihre Suche nach einer besser wirksamen metallorganischen Verbindung daraufhin auf deren Umsetzungsreaktion im Papier. Diese ist kann schnell oder langsam, sofort beim Einbringen oder nach und nach beim Rekonditionieren geschehen, wenn wieder Luft und Feuchtigkeit zur Verfügung stehen. Bei Diäthylzink, der Chemikalie, die dem dritten der bereits wieder aufgegebenen Massenneutralisierungssysteme zugrunde liegt, läuft sie extrem schnell und stark exotherm ab, wie eine Explosion. Wasser, Säure und Sauerstoff nehmen an ihr teil; es ist von Bedeutung, wieviel davon im Papier vorhanden ist, wenn es mit der metallorganischen Verbindung bzw. der Flüsigkeit, in der sie gelöst ist, geflutet wird. Die spanischen Forscher suchten nach einer Verbindung, die sich möglichst langsam umsetzt, weil dadurch eine gleichmäßigere Verteilung des Magnesiumoxids bzw. -carbonats im Papier erreicht wird. Was sie fanden, heißt Magnesiumdipropylat (Magnesium di-n-Propylat), ist löslich in Propanol (n-Propanol) und muß für den Einsatz bei der Massenneutralisierung, ebenso wie Methylmagnesiumcarbonat in Ottawa und Sablé, mit einem Fluorkohlenwasserstoff verdünnt werden: einem für die Ozonschicht in der Stratosphäre unschädlichen Typ, wie es heißt.

Auf dem Gelände der Technischen Universität von Katalonien in Terrassa bei Barcelona [5] steht eine Anlage für die Massenneutralisierung nach diesem System, in Bilbao steht eine zweite. In welchem Umfang spanische Archive und Bibliotheken von ihnen Gebrauch machen weiß ich nicht. Ich weiß aber, daß mit einer Bibliothek in Taormina (Sizilien) ein Vertrag über die Neutralisierung ihrer Bücher nach diesem System abgeschlossen wurde. Die Anlage soll dazu, soviel ich weiß, montiert auf einen Lastwagen nach Sizilien gebracht werden. Vielleicht wird das spanische System für die Länder um das westliche Mittelmeer das, was Leipzig für Deutschland und Wimmis für die Schweiz und, wie es scheint, auch für seine Nachbarländer ist.

 

Aerosol und Suspension

Die fünf bzw. sechs noch arbeitenden Anlagen, Ottawa, Sablé, Leipzig, Wimmis und Terrassa mit Bilbao, zusammen mit den drei bereits wieder aufgegeben in Eschborn, in Bessemer City und in Deer Park - bei Houston in Texas, wo die kurz erwähnte Diäthylzink-Anlage stand - diese fünf oder acht oder neun Anlagen sind weltweit alle, die ich kenne.

Die von Ottawa ist wie gesagt die älteste; der Konstruktion jeder späteren und später, als es mehrere gab, jeder größeren, auf nationaler Ebene zu treffenden Entscheidung, welche denn die bestgeeignete ist, wurden ausgiebige vergleichende Untersuchungen vorangestellt. Das geschah während der 90er Jahre. Ich zitiere aus einem dieser Forschungsberichte: "Keine der verfügbaren Systeme erfüllt alle Anforderungen, die man an eine wirklich ideale Massenneutralisierung stellen muß" (none of the existing methods conforms to the requirements of a genuinely `ideal' mass deacidification process). Das liegt zum Teil an den negativen Nebenwirkungen.

Eine Quelle für solche negativen Nebenwirkungen ist der organische Bestandteil, der bei der Umwandlung der metallorganischen Verbindung zu Magnesiumoxid frei wird. Das gilt für alle Systeme, die mit metallorganischen Verbindungen arbeiten, für alle, über die bisher berichtet wurde. Man kann diese Nebenwirkungen durch geschicktes technisches Management gering halten, vielleicht unterhalb der Grenze, in der sie auffallen; grundsätzlich ausschließen kann man sie nicht.

Diese Tatsache regte einen amerikanischen Ingenieur - er heißt Richard Spatz - bereits in den frühen 80er Jahren, als die erste auf einer metallorganischen Verbindung beruhende Anlage gebaut wurde, dazu an, über eine Alternative nachzudenken: Nicht eine lösemittellösliche Protosubstanz, die sich zu dem Neutralisierungsagens umsetzt, sobald sie in das Papier gebracht ist, sondern das Neutralisierungsagens direkt, nicht in Lösung, weil es unlöslich ist, sondern als Feststoff, ultrafein, damit es in das Papier gebracht werden kann. Das dies physikalisch möglich ist, daß man Feststoffpartikel, und seien sie auch noch so klein, dazu bringen kann, in eine so dichte Substanz wie Papier hineinzubringen, das schien damals, als sich die einschlägige Forschung eben wegen des Problems des Eindringens mit gasförmigen Substanzen beschäftigte - Diäthylzink ist gasförmig - so unglaubwürdig, daß die Idee von Mr. Spatz von den Konservatoren nicht ernst genommen wurde. Als sich dann aber nach einer der großen vergleichenden Untersuchungen der frühen 90er Jahre, der von der amerikanischen Kongreßbibliothek veranstalteten, eine Ernüchterung ausbreitete, als keines der drei Systeme, die an der Untersuchung teilgenommen hatten, nämlich Wei t'o, DEZ und FMC, die von der Kongreßbibliothek gesetzten Anforderungen - sehr hoch, zu hoch gesetzt - erfüllten, da geriet das völlig anders arbeitende, das auf Feststoff basierende System von Mr. Spatz in den Blickwinkel der Konservierungskundler an der Kongreßbibliothek. Das System war in der Zwischenzeit weiter entwickelt worden; es gab eine funktionsfähige Anlage in Glenshaw, einem Vorort von Pittsburgh, später und bis heute weiter nördlich in Pennsylvania in einem Ort namens Cranberry; es gab eine eigene Firma namens Preservation Technologies Inc. (PTI) und für das Verfahren einen werbewirksamen Namen: Bookkeeper.

Die Arbeitsweise ist viel einfacher als bei den auf metallorganischen Verbindungen beruhenden Verfahren. Es können gebundene Bücher oder Stapel von losen Blättern behandelt werden. Sie werden in der Anlage so positioniert, daß sie aufgefächert werden können, die Bücher stehend zwischen kreisrunden Halterungen, je vier in einem durch senkrecht und kreuzweise stehende Platten geteilten zylindrischen Raum, Blattstapel, also Archivalien, liegend auf V-förmigen angeordneten bzw. gebogenen Platten. Sie werden dann geflutet mit einer Suspension von ultrafeinen Magnesiumoxid-Partikeln in Fluorkohlenwasserstoff, Perfluoro-Heptan, einem Typ, der als harmlos für die Ozonschicht in der Stratosphäre gilt und der zudem zu 100 - oder annähernd 100% - zurückgewonnen wird. Durch leichte Bewegung wird erreicht, daß die Suspension an alle Stellen zwischen den Blättern und, soweit physikalisch möglich, in sie hineindringt. Nach einiger Zeit - 12 bis 15 Minuten - wird die Suspension abgepumpt, der in den Büchern nach Abtropfen verbleibende Rest verdunstet und hinterläßt bei dem Papier - ob mehr in- oder mehr auf ihm ist noch nicht vollständig geklärt - das Magnesiumoxid. Ebenfalls noch Gegenstand der Forschung ist, wieweit Magnesiumoxid als Neutralisierungsmittel wirkt bzw. in welcher Weise und in welchem Zeitraum es sich zu dem mit Sicherheit entsprechend wirksamem Magnesiumcarbonat umsetzt.

Nach einer Reihe von sehr aufwendigen und vielfältigen Untersuchungen, in den USA, in Kanada und später auch in den Niederlanden, die alle eine deutliche Steigerung der Festigkeit nach beschleunigter Alterung von Papier, das nach dem Bookkeeper-Verfahren behandelt worden war, im Vergleich zu unbehandeltem erbracht haben, ist das Bookkeeper in den USA sehr populär geworden. Im Internet finden sich eine ganze Reihe von Berichten von Bibliotheken, die ihre Bestände in Cranberry behandeln ließen. Die Firma PTI selbst wirbt im Internet mit dem sicher richtigen Satz, daß sie auf dem Gebiet der Massenentsäuerung weltweit führend und daß ihre Anlage in Cranberry die größte unter den einschlägigen ist ("the world leader in providing deacidification services. (The) processing facility in Cranberry ... is the largest operation of its kind").

Preservation Technologies, Inc. hat seit 1999 auch eine Zweigstelle in Europa. Die Niederländische Regierung (Nationalarchiv und National- bzw. Königliche Bibliothek) strebte, wie vorher Frankreich und Deutschland, später die Schweiz, eine Neutralisierungsanlage auf eigenem Boden an, es gab die übliche vergleichende Untersuchung, und die Entscheidung fiel zugunsten des Bookkeeper-Verfahrens. Es entstand eine Anlage in Heerhugowaard, nördlich von Amsterdam, die jetzt, nach einigem wirtschaftlich bedingtem Hin- und Her, von der Firma PTI betrieben wird und von Kunden vorwiegend aus den Niederlanden, aber auch aus Belgien, Frankreich, Portugal, Italien bzw. Vatikanstaat, Schweiz , Polen und Deutschland in Anspruch genommen wird, wobei ich allerdings nicht weiß, wieweit es sich bei den ausländischen Kunden um Probeaufträge, um sich ein Bild von der Wirksamkeit des Verfahrens zu machen oder um wirkliche Aufträge zur Neutralisierung der Bestände handelt.

 

Die Aerosolsysteme

Mr. Spatz und Preservation Technologies, Inc. gingen einen unkonventionellen Weg. um eine der Quellen von unerwünschten Nebenwirkungen der auf Protosubstanzen basierenden Neutralisierungssysteme zu vermeiden; ein deutscher Ingenieur, Oswald Bell aus Nürnberg, ging einen Schritt weiter und entwickelte ein System, das überhaupt jede Flüssigkeit vermeidet. Wieweit die in Ottawa, Sablé, Terrassa, Cranberry und Heerhugowaard eingesetzten Fluorkohlenwasserstoffe wirklich unschädlich für die Ozonschicht sind, wieweit sie wirklich überhaupt keine Wirkung auf ein Buch haben, das mit ihnen getränkt wird, kein leichtes Verziehen oder sonst eine Veränderung: das vermag ich nicht zu sagen, halte es aber angesichts der Fülle von Materialien, die in einem Buch begegnen können für wenig wahrscheinlich. Herr Bell hatte noch einen anderen Grund, Fluorkohlenwasserstoff zu vermeiden, nämlich der sich immer weiter und gerade in Deutschland ausbreitende schlechte Ruf dieser Stoffgruppe. Die Chemiker mögen noch so oft sagen, daß die bei der Massenneutralisierung eingesezten Typen, z.B. das Perfluoroheptan von PTI, harmlos seien: der Normalbürger, der Wähler glaubt es nicht. Gerade im dicht besiedelten, hochindustrialisierten Deutschland gibt es eine starke Tendenz, Fluorkohlenwasserstoffe generell, ob jetzt chemisch begründet oder nicht, zu verbannen. Dr. Bell hat sie von vornherein vermieden. Er arbeitet ebenfalls mit Feinstpartikeln von Magnesiumoxid; später hat er, als Reaktion auf die kurz angedeuteten Zweifel mancher Chemiker an der Wirksamkeit dieser Substanz, zweifelsfrei und schnell wirksames Calciumcarbonat hinzugenommen. Er transportiert es in das Papier aber nicht in einer Flüssigkeit, sondern durch einen Luftstrom; er arbeitet nicht mit einer Suspension, sondern mit Aerosol. Er betreibt mit seiner neu gegründeten Firma namens Libertec seit 1998 in Nürnberg eine entsprechende Anlage.

Beim Libertec-Verfahren werden die Bücher, ähnlich wie bei Bookkeeper so positioniert, daß sie aufgefächert werden können. Im Gegensatz zu Bookkeeper werden sie nicht geflutet, sondern beblasen, zuerst mit warmer und sehr trockener Luft, um dem Papier Wasser zu entziehen, dann mit sehr kalter und magnesiumoxid- sowie calciumcarbonathaltiger Luft, und dann wieder mit warmer, jetzt aber feuchter Luft, um dem Papier die entzogene Feuchtigkeit zurückzugeben und gleichzeitig das Eindringen der Neutralisierungssubstanz zu befördern. Abschließend wird der nach der Behandlung außen auf den Bücher liegende feine weiße Staub im Luftstrom abgeblasen.

Das Eindringen ins Innere des Papiers ist die kritische Frage der Feststoff-Verfahren; sie gilt m.E. für beide Varianten, für Suspension sowohl wie für Aerosol. Bei Aerosol kann das Eindringen beeinflußt werden durch geschickte Anordnung der Düsen für Luft und Aerosol, durch die Position der Bücher vor diesen Düsen, durch Temperatur und Wassergehalt der eingesetzten Luft. Die Libertec-Anlage wurde hierin mehrfach verbessert. Nach der Behandlung bleibt auf den Seiten eine leichte mit den Augen nicht wahrnehmbar Schicht aus weißen Staub zurück, die aber, wenn man mit dem Finger über die Seiten fährt, diesen weiß färbt. Die Menge des ein- oder aufgebrachten Neutralisierungsagens ist sehr befriedigend und die Bücher zeigen nach beschleunigter Alterung eine im Vergleich zu unbehandeltem Papier deutlich verbesserte mechanische Festigkeit, ebenso deutlich wie die anderen Neutralisierungsmethoden oder sogar überlegen. Wenn man allerdings gleich nach der Behandlung ein Blatt spaltet und im Innern nach Magnesium und Calcium sucht, findet man wenig. Auch das gilt sowohl für die Aerosol- als auch für die Suspensionsverfahren.

Ich sagte: die Aersosolverfahren, obwohl ich nur eine Anlage genannt habe. Es gibt noch eine zweite und vielleicht sogar eine dritte. Frühere Mitarbeiter der Firma Libertec haben sich selbständig gemacht und eigene Anlagen mit Verbesserungen der umrissenen Art gebaut. Von einer weiß ich mit Sicherheit, daß sie noch existiert und arbeitet; die Firma heißt Sobu ("Sondermaschine Buch") und ist in Fürth bei Nürnberg angesiedelt. Für die andere hat eine Firma namens Datukom in Nürnberg viel Reklame gemacht; eine Zeitlang war sogar davon die Rede, daß die Firma ZfB in Leipzig, welche eine der drei großen Anlagen nach dem Battelle-System betreibt, diese ganz anders arbeitende Aerosol-Anlage übernehmen will. ZfB ist eben auch der Meinung, daß bei einer Flüssigkeit, als wie "inert" sie auch immer von den Chemikern angepriesen werden mag, nicht völlig ausgeschlossen werden kann, daß sie auf eines der vielfältigen Materialien, die in Büchern begegnen, in unerwünschter Weise wirkt. Was daraus geworden ist, ob die Datukom-Anlage nach Leipzig verbracht wurde und dort oder woanders arbeitet, weiß ich nicht. Die Sobu-Anlage aber arbeitet und kann genutzt werden; die Firma bietet zur Zeit, da sie sich noch in der Aufbauphase befindet, ihre Dienste sogar zu konkurrenzlos günstigen Preisen an.

 

Wäßrige Neutralisierung

Ich bin am Ende meines Berichtes über die Massenbehandlung, die für ganze Bücher geeignet ist, ohne sie zu zerlegen: eine unabdingbare Anforderung der Bibliotheken. Archivgut aber liegt in der überwiegenden Anzahl in Form von einzelnen Blättern vor, und für diese ist eine wäßrige Neutralisierung möglich. Ich möchte betonen: Wäßrige Neutralisierung, wie sie in den Werkstätten für Papierrestaurierung weltweit tägliche angewandt wird, ist in der Wirkung den Lösemittel-, Suspensions- oder Aerosolverfahren eindeutig und deutlich überlegen. Das Problem einer wäßrigen Behandung von Archivgut, geschrieben von Hand oder Schreibmaschine, mit Randbemerkungen in Farb- oder Kopierstift, Stempelabdrücken u.s.w. ist die Wasserlöslichkeit dieser Schreibmittel. Am Anfang der Bemühungen, eine Maschine für die massenhafte, die mechanisierte Neutralisierung von Archivgut in Form von Einzelblätter zu konstruieren, stand die Forschung nach Möglichkeiten der wasserfesten Fixierung der verschiedenen zum Schreiben und Stempeln verwendeten Farbstoffe. Das geschah in den 80er Jahren auf Initiative des Niedersächsischen Staatsarchivs in Bückeburg an der Technischen Universität in Stuttgart. Dort wurde eine aus zwei Komponenten bestehende Fixierlösung entwickelt, die eine für saure, die andere für alkalische Farbstoffe,, welche die löslichen Farbstoffe in unlösliche Farblacke umwandelt. In Zusammenarbeit mit der in Bückeburg ansässigen Firma Neschen AG, die mit der Papierkonservierung insofern bereits in Kontakt war, als sie der Hersteller von archivtauglichen Klebestreifen ist, wurde eine Anlage zum fortlaufenden Transport der zu behandelnden Blätter durch verschiedene Bäder konstruiert, zuerst zum Fixieren, "Verlacken" der Farbstoffe, dann zum Tränken mit Magnesium- und/oder Calciumbicarbonatlösung und schließlich mit Methylcelluloselösung, um eine Festigung des Papiers zu erreichen. Das ist ein weiterer Vorteil des wäßrigen Verfahrens: man kann es mit einem Festigen verbinden. Nicht viel, aber doch meßbar. Wirklich schwaches und brüchiges, bis zur Unbenutzbarkeit abgebautes Papier kann nur durch die Kombination mit einem zweiten blattförmigen Gebilde wieder gefestigt werden. Auch hierfür gibt es eine Massenanlage. Ich werde gleich auf sie zu sprechen kommen.

Die Konstruktion der Anlage in Bückeburg stieß auf mancherlei Probleme; sie begann 1987, 1992 war die erste, als "Pilot" bezeichnete Anlage fertig, und noch 1996 gab es nur eine Anlage für "simulierte Produktion" wie es in einer einschlägigen Veröffentlichung[6] heißt. Die Firma Neschen ist sehr darauf bedacht, Verbesserungen zu realisieren - nicht in chemischer Hinsicht, denn die ist bei wäßrigen Vorgehen kein Thema, sondern maschinentechnisch. 1998 habe ich die Bückeburger Anlage zum ersten Mal gesehen: sie arbeitete ohne Störungen. Später, erst ganz kürzlich, hat die Firma an einem anderen Ort, nämlich in Hoppegarten bei Berlin, eine zweite Anlage gebaut; in ihr werden die Blätter zwischen Transportbändern durch drei Bäder geführt, die gleichartig zusammengesetzt sind, d.h. von denen jedes Fixier-, Neutralisierungs- und Festigungsmittel enthält, während in der älteren Anlage in Bückeburg die Blätter senkrecht stehenden und fest fixierten Stapeln zuerst in das Fixiermittelbad, dann durch Bäder mit den beiden anderen Komponenten geführt wurden. Die neueste Entwicklung ist die Konstruktion einer kleinen und kompakten Maschine zur Arbeit mit Dreikomponentenbädern wie in Hoppegarten; sie ist gedacht für kleinere Archive, die zögern, ihre zu neutralisierenden Bestände nach Bückeburg oder Hoppegarten zu geben und soll an diese für 62000 € verkauft werden. Auch an ein Leasing ist gedacht.

Um der Vollständigkeit willen muß ich noch eine letzte Anlage und ein letztes System zur wäßrigen Neutralisierung nennen, nämlich die Wiener Anlage zur Behandlung nicht von einzelnen Blättern, sondern von Blattstapeln, d.h. Buchblocks von denen die Einbände abgenommen wurden. Sie gehört zu den ältesten Massenbehandlungsanlagen überhaupt; die Planungen für sie begannen 1980, und in der Mitte der 80er Jahre war sie fertig. Sie ist bestimmt für Zeitungen und arbeitet folgendermaßen: Die Zeitungsbände werden ausgebunden, wenn der Buchblock zu dick ist, in Stapel von etwa 4 cm Dicke geteilt und in eine zylindrische Vakuumkammer gelegt. Diese wird teilevakuiert und mit der Behandlungslösung getränkt: Wasser, in dem das chemisch mögliche Maximum an Calciumhydroxid oder Magnesiumcarbonat gelöst ist -beide sind nur schwer wasserlöslich - und das auch einen Filmbildners enthält: Methylcellulose in Wasser gelöst; es wird wohl auch mit einem Zusatz von stark verdünnter Kunstharzdispersion zumindest experimentiert. Nach länger Imprägnierungszeit - bis zu zwei Stunden - wird die Behandlungslösung abgepumpt, restliche Lösung tropft ab, und sobald eine hinreichende Anzahl die geschilderte Zwei-Stunden-Prozedur durchlaufen hat, werden die Bücher in eine große Kammer zum Schockgefrieren und Gefriertrocknen gebracht. Das ist eine langwierige Prozedur von ich weiß nicht wieviel Stunden und ich weiß nicht welchem Energieaufwand. Der letzte Schritt ist das Wiedereinbinden der Buchblocks, weitgehend wohl in die alten, vorher entfernten Einbände. Die Anlage soll umgebaut werden; es sind eine Reihe von Verbesserungen geplant und auch daß die Anlage, die bisher ausschließlich für die österreichische Nationalbibliothek arbeitet, ihre Dienste künftig auch anderen Interessenten anbietet. Eine der Verbesserungen, die im Gespräch sind, ist der Zusatz eines Netzmittels zur Behandlungsflüssigkeit, um deren Eindringen in die Buchblocks zu verbessern; weiterhin wird nach einem Cellulosederivat von besserer Wirksamkeit als das derzeit eingesetzte gesucht. Es wurden auch schon Veränderungen gegenüber der ursprünglichen Konzeption realisiert. So wurde Calciumhydroxid durch ein Borat, ich vermute Borax, Natriumborat, ersetzt, was ich für keine Verbesserung halte. Partner der Bemühungen um Verbesserung ist die Firma Henkel, ein Hersteller u.a. von Dispersionsklebern und von daher mit Buchbinde- Einbandproblemen vertraut; Ort der Forschungen ist die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Es gibt hierzu eine Website, die zwar schön illustrativ, aber wenig genau und auch nicht fehlerfrei ist.

 

Papierspalten

Die letzte Anlage, die ich zumindest nennen muß, wenn ich der mir gestellten Aufgabe, über den Entwicklungsstand der Massenbehandlung weltweit zu berichten gerecht werden, führt uns über meine eingangs aufgestellte Behauptung hinaus, daß es für Archiv- und Bibliotheksgut gibt es nur eine einzige Maßnahme gäbe, die offen ist für Mechanisierung und Massenbehandlung, nämlich das Entsäuern des Papiers. Schon bei dem Bückeburger Verfahren war von einem zusätzlich zum Entsäuern erreichten Festigungseffekt die Rede; er ist sehr, vielleicht vernachlässigbar gering. Bei der jetzt noch zu nennen Massenbehandlungsanlage steht er im Mittelpunkt, und das ebenfalls erreichbare Neutralisieren ist eher ein selbstverständlicher Nebeneffekt. Ich rede vom Spaltverfahren. Es gibt dafür eine gewaltige Anlage bei der Firma ZFB in Leipzig. Wie sie arbeitet muß ich aus Zeitmangel als bekannt voraussetzen. Die Anlage arbeitet zuverlässig und gut; bis zu 10000 Blatt pro Tag können in ihr gefestigt werden. Das Verfahren ist billiger als das Spalten von Hand, ihm und vor allem den alternativen, für Objekte von "intrinsischem" Wert infrage kommenden Verfahren aber ästhetisch unterlegen. Es scheint nicht genug Objekte in den Bibliotheken, zumindest in den deutschen, zu geben, die von den Verantwortlichen für wertvoll genug gehalten werden, daß sie dem nicht billigen Spaltverfahren unterworfen und doch von so wenig unikalem Wert, daß die Nachteile eines Massenverfahrens - wir haben eingangs von ihnen kurz gesprochen - dafür in Kauf genommen werden können. Die Leipziger Anlage zum maschinellen Papierspalten, zum Massenfestigen ist bei weitem nicht ausgelastet. Das ZFB hat insgesamt wirtschaftliche Probleme.

 

Kosten

Ich habe gerade die Kosten erwähnt; aus Zeitgründen kann ich auf sie hier nicht näher eingehen und mit Ihnen die Konkordanz aus den verschiedenen Angaben durchsprechen, die ich zur Vorbereitung dieses Referats erfragt oder in der Literatur gefunden habe. Nur soviel: den niedrigsten Preis pro Buch verlangt mit etwas mehr als € 3 die Firma Sobu; das ist wie gesagt ein Werbepreis; die Firma ist im Aufbau und wird von den Konstrukteuren in der Freizeit betrieben, d.h., wie ich vermute, ohne Berechnung von Personalkosten. Die Firmen, die kommerziell und voll kostendeckend arbeiten, verlangen zwischen knapp 7 und fast 17 € pro Buch; die Unterschiede erklären sich aus verschiedener Auftragsgröße und zusätzlicher Leistung wie Transport und Dokumentation. Die Behandlung des Papiers eines als "normal" definierten Buches von 480 Seiten kosten bei Neschen zwischen 50 und 55 €, beim ZFB zum Spalten rund 700, bei großformatigen Blättern über 800 €.

 

Ausblick

Meine Aufgabe war zu berichten über den Stand der Dinge weltweit: da kann ich nicht schließen ohne einen Ausblick. Wie könnten, wie müssen sich die Dinge weiterentwickeln? Aus der Entwicklung, welche die Massenbehandlung bisher genommen hat, schließe ich, daß wirklich neue, auf vollkommen anderer chemischer oder physikalischer Grundlage beruhenden Verfahren als die jetzt existierenden wenig wahrscheinlich sind. Verbesserungen der existierend, jedenfalls der jetzt existierenden Verfahren zur Neutralisierung ganzer Bücher, werden und müssen gefunden werden. Zu einem "idealen" Verfahren, einem Verfahren, nach dem gebundene Bücher jeder Art vollständig und gleichmäßig und ohne jede als negativ zu sehenden Nebenwirkungen neutralisiert werden können, werden sie ebensowenig führen wie die zahlreichen einzelnen Verbesserungen in der Vergangenheit. Einer Methode, die das Papier in ganzen Bücher nicht nur neutralisiert, sondern auch festigt, halte ich sogar für unmöglich. Da die Massenbehandlung heute weitgehend in der Hand von Privatfirmen ist, müssen die notwendigen Verbesserungen auch von diesen geleistet werden. Das können sie nur, wenn die Firmen mit der Massenneutralisierung Geld verdienen. Allein unter diesem Gesichtspunkt ist die unter Bibliothekaren und Archivaren immer noch weit verbreite Haltung des Abwartens kontraproduktiv. Einige Firmen haben sich aus Mangel an Aufträgen bereits aus der Massenbehandlung von Archiv- und Bibliotheksgut zurückgezogen. Millionen von einschlägigen Entwicklungskosten wurden in den Sand gesetzt.

Grundlagenforschung zur Wirkung der Massenneutralisierung ist nicht erforderlich; die hat es ausgiebig gegeben und sie hatte immer das gleiche Ergebnis: Papier nachträglich mit Erdalkalicarbonat oder -oxid (Magnesiumoxid) auszustatten verbessert sein Alterungsverhalten. In welchem Ausmaß? Das anzugeben ist wissenschaftlich unmöglich.

Eine ganz konkrete Frage, die durch Forschung geklärt werden muß und die man als Grundlagenforschung verstehen kann, ist die nachträgliche, über einen längerem Zeitraum hin stattfindende Umwandlung des Magnesiumcarbonat, das bei den Feinststaubverfahren mehr auf als in das Papier geschwemmt oder geblasen wird, in das allein neutralisierungswirksame Magnesuiumcarbonat und das Eindringen desselben in das Innere des Papiers. Hier sind thermodynamische Kräfte wirksam. Es ist ein allgemeines Naturgesetz, das man als zum Gesetz der Entropie gehörig verstehen kann, daß, wenn irgendwo - in unserem Fall auf dem Papier - ein Überschuß, ein "Berg" besteht und unmittelbar daneben - in zur Rede stehenden Fall in dem Papier - ein Mangel, ein "Tal", daß dann früher oder Ausgleich stattfindet. In welchem Zeitraum? Ist dieses Naturgesetz irgendwie relevant für die Praxis der Entsäuerung? Das ist durch hochrangige und d anspruchsvolle Forschung zu klären. Paul Whitmore, der Direktor des Instituts für Forschung an Kunstmaterialien an der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh hat in seiner Stellungnahme zum Bookkeeper-System hierzu Stellung genommen. Der entsprechende Bericht steht im Internet.

Eine weitere Frage der Grundlagenforschung ergibt sich aus der Tatsache, daß die positive Wirkung einer jeden Entsäuerung auf das Alterungsverhalten auf Messungen nach beschleunigter Alterung beruht. Die beschleunigte Alterung ist eine fragwürdige Forschungsmethode. Auch hier wäre Grundlagenforschung angesagt. Sie aufwendig und äußerst kompliziert, und ich persönlich bezweifle nachdrücklich die Möglichkeit eines für die Praxis brauchbaren Ergebnisses[7]. Diese Forschung muß um ihrer selbst willen und öffentlich finanziert durchgeführt werden.

Zur Forschung mag zu rechnen sein, daß die Ergebnisse der einzelnen Behandlungen in der Menge und der Gleichmäßigkeit des eingebrachten Wirksubstanz regelmäßig überprüft werden sollte. Manche Firmen, z.B. die Nitrochemie Wimmis AG, bietet diese Art der Qualitätskontrolle als normalen Service an. Ich bin der Meinung, daß solche Überprüfungen irgendwie repräsentativ von den Anwendern und damit objektiv durchgeführt werden sollten.

 

 
Anmerkungen
[1] Eine neue Publikation hierzu: Malesic, J., J. Kolar & M. Strlic: Effect of pH and carbonyls on the degradation of alkaline paper. Restaurator 23 (2002); im Druck. zum Text
[2] Zur Geschichte der Massenneutralisierung vgl. Bansa, H.: Massenneutralisierung von Bibliotheks und Archivgut. Entwicklung und Aussichten. Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie 46 (1999): 127 - 146. -Mass Deacidification of Library and Archive Materials. Conservazione dei Materiali Librari Archivistici e Grafici, hrsg. von M. Regni und P. G. Tordella. Bd. 2 (Turin 1999): 307 - 316. Dort aufgeführte Belege werden hier nicht wiederholt. zum Text
[3] Blüher, A., & B. Vogelsanger: Mass decidification of paper .Chimia 55 (2001): 981-989. zum Text
[4] Areal Guerra, R., & al.: The effect of aqueous solutions of alkoxypolyethyleneglycols (ALKPG) on the mechanical properties of paper. Restaurator 19 (1998): 187-211. zum Text
[5] Areal Guerra, R.: Procedimiento de la U.P.C. de desadificacion en masa. Terceras Jornadas de Avances en la Restauración de Papel, La Vid 22-25 Mayo del 2001. Terrassa: Universitat Politècnica de Catalunya 2001. zum Text
[6] Höing, H.: Die Konsdervierungsanlage imNiedersächsischen Staatsdarchiv in Bückeburg. Der Archivar 50 (1997): 71-82. zum Text
[7] Bansa, H.: Acceleraterd ageing of paper: Some ideas on its practical benefit. Restaurator 23 (2002): 106-117. zum Text

 

Zum Autor:
Dr. Helmut Bansa, Herausgeber der Zeitschrift RESTAURATOR, ehemaliger Leiter des IBR (Institut für Handschriften- und Buchrestaurierung) und der Staatlichen Fachakademie zur Ausbildung von Restauratoren in München, langjähriges Mitglied der DBI-Kommission für Bestandserhaltung.
E-mail: Bansa-hul@arcor.de
Zum Artikel:
Manuskript für einen Vortrag, der am 26. Juni 2002 in Toblach (Dobbiaco) auf der Internationalen Konferenz "Erhaltung der kollektiven Erinnerung: Strategien und Lösungen" gehalten wurde.

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