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Probleme bei der Erhaltung der Bach-Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin
Die konservatorische und restauratorische Behandlung der Bach-Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin
Ein Beitrag von Dr. Hartmut Böhrenz, Berlin

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Im Festsaal des Berliner Rathauses wurde vom 21. bis zum 31. März 1901 eine Ausstellung gezeigt, die Johann Sebastian Bach gewidmet war. Anlass war das erste Deutsche Bachfest, mit dem sich die im Jahr zuvor gegründete Neue Bach-Gesellschaft der Öffentlichkeit vorstellen wollte, denn die von Franz Liszt, Robert Schumann u. a. gegründete "alte" Bach-Gesellschaft hatte sich nach der Herausgabe ihrer vollständigen kritischen Ausgabe der Werke Bachs in 46 Bänden, die in den Jahren 1851 bis 1899 erschienen waren, aufgelöst. Dass diese Bachausstellung am Anfang des 20. Jahrhunderts, nahezu 151 Jahre nach dem Ableben des großen Komponisten, zustande kam, ging offenbar auf die Initiative des Betreuers der Königlichen Sammlung alter Musikinstrumente und Professors an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, Dr. Oskar Fleischer, zurück. In seinem Führer durch die Bachausstellung, zu der auch die Königliche Bibliothek in Berlin ihren Beitrag leistete, zählte er rund 300 Ausstellungsstücke auf, darunter Autographe und alte Handschriften derjenigen Tonwerke, die in den drei Festkonzerten der Bachtage aufgeführt wurden. Autographe von Johann Sebastian Bach wurden erst wieder im Jahr 1935 öffentlich gezeigt, als es galt, der gleichaltrigen Komponisten Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel und des genau einhundert Jahre älteren Heinrich Schütz zu gedenken. Veranstaltet wurde diese Ausstellung unter dem Titel "Aus zwei Jahrhunderten Deutscher Musik", diesmal von der Preußischen Staatsbibliothek in ihrem Berliner Haus an der Straße Unter den Linden, deren Musikabteilung im Zuge ihres Ausbaus zur wichtigsten Quellensammlung für Johann Sebastian Bach und seine Familie und damit zu einem Zentrum der Bachforschung geworden war. Von Johann Sebastian Bach wurden 145 Originale gezeigt.

Dem 300. Geburtstag von Johann Sebastian Bach im Jahr 1985 widmete die Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz in Berlin (West), die wie auch die Deutsche Staatsbibliothek in Berlin (Ost) die Nachfolge der Königlichen bzw. der späteren Preußischen Staatsbibliothek angetreten hatte und der drei Viertel der Bach-Sammlung zugefallen waren, eine Ausstellung, in der zum ersten Mal öffentlich auf Tintenfraßerscheinungen hingewiesen wurde. In dem zur Ausstellung herausgegebenen Katalog heißt es hierzu: "Vom Verfall bedroht sind viele Autographe J. S. Bachs, da er für seine Niederschriften nicht immer gutes Papier und eine zumeist stark eisenhaltige Tinte benutzte, als sparsamer Hausvater die einzelnen Seiten seines Notenpapiers auch noch außerordentlich ausnutzte. Durch die normale Luftfeuchtigkeit begann die Eisengallus-Tinte an besonders eng beschriebenen Stellen zu oxydieren, zu rosten." Diese Gefahr wurde bereits von den verantwortlichen Bibliothekaren der Preußischen Staatsbibliothek erkannt, und nach reiflichen Überlegungen begann man in den dreißiger Jahren, stark gefährdete Niederschriften Bachs durch den Papyrusrestaurator Hugo Ibscher mit feiner Lyoner Chiffonseide und Reisstärke als Klebemittel überziehen zu lassen. Dadurch wurde der Zusammenhalt des Überklebten gesichert, durch den flüssigen Leim unter Umständen jedoch der sogenannte Tintenfraß von Fall zu Fall gefördert. Ein Beispiel ist die Partitur Mus. ms. Bach P 266: Die mit Chiffonseide überzogene Seite 44 zeigt ein deutliches Ausbluten der Eisengallustinte, während auf der gegenüberliegenden, nicht restaurierten Seite 45 die ursprüngliche Art der Schriftzüge nahezu unverändert erhalten ist. Ob allerdings die Feuchtigkeit des Reisstärkeleims in dem Papier, die während des sich bis zu zwanzig Stunden hinziehenden Trocknungsprozesses entscheidend wirken konnte, oder ob unterschiedlich zusammengesetzte Tinten auf den Seiten 44 und 45 in Verbindung mit einer relativ hohen Feuchtigkeit der umgebenden Luft über einen längeren Zeitraum im Sel waren, sei dahingestellt. Der Leiter der Restaurierungswerkstatt der Staatsbibliothek zu Berlin, Restaurator Ernst Bartelt, hat jedenfalls gezeigt, daß von ihm nach überlieferten Anweisungen angesetzte Eisengallustinten keinen Hinweis geben, welche Tinte unter der Einwirkung von Feuchtigkeit zum Ausbluten neigt.

Jeder Schreiber mischte in seiner Zeit seine Tinte anders, teils nach überlieferten Rezepten, teils nach Gutdünken. Nach Professor Dr. Robert Fuchs lassen sich die Eisengallustinten prinzipiell zwei Grundtypen zuordnen: den echten Eisengallustinten, perfekte Eisengallustinten genannt, aus Galläpfeln mit einem hohen Anteil an Gallsäure und den Eisen-Gerbsäuretinten, den sogenannten imperfekten Eisengallustinten, aus gerbstoffreichen, jedoch gallussäurearmen Rinden. Aus einem von Professor Fuchs zusammengestellten Tintenkatalog sollen hier noch die Eisengallus-Schwarzpigment-Mischtinten, Eisengallustinten mit einem Zusatz von Ruß oder Kohlepulver, genannt werden.

Abb.1
Abb.1: Expertentreffen zur Tintenfraßproblematik am 13./14. Oktober 1997 in der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz

Eine allen Ansprüchen gerecht werdende Restaurierung ist nur zu erreichen, wenn sie auf einem, naturwissenschaftlich abgesicherten Weg vollzogen wird. Daher wurde von der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, dem westlichen Teil der heutigen Staatsbibliothek zu Berlin, im Jahr 1983 ein Forschungsprojekt Tintenfraß mit finanzieller Hilfe der Volkswagen-Stiftung in die Wege geleitet. Federführend war das Institut für Farbenchemie der Akademie der bildenden Künste Wien, Kooperationspartner waren die Technische Universität Wien, die österreichische Nationalbibliothek und die Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz. Obwohl bereits auf der für die einschlägigen Fachkreise legendären "St. Gallener Konferenz" im Jahr 1898 zur Handschriftenkonservierung, die der Präfekt der Vatikanischen Bibliothek Dr. Franz Ehrle - bei dem Hugo lbscher die Restaurierung mit Hilfe von Chiffonseide kennenlernte - organisierte, das Problem der Behandlung des Tintenfraßes diskutiert wurde, war seine Ursache damals und weiterhin ungeklärt. Auch in Wien blieb in den Jahren 1984 bis 1991 nach dem Herausarbeiten der Wirkungsmechanismen offen, ob Tintenfraß primär als Säurefraß aufzufassen ist oder mehr durch eine katalytische Wirkung des Eisens hervorgerufen wird.

Dank neuerer Forschungsergebnisse am Amsterdamer Instituut Collectie Nederland ist inzwischen gesichert, dass Tintenfraß durch sich wechselseitig beeinflussende Prozesse verursacht wird, indem
 

die als Nebenprodukt bei der Tintenbildung entstehende Schwefelsäure die saure Hydrolyse der Zellulose verursacht, wobei die Zelluloseketten zu kurzkettigen Zuckern gespalten werden mit der Folge, dass das Papier seine mechanische Festigkeit verliert,
Eisen(II)-ionen aus dem Eisen(II)-sulfat, einem der Ausgangsstoffe zur Herstellung von Eisengallustinte, als Katalysator die Oxidation der Zellulose an der Luft beschleunigen, damit die mechanische Festigkeit des Papiers herabsetzen und zur Bildung braungefärbter Produkte führen und
Eisen(II)-ionen sich durch Oxidation zu Eisen(III)-oxidhydrat, d. h. Rost, umsetzen, um dann allerdings nicht mehr katalytisch wirksam zu sein.

Hinsichtlich der tintenfraßgeschädigten Bach-Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz stellt sich im Augenblick die Situation wie folgt dar:
Die Bibliothek besitzt etwa 80 % des gesamten handschriftlichen Nachlasses Johann Sebastian Bachs und seiner Söhne. Die Autographe von Johann Sebastian Bach umfassen 6 608 Blätter, d. s. 13216 Seiten. Sie setzen sich zusammen aus 133 Partituren mit 2296 Blättern, d. s. 4592 Seiten, und den Stimmen mit 4312 Blättern, d. s. 8624 Seiten. Die übrige Bach-Sammlung umfaßt rund 50000 Blätter, das sind 100000 Seiten. Im Zusammenhang mit einer Erhebung über den Erhaltungszustand der Bestände der Musikabteilung der Staatsbibliothek zeigte sich, daß diese Bach-Sammlung Anlaß zu großer Sorge gibt. Daher hat der seit dem März 1995 amtierende Generaldirektor der Staatsbibliothek zu Berlin beschlossen, im Rahmen der konservatorischen und restauratorischen Betreuung der Musikalien der Bach-Sammlung eine besondere Priorität beizumessen.

Abb.2
Abb.2: Bach-Autographe mit unterschiedlichen Schädigungsgraden

Als eine der ersten bestandssichernden Maßnahmen wurde im Zuge der räumlichen Zusammenlegung der nahezu ein halbes Jahrhundert geteilten Musikabteilung im Haus Unter den Linden ein besonders ausgewiesener Magazinraum eingerichtet. Er zeichnet sich aus durch
 

beste räumliche Zuordnung zum Musiklesesaal,
konstante und für die Langzeitlagerung optimale Klimabedingungen mit einer Lufttemperatur von 18 ºC und einer relativen Luftfeuchtigkeit von knapp 50 %
das Fehlen von Fenstern und damit verbunden durch eine geringe Umweltbelastung und Lichteinwirkung sowie
zeitgemäße Bestandsschutztechnik und Diebstahlsicherung.

In diesem Sicherheitsmagazin werden die in der Staatsbibliothek vorhandenen Autographe der bedeutendsten Komponisten, u. a. die Werkautographe Johann Sebastian Bachs, aufbewahrt, und damit wird klimabedingten Degradationserscheinungen an ihnen vorgebeugt.

Abb.3
Abb.3: Johann Sebastian Bach, Messe in h-Moll, Sign. P180 BWV 232, Ausschnitt einer Seite mit normalen Alterungserscheinungen

Die Bibliothek verstärkt seit dem Herbst 1996 ihre konservatorischen Maßnahmen. Sie erstrecken sich zunächst auf sämtliche Autographe Johann Sebastian Bachs. Zu den Maßnahmen gehören das Abnehmen säurehaltiger Einbände und das Einlegen gepufferter Papiere zwischen die einzelnen Blätter, um freigesetzte Säuren zu neutralisieren und Übertragungsmechanismen wie das Durchschlagen oder Abklatschen der Tinte zu unterbinden. Zur Aufbewahrung der Objekte werden formatgerechte Spezialkassetten angefertigt bzw. genutzt, die einen Luftaustausch mit der Umgebung gewährleisten. Mit dem Abschluß dieser Präventivbehandlung ist bereits im nächsten Jahr zu rechnen. Parallel zu den konservatorischen Maßnahmen erfolgt eine ausführliche schriftliche Dokumentation des Ist-Zustands der Autographe Blatt für Blatt. Neben der Beschreibung der Schäden wird auf der Grundlage des Erhaltungszustands eine Zuordnung der Autographe zu folgenden fünf Gruppen vorgenommen:
 

ohne sichtbaren Schaden,
mit leichtem Schaden, d. h. kein unmittelbarer restauratorischer Handlungsbedarf,
mit mittlerem Schaden, d. h. restauratorischer Handlungsbedarf,
mit schweren Schäden, d. h. akuter Handlungsbedarf und
in der Vergangenheit ausgeführte Restaurierungen mit fallweise zu entscheidendem Handlungsbedarf.

Abb.4
Abb.4: Johann Sebastian Bach, Messe in h-Moll, Sign. P 180 BWV 232, Ausschnitt einer Seite mit schweren Tintenfraßschäden

Mit dieser Klassifizierungsmaßnahme wird der Bibliothek eine wesentliche Entscheidungshilfe für das zu erarbeitende Restaurierungskonzept an die Hand gegeben. Die aktuellen Untersuchungsergebnisse lauten: 36 % ohne sichtbaren Schaden, 31 % mit leichtem Schaden, 13 % mit mittlerem Schaden, 20 % schwere Schäden. In der Vergangenheit durchgeführte Restaurierungen an 10 % des Autographenbestandes zeigen mehr als deutlich, dass die Zeitspanne zur Beantwortung der zentralen Frage nach einem naturwissenschaftlich abgesicherten Restaurierungsverfahren zur risikoarmen Behandlung der vom Tintenfraß befallenen Bach-Sammlung in dramatischer Weise kleiner wird, falls die kürzlich eingeleiteten konservatorischen Maßnahmen sich nicht hinreichend positiv auswirken sollten.

Die bisherigen Bemühungen der Restauratoren der Staatsbibliothek zu Berlin zur Bewahrung der physischen Substanz der Berliner Bach-Sammlung fanden in erfreulicher Weise einen Widerhall: In einer gemeinsamen Erklärung des Präsidenten der Neuen Bach-Gesellschaft und einer Arbeitsgruppe für Fragen der Erhaltung von Bach-Autographen der Neuen Bach-Gesellschaft sowie den Leitern des Bacharchivs in Leipzig und des Bachhauses in Eisenach, ferner des Generaldirektors und des Leiters der Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin wurden am 14. Januar 1997 die eingeleiteten Maßnahmen gewürdigt und zugleich um fördernde Unterstützung der Staatsbibliothek gebeten.

Zur Klärung offener restauratorischer Fragen lud der Generaldirektor der Staatsbibliothek am 13./14. und 20. Oktober 1997 sowie am 30. März 1998 zu Gesprächen über Tintenfraßprobleme nach Berlin ein. An ihnen beteiligten sich führende Experten auf diesem Gebiet aus Deutschland und den Niederlanden. Ohne die Gesprächsrunden umfassend zu rezensieren, soll auf die erörterte Reaktivierung der Eisen(II)-ionen durch Komplexierung bei gleichzeitiger Papierentsäuerung sowie auf das Papierspaltverfahren eingegangen werden.

Dr. Johan Neevels Überlegungen am Instituut Collectie Nederland gehen davon aus, die Hydrolyse durch Auswaschen oder Neutralisieren der Schwefelsäure und die Oxidation durch Entfernen der Eisen(II)-ionen aus dem Reaktionsprozess durch Komplexierung zu unterbinden. Allerdings sind nur wenige Komplexbildner geeignet. Zu diesen zählen die Phytate, die Salze der Phytinsäure, natürlich vorkommende organische Phosphate. Nachdem erkannt worden war, daß eine kombinierte Calciumphytat-Calciumbicarbonatbehandlung Tintenfraß nachhaltig aufhalten kann, wurde in den letzten Jahren der Weg zur Umsetzung dieser Behandlungsmethode in die restauratorische Praxis beschritten. Hierbei galt es zum einen abzuklären, welche Nebeneffekte bei einer wässerigen Behandlung auftreten und wie diese minimiert werden können, und zum anderen die Behandlungen an Originalen, die als Testmaterial dienten, auszuführen. Die Phytatmethode gestattet es nicht, bereits vorhandene Schäden zu beseitigen, sie ist jedoch ein großer Fortschritt, den Tintenfraß auf dem beschriebenen chemischen Weg zum Stillstand zu bringen.

Zur Rettung wirklich brüchiger und bereits weitgehend abgebauter Papiere ist das von den Restauratoren Günter Müller in Jena und Dr. Wolfgang Wächter in Leipzig optimierte Papierspaltverfahren, das Einbringen eines stabilisierenden dünnen Blattes zwischen Vorder- und Rückseite eines Bogens Papier, geeignet. Das Verfahren ist technisch beherrschbar und sowohl unter ästhetischen als auch konservatorischen Aspekten vertretbar. Druckfarben, Tinten sowie die Farben kolorierter Blätter bleiben optisch unverändert. Zu klären ist in jedem Einzelfall die Frage, ab welchem Zerstörungsgrad das vorliegende Original diesem nicht unerheblichen Eingriff in seine heutige Substanz zu unterwerfen ist.

Es liegt der Gedanke nahe, die Phytatmethode mit der Spaltmethode zu verbinden. Die Staatsbibliothek sieht sich hier in der Pflicht, anregend auf praxisorientierte restauratorische Forschungsarbeit im Zusammenhang mit der Tintenfraßproblematik zu wirken, nicht zuletzt im eigenen Interesse. Das Lebenswerk von Johann Sebastian Bach, dem bedeutenden Schöpfer barocker Musik, einem der herausragenden Komponisten, im Original zu erhalten, zwingt zu nicht mehr aufschiebbarem Handeln. Daher hat die Staatsbibliothek sich zur Aufstellung einer Konzeption für die konservatorische und restauratorische Behandlung ihrer Bach-Autographe von fachkompetenten auswärtigen Einrichtungen beraten lasen, einen Vorschlag von Professor Dr. Robert Fuchs, durch seine Kölner Forschungsgruppe die zerstörungsfreie Erfassung und Dokumentation der Tinten bei den Eigenschriften Johann Sebastian Bachs vornehmen zu lassen, umgesetzt und zur Vorbereitung der Restaurierung chiffonierter BachAutographe in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Gerhard Banik, Stuttgart, in ihren Werkstätten die zerstörungsfreie Abnahme von Chiffonseide optimieren lassen. Auf der Zusammenkunft am 30. März 1998 wurde die Ansicht vertreten, dass man sich über die Anwendung verschiedener Restaurierungsverfahren noch weitere Klarheit verschaffen muss und dass bei weiterem Forschungseinsatz in den nächsten Jahren der Erkenntnisstand der Tintenfraßforschung eine wissenschaftlich abgesicherte risikoarme Restaurierung zulassen wird.

Anhand einer Auswahl von vierzehn schwerstgeschädigten Bach-Autographen sahen die Teilnehmer des Expertengesprächs keinen sofortigen restauratorischen Handlungsbedarf, empfahlen jedoch neben konservatorischen Maßnahmen wie dem sofortigen Ausschluss fragiler Objekte von der Benutzung, einen Teil der Autographen in eine systematische Langzeitbeobachtung und Analyse des Schadensverlaufes einzubeziehen.

Aus eigener Kraft kann die Staatsbibliothek zu Berlin kurzfristig die wissenschaftlich zu begleitende Restaurierung der gefährdeten Autographe Johann Sebastian Bachs ohne Zurückstellung anderer sehr wichtiger Arbeiten nicht leisten. Daher wird die Zusammenarbeit mit auswärtigen Spezialisten aus dem Bereich der Papierrestaurierung gesucht und um finanzielle Unterstützung geworben.

 

 
Literatur
Banik, Gerhard: Entwurf einer Konzeption für die konservatorische und restauratorische Behandlung der Bach-Autographen an der Staatsbibliothek zu Berlin. Fellbach, 1997.
Bartelt, Ernst: Entrestaurierung tintenfraßgeschädigter Bach-Autographe an der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz. Berlin, 1997.
Bartelt, Ernst: Restauratorische Maßnahmen an tintenfraßgeschädigtem Sammelgut. Berlin, 1995. Böhrenz, Hartmut: Problematik der Erhaltung von tintenfraßgeschädigten Bach-Autographen in der Staatsbibliothek zu Berlin- Preußischer Kulturbesitz. Berlin, 1997.
Die Handschrift Johann Sebastian Bachs. Musikautographe aus der Musikabteilung der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Berlin. Ausstellung zum 300. Geburtstag von J. S. Bach vom 22. März bis 13. Juli 1985. Wiesbaden: Reichert. (SBPK, Austellungskataloge, 25.) Fuchs, Robert: Der Tintenfraß historischer Tinten und Tuschen - ein komplexes, nie enden wollendes Problem. Köln, 1997.
-: Tintenfraß-Problematik der Bach-Autographen. Köln, 1997.
Hofenk de Graaff, Judith: Tintenfraß-Problematik bei den Bach-Autographen. Amsterdam, 1997. Marwinski, Konrad: Papierrettung im Wettlauf mit der Zeit. Flexibles System zur Restaurierung und Konservierung des Schriftträgers Papier an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena. Von Konrad Marwinski und Günter Müller. In: Forschungsmagazin H.6 (1997) S.18-23.
Neevel, Johan: Das Tintenfraßprojekt des Netherlands Institute for Cultural Heritage. Ein Überblick (Stand 10/1997). Von Johan G. Neevel und Birgit Reißland. Amsterdam, 1997. Neevel, Johan: Johan G. Neevel u. Birgit Reißland. Das Tintenfraß-Projekt. Untersuchungen im Netherlands Institute for Cultural Heritage. In: Restauro 104 (1998) S. 180-185.
Staatsbibliothek zu Berlin - PK: Die Bach-Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin. Maßnahmen zu ihrer Erhaltung. Berlin, 1997. Staatsbibliothek zu Berlin - PK: "Tintenfraß-Problematik" bei den Autographen von Job. Seb. Bach: Verlauf und Ergebnisse der Expertengespräche am 13./14. sowie am 20. Oktober 1997 in der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz. Berlin, 1997.
Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz: "Tintenfraß-Problematik" bei den Autogrpahen von Joh. Seb. Bach: Ergebnisse des 2. Expertengesprächs am 30. März 1998 in der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz. - Berlin, 1998.

 
 

Zum Autor:
Dr. Hartmut Böhrenz, Leiter der Abteilung Bestandserhaltung an der Staatsbibliothek zu Berlin
Zum Artikel:
Erstmals erschienen in:
Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz, Band XXXIV. Herausgegeben im Auftrag des Stiftungsrats vom Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1998, S. 261-271

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