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Outsourcing - ein Geheimtipp?
Ein Beitrag von Reinhard Feldmann, Münster

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"Outsourcing" war vor Jahren ein Zauberwort im Archiv- und Bibliothekswesen. "Outgesourct" (sic!) wurde buchstäblich alles und jedes. Dabei wurde Outsourcing oftmals mit Auftragsvergabe verwechselt, denn echtes Ourtsourcing gibt es zur Zeit und vermutlich auch in Zukunft weder in der Bestandserhaltung noch in anderen Servicebereichen der Bibliothek (Erwerbung, Katalogierung, Benutzung).

Auftragsvergabe an qualifizierte Dienstleister ist etwas anderes: Diese Inanspruchnahme von Fachleuten ist jedem Archiv und jeder Bibliothek sehr zu empfehlen. Freilich müssen Archiv und Bibliothek bei der Auftragsvergabe auch über qualifiziertes und gut geschultes Personal verfügen, um diese Auftragsvergabe abzuwickeln und um eine Qualitätskontrolle der erbrachten Dienstleistung zu gewährleisten.

Die anfängliche Euphorie weicht einer nüchternen Betrachtungsweise: Denn erstens kostet gute, qualifizierte Arbeit eines Dienstleisters ebenso Geld wie z.B. die Beschäftigung eigner Fachkräfte und zweitens kostet auch die Vorbereitung der Auftragsvergabe Zeit und damit Geld. Das Gespräch mit dem Restaurator über die Restaurierung eines seltenen Drucks oder gar einer Handschrift kann leicht mehrere Stunden dauern, die Vor- und Nachbereitung bei Verfilmungsarbeiten wird zur Zeit mit etwa 20% des Auftragsvolumens veranschlagt (und das ist schon scharf kalkuliert).

Auf weitere Gefahren weist der Doyen der Bestandserhaltung in Deutschland, Helmut Bansa hin:

Das flächendeckende und umfängliche Einwerben von Buchpatenschaften stößt auf die Grenze der beschränkten Kapazität in der zu fordernden Qualität und verführt damit dazu, qualitative Abstriche hinzunehmen.
Das Vorhandensein von leistungsfähigen Maschinen (Spaltanlage) verführt dazu, sie einzusetzen, auch wenn im konkreten Fall andere Verfahren angebracht wären.
Outsourcing ist im Bereich der Konservierung/Restaurierung äußerst problematisch; statt der pauschalen Übertragung sollten einzelne detaillierte Aufträge an freie Restauratoren oder an Servicebetriebe über qualifizierte hauseigene Fachleute (Restauratoren) erfolgen.
Sämtliche chemischen und radiochemischen Maßnahmen zur Bekämpfung von Schimmel in Bibliotheksgut sind nicht nur überflüssig: sie sind schädlich. Kühle und trockene Lagerung ist das einzige auf Dauer wirksame und das allein voll ausreichende Mittel zum Verhindern von Schimmelwachstum.
Umfängliche, vom Management betriebene Projekte im Bereich der Restaurierung von Bibliotheksgut werden dessen Vielfalt nicht gerecht und bergen die Gefahr des Verlustes an historischer Substanz.
Wichtigste Maßnahme der Konservierung ist die Schaffung geeigneter Lager- und Benutzungsbedingungen. Dem steht jedoch die ungünstige Relation zwischen Aufwand und propagandistisch verwertbarer Wirkung entgegen.

Die Formulierungen von Helmut Bansa werden nicht jedem gefallen - bedenkenswert sind sie allemal, stammen sie doch von einem Wissenschaftler und Bibliothekar, der sich sein ganzes berufliches Leben mit dem materiellen Aspekt des Buches beschäftigt hat.

In der folgenden Übersicht finden Sie alle Dienstleistungsbetriebe. Ursprünglich sollten nur Dienstleister ausgewählt und präsentiert werden, die von einem unabhängigen Gremium (z.B. der "Kommission für Bestandserhaltung") geprüft und empfohlen worden sind. Dies möchte jedoch die Deutsche Forschungsgemeinschaft nicht: "Die geplante Datenbank empfehlenswerter Restauratoren wurde kritisch gesehen, da hier öffentliche Einrichtungen eine Bewertung treffen würden, die nur bei Offenlegung von zuvor noch wohlzuüberlegenden, soliden Auswahlkriterien Bestand haben könne. Bei einer Auflistung von Adressen und Dienstleistungen von Restauratoren ohne jegliche Bewertung könnte dies Probleme umgangen werden." (Brief vom 2.1.2001).

 

Zum Autor:
Reinhard Feldmann, Universitäts- und Landesbibliothek Münster
E-mail: feldmre@uni-muenster.de
Zum Artikel:
Stand: November 2002
Geschäftsstelle:
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Krummer Timpen 3-5, 48143 Münster
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