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Bestandserhaltung als Massenproblem
Wissenschaftliche Bibliotheken stehen heute mehr denn je in der Spannung zwischen einer stetig wachsenden Benützung einerseits und Erhaltungsproblemen andererseits. Obwohl endogene Alterungsprozesse und exogene Einwirkungen durch Feuer, Wasser, Insektenbefall oder mechanische Schäden durch Abnutzung auch die - relativ stabilen - Werke aus Hadernpapier schädigen, liegt das Hauptproblem doch bei den Büchermassen, die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts hergestellt wurden. Rohstoffbasis dieser Druckwerke ist meist holzhaltiges Papier mit einer Alaun-Harz-Leimung. Beide Faktoren - der Holzschliff und die aluminiumsulfathaltige Leimung - führen zur Bildung verschiedener Säuren, die den endogenen Papierzerfall verursachen [1]. Das Papier vergilbt zunächst von den Rändern her, dann über das ganze Blatt und wird zuletzt brüchig.
Um den Problemen der Alterung und anderer Schädigungen wirksam zu begegnen, sind bestandserhaltende Maßnahmen notwendig. Unter Bestandserhaltung versteht man nach einer Definition von Hartmut Weber "alle Vorkehrungen und Tätigkeiten, die dazu dienen, Kulturgut allgemein, speziell Archiv- und Bibliotheksgut, vor Beschädigung und Untergang zu bewahren und seiner Zweckbestimmung gemäß die Zugänglichkeit auch noch für künftige Generationen zu gewährleisten." [2]
Aufgrund des Ausmaßes und der Dringlichkeit der Problematik vor allem des Holzschliffpapiers wurde 1989 in Deutschland eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe "Papierzerfall" eingesetzt, die 1992 einen "Bericht über Ursachen, Ausmaß, Wirkungen und Folgen des Papierzerfalls im Bibliotheks-, Archiv- und Verwaltungsbereich" herausgab. Nach einer Untersuchung des Deutschen Bibliotheksinstituts von 1988 [3] ist an 54 Hochschul- und Landesbibliotheken bereits knapp die Hälfte des Gesamtbestandes geschädigt, d.h. 12% sind bereits brüchig, 26% sind mehr oder minder stark vergilbt, also auch behandlungsbedürftig. Insgesamt sind rund 66 Millionen Bände in deutschen wissenschaftlichen Bibliotheken geschädigt; davon haben 8 Millionen Bände Einbandschäden. Aufgrund dieser Untersuchungen wurden 1993 "Empfehlungen der Kultusministerkonferenz zur Erhaltung der vom Papierzerfall bedrohten Bibliotheksbestände" herausgegeben. [4] Empfohlen werden unter anderem Gegenmaßnahmen wie z.B. Massenentsäuerung und Mikroverfilmung sowie die Bereitstellung und zweckgebundene Zuweisung von "Mitteln in der Größenordnung von 1 % der jährlichen Zuweisungen für den Kauf wissenschaftlicher Literatur" zusätzlich für entsprechende Verfilmungsmaßnahmen.
Ziele der Bestandserhaltung
| 1. |
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Ein fundamentales Ziel der Bestandserhaltung ist die Prävention, die Vermeidung von Schäden. Hierzu dienen vor allem geeignete Aufbewahrungsbedingungen, aber auch Ausleihbeschränkungen, Kopierverbote für gefährdete oder geschädigte Werke sowie Regeln für das Handhaben von Büchern.
An erster Stelle steht die Sorge für ein büchergerechtes Raumklima: Die Faustregel lautet: Lagerung so kühl wie möglich. In VDIN 33 901 "Anforderungen an die Aufbewahrung von Archiv- und Bibliotheksgut" (Übersetzung von ISO-DIS 11799) heißt es: "Magazinräume für Archiv- und Bibliotheksgut sollten kühl gehalten werden, idealerweise in einem Gebäude, das gemäß den Prinzipien der klimatischen Geschlossenheit errichtet wurde." Tolerabel sind nach der ISO-Norm 14 bis 20° C und 45% bis 55% relative Luftfeuchtigkeit. [5] |
| 2. |
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Sind Schäden bereits eingetreten, so ist das vorrangige Ziel die Konservierung des Originals durch geeignete Maßnahmen wie z.B. Entsäuern, Übervliesen oder Papierspalten. |
| 3. |
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Soweit das Original wegen des fortgeschrittenen Schadens nicht mehr oder nur mehr mit unvertretbar hohem Aufwand erhalten werden kann, ist die Informationssicherung durch Übertragung auf ein Sekundärmedium (Mikrofilm, Mikrofiche, alterungsbeständige Papierkopie, digitales Medium) erforderlich. |
Grundsätze für die Bestandserhaltung
Die folgenden Grundsätze für die Bestandserhaltung sind dem bayerischen Landeskonzept "Erhaltung, Archivierung und Aussonderung von Druckschriften in Bayern" [6] entnommen und an die Situation der Bayerischen Staatsbibliothek angepasst.
| 1. |
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Die einzelne Bibliothek soll gemäß ihrer Funktion, ihrer Struktur und ihren Be ständen ein Archivierungs- und Erhaltungsprofil entwickeln. Das Erhaltungsprofil ist die dauerhafte Seite des Erwerbungsprofils. Es sollte in Abstimmung mit anderen Bibliotheken der Region, bei Zeitschriften möglichst überregional/international erfolgen. |
| 2. |
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Grundsätzlich soll jedes Werk, sofern es "für Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft in Bayern nach gegenwärtigem Urteil von dauerhaftem Wert" ist, von bayerischen staatlichen Bibliotheken, insbesondere der Bayerischen Staatsbibliothek, erhalten werden. |
| 3. |
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Die Erhaltung des Originals in seiner physischen Form ist der Erstellung einer Sekundärform vorzuziehen, da hierbei die Einheit von physischer Gestalt und Informationsgehalt gewahrt wird. Auch aus Kostengründen empfiehlt sich bei Werken von leichtem oder stärkerem Vergilbungsgrad, die noch nicht brüchig sind, die Erhaltung des Originals durch Entsäuerung.
Bei folgenden Werken ist in jedem Falle die Originalerhaltung anzustreben: [7]
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bei allen Werken, die bis 1840 erschienen sind ("Altes Buch"), Hier ist der intrinsische Wert eo ipso gegeben; |
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bei allen Werken nach 1840, die einen intrinsischen Wert, d.h. einen Mehrwert gegenüber dem Informationsgehalt, haben; |
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möglichst bei allen Werken von dauerhaftem Wert, wenn das Papier noch nicht brüchig ist.
Da aufgrund der Größenordnung der geschädigten Bestände nicht alle Werke von dauerhaftem Wert erhalten werden können, muss eine Selektion der mit Vorrang zu erhaltenden Werke getroffen werden. |
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| 4. |
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Aufgrund der beschränkten Mittel soll bei jedem Werk in der Regel nur eine Erhaltungsmaßnahme durchgeführt werden. So wird ein verfilmter Band nicht zusätzlich entsäuert. Ausnahmen bilden lediglich Werke von intrinsischem Wert. [8] |
| 5. |
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Angesichts des Ausmaßes der Schäden in globaler Perspektive ist eine zielgerichtete Bestandserhaltung letztlich nur im Rahmen einer Aufgabenteilung durch Kooperation auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene zu erreichen. Daher sind Landeskonzepte, wie sie außer in Bayern (1998) z.B. in Berlin (Konzept der Bibliotheken 1996), Nordrhein-Westfalen (Erlass 1995) oder Sachsen (Entwurf 1998) existieren, besonders wichtig, aber auch bundesweite und internationale Abstimmungen besonders für die Mikroformen, um die Mehrfachherstellung von Sicherheitsfilmen eines Werkes zu vermeiden. |
Voraussetzungen für die Organisation bestandserhaltender Maßnahmen
Da angesichts der gewaltigen Schadensdimensionen und der beschränkten Finanzmittel nicht alle bedrohten Werke einer Bibliothek saniert werden können, müssen Methoden zur Priorisierung von Erhaltungsmaßnahmen entwickelt werden. Auf folgenden methodischen und praktischen Voraussetzungen sollte die Durchführung bestandserhaltender Maßnahmen basieren:
| 1. |
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Entwicklung eines Bestandserhaltungsprofils auf der Grundlage des Erwerbungsprofils der betreffenden Bibliothek, |
| 2. |
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Durchführung einer Gesamtschadenserhebung, |
| 3. |
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Selektion der Werke nach den Kriterien: Wichtigkeit für das Bestandserhaltungsprofil, Schadensgrad, Benützungshäufigkeit. |
Die Situation an der Bayerischen Staatsbibliothek
An der Bayerischen Staatsbibliothek ist seit Jahrzehnten das renommierte Institut für Buch- und Handschriftenrestaurierung mit der Instandsetzung wertvoller Einzelobjekte sowie mit der Erforschung und Optimierung von Restaurierungsmethoden befasst. Zur Erhaltung der vom Papierzerfall bedrohten Büchermassen des Zeitraums ab 1840, um deren Problematik es in diesem Beitrag ausschließlich geht, wurde 1995 die Abteilung Bestandserhaltung gegründet. Deren Aufgaben sind in folgendem begründet:
Die Bayerische Staatsbibliothek hat als zentrale Landesbibliothek die gesetzlich fundierte Aufgabe, alle Druckwerke, die in Bayern erschienen sind, in jeweils einem Exemplar zu archivieren. Im Rahmen des 1998 veröffentlichten Landeskonzepts "Erhaltung, Archivierung und Aussonderung von Druckschriften in Bayern" [9] ist als Grundsatz formuliert: "Von jedem in Bayern vorhandenen Werk mit dauerhaftem Wert für das Land wäre ... auch bei Gefährdung mindestens ein Exemplar durch geeignete Maßnahmen wie Restaurieren, Entsäuern, Kopieren, Verfilmen und/oder digitale Speicherung zu bewahren und verfügbar zu halten." [10] In den "Richtlinien für die Aussonderung, Archivierung sowie Bestandserhaltung von Bibliotheksgut in den Bayerischen Staatlichen Bibliotheken" vom 21. Juli 1998 [11] ist festgesetzt:
"Die Archivierungs- und Erhaltungsfunktion wird von bayerischen staatlichen Bibliotheken gemeinsam und verteilt ausgeübt. Als bayerische Archivexemplare anzusehen sind und ... in der besitzenden Bibliothek daher aufzubewahren und nach Möglichkeit zu erhalten sind insbesondere:
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der Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek; |
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das zweite Pflichtexemplar in den weiteren Pflichtexemplarbibliotheken; |
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in Sondersammelgebietsbibliotheken die einschlägige Literatur; |
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in Hochschulbibliotheken Dissertationen und andere Hochschulschriften der eigenen Hochschule sowie in der Regel die Werke der Mitglieder der Hochschule; |
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das letzte bayerische Exemplar eines Titels von dauerhaftem Wert in der jeweiligen Bibliothek. |
Da der Bayerischen Staatsbibliothek als Landesbibliothek von Natur aus die Aufgabe der dauernden Archivierung zufällt, kann jede andere bayerische Bibliothek in der Regel davon ausgehen, dass alle in der Bayerischen Staatsbibliothek vorhandenen Werke dort erhalten werden."
Um die begrenzten Mittel möglichst effektiv einzusetzen, geht die Bayerische Staatsbibliothek nach einer Kombination von inhaltlicher Wichtigkeit und äußerer Gefährdung vor. Unser Ziel ist es, vorrangig diejenigen Werke zu sichern, deren Bedeutung für das Erhaltungsprofil der Bayerischen Staatsbibliothek besonders hoch und deren Papierqualität zugleich besonders niedrig ist. Anders ausgedrückt: Die inhaltliche Wichtigkeit gemäß dem Sammelauftrag bzw. dem Erhaltungsprofil der Bayerischen Staatsbibliothek, der Grad der Schädigung (an Buchblock und Einband) sowie die Benützungshäufigkeit eines Werkes sind die Parameter für seine Erhaltungspriorität.
Erhaltungsprofil
Das Erhaltungsprofil ist analog zum Erwerbungsprofil zu entwickeln. Es variiert im Hinblick auf die Funktionen, die Struktur, die Bestände einer Bibliothek und hat auch die langfristige Bedeutung eines Werkes zu bedenken. Es sollte in Abstimmung mit anderen wissenschaftlichen Bibliotheken der Region bzw. der Nation erstellt werden. Historische und ökonomische Aspekte sind dabei angemessen zu berücksichtigen.
Für die Bayerische Staatsbibliothek sind "Eckpfeiler" des Erhaltungsprofils: die in Bayern erschienenen Druckschriften, die Werke über Bayern, die Literatur der Sondersammelgebiete nach dem Plan für die Überregionale Literaturversorgung der Deutschen Forschungsgemeinschaft [12] sowie die übrigen traditionellen Sammelgebiete insbesondere der geisteswissenschaftlichen Bereiche.
Gesamtschadenserhebung
Für eine planvolle Bestandserhaltung ist es notwendig, eine Schadenserhebung durchzuführen. Nur dadurch kann man genauere Kenntnis vom Ausmaß, der Art und der Verteilung der Schäden an Buchblock und Einband gewinnen und auf dieser Basis den Bedarf an Finanzmitteln zu deren Behandlung ermitteln. Zudem ist die Schadenserhebung ein wichtiges Kriterium für die Selektion, d.h. für die Auswahl der mit Vorrang zu sanierenden Werke einer Bibliothek.
In den Jahren 1995 bis 1999 wurden im Rahmen von Entsäuerungs- und Verfilmungsmaßnahmen an der Bayerischen Staatsbibliothek nur Schadenserhebungen einzelner (Teil-)Fächer durchgeführt: insbesondere für Bavarica, Russica, geschichtswissenschaftliche Zeitschriften. Die Hochrechnungen, die aufgrund dieser Erhebungen auf den Gesamtbestand durchgeführt wurden, sind nur bedingt auswertbar, da die untersuchte Menge gering und nicht über alle Fächer verteilt war [13].
Daher wurde im Herbst 2000 mit einer Gesamtschadenserhebung (GSE) der Druckschriften aus dem Zeitraum 1501 bis 1970 begonnen. Durch die Gesamtschadenserhebung sollen umfassende Erkenntnisse über die Schadensverteilung auf die einzelnen Fächer gewonnen werden, um danach die Erhaltungsmaßnahmen zu priorisieren.
Ziele der Gesamtschadenserhebung sind:
| 1. |
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die Erhebung der Gesamtschäden (Papier, Buchblock, Einband) der Druckwerke zwischen 1501 und 1970, |
| 2. |
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die Ermittlung der Schadensverteilung auf die bis 1935 üblichen Fächer (z. B. Bavar., Russ., Mus. pr.) und auf die Numerus-currens-Fächer 1936 bis 1970 (einschließlich den entsprechenden Z-Fächern), |
| 3. |
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die Gewinnung von Erkenntnissen über die zeitliche, geographische und inhaltliche Verteilung der Schäden. |
Es werden jeweils 15 Parameter pro untersuchtem Band erhoben. Um eine repräsentative Stichprobe zu erzielen, müssen ca. 350 Bände pro Fach untersucht werden. Die Rasterung muss daher der Größe des jeweiligen Faches (der Signaturengruppe) angepasst werden; d. h. die Abstände zwischen den einzelnen untersuchten Bänden sind bei kleinen Fächern enger, bei großen Fächern weiter. Da man insgesamt rund 500 Fächer (meist getrennt nach Formaten) erheben muss, sind insgesamt rund 175 000 Bände zu untersuchen.
Erst die genauere Kenntnis von Größenordnungen und Verteilungen der verschiedenen Schadensgrade über die ganze Breite des Fächerspektrums ermöglicht die Erarbeitung eines Mengengerüsts und, darauf basierend, die Ermittlung der genaueren Sach- und Personalkosten für die Behebung der Schäden in einem angemessenen Zeitraum. Dies ist vor allem wichtig für die vorrangige Behandlung der Fächer bzw. der Werke mit den gravierendsten Schäden und der größten Bedeutung für das Erhaltungsprofil der Bibliothek.
Darüber hinaus soll die Gesamtschadenserhebung Datenmaterial für wissenschaftliche Untersuchungen verschiedenster Art liefern. Sie soll Aufschluss geben über Zusammenhänge zwischen dem Erscheinungsjahr, der Herkunft, der Bedeutung, der Erscheinungsform, dem Fachgebiet und dem Schadensgrad von Druckwerken.
Die wichtigsten Parameter sind neben dem Erscheinungsjahr die Schadensgrade (SG), die den Zustand des Papiers und des Einbands kennzeichnen. Die Beurteilung des Papierzustandes erfolgt vor allem nach dem optischen und haptischen Befund (seltener zusätzlich nach dem Oberflächen-pH-Wert).
Folgende Kriterien, die von Claus-Michael Trapp, einem Mitarbeiter der Abteilung Bestandserhaltung, entwickelt wurden, liegen der Beurteilung der Papierschadensgrade zugrunde:
Kriterien zur Ermittlung der Schadensgrade bei säurehaltigem Papier
| 0 |
Ungewöhnlich gutes Papier, tadelloses Papier mit minimaler Vergilbung, meist relativ dick, nicht brüchig |
Entsäuerung ratsam |
| 2 |
Deutliche Braunfärbung, dünnes Papier mit gebräunten Rändern, erträgt dreifache Eckfalzung bzw. deutliche Bräunung im Satzspiegel, auch Hadernpapier |
Entsäuerung dringend nötig |
3 MF |
Braunfärbung über das ganze Blatt, Fasern brechen bei dreifachem Eckfalztest, Entsäuerung als dauerhafte Maßnahme wahrscheinlich ungeeignet |
Nur noch Verfilmung sinnvoll |
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Beurteilung jeweils nach dem schlechtesten Teil einer Bindeeinheit |
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Beurteilung nur des Papiers, nicht des Einbandes |
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Beurteilung der Papierqualität (nicht der Braunfärbung), d. h. abhängig von der Stärke und Beschaffenheit des Papiers |
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Bei SG 0 und 1 ist die Entscheidung zur Entsäuerung auch vom Erscheinungsjahr abhängig: Papier, das schon in wenigen Jahren eine relativ starke Braunfärbung erfuhr, ist dringlicher zu entsäuern als eines, das diesen Zustand erst nach vielen Jahrzehnten erreichte. |
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Bei Satzspiegelbräune wird die Zahl in einen Kreis gesetzt. |
Bisher wurden elf Fächer (A.civ., Arch., B.Sandb., Bavar., Chir., H.gr., Mus.pr., Mus. th., Po.russ., Ph.pr., Z 52.) mit einem Gesamtumfang von 363 643 Bänden bearbeitet, wobei innerhalb des Gesamtzeitraums (ab 1501) Datensätze zu 9 545 Bänden erhoben wurden. Davon sind 6 630, d.h. 69,5% den (Papier)-Schadensgraden 1, 2 und 3 zuzuordnen, bedürfen also einer bestandserhaltenden Maßnahme. Betrachtet man hingegen den kritischen Zeitraum des säurehaltigen Papiers (1840 bis 1970) [14], so umfassen die Schadensgrade 1 bis 3 insgesamt 5 158 von 6410 untersuchten Bänden dieses Zeitraums; das entspricht 80,5%, also vier Fünfteln, des untersuchten Bestandes. Doch ist die Zahl der untersuchten Fächer insgesamt noch zu gering, um gültige Aussagen über den Schadensbefund des Gesamtbestandes an Druckschriften 1501 bis 1970 machen zu können.
Selektion
Da die Bayerische Staatsbibliothek zwar prinzipiell alle in ihrem Eigentum befindlichen Werke von dauerhaftem Wert erhalten sollte, jedoch nur über begrenzte Mittel hierfür verfügt, muss eine Auswahl der mit Vorrang zu behandelnden Werke getroffen werden.
Neben der inhaltlichen Wichtigkeit eines Werkes für die Bayerische Staatsbibliothek ist vor allem der Schadensgrad, in geringerem Maße die Benützungshäufigkeit maßgebend für die Entscheidung, ob eine Erhaltungsmaßnahme durchgeführt wird. Diese Selektion bezieht sich bisher vor allem auf die für das Sammelprofil der Bibliothek vorrangigen Bereiche:
| 1. |
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Literatur über Bayern, insbesondere das Fach Bavarica; |
| 2. |
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die Literatur der Sondersammelgebiete gemäß dem SSG-Plan für die Überregionale Literaturversorgung. |
| 3. |
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die häufiger benützten Werke (Durchsicht der aus dem Allgemeinen Lesesaal, der Orts- und Fernleihe zurückgebuchten Werke). |
Im Rahmen von DFG-Projekten des Förderprogramms zur Erhaltung gefährdeter Bibliotheksbestände wurden z. B. musikwissenschaftliche Zeitschriften und Quellenwerke verfilmt bzw. als Film oder Reprint erworben [15]. Andere DFG-Projekte dienten der Verfilmung von Werken zu Geschichte und Kultur Osteuropas, vor allem Russlands und anderer slawischer Länder, aber auch von Werken zur deutschen, mittel- und westeuropäischen Lokalgeschichte [16]. Ein weiteres DFG-Projekt zur Sicherheitsverfilmung von geschichtswissenschaftlichen Zeitschriften (Deutschland, Osterreich, Italien) wird derzeit abgeschlossen [17].
Vorbereitung und Organisation von Erhaltungsmaßnahmen
Die Auswahl von geschädigten Werken für Erhaltungsmaßnahmen wird auf zweierlei Wegen vorgenommen, um allen drei Kriterien: inhaltliche Wichtigkeit, Schadensgrad und Benützungshäufigkeit gerecht zu werden:
| 1. |
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Die systematische Selektion Hierbei wird eine sequentielle Durchsicht vorausgewählter Bestandsgruppen am Magazin vorgenommen. |
| 2. |
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Die punktuelle Durchsicht Sie geschieht nach der Benützung in der Ortsleihe, dem Lesesaal oder der Fernleihe. In beiden Fällen muss jeder Band in die Hand genommen und auf die Frage nach dem intrinsischen Wert sowie der Schadensart und dem Schadensgrad (SG) geprüft werden. |
Originalerhaltung versus Sekundärformenerstellung
Gemäß Punkt 3 der "Grundsätze/Leitlinien der Bestandserhaltung" werden an der Bayerischen Staatsbibliothek alle Werke bis 1840 prinzipiell im Original erhalten. Von den Werken nach 1840 werden die vergilbten Werke (SG 1 oder SG 2) im Original erhalten, wobei in der Regel die Massenentsäuerung [18] die Methode der Wahl ist. Bei Bänden mit bereits brüchigem Papier (SG 3) ist in der Regel nur mehr die Sicherung des Informationsgehalts zweckmäßig: Es wird eine Sekundärform (Mikrofilm, alterungsbeständige Papierkopie) hergestellt. Nur bei Werken von intrinsischem Wert wird zusätzlich das Original saniert.
Bei Werken mit SG 1 ist zu überlegen, ob man sie nicht zugunsten der raschen Entsäuerung von SG 2-Fällen zurückstellen sollte, um die stärker geschädigten, aber noch im Original erhaltbaren Bände nicht weiter verfallen zu lassen, bis sie nur mehr durch Konversion in ein Sekundärmedium gerettet werden können. Doch ist festzustellen, dass Werke mit SG 2, also mit niedrigem pH-Wert, durch die Entsäuerung oft nur eine ungenügende Anhebung des pH-Wertes erfahren, so dass keine hohe Restlebensdauer zu erwarten ist. Daher gibt die Bayerische Staatsbibliothek Werke mit SG 1 und solche mit SG 2, die noch nicht zu stark vergilbt sind, in die Entsäuerung. Werke mit SG 2, die zu SG 3 tendieren [19], werden verfilmt.
Originalerhaltung durch Entsäuerung
Entsäuerung bedeutet "die Entfernung oder Neutralisierung von sauren Substanzen, die im Material ihre schädigende Wirkung entfalten. Um den Effekt der Entsäuerung über möglichst lange Zeiträume aufrechterhalten zu können, ist die Anlage einer alkalischen Reserve notwendig. Diese Reserve soll die Neubildung von sauren Produkten oder deren Eindringen von außen abpuffern." [20] Die Entsäuerung wurde seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts als Verfahren zunächst für einzelne Blätter entwickelt, indem man Papier in Wasser tauchte, das künstlich mit Erdalkalikarbonat angereichert wurde (oder dem entsprechenden Hydroxid, das sich im Papier in Karbonat umwandelt) [21]. Da die Einzelblattbehandlung das Problem der Erhaltung der Büchermassen nicht lösen kann, wurden in den letzten Jahrzehnten Verfahren entwickelt, die für ganze, d.h. unzerlegte, Bücher geeignet sind [22]. In Deutschland sind derzeit ein Flüssigverfahren und ein Trockenverfahren verfügbar.
Ist die Entscheidung für die Entsäuerung gefallen, so muss festgelegt werden, ob das Flüssigverfahren nach Battelle [23] oder das Trockenverfahren der Firma Libertec [24] gewählt wird. Kriterien hierfür sind vor allem die Nebenwirkungen der beiden Verfahren, aber auch die Preisgestaltung.
In das Trockenverfahren (mit Magnesium-/Calciumoxid) werden folgende Werke gegeben:
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Druckwerke mit Pergament-, Leder- und Kunststoffeinbänden, Werke mit farbiger Druckgraphik, handkolorierten Zeichnungen (wegen des größeren Risikos beim Flüssigverfahren), |
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Druckwerke mit einem Gewicht von mehr als 400 g (wegen des günstigeren Preises). |
In das Flüssigverfahren (mit Magnesiumtitanethylat als Wirkstoff und Hexamethyldisiloxan als Lösungsmittel) werden gegeben:
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Druckwerke mit einem Gewicht von weniger als 400 g (günstiger wegen der Abrechnungsweise), |
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Druckwerke, deren Bearbeitung im Trockenverfahren ungewöhnlich aufwändig wäre (z. B. Bücher mit zahlreichen Falttafeln, Konvolute mit Kleinstschrifttum). |
Doch werden die vom Einband oder den Abbildungen her gefährdeten Werke nicht in das Flüssigverfahren gegeben.
Vorbereitung der Bestandserhaltungsmaßnahmen: Entsäuerung
Bei der sequentiellen Durchsicht einer Signaturengruppe werden alle Bände am Fach auf Schäden hin durchgesehen. Die für die Bestandserhaltung relevanten Daten werden auf einer Kopie des Standortkatalogs (Repertoriums) festgehalten, vor allem der SG des Papiers, aber auch eventuelle Einbandschäden, lose Blätter u.ä. Bei für die Behandlung vorgesehenen Bänden werden Bindemaßnahmen im Anschluss an die Entsäuerung durchgeführt; bei Verfilmungsfällen jedoch nur dann, wenn der Zustand des Buches die Weiterbenützung nach der Verfilmung erlaubt.
Die SG werden in Form von Ziffern in die Repertoriumskopie bei der Signatur eingetragen. So liegen an einer Stelle alle wichtigen Buchdaten in der Reihenfolge vor, wie die Bücher am Magazin stehen; man braucht nur noch die Bearbeitungssymbole hinzuzufügen. Als Kennzeichen für die Entsäuerung wird auf dem Signaturschild sowie auf der Buchdeckelinnenseite ein blauer Punkt angebracht. Ein Eintrag in einer Datenbank erfolgt nur bei unbegrenzten Fortsetzungen.
Bei der punktuellen Durchsicht aus der Benützung dienen die blauen Punkte dazu, zu markieren, welche Bände in den nicht systematisch durchgesehenen Fächern schon entsäuert wurden.
Für den Transport zu den Entsäuerungsfirmen dienen Spezialwagen von Libertec oder Drahtkörbe von Battelle sowie Kisten für das Zentrum für Bucherhaltung. Es wird ein Transportbegleitschein erstellt mit der Angabe der Anzahl der Bücher bzw. der Körbe, dem vereinbarten Preis und dem Versicherungswert der jeweiligen Charge.
Zusätzlich wird ein Einzelauftrag erteilt, der sich an dem ausführlichen Rahmenvertrag orientiert, der zwischen der Bayerischen Staatsbibliothek und der betreffenden Firma abgeschlossen worden ist.
Nach dem Rücktransport erfolgt eine Prüfung der Charge auf Vollständigkeit und Unversehrtheit der Bände. Stichprobenartig werden die zurückgekehrten Bände auf unerwünschte Nebenwirkungen sowie in Bezug auf die Anhebung des pH-Werts untersucht.
Wirkungen der Entsäuerung
Die gewünschte Wirkung ist die Neutralisierung der vorhandenen Säuren durch eine deutliche Anhebung des pH-Werts in den alkalischen Bereich und eine erhebliche Verzögerung einer Neubildung von Säuren durch Einbringung einer alkalischen Reserve. Der Anstieg des pH-Werts hängt u.a. vom Papiertyp, dem Alter und dem vorherigen Säuregehalt des behandelten Papiers ab. Die alkalische Reserve an Magnesium- bzw. Calciumkarbonat sollte deutlich höher als der neutrale Punkt 7, idealer Weise zwischen 8 und 9, liegen. Die alkalische Reserve sollte 1 bis 2% des Papiergewichts betragen [25].
Nachmessungen des pH-Werts behandelter Bücher haben in einigen Fällen ergeben, dass bei stark säurehaltigen Büchern der pH-Wert nicht einmal den neutralen Wert 7 erreicht hatte. Allerdings ist der pH-Wert nur ein Indikator für die Lebensdauer des Papiers. Wichtig ist vor allem auch die Stärke des Papiers, da dickes Papier meist eine gute Widerstandskraft gegen den Zerfall bietet.
Da eine relevante Wiederverfestigung der Zellulosefasern durch die Entsäuerung nicht erzielt wird, ist die Restlebensdauer der entsäuerten Bücher begrenzt. Die bisherige Säurewirkung wird gestoppt, der weitere Verfall verlangsamt. Die Restlebensdauer der entsäuerten Druckwerke lässt sich nur schwer prognostizieren [26].
Nebenwirkungen der Entsäuerung
Beim Flüssigverfahren können auftreten: Versprödungen von Leder und Pergament, Verwerfungen von Kunststofffolien, Verziehen von Buchdecken und Verfärben des Vorsatzes bei Graupappeneinbänden, Lösung von Klebungen, Wellungen des Buchblocks, Auslaufen von Farben vor allem bei Rot; Newtonsche Ringe bei Fotos und gestrichenem Papier.
Beim Trockenverfahren bleibt manchmal ein Überschuss an Wirkstoff als weißlicher Belag im Buch, der jedoch keine nachhaltige Beeinträchtigung darstellt. Durch zu starken Druck beim Reinigen des Buches mit Druckluft können Einrisse oder Einkerbungen am Buchschnitt entstehen [27].
Originalerhaltung durch das (maschinelle) Papierspaltverfahren
Wenn ein Werk aufgrund seines Wertes als Kulturobjekt unbedingt im Original erhalten werden soll, auch wenn das Papier schon brüchig ist, genügt die Entsäuerung nicht. Hier ist zusätzlich eine Verfestigung des Papiers erforderlich. Sie kann nur durch restauratorische Maßnahmen wie z.B. Anfasern (bei fehlenden Blattteilen), Übervliesen, durch Papierspaltung u. ä. erzielt werden.
Das Papierspalten wurde zuerst als manuelle Technik entwickelt [28]. Von Dr. Wolfgang Wächter, Zentrum für Bucherhaltung, Leipzig, und Dipl.-Ing. Ernst Becker, Firma Becker Verfahrenstechnik, Korb (bei Stuttgart), wurde Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts eine Papierspaltmaschine entwickelt [29]. Dabei mussten Maschinenabläufe gefunden werden, die für unterschiedlichste Papiersorten und Schadensbilder geeignet sind.
Der Prototyp in Leipzig umfasst eine Kaschiermaschine, eine Spaltmaschine, eine Ablöseeinheit und einen Papierschneideautomaten. In der Kaschiermaschine werden die Blätter beidseitig mit Trägermaterial beschichtet und gepresst. Die Materialbahnen in Rollenform werden mittels Leimwerken mit Klebstoff bestrichen. In der Spaltmaschine wird der in der Kaschiermaschine hergestellte Verbund aus Original-Blatt und Trägermaterialien in der Mitte gespalten. Zwischen die beiden Hälften wird ein dünnes Kernpapier [30] eingebracht und mit den Originalpapierhälften verklebt. Sodann werden die gespaltenen Blätter zur Ablösung des Trägermaterials der Ablöseeinheit zugeführt, sofern die Objekte auf der vollen Breite der Bahn (50 cm) liegen oder auf diese Breite angefasert worden sind. Nur bei schmaleren Objekten werden die Trägerpapiere derzeit noch manuell abgelöst. Das exakte Format der gespaltenen Blätter wird zuletzt mittels Programmierung durch den Papierschneideautomaten erzeugt. Das Papierspaltverfahren ist trotz gelegentlich geäußerter ästhetischer Bedenken für schwer geschädigte Papiere manchmal die einzige praktikable Methode. Aus Kostengründen ist es in der Regel nur für wertvolle Objekte realisierbar.
Da das Papierspalten einen starken Eingriff in die Papiersubstanz darstellt, wird es meist nur in extremen Fällen angewandt, z.B. bei Tintenfraß im Endstadium oder bei anderen schweren Papierschäden. Die Bayerische Staatsbibliothek hat 1999 erstmals Objekte von mittlerem intrinsischen Wert mit der beim Zentrum für Bucherhaltung installierten Papierspaltmaschine wieder verfestigen lassen. Es handelt sich um vier Bände der Album-Ausgabe der illustrierten Zeitschrift Simplicissimus. Das Ergebnis: Eine Verstärkung durch das in die Blattmitte jeweils eingefügte stabilisierende Kernpapier wird deutlich beim Berühren.
Dass das Spalten als Erhaltungsmethode nur für wenige Objekte in Frage kommt, liegt aber vor allem an den hohen Preisen. Ein Blatt Papierspaltung mit Ausbinden, Nassbehandlung, Anfasern, Sortieren und Wiederbinden kostet ca. 10 DM. Die Papierspaltung eines Bandes von 300 Seiten (= 150 Blatt) würde demnach rund DM 1500 kosten. Denselben Band zu entsäuern kostet ca. 40 DM, die Verfilmung, je nachdem ob man zwei oder drei Filmexemplare herstellen lässt, schlägt mit rund 75 DM bis 100 DM zu Buche, eine alterungsbeständige Papierkopie von 300 Seiten ist für 133 DM (einschließlich Bindung) zu haben. Als Massenverfahren kommt derzeit schon aufgrund des Preises weder das Papierspalten noch das - derzeit kommerziell noch nicht angebotene - Übervliesen [31] von brüchigem Papier in Frage. Natürlich müssen die brüchig gewordenen Originalwerke von intrinsischem Wert - zusätzlich zur Originalerhaltung- auf Mikrofilm konvertiert werden, um den Inhalt für die Zukunft zu sichern und das Original nicht weiter in die Benützung zu geben.
Originalerhaltung durch Bindemaßnahmen: Bestandsschutz/Altbindungen
Innerhalb der Abteilung Bestandserhaltung wurde 1995 auch ein eigenes Sachgebiet Altbindungen eingerichtet. Es befasst sich planmäßig mit der Reparatur oder dem Neubinden von Altbestand ab dem Erscheinungsjahr 1801 mit Ausnahme der letzten zehn Erwerbungsjahre. Die Selektion erfolgt auch hier aufgrund der systematischen Durchsicht bestimmter Fächer oder - häufiger - aufgrund punktueller Maßnahmen aus der Benützung.
Bei jedem Werk muss entschieden werden, ob es
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zur Restaurierung an das Institut für Buchrestaurierung gegeben werden muss, |
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von einer Buchbinderfirma bearbeitet werden soll, |
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in der Hausbuchbinderei bearbeitet werden kann. |
Bände von hohem intrinsischen Wert werden an das Institut für Buchrestaurierung gegeben. Neubindungen von alten ungebundenen Werken sowie umfangreiche Reparaturen werden in unserem Auftrag von speziellen Buchbindereien ausgeführt. In der Hausbuchbinderei werden nur einfache Reparaturen (Befestigen loser Blätter, Heften einlagiger Werke u. ä.) ausgeführt.
Bei zahlreichen selten benützten Werken, die bisher ungebunden am Magazin aufgehoben wurden und die später verfilmt werden sollen, verwenden wir säurefreie Schutzhüllen für die weitere Aufbewahrung, wenn die Originale nicht ausgesondert werden sollen. Auch Werke mit schützenswertem Einband sowie nicht mehr benutzbare Bücher, die derzeit noch nicht verfilmt werden können, werden mit Schutzhüllen versehen. Sie werden nach der Vorgabe der genauen Maße bei Buchbindern oder bei anderen Firmen in Auftrag gegeben. Auf die genaue Anpassung an Form und Größe des Buches wird besonderer Wert gelegt, damit die Bücher weder in die Hülle hineingezwängt werden müssen noch bei der Handhabung verrutschen können.
Sicherung des Informationsgehalts durch Herstellung von Sekundärformen
Wenn der Papierzerfall eines Werkes so weit fortgeschritten ist, dass eine dauerhafte Rettung durch Entsäuerung nicht mehr möglich ist, so erscheint als Alternative die Konversion, d.h. die Übertragung des Informationsgehalts auf ein anderes Medium: Mikrofilm, Mikrofiche, alterungsbeständige Papierkopie oder digitales Medium.
Bei den meisten Druckwerken nach 1850 geht es nicht um den Schutz des Originals, sondern um die Sicherung der Information [32]. Da der Mikrofilm die derzeit haltbarste Form der Informationssicherung ist, ist er als Sicherheitsfilm hervorragend geeignet, wenn er folgende Anforderungen erfüllt:
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eine vollständige Wiedergabe des Inhalts, |
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die strikte Einhaltung der technischen Standards zur Erzielung einer optimalen Qualität für die Lesbarkeit und die Reproduzierbarkeit, |
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die Schaffung der für die Langzeitarchivierung notwendigen Produktions- und Lagerungsbedingungen. |
Gemäß technischem Standard [33] für die Sicherheitsverfilmung lässt die Bayerische Staatsbibliothek durch Auftragsvergabe an Verfilmungsfirmen folgende Filmexemplare herstellen:
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einen Aufnahmefilm (Preservation Master) auf 35-mm-Mikrorollfilm, (in 30,5 m Länge) mit lichtempfindlicher Silberhalogenidschicht auf Polyesterunterlage mit AHU-Lichthofschutzschicht, schwarz-weiß, in negativer Wiedergabe. |
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Von diesem Film wird im Direct-Duplicating-Verfahren ein Duplizierfilm (Printing Master) auf derselben Materialbasis erstellt. |
Dieser Duplizierfilm dient als Grundlage für Benützungskopien, z.B. einen Mikrofilm in positiver Wiedergabe, eine Diazokopie oder die Konversion in einen Mikrofiche oder auch für ein digitales Medium (z.B. CD-ROM) oder eine Papierkopie.
Eine Mikroform, Silberhalogenid auf Polyester-Basis, vorschriftsmäßig hergestellt, kühl und trocken gelagert, hat gemäß künstlichen Alterungstests eine Haltbarkeit von 1000 Jahren [34].
Der Idealfall - ein stark geschädigtes Werk zu verfilmen und zugleich das Original zu sanieren - kommt aus finanziellen Gründen in der Regel nur bei wertvollen Werken in Frage.
Die allermeisten Werke nach 1840 besitzen jedoch keinen intrinsischen Wert. Sie werden daher in der Bayerischen Staatsbibliothek nach der Sicherheitsverfilmung weiterhin in die Benützung geben; diese Praxis wird auch von den meisten Benützern bevorzugt [35]. Wenn das Original nicht mehr benutzbar ist, kann man vom Printing Master eine Benützungskopie ziehen, die den bis dahin weiter entwickelten technischen Möglichkeiten entspricht. Dieses Konzept spart zunächst Kosten für die Herstellung eines Benützungsmediums. Zudem wird die Vollständigkeit des Werkes durch rechtzeitige Sicherung auf einem Mikrofilm am besten vor Beschädigungen durch Benützer geschützt.
Zeitschriften
Besondere Probleme stellen sich bei mehrbändigen Werken, insbesondere bei Zeitschriften. Wenn sie über einen längeren Zeitraum erscheinen, weisen die Jahrgänge erhebliche Unterschiede im Erhaltungszustand auf. Nach Schadenserhebungen bei rund 8000 Jahrgängen geschichtswissenschaftlicher Zeitschriften an der Bayerischen Staatsbibliothek [36] haben nur rund 30% der Jahrgänge brüchiges Papier, bedürfen also einer Verfilmung. Die Bände mit SG 1 und SG 2 können durch Entsäuerung im Original erhalten werden. Dies entspricht auch dem Grundsatz: Die Originalerhaltung ist der Sekundärformenerstellung vorzuziehen.
Die folgende Tabelle veranschaulicht die Schadensverteilung im Erscheinungsverlauf bei einer im Rahmen des DFG-Projekts "Sicherheitsverfilmung von geschichtswissenschaftlichen Periodika" verfilmten Zeitschrift [37].
Unter dem Bestandserhaltungsaspekt genügt es, diejenigen Bestandskomplexe innerhalb eines Titels, die brüchiges Papier aufweisen, zu verfilmen [38]. Dadurch kann man gegenüber der Komplettverfilmung mit denselben Mitteln etwa die dreifache Menge an wirklich geschädigten Jahrgängen sanieren. Auch hierbei können die Originalbände weiter benützt werden, so dass ein Medienbruch vermieden wird. Kopien können vom Printing Master oder vom Original per Bookscanner gezogen werden.
TIN = Titelnummer WI = Wichtigkeit des Inhalts SY = Herkunftsland Sign. = Signatur Jg. = Jahrgang JGE = Jahrgangs-Ergänzung E'jahr = Erscheinungsjahr EJE = Erscheinungsjahr-Ergänzung SG = Schadensgrad (Vgl. "Kriterien zur Ermittlung ...") Umfang = gezählte und ungezählte Seiten zusammen, d.h. alle zu verfilmenden Seiten Ft 1 = Falttafeln, waagrecht gefaltet, genauso hoch wie das Buch Ft 2 = Falttafeln, waagrecht und senkrecht, oder nur senkrecht gefaltet, höher als das Buch Reg. = Register RH = Rückenhöhe
Organisation von Verfilmungsmaßnahmen: Vor- und Nachbereitung
Zunächst sollte durch Recherchen in EROMM [39], Guide to Microforms in Print u.ä. festgestellt werden, ob das Werk bereits als Mikroform oder Reprint anderswo verfügbar ist, um Mehrfachverfilmungen des gleichen Titels zu vermeiden. Grundsätzlich sollte von jedem Werk innerhalb Deutschlands (im Idealfall weltweit) nur ein Preservation Master und ein Printing Master hergestellt werden. Von letzterem könnten dann beliebig Arbeitskopien gezogen werden. Dies setzt allerdings ein inhaltlich vollständiges Exemplar und technisch einwandfreie Masterfilme voraus.
Es erfolgt eine Kollation des Werkes zur Feststellung von fehlenden Teilen (Blätter, Abbildungen, Hefte, Bände), um diese aus anderen Bibliotheken zu ergänzen. Anstreichungen oder handschriftliche Bemerkungen werden entfernt [41] einbelichtet. Dazu zählen u.a. die Filmsignatur, die Besitzerangabe, Herstellungsdaten (Filmtyp, Verkleinerungsfaktor, Bildlage, Aufnahmedatum, Verfilmungsfirma, ein Testbild mit Zeichen verschiedener Größe zur Ermittlung der Lesbarkeit), weiterhin - bei mehreren Druckwerken auf einem Film - Zähltargets in der Reihenfolge der aufgenommenen Werke, auch Signatur und Titelaufnahme des Originals, gegebenenfalls Band-Targets. Bei der Herstellung von Sicherheitsfilmen wird auf optimale Qualität hinsichtlich Vollständigkeit, Lesbarkeit, Reproduzierbarkeit und Haltbarkeit geachtet [42]. Eine entsprechende Qualitätskontrolle (z.B. auf Vollständigkeit, technische Merkmale wie die normgerechte Hintergrunddichte u.ä.) wird nach der Verfilmung von der Abteilung Bestandserhaltung durchgeführt.
Die Katalogisierung der verfilmten Werke nach RAK-WB sowie den MAB-2-Kategorien für Sekundärformen wird für BVB-KAT- bzw. bei Zeitschriften für die ZDB - ebenfalls von der Abteilung Bestandserhaltung durchgeführt. Die Meldung der verfilmten Titel an die Datenbank EROMM ist bisher aufgrund von datentechnischen Übertragungsproblemen (beim Übergang von der ZDB) noch nicht erfolgt.
Ein großes Problem stellt die arbeitsintensive Vorbereitung der Verfilmung dar. Alle Arbeitsgänge von der Selektion über die Kollation, die Targeterstellung und die Vorbereitung des Verfilmungsprotokolls eines 300-Seiten-Buches dauern ca. 45 Minuten, wobei der Fachkraftanteil auf rund 15 Minuten, der Hilfskraftanteil auf 30 Minuten entfällt. Diese Aufgabe lässt sich angesichts des knappen Stammpersonals nur durch den Einsatz von Hilfskräften auf Zeit, die intensiv angelernt werden, bewältigen.
Papierkopie
Eine alterungsbeständige Papierkopie oder ein Reprint sind die, wenngleich teurere, Alternative zum Mikrofilm. Papierkopien sind ohne technische Geräte zu benützen und werden daher oft bevorzugt. Sie bieten sich vor allem bei häufig benützten Beständen an. In der Bayerischen Staatsbibliothek werden sie für vielbenützte Nachschlagewerke des Allgemeinen Lesesaals und der Sonderlesesäle hergestellt. Da die Langzeitbeständigkeit der Verbindung von Toner und Papier nicht hinreichend geklärt ist, kann eine Verbindung von Mikrofilm (als Sicherheitsmedium) und Benützungsmedium, entweder als Papierkopie oder als digitales Medium, z.B. CD-ROM, vorteilhaft sein [43]. Die digitale Form eignet sich vor allem für die punktuelle Benützung bei Lexika u.ä., während für längere sequentielle Lektüre die Papierform günstiger ist.
Digitale Medien
Als Langzeitspeicher sind digitale Medien derzeit erst in der Erprobung [44]. Da aufgrund der geringen Haltbarkeit digitaler Informationsträger wie CD-ROM, DVD, vor allem aber wegen der sehr kurzen Verfallszeiten der Hard- und Software, diese in wenigen Jahren nicht mehr gelesen werden können, müssen Wege zu ihrer Langzeitsicherung gefunden werden. Wird Digitalisierung nicht primär zum Zweck des leichteren Zugangs zur Information, sondern zum Schutz seltener und wertvoller, auch schwer handhabbarer Materialien wie Handschriften, Inkunabeln oder Karten verwendet, sollte sie entsprechend hohen Qualitätsanforderungen genügen, um dem Benützer alle auf dem Original sichtbaren Informationen zu bieten. Soll die Digitalisierung zusätzlich die Funktion der Langzeitsicherung erfüllen, d.h. im Extremfall die Vorlage ersetzen, so müssen besondere technische und organisatorische Maßnahmen getroffen werden [45]. In der Bayerischen Staatsbibliothek wird die Digitalisierung zum Schutz wertvoller Bestände (z.B. für illustrierte Inkunabeln) und zur leichteren Zugänglichkeit häufig gefragter Bestände eingesetzt, nicht jedoch als Mittel der Bestandserhaltung von Printmedien.
Ausblick
Bestandserhaltung hat es nicht nur mit großen Mengen von gefährdeten Werken aus der Epoche des Papierzerfalls zu tun, sondern ist auch ein Wettlauf mit der Zeit [46]. Da - schon aufgrund der Größenordnungen und der begrenzten Finanzmittel - keine große Bibliothek die komplexe Problematik allein lösen kann, bedarf es bei dieser "integrativen Managementaufgabe", wie Hermann Leskien [47] formuliert, eines planvollen, methodisch differenzierten, raschen und koordinierten Vorgehens. Dringend notwendig ist eine arbeitsteilige Kooperation zwischen den Bibliotheken, aber auch zwischen Bibliotheken und Archiven. Zudem sollen über die bisher verfügbaren Mittel der Unterhaltsträger hinaus auch Drittmittel durch Fundraising eingeworben werden.
Für den Bereich der Sicherheitsverfilmung wurden erste Schritte durch ein Symposion begründet, das unter dem Titel "Strategien der Bestandserhaltung. Kooperation versus Einzelstrategie" von der Bayerischen Staatsbibliothek unter Mitwirkung der Bayerischen Versicherungsbank AG und der Bertelsmann Buch AG am 13. und 14. März 2001 in Unterföhring bei München stattfand [48]. Dort wurde auf Vorschlag von Dr. Antonius Jammers, Generaldirektor der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, die Gründung einer Allianz der Archive und Bibliotheken der Bundesrepublik Deutschland beschlossen. In der Gründungsversammlung am 17. Mai 2001 in Berlin, bei der sich Vertreter von zehn Institutionen trafen, wurde Dr. Hermann Leskien, Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek, zum ersten Vorsitzenden dieser Allianz gewählt. Als wichtigste Aufgabenfelder wurden benannt: die kooperative Sicherheitsverfilmung mit arbeitsteiliger Schwerpunktbildung, die Sicherung des national wertvollen Kulturgutes durch Verfilmung und die Erarbeitung eines Konzepts für eine bundesweite, professionell unterstützte Öffentlichkeitsarbeit und für Fundraisingaktivitäten.
Es ist zu hoffen, dass durch diese Bündelung der Kräfte Synergieeffekte entstehen, die zu einer effizienten und effektiven Praxis bei der Erhaltung der gefährdeten Bestände schriftlicher Überlieferung in Deutschland führen.
Anmerkungen |
| [1] |
Dieses Papier ist seit ca. 1840 bis in die letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts im Gebrauch für die Buch-, Zeitschriften- und Zeitungsproduktion. Die Literatur zu dem Problem des Papierzerfalls ist in den letzten Jahren im Wachsen begriffen. Hier seien nur einige Werke, meist Aufsatzsammlungen, angeführt: Dauerhaftigkeit von Papier. Hrsg. von Helmut Bansa u. a. Frankfurt am Main 1980 (Internationaler Graphischer Restauratorentag <4., 1979, Bückeburg>) (Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie Sonderheft 31). - Bestandserhaltung in Archiven und Bibliotheken. Hrsg. von Hartmut Weber. Stuttgart 1992 (Werkhefte der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg. Serie A. Landesarchivdirektion 2). - Mann, Maria: Bestandserhaltung in wissenschaftlichen Bibliotheken: Verfahren und Maßnahmen zur Rettung der vom Papierzerfall bedrohten Bibliotheksbestände. Eine Studie der Bayerischen Staatsbibliothek im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Berlin 1994 (dbi-Materialien 135). - Bestandserhaltung: Herausforderung und Chancen. Hrsg. von Hartmut Weber. Stuttgart 1997 (Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg 47). - Wettlauf mit der Zeit: Bestandserhaltung in wissenschaftlichen Bibliotheken / Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz. Wiesbaden 1998 (Beiträge aus der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz 8). - A Reader in Preservation and Conservation. Comp. and ed. by Ralph W. Manning and Virginie Kremp. München 2000 (IFLA Publications 91).  |
| [2] |
Weber, Hartmut: Bestandserhaltung als Fach- und Führungsaufgabe. In: Bestandserhaltung in Archiven und Bibliotheken (siehe Anm.1), S. 135-155, hier S. 136.  |
| [3] |
Usemann-Keller, Ulla: Bestandsschäden in deutschen Bibliotheken. In: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie 36 (1989) 2, S. 109-123.  |
| [4] |
Empfehlungen der Kultusministerkonferenz zur Erhaltung der vom Papierzerfall bedrohten Bibliotheksbestände. In: Bibliotheksdienst 28 (1994) 4, S. 479-493.  |
| [5] |
Da vor allem Temperaturschwankungen die Alterung beschleunigen, ist eine Annäherung der Magazintemperatur an die Lesesaaltemperatur besser als Klimaschwankungen zwischen Magazin und Benützungsräumen.  |
| [6] |
Erhaltung, Archivierung und Aussonderung von Druckschriften in Bayern: Empfehlungen im Auftrag der Generaldirektion der Bayerischen Staatlichen Bibliotheken hrsg. von Hermann Leskien. Berlin: Deutsches Bibliotheksinstitut 1998 (dbi-Materialien 174).  |
| [7] |
Zur Archivierungs- und Erhaltungswürdigkeit von Bibliotheksbeständen "in ihrer ursprünglichen, authentischen Form" vgl. auch Brinkhus, Gerd: Originalerhaltung um welchen Preis? In: Bibliotheksdienst 34 (2000) 5, S. 726-736, hier: S. 727-729 und 732-735.  |
| [8] |
Der intrinsische Wert ist der Wert eines Werkes als Kulturobjekt, d. h. der "Mehrwert" gegenüber seinem bloßen Informationsgehalt. - Vgl. dazu: Menne-Haritz, Angelika und Nils Brübach: Der intrinsische Wert von Archiv- und Bibliotheksgut: Kriterienkatalog zur bildlichen und textlichen Konversion bei der Bestandserhaltung. Ergebnisse eines DFG-Projektes. Marburg 1997 (Veröffentlichungen der Archivschule Marburg. Institut für Archivwissenschaft 26).  |
| [9] |
Vgl. Leskien (Anm.6).  |
| [10] |
Vgl. Leskien (Anm. 6), S. 31.  |
| [11] |
KMS XII/10-K 3400 - 12/16077 vom 21. Juli 1998. In: Bibliotheksforum Bayern 26 (1998) 2, S. 194-199.  |
| [12] |
Deutsche Forschungsgemeinschaft. Weiterentwicklung der überregionalen Literaturversorgung: Memorandum. In: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie 45 (1998) 2, S. 135-164.  |
| [13] |
Die BSB verfügt derzeit über rund 7,6 Millionen Bände. Nach den bisherigen Teilerhebungen wurde ermittelt, dass ca. 3,4 Millionen Bände, d.h. 45% des Gesamtbestandes, vom Papierzerfall betroffen sind. Für die Hälfte käme die Entsäuerung, für die andere Hälfte nur mehr die Verfilmung in Frage. Dies würde Kosten in Höhe von rund 138 Millionen DM verursachen.  |
| [14] |
Zwar gibt es auch vor 1840 und nach 1970 industriell hergestelltes, säurehaltiges Papier, doch in wesentlich geringerem Umfang, weswegen wir den kritischen Zeitraum durch die Jahre 1840 und 1970 begrenzt haben.  |
| [15] |
Unger, Helga: Verfilmung musikwissenschaftlicher Zeitschriften der Bayerischen Staatsbibliothek: Ein Förderprojekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft. In: Bibliotheksdienst 31 (1997) 10, S. 1933-1941.  |
| [16] |
"Kooperative Verfilmung mit der Harvard University Library auf den Gebieten der mittel- und westeuropäischen Lokalgeschichte sowie der slawischen Geschichte und Kultur" (1996-1998).  |
| [17] |
"Sicherheitsverfilmung von Periodika aus dem Sondersammelgebiet Geschichte" (1999-2001).  |
| [18] |
Der Massenentsäuerung dienen Verfahren , die für die Behandlung unzerlegter Bücher (d.h. ohne Ausbinden des Buchblocks) geeignet sind. Vgl. dazu Bansa, Helmut: Massenneutralisierung von Bibliotheks- und Archivgut. In: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie 46 (1999) 2, S.127-145. - Über das Flüssigverfahren, das Magnesiumtitanethylat als Wirkstoff und Hexamethyldisiloxan als Lösemittel verwendet (sog. deutsches MMC-Verfahren, von den Firmen Battelle Ingenieurtechnik GmbH, Eschborn, und Zentrum für Bucherhaltung GmbH, Leipzig, angewandt) informiert ausführlich: Wächter, Wolfgang: Bücher erhalten, pflegen und restaurieren. Stuttgart 1997, S. 145-212.  |
| [19] |
Kriterium: Beim dreifachen Eckfalztest kehrt das Papier nicht mehr in seine Ausgangslage zurück.  |
| [20] |
Zitiert nach Wächter, Wolfgang: Bücher erhalten, pflegen, restaurieren. Stuttgart 1997, S. 145f.  |
| [21] |
Vgl. Bansa (Anm. 18), S. 129.  |
| [22] |
Vgl. Bansa (Anm. 18), S. 130-132. Zu den verschiedenen Verfahren vgl. Porck, Henk J.: Mass deacidification. Amsterdam: European Commission an Preservation and Access; Washington: Commission an Preservation and Access 1996. - Mann, Maria: Bestandserhaltung in wissenschaftlichen Bibliotheken. Berlin: Deutsches Bibliotheksinstitut 1994 (dbi-Materialien 135), S. 26-48.  |
| [23] |
Es wird in Deutschland von den Firmen Battelle Ingenieurtechnik GmbH, Eschborn, sowie vom Zentrum für Bucherhaltung GmbH, Leipzig, angeboten.  |
| [24] |
Von der Firma Libertec, Nürnberg, wurde das Trockenverfahren mit Magnesiumoxid entwickelt. Die Trocken-Variante des Zentrums für Bucherhaltung, das sog. Dolomitverfahren, ist derzeit noch nicht im seriellen Einsatz. Daher verfügt die BSB noch über keine diesbezüglichen Erfahrungen.  |
| [25] |
Zur Evaluierung vgl. Porck (Anm. 22), S. 11-15.  |
| [26] |
Künstliche Alterungstests, wie sie z.B. vom Zentrum für Bucherhaltung durchgeführt wurden, haben eine Vervierfachung der Lebensdauer gegenüber unbehandeltem Papier - allerdings unter Laborbedingungen - ergeben. Vgl. Liers, Joachim und Beat Vogelsanger: Das Massenentsäuerungsverfahren in der Deutschen Bibliothek. In: Das Papier 51 (1997) 3, S. 118-126; hier: S. 125.  |
| [27] |
Zur Entsäuerungspraxis an der Bayerischen Staatsbibliothek vgl. Unger, Helga: Erfahrungen der Bayerischen Staatsbibliothek mit der Massenentsäuerung (Battelle- und Libertec-Verfahren). Vortrag, gehalten bei der European Conference an "Mass Deacidification in Practice", veranstaltet von der European Commission an Preservation and Access 17. - 18. Oktober 2000 in Bückeburg. - Zu den Nebenwirkungen vgl. auch Bansa, Helmut: Massenneutralisierung - Wirkungen und negative Nebenwirkungen. Vortrag, gehalten bei der European Conference an "Mass Deacidification in Practice", Bückeburg 17. - 18. Oktober 2000.  |
| [28] |
Vgl. Wächter, Wolfgang: Bücher erhalten, pflegen und restaurieren. Stuttgart 1997, S. 103-132.  |
| [29] |
Das Zentrum für Bucherhaltung war 1993/94, als die Papierspaltmaschine gebaut wurde, noch eine Abteilung der Deutschen Bibliothek/Deutschen Bücherei Leipzig. Vgl. dazu: "Die Papierspaltanlage macht Bücher und Schriften wieder gebrauchsfähig." Statusbericht der Becker-Verfahrenstechnik zum Forschungsvorhaben "Bau und Erprobung eines Prototyps zur automatisierten Restaurierung von geschädigtem Bibliotheks- und Archivgut nach dem Papierspaltverfahren." (Oktober 1993. Interner Bericht). - Wächter, Wolfgang, Joachim Liers und Ernst Becker: Paper Splitting at the German Library Leipzig. In: Restaurator 17 (1996) S. 32-42.  |
| [30] |
Japanpapier, oft angereichert mit Calciumkarbonat.  |
| [31] |
Vgl. dazu Bansa, Helmut und Ritsuko Ishii: What fiber for paper strengthening? In: Restaurator 20 (1999) S. 198-224.  |
| [32] |
Geschädigte Bücher mit säurehaltigem Papier werden durch die Verfilmung auch dann nicht wirksam geschützt, wenn sie nicht mehr ausgeliehen werden, da der endogene Papierzerfall weiterhin fortschreitet. Vgl. Trapp, Claus-Michael: Sicherung des geistigen Erbes: neue Wege der Bestandserhaltung an der Bayerischen Staatsbibliothek. In: BSB-Hausmitteilungen 1999, Nr. 60, S. 18-21; hier S. 18.  |
| [33] |
Die DIN-Normen sind aufgeführt bei Hohoff, Ulrich: Mikroformen in wissenschaftlichen Bibliotheken. Berlin: Deutsches Bibliotheksinstitut 1991 (dbi-Materialien 111), S. 220. - Für die von ihr geförderten Verfilmungsprojekte hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft in ihrem "Förderprogramm zur Erhaltung gefährdeter Bibliotheksbestände" auch "Praktische Hinweise zur Erhaltung gefährdeter Bibliotheksbestände" erlassen: Anhang B "Technische Anforderungen" über Filmmaterial, Filmlänge, Aufnahmeverfahren und -qualität sowie die im Vor- und Nachspann einzubelichtenden Metadaten.  |
| [34] |
Weber, Hartmut: Verfilmen oder Instandsetzen? Schutz- und Ersatzverfilmung im Dienste der Bestandserhaltung. In: Bestandserhaltung in Archiven und Bibliotheken. Hrsg. von Hartmut Weber. Stuttgart 1992 (Werkhefte der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg, Serie A, 2), S. 91-133; hier: S. 116-120. - Zur Herstellung von Mikroformen: Manual of archival reprography. Ed. by Lajos Körmendy. München u.a. 1989 (ICA Handbooks Series 5).  |
| [35] |
Dies gilt selbstverständlich nicht für Werke von intrinsischem Wert, die, auch wenn sie brüchig sind, im Original erhalten werden sollen.  |
| [36] |
Die Erhebung erfolgte im Rahmen eines DBI/DFG-Projekts: Sicherheitsverfilmung der Zeitschriften in deutschen Bibliotheken. Deutsches Bibliotheksinstitut. Berlin: Deutsches Bibliotheksinstitut 1998 (dbi-Materialien 173; Schriften der Deutschen Foschungsgemeinschaft). Das zugrunde liegende DFG-Förderprojekt war die "Entwicklung einer Konzeption zur Sicherung der Periodikabestände in deutschen Bibliotheken." Die BSB untersuchte in diesem Rahmen einen Teil der verfilmungswürdigen Zeitschriften ihres Sondersammelgebietes Geschichte (Allgemeines, Geschichte Deutschlands, Osterreichs, der Schweiz, Italiens, Osteuropas).  |
| [37] |
Nach der Verfilmungspraxis der BSB hätte es genügt, die Jahrgänge mit SG 3 (= brüchiges Papier) zu verfilmen; die Jahrgänge mit SG 1 und SG 2 , die leichte oder starke Vergilbung aufweisen, hätten entsäuert werden können. Für die Jahrgänge mit SG 0 hätte sich unter dem Bestandserhaltungsaspekt eine Maßnahme erübrigt. - Im Falle der von der DFG finanzierten Sicherheitsverfilmung geschichtswissenschaftlicher Periodika wurden, gemäß deren Richtlinien für die Sicherheitsverfilmung, jedoch alle Jahrgänge komplett verfilmt.  |
| [38] |
Zu der gesamten Problematik vgl. Trapp (Anm. 32), S. 18-21.  |
| [39] |
EROMM = European Register of Microform Masters; die deutsche Niederlassung der Datenbank für Mikroformen europäischer, teilweise auch amerikanischer Bestände ist bei der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen angesiedelt. Vgl. dazu Schwartz, Werner: European Register of Microform Masters (EROMM) supporting international cooperation. Amsterdam: European Commission an Preservation and Access 1996.  |
| [40] |
Natürlich sind Anstreichungen oder Bemerkungen des Autors oder prominenter Benutzer ausgenommen.  |
| [41] |
Targets sind einzubelichtende Informationen (Metadaten), die zum Verfilmungsinhalt hinzutreten. Sie sind auf DIN A 4-Blätter in einer Schriftgröße von mindest 40 pt. mittels PC zu schreiben, damit die Texte auf dem Film ohne Lesegerät gelesen werden können. - Zur Erstellung von Targets vgl. Trapp, Claus-Michael: Theorieentwicklung und Praxis der Bestandserhaltung an der Bayerischen Staatsbibliothek. In: Werkstatttage für Bestandserhaltung Görlitz 6. - 7. Juni 2000, Landesstelle für Bestandserhaltung an der Sächsischen Landesbibliothek Dresden (Interne Dokumentation der Beiträge).  |
| [42] |
Zu den Anforderungen an die Mikroverfilmung vgl. Weber (Anm. 34), S. 103-120.  |
| [43] |
Es gibt Hybridgeräte, die gleichzeitig einen Mikrofilm und ein digitales Medium herstellen können.  |
| [44] |
Dörr, Marianne und Hartmut Weber: Digitalisierung als Mittel der Bestandserhaltung? In: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie 44 (1997) 1, S. 53-76.  |
| [45] |
Zu den drei Arten der Langzeitsicherung digitaler Medien - Migration, Emulation und Konversion - vgl. Weber, Hartmut: Digitalisierung und Bestandserhaltung. In: Wettlauf mit der Zeit. (Anm. 1), S. 37-50, hier: S. 44-50; auch Weber, Hartmut: Langzeitspeicherung und Langzeitverfügbarkeit digitaler Konversionsformen. In: Digitale Archive und Bibliotheken. Hrsg. von Hartmut Weber und Gerald Maier. Stuttgart 2000 (Werkhefte der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg, Serie A 159), S. 325-342.  |
| [46] |
Vgl. den Sammelband: Wettlauf mit der Zeit (Anm.1).  |
| [47] |
Leskien, Hermann: Konzeption bestandserhaltender Maßnahmen und Geschäftsgänge. In: Bibliothek. Forschung und Praxis 20 (1996) S. 253-256; hier: S. 253; ähnlich auch in: Leskien, Hermann: Bestandserhaltung, Archivierung und Aussonderung als Managementaufgabe. In: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie. Sonderheft 89. Deutscher Bibliothekartag Freiburg i. Br. 1999, S. 257-268.  |
| [48] |
Vgl. dazu Schmidt, Wilhelm R.: Münchner Symposion zur bibliothekarischen Bestandserhaltung - Gründung einer Allianz zur Erhaltung von Kulturgut in Deutschland. In: ABI-Technik 21 (2001) 2, 5.148-151. - Unger, Helga: Symposion "Strategien der Bestandserhaltung". In: Bibliotheksforum Bayern 29 (2001) 1, S. 66-70. - Dies.: Strategien der Bestanderhaltung - Kooperation versus Einzelstrategie. Unterföhring 13.-14. März 2001. In: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie 48 (2001) 3, S. 303-306.  |
| Zur Autorin: |
| Dr. Helga Unger, Leiterin der Abteilung Bestandserhaltung an der Bayerischen Staatsbibliothek München von 1995 bis 2002 |
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| Zum Artikel: |
Vormals erschienen in: Bayerische Staatsbibliothek (Hrsg.): Bibliotheksforum Bayern, Jahrgang 29 (2001) 2, S. 105-126
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