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Was sich vorbeugend gegen zerfallende Bücher tun lässt
Schreiben der Universitäts- und Landesbibliotheken Bonn, Düsseldorf und Münster an alle Verlage und Selbstverlage in Nordrhein-Westfalen

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Die Landesbibliotheken in Bonn, Düsseldorf und Münster


An alle
Verlage und Selbstverlage
in Nordrhein-Westfalen
Von sauren Papieren, und was sich vorbeugend gegen zerfallende Bücher tun lässt

Seit einigen Jahren berichten die Medien immer häufiger über Papierzerfall als Folge des seit etwa 150 Jahren beim Buchdruck vorherrschenden "sauren Papiers". Völlig zu Recht wird auf die Gefahr hingewiesen, dass dadurch die Buch- und Zeitschriftenproduktion schon unserer Großeltern und Eltern in wenigen Jahren zum größten Teil verloren sein dürfte. Einzelrestaurierung ist angesichts der Millionen geschädigter Bände zu teuer. Auch die neuen Massenentsäuerungsverfahren verschlingen viel Geld, zudem stoppen sie nur den Verfall, machen ihn aber nicht rückgängig. Die Überführung in ein neues Medium (Mikrofilm, elek-tronische Speicherung usw.) rettet zwar für eine gewisse Zeit die Information, opfert aber den ursprünglichen Informationsträger Buch und damit einen wesentlichen Teil der historischen Überlieferung.

Das Schlimmste jedoch ist, dass wir auch heute noch ganz überwiegend auf Papieren drucken, die in zwei bis drei Generationen genauso zerfallen werden wie jetzt die vor fünfzig oder mehr Jahren hergestellten Papiere. Dabei wird seit Jahren Papier verschiedener Art und Quali-tät angeboten, das garantiert alterungsbeständig ist und damit der deutschen DIN-ISO-Norm oder sogar der strengeren amerikanischen ANSI-NISO-Norm entspricht. Sehr erfreulich ist, dass dieses alterungsbeständige Papier kaum teurer ist als sauer reagierendes Papier. Ein gro-ßer deutscher Taschenbuch-Verlag druckt seit einigen Jahren seine gesamte Produktion auf al-terungsbeständigem Papier, im Bewusstsein, dass auch Unterhaltungsliteratur keine Weg-werfware ist. Gleiches gilt erst recht für die wissenschaftliche Literatur, aber auch z. B. für Kinderbücher oder Heimatschrifttum.

Als Landesbibliotheken in Nordrhein-Westfalen können wir unsere Aufgabe, das im Lande erscheinende Schrifttum auch künftigen Generationen zu erhalten, nur erfüllen, wenn grundsätzlich auf alterungsbeständigem Papier gedruckt wird. Bitte, helfen Sie dabei mit, und ver-merken Sie dies auch auf der Rückseite des Titelblattes Ihrer Publikation. Sie setzen damit ein Zeichen, das der Käufer zunehmend schätzen wird und das andere zur Nachahmung reizt.

Übrigens: Die Deutsche Nationalbibliographie kennzeichnet in ihren Verzeichnissen alle Publikationen, die angeben, dass sie auf dauerhaftem Papier gedruckt sind, mit dem Zeichen für "Unendlichkeit", einer liegenden 8 im Kreis. Auch das kann als Empfehlung, ja Werbung angesehen werden.

Die Begriffsverwirrung in den Medien, bei Politikern, aber nicht selten sogar bei Bibliothekaren und Verlegern ist heute so groß, dass ausdrücklich darauf hingewiesen werden muss, was mit Alterungsbeständigkeit von Papier nichts zu tun hat:

1. "Ohne Chlor gebleichtes Papier". Es ist zum Schutz unserer Umwelt sehr wichtig, die Chlorbleiche durch umweltverträgliche Verfahren zu ersetzen. Doch die saure Reaktion und damit der Zerfall des Papiers beruhen auf völlig anderen Faktoren, vor allem der Masseleimung des Papierbreis unter Zusatz von Alaun und bestimmten Holzinhaltsstoffen bei holzschliffhaltigen Papieren. Erforderlich ist also alterungsbeständiges Papier, das außerdem möglichst chlorfrei gebleicht sein sollte.
2. Leider sind Recyclingpapier und Alterungsbeständigkeit zur Zeit noch sich ausschließende Gegensätze. Das ist leicht einzusehen, wenn man bedenkt, dass bereits das wiederzuverwendende Altpapier meist sauer ist und jede Wiederaufbereitung die Papierfasern deutlich verkürzt, was die Festigkeit des Papiers zusätzlich herabsetzt. Recyclingpapier ist also kein dauerhaftes Buchdruckpapier. Dennoch sind seine Einsatzgebiete vielfältig: vom Zeitungs- und Prospektdruck bis zu Papieren und Pappen für die Verpackung.

Wir hoffen, dass diese sehr kurzen Hinweise nicht nur auf Ihr Interesse gestoßen sind, sondern Sie darüber hinaus bestärkt haben, durch die konsequente Verwendung von alterungsbeständigem Papier die primäre Voraussetzung zu schaffen, dass auch künftige Generationen noch die Möglichkeit haben, die von Ihnen verlegten Zeitschriften und Bücher in Händen zu halten und zu lesen.
 

Ihre Ansprechpartner in den Nordrhein-Westfälischen Landesbibliotheken sind:

Für die Regierungsbezirke Arnsberg, Detmold und Münster:

Universitäts- und Landesbibliothek Münster
Pflichtexemplarstelle, Tel. 0251-83-2 40 44
Krummer Timpen 3-5, 48143 Münster
Postfach 8029, 48043 Münster

 

Für den Regierungsbezirk Düsseldorf:

Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
Pflichtexemplarstelle, Tel. 0211-8 11-29 04
Universitätsstraße 1, Gebäude 24.41
40225 Düsseldorf

 

Für den Regierungsbezirk Köln:

Universitäts- und Landesbibliothek Bonn
Pflichtexemplarstelle, Tel. 0228-73-74 04
Adenauerallee 39-41, 53113 Bonn
Postfach 2460, 53014 Bonn

 



Geschäftsstelle:
Universitäts- und Landesbibliothek Münster
Krummer Timpen 3-5, 48143 Münster
E-mail: office@forum-bestandserhaltung.de