In DIN-ISO 9706 und in den nationalen Normen für alterungsbeständiges Papier sind - neben bestimmten Festigkeitswerten, die mehr für die Verarbeitung des Papiers als für seine Alterungsbeständigkeit von Bedeutung sind - folgende Kriterien als entscheidend für die Alterungsbeständigkeit herausgestellt:
Die neutrale bzw. alkalische Fahrweise gilt nach heutigem Kenntnisstand als wichtigster und vielleicht entscheidender Faktor für alterungsbeständiges Papier. Er beruht auf dem Naturgesetz, dass der wichtigste Abbauvorgang für organische Hochpolymere wie Cellulose, den Hauptbestandteil des Papiers, die von Säure katalysierte Hydrolyse ist.
Eine besondere Bedeutung kommt diesem Faktor auch deshalb zu, weil er kostenneutral ist: die alkalische Fahrweise bei der Papierproduktion ist prinzipiell nicht teurer als die herkömmliche Säure unter Einsatz von Alaun.
Beim Einsatz verholzter Fasern ist die Menge von Bedeutung. So gelten z. B. in DIN 827 bei der Angabe des Gehalt an verholzten Fasern 5% als zulässige Abweichung. Ein gewisser Gehalt an verholzten Fasern kann für bestimmte Gebrauchseigenschaften (Opazität) von Bedeutung sein. Der Verzicht auf verholzte Fasern ist nicht kostenneutral; die normalen Holzschliffqualitäten sind der billigste Faserrohstoff der Papierindustrie.
Neben diesen beiden Faktoren, nämlich Herstellung im alkalischen Bereich mit Füllstoff Erdalkalicarbonat und Verzicht auf verholzte Fasern, werden in Fachkreisen noch andere als bedeutsam für die Alterungsbeständigkeit von Papier diskutiert, z. B. optische Aufheller, Kunststoffbinder für gestrichene Papiere oder als Veredlungsmittel, Faserqualität, u.a.m. Über das Gewicht dieser Faktoren ist derzeit keine eindeutige Aussage möglich. Als generelle Regel kann gelten, dass in der Papierherstellung bei jedem neuen Stoff, dessen Alterungsverhalten nicht, wie das der klassischen Papierrohstoffe, in jahrhunderterlanger Bewährung erwiesen ist, die Frage nach dem Einfluss auf die Alterungsbeständigkeit des fertigen Produkts gestellt werden muss: zunächst und zumindest in theoretische Überlegung zu den denkbaren chemischen Vorgängen, denen dieser Stoff ausgesetzt sein und die von ihm ausgehen können, auf Dauer und in Zweifelsfällen auch durch eingehende Untersuchung nach fundierter wissenschaftlicher Methode, nämlich durch die Messung der Veränderungen, die bestimmte, ein Papier als alterungsbeständig charakterisierende Eigenschaften durch beschleunigte Alterung erfahren, im Vergleich zu den gleichen Eigenschaftsveränderungen eines unzweifelhaft alterungsbeständigen Standardpapiers.
Es wird deshalb Bibliotheken, Autoren und Herausgebern empfohlen, sich bei der Bestellung von alterungsbeständigem Papier vom Hersteller oder Händler das Zutreffen der technologischen Wertvorstellungen der Norm DIN-ISO 9706 mit Bezug auf das Produkthaftungsgesetz zusichern zu lassen. Einen entsprechenden Formulierungsvorschlag finden Sie hier. Weil dem so ist, hat die Kommission für Bestandserhaltung des DBI die "Liste von Herstellern neutral- bzw. alkalisch geleimter, holzfreier und in diesem Sinne alterungsbeständiger Papiere entsprechend DIN ISO 9706" erarbeitet und im Frühjahr 1998 in 5. Auflage veröffentlicht.
Mittlerweile verwenden alle relevanten Verlage Papier dieser Güterklasse. Bei den Klein-und Selbstverlagen ist es sinnvoll, sich als Autor oder Herausgeber diese Güteklasse bestätigen zu lassen.
Ein Formular für diese Qualitätsgarantie finden Sie hier.